Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Ende eines Verlustes

Noch gut habe ich die Worte des sächsischen Bildungsministers Steffen Flath in Erinnerung, die er zur Cranzahler Glockenweihe äußerte. Er sprach davon, dass Glocken uns Menschen eine wichtige Orientierung (räumlicher und zeitlicher Art) geben. Er betonte, dass auch wir Menschen des 21. Jahrhunderts diese Orientierungshilfe dringend benötigen.

Auch sind mir die Gedanken von RaJü in der Dezemberausgabe des Crottendorfer Anzeigers noch in den Gedanken lebendig. „Solange es da war, das Läuten, war es ein Geräusch des Alltages, was ich unbewusst wahrgenommen habe, doch jetzt, da es still ist, fehlt mir der Klang der Glocken sehr…“ Viele Crottendorfer haben mir immer wieder gesagt, dass ihnen etwas fehlt.

Obgleich seit der Glockenabnahme am 3. August 2006 viel Zeit vergangen ist und auch wenn viele nicht direkt das Baugeschehen am Turm der Heiligen Dreifaltigkeitskirche verfolgen konnten, so haben wir doch seitdem intensiv daran gearbeitet, dass die Glocken bald wieder erklingen.

Die Glocken mussten wir im vergangnen Jahr aus drei Gründen vom Turm nehmen. 1. War klar, dass der alte stählerne Glockenstuhl durch einen Holzglockenstuhl ersetzt werden musste. 2. Brauchten wir in der Glockenstube Platz für wichtige Sanierungsmaßnahmen im Turm.  3. Störte das Gewicht der Glocken bei den Zimmermannsarbeiten am Turmfuß.

Ursprünglich war geplant, dass die Glocken wieder im Oktober auf dem Turm platziert werden. Aber der Schreck war groß, als wir feststellen mussten, dass die beiden großen Glocken an der Glockenkrone Risse hatten. Mit unbürokratischer Hilfe des Glockensachverständigen der Landeskirche Herrn Schuhmann war schnell die Verbindung zur einzigen Glockenschweißerei in Deutschland in Nördlingen hergestellt. Da aber die Auftragsbücher der Firma Lachenmeyer für das Jahr 2006 bereits voll waren, hatten wir keine Chance, die Glocken bis Weihnachten 2006 wiederzubekommen.

Im Nachhinein mussten wir feststellen, dass der Zeitplan Gottes genau richtig war. Wir hätten keinesfalls genug Zeit für die gründlichen und soliden Sanierungsmaßnahmen gehabt, die nun hinter uns liegen. Nachdem im Herbst 2006 die Firma Andreas Müller aus Thalheim die Sanierungsmaßnahmen am Dach und Turm abschließen konnten (Bilder 1-3) mussten die Jalousien (4. Bild) überholt werden.

Anschließend musste der Boden der Glockenstube mit Kupferblech abgedichtet werden, damit nicht wieder Regen und Schnee  den Turm beschädigen können. Thomas Lang von der Firma Lorenz aus Crottendorf hat sich für diese komplizierte Arbeit viele Gedanken machen müssen. (Bilder 5-10) In der Zwischenzeit wurde in der Werkstatt der Firma Müller in Thalheim der Glockenstuhl gefertigt. (Bilder 11-13)

Als dann Ende Februar die Glocken aus Nördlingen kamen und das günstige Wetter alle Ampeln auf „grün“ stellte, zögerten wir nicht lange, bestellten den Kran und ließen die Glocken samt dem neuen Glockenstuhl und die Materialien für die Läutetechnik auf den Turm transportieren.

Die Firma Schmidt aus Berlin stand schon in den Startlöchern. Nachdem die Zimmerleute am 6. und 7. März den Glockenstuhl aufgestellt hatten (Bilder 14-20), konnten die Arbeiten an der neuen Läuteanlage am 13. März beginnen. Herr Kupsch ist seitdem mit einem Mitarbeiter dabei, die neue Läuteanlage zu installieren (Bilder 21-24)

In der vergangenen Woche holte die Firma Höppner aus Pirna unsere Turmuhr ab, um sie in der Werkstatt zu überholen. Die Turmuhr soll dann mit einem elektrischen Aufzug versehen werden. So bald als möglich wird dann die Turmuhr wieder eingebaut, damit sie den Stundenschlag der Glocken ansteuern kann.

Wer diese Zeilen gelesen hat, der wird sich vielleicht wundern. Das Glocken läuten ist gar nicht so einfach. Viel Mühe und Spezialkenntnis ist nötig, damit dieses spezielle „Musikinstrument“ auf unserem Glockenturm wieder erklingen kann. Wozu dieser Aufwand?

Ich fand dazu in einem Brief der Geschwister Scholl auf dem Gestapo-Gefängis in Ulm sehr nachdenklich stimmende Gedanken. „Lieber Vater! In der Zelle wird man hellhörig. Die Ohren nehmen dort mehr wahr als die Augen. Den Turm des Ulmer Münsters konnten wir nicht sehen, aber umso eindrucksvoller seine Glocken hören. Was sie uns zutrugen, kann nur ihr Klang wiedergeben, es ist nicht in Worte zu übersetzen. Die Münsterglocken waren das Jenseits der Zelle, verbindend, nicht trennend, tröstend, nicht verletzend. Sie bewegten die Luft, und die Wellen hoben uns über die Gitter weg, hinaus in die Welt.“

 

Friedrich Preißler


























 




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