Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
Logo
Logo  Kontakt | Links | Impressum   


  Folge uns auf Facebook
 

Jubilate 2007

Predigttext:  PS 100 1 Jauchzt dem HERRN, alle Welt!  2 Dient dem HERRN mit Freuden! Kommt vor sein Angesicht mit Jubel!

 

Liebe Jubelkonfirmanden, liebe Gemeinde!

 

Ein Großvater war mit seinem Enkel beim Fleischer. Endlich war die Zeit des Schlangestehens vorbei. Die Verkäuferin sah den niedlichen Kleinen und fragte ihn: „Und, kleiner Junge, möchtest Du eine Scheibe Wurst?“ Heftig nickte der Junge.

Die Verkäuferin schnitt eine dicke Scheibe ab und gab sie dem Burschen. Der biss vergnügt hinein.

Wie die Großväter so sind, wollte der Opa den Kleinen zu Manieren verhelfen und sagte zu ihm: „Und wie heißt das?“

Laut und unüberhörbar erklang es im Laden: „Wurst!“

Wir wissen alle, welche Antwort der Großvater erwartete. Wie fern scheint uns Menschen manchmal ein einfaches „Dankeschön“ zu sein?  Freilich – das Danken ist am reinsten und schönsten, wenn es spontan und ehrlich aus dem Herzen kommt. Und dennoch dürfen wir es auch einüben. Unserer Vergesslichkeit wegen müssen  wir das Danken einüben. Erinnerungen an das viele Gute brauchen wir, um zu einer Haltung des Dankes zu kommen. Die Überlegung, dass alles hätte auch ganz anders kommen können, brauchen wir, um dankbarer zu werden. Den inneren Blick zu Gott haben wir nötig, der unser Leben führt und bewahrt, um zu einer Kultur der Dankbarkeit zurück zu finden.

Dieser Tag heute, liebe Jubelkonfirmanden, sollte für Sie ein Tag des Dankes sein. Darauf will uns das Wort „Jubelkonfirmation“ hinweisen. Der Jubel ist Freude gepaart mit Dank. Sooft kommt dieses Wort in unserem heutigen Sprachgebrauch gar nicht mehr vor. Wir sollten uns aber wieder bewusst darauf besinnen. Jubel ist Freude und Dank mit einer Adresse. Jubel ist Freude, die sich äußert und Dank, der jemandem entgegengebracht wird.

Vielleicht steckt an dieser Stelle noch der Frust aus DDR-Zeiten in unseren Knochen. Uns hängt das noch an, als die Menschen klassen- und kollektivweise mit Winkelementen versehen an die Straße gekarrt wurden, um dort Parolen zu schreien. Man wollte damit die Staatsgäste beeindrucken und sich selber beweisen, dass das Volk hinter einem steht. Nur die Wenigsten haben diese Art Jubel gewollt, geschweige denn mit Freude und aus Dank verrichtet. Wirklicher Jubel muss von innen kommen.

Schaut man in die Bibel, dann entdeckt man allerhand wichtige Aspekte zum Thema Jubel. Da wird etwa Jubel laut über die scheinbar selbstverständlichen Dinge des Lebens. Der Prophet Jesaja jubelt z.B. darüber, dass die Ernte eingebracht ist. (9,2) Das müsste auch unsere tägliche Freude sein, dass wir zu essen und zu trinken haben. Schaut man sich in der Welt um, entdeckt man, dass dies gar nicht selbstverständlich ist.

Immer wieder hören wir in der Bibel einen Jubel über die erlebte Rettung und Erlösung. (1.Sam 18,6) Das Volk Israel hat nicht aufgehört, Gott für das zu danken, was es in der Vergangenheit mit Gott erlebt hat. Auch wenn manche Ereignisse (wie Rettung aus Ägypten, oder die Heimkehr aus Babylon) schon Jahrhunderte  zurücklagen, das Volk Israel hat nicht aufgehört, Gott dafür zudanken. Die zurückliegende Bewahrung wurde sozusagen zur Schule des Dankes in der Gegenwart.

Oder, da hören wir in der Bibel einen Jubel im Blick auf die Zukunft. (Jes 51,11) Das Volk Israel ist das Volk, das der Welt nicht Angst vor der Zukunft sondern Freude auf die zukünftigen Dinge geschenkt hat. Warum konnte Israel im Blick auf die Zukunft jubeln? Weil es keine vage Hoffnung hatte, sondern weil sich die Hoffnung an der Person des Messias festmachte und orientierte. Der Messias-Jubel hat dieses Volk immer wieder aus Lethargie und Verzweiflung gerissen.

Schließlich hat der Jubel in der Bibel auch sehr soziale Züge. Es gab im alten Israel das Jubel-Jahr. Im Jubel-Jahr ruhte die Feldarbeit. Das Land sollte sich erholen. Im Jubel-Jahr wurden die Sklaven freigelassen, die verkauften und verpfändeten Grundstücke wurden zurückgegeben und alle Schulden wurden erlassen. Das Jubeljahr sollte das Wunder der Schöpfung, die Gabe des Lebens und die Würde des Menschen wieder erkennbar und erlebbar machen.

Könnten wir nicht aus alledem viel lernen? Gäbe es nicht auch bei uns viel Grund zum Dank und zur Freude?

Wir sollten wieder die einfachen und grundlegenden Dinge des Lebens in den Blick nehmen. Es gilt, jeden Tag mindestens einen Grund zur Dankbarkeit zu entdecken. Dafür müssen wir aber etwas tun. Gründe zum Nörgeln und zum Schimpfen kommen wie von selbst. Dankbarkeit aber ist eine Kultur. Hier muss etwas investiert und kultiviert werden.

Oder wagen wir einen Blick zurück in die Geschichte – in ihre Geschichte. In keinem Leben ging alles glatt. Jeder und jede hatte Zeiten der Nöte.  Ist es aber nicht ein Grund zur Dankbarkeit, dass sie durch diese dunklen Täler hindurch gekommen sind, dass sie bewahrt wurden. Nehmen sie nur ein Ereignis aus der Vergangenheit ihres Lebens, wo sie sagten: „Ich weiß nicht mehr, wie es weitergehen soll.“ Und dann fangen sie heute an, dafür zu danken, dass es weitergegangen ist!

Gut kann ich mir vorstellen, dass unter uns viele Enttäuschungen schmoren und rumoren. Enttäuschungen können wir vielfach erleiden. Menschen können uns enttäuschen. Viele sind von der Politik enttäuscht. Vielleicht wurden sie auch von der Kirche  enttäuscht.

Enttäuschungen verursachen in uns Wunden. Wir verlieren das Vertrauen. Enttäuschung hängt mit Täuschung zusammen. Entweder bin ich mit falschen Vorstellungen an eine Sache herangegangen oder der andere hat mein Vertrauen verraten. Auf der Suche nach einem festen und bleibenden Vertrauenspunkt, werden wir in dieser Welt und in diesem Leben nur sehr weniges  finden, das unser Vertrauen nie enttäuscht. Suchen sie aber dieses Gegenüber, dem sie grundsätzlich vertrauen können – oder nehmen sie diese Suche wieder auf!

Auch den Glauben will ich an dieser Stelle ansprechen. Vor 75, 70, 65, 60, 50 und 25 Jahren haben sie, liebe Jubelkonfirmanden, hier am Altar Gott versprochen, dass sie im Glauben bleiben und wachsen wollen. Was ist daraus geworden? Hat sich ihr Vertrauen in Gott vertieft oder hat sie manches aus der Bahn geworfen? Haben Sie den Glauben verloren? Ich möchte uns allen einen einzigen Grund nennen, warum wir es noch einmal wagen und versuchen sollten: Gott will immer noch mit einem jeden von uns etwas zu tun haben. Gott hat mit einem jeden von uns immer noch viel vor.

Wieso kann ich das ihnen mit Gewissheit sagen? Weil Gott das in ihrer Taufe versprochen hat. Er ist der sichere und verlässliche Partner in der Geschichte. Das wäre doch wirklich ein echter Grund des Jubels!  - zu wissen, dass Gott mit mir noch nicht fertig ist. Dieser Gott, von dem wir aus der Bibel hören, hat Lösungen für das, was uns aus unserer Vergangenheit anlastet. Er hat  heute einen Weg für mich und er hat Zukunft für mein Leben. Hören wir doch die Einladung aus dem 100. Psalm: „Kommt vor sein Angesicht mit Jubel!“

Wie jedes Jahr habe ich zur Veranschaulichung wieder einen Gegenstand für die Predigt ausgesucht. Zum einen kann man mit Vergleichen etwas unterstreichen und zum anderen helfen sie uns, bestimmte Aussagen, besser in Erinnerung zu behalten. Für diese Jubel-Konfirmation habe ich mir diese Orgelpfeife ausgewählt. Wir sind in diesem Jahr mitten in einem großen Kirchenbau an dessen Ende als Ziel eine neue Orgel steht.

Ich habe mir darum  von unserem Kantor die Funktion einer Orgelpfeife erklären lassen und ich habe dabei entdeckt, dass so eine Pfeife einem sehr viel Eindrückliches über unser Leben und unseren Glauben sagen kann.

Wie also entsteht in dieser Pfeife ein Ton? Als erstes brauchen wir Luft. Durch einen aufwendigen Steuermechanismus wird über die Windlade Luft in diese Pfeife geblasen. Jetzt übernehme ich das. Ein Ton erklingt.

Durch das Loch in der Fußbohrung strömt die Luft in die Pfeife und wird hier an diesem Spalt gebrochen. Was wir nicht sehen, ist der Kern. Der Kern ist ein Platte aus dem gleichen Material wie die Pfeife und riegelt fast die ganze Pfeife ab – bis auf einen kleinen Spalt hier vorn. Man spricht von der so genannten Kernspalte. Hier tritt die Luft aus. Es entsteht eine Verwirbelung. Und dieser Luftwirbel bringt die Luftsäule in der Pfeife zum Schwingen und es entsteht ein Ton.

Lassen Sie mich dazu drei kurze Gedanken sagen, die wir  auf unser Leben und unseren Glauben beziehen können.

1. Als erstes brauchen wir in unserem Leben immer und immer wieder Begegnungen  mit Gott. Die Bibel spricht in diesem Zusammenhang von Gott, den Heiligen Geist. Der heilige Geist ist Gott in Bewegung.

Das Kommen des Heiligen Geistes zu Pfingsten wird auch so umschrieben. Das Haus, in dem die Apostel waren, wurde wie von einem Brausen erfüllt. „Und plötzlich geschah aus dem Himmel ein Brausen, als führe ein gewaltiger Wind daher, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen.“ (Apg 2,2)

Der Heilige Geist ist Gott selbst in Bewegung. Dieser Vergleich des Heiligen Geistes mit dem Wind in der Bibel ist m.E. sehr aussagekräftig. Stehende Luft bringt keinen Ton hervor und bewegt nichts. Aber wenn die Luft in Bewegung ist, dann kommen die Töne – es wird etwas hörbar. So wird durch den Heiligen Geist die frohe Botschaft, das Evangelium hörbar.

Stehende Luft verändert nichts – es beginnt höchstens zu miefen. Wenn aber Luft in Bewegung gerät, spürt man ein Kraft. Windmühlen drehen sich, Segelflugzeuge steigen auf. So ist das auch mit Gott, dem heiligen Geist. Der Heilige Geist ist Gott in Bewegung. Wer in seinen Einflussbereich kommt, erlebt seine Dynamik, seine Kraftwirkungen. Darum sagt Jesus seinen Jünger: (Apg 1,8) „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen.“

Mir ist in diesem Zusammenhang hier diese kleine Bohrung wichtig. Es würde der Orgelpfeife nichts nützen, wenn der Wind um die Pfeife bläst – er muss an der richtigen Stelle eintreten. Gottes Geist pfeift uns nicht irgendwie um die Ohren. Es gibt eine Stelle, wo Gottes Geist in unser Leben eintreten will. Unser Herz ist sozusagen wie dieses Loch, wo Gott selbst hinkommen will, um unser Denken, Fühlen und Handeln zu bestimmen. Und dazu müssen wir es Gott sagen, dass wir das wollen. Wir müssen ihn dazu ausdrücklich einladen! Die Bitte um den Heiligen Geist ist darum bis heute eine Grundvoraussetzung des Glaubens. Keiner von uns kann und keiner von uns braucht den Glauben an Gott selbst zu produzieren. Dafür ist der Heilige Geist verantwortlich. Und dazu dürfen wir ihn einladen.

2. Als zweites ist bei einer Orgelpfeife diese Kernspalte wichtig. Hier bricht sich die Luft. Was machen wir mit den Unregelmäßigkeiten des Lebens? Das gibt es doch bei uns immer wieder – vielleicht sogar in Hülle und Fülle: dass uns Dinge stören, dass uns Unregelmäßigkeiten ins Stolpern bringen. Manchmal werden wir sogar regelrecht aus der Bahn geworfen. Da gibt es Kanten, die uns Schmerzen bereiten und uns verwunden. Manchmal sind es Menschen. Manchmal stellen Ereignisse, die uns überkommen, solche harten Kanten dar. Was geschieht in solchen einschneidenden Ereignissen unseres Lebens? Geht es hinterher wieder so weiter, wie vorher – oder verändert sich da etwas? Die Bruchkanten des Lebens wollen uns zu etwas Neuem verhelfen. Es soll ein guter Ton entstehen – ein Ton des Dankes. Lasst Gottes Geist darüber wehen. Bringt die Bruchkanten des Lebens mit Gott in Verbindung, sodass er daran arbeiten und Veränderung schaffen kann.

Wenn wir es nach den Nöten nicht weiter bringen als bis zum Vergessen, oder zum Sprüche klopfen wie:  „Unkraut vergeht nicht“ oder „Gelobt sei, was hart macht“ – dann ist die Luft schnell verrauscht. Und wenn die Lauft raus ist, bewirkt sie nichts mehr.

Bei einer Orgelpfeife strömt jedoch die meiste Luft zurück in die Pfeife und erzeugt so den Ton. Und so sollen wir in den schmerzhaften Ereignissen des Lebens zu uns selbst zurückfinden. Wir sollen fragen, was hat Gott mit uns vor? Was will er uns damit sagen. Wir dürfen beginnen, IHM dafür zu danken, dass es uns noch gibt. Und wir dürfen auf dem Wege des Dankes neue Entdeckungen machen im Blick auf das, was Gott mit uns noch vorhat.

3. Schließlich weißt uns eine Orgelpfeife auf eine dritte wichtige Sache hin. Die Luft, die sich hier unten an der Kernspalte bricht, bringt die Luftsäule in der Pfeife zum Schwingen und so wird der Ton hörbar und laut. Das heißt: Wir Christen brauchen  die anderen. Ohne Gemeinschaft haucht der Glaube über kurz oder lang sein Leben aus. Das Lob verstummt. Unser Glaube braucht die anderen, die uns mittragen und die wir mittragen. Glaube stiftet Gemeinschaft und lebt von Gemeinschaft.

Ein Großvater war mit seinem Enkel beim Fleischer. Endlich war die Zeit des Schlangestehens vorbei. Die Verkäuferin sah den niedlichen Kleinen und fragte ihn: „Und kleiner Junge, möchtest Du eine Scheibe Wurst?“ Heftig nickte der Junge.

Die Verkäuferin schnitt eine dicke Scheibe ab und gab sie dem Burschen. Der biss vergnügt hinein.

Wie die Großväter so sind, wollte der Opa den Kleinen zu Manieren verhelfen und sagte zu ihm: „Und wie heißt das?“

Laut und unüberhörbar erklang es im Laden: „Danke!“

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesdus, unsrem Herrn. Amen

 





 




© 2006-2017 - Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Crottendorf