Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Kantate 2007

Text: Jes 12 1 Zu der Zeit wirst du sagen: Ich danke dir, HERR, dass du bist zornig gewesen über mich und dein Zorn sich gewendet hat und du mich tröstest. 2 Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der HERR ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil. 3 Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen. 4 Und ihr werdet sagen zu der Zeit:  Danket dem HERRN, rufet an seinen Namen! Machet kund unter den Völkern sein Tun, verkündiget, wie sein Name so hoch ist! 5 Lobsinget dem HERRN, denn er hat sich herrlich bewiesen. Solches sei kund in allen Landen! 6 Jauchze und rühme, du Tochter Zion; denn der Heilige Israels ist groß bei dir!

 

Liebe Gemeinde!

 

Über den Wunderglauben des Rabbi Eliezer machen die Juden heute noch Witze. So  wird z.B. vom Fall eines Mannes erzählt, der täglich in der Synagoge fleht: „Bitte, lieber Gott, lass mich nur einmal im Lotto gewinnen.“ Nach mehreren Stoßgebeten, die eigentlich im Judentum verpönt sind, grollte die Stimme Gottes hinter dem Throah-Schrein: „Rubinstein, tu mir einen Gefallen und kauf dir einen Lottoschein.“

Keinesfalls habe ich diese kleine amüsante Geschichte erzählt, um damit zum Beten und Lottospielen – z.B. für unseren Kirchenbau – aufzufordern. Ich weiß längst, dass es einige tun. Beten ist immer richtig.  Ob das Lottospiel immer der richtige Weg ist, um zu Geld zu kommen, weiß ich nicht. Manchmal vielleicht.

Aber eins weiß ich: Manche Wunder können nicht geschehen, weil wir uns beim Beten selbst im Wege stehen. Es ist nicht so, das wir die Voraussetzungen schaffen müssen, dass Gott Wunder tut. Es ist so, dass Gott gerne Gebet erhört – und dabei auch gerne Wunder tut.

Die Wunder, die Gott tut, sind für Ihn selbst gar keine Wunder, sondern etwas Normales, das seiner göttlichen Art und Kraft entspricht. Aber seine Wunder müssen für uns Menschen erträglich (also tragbar) und annehmbar sein. Sie müssen uns helfen und dienen. Wir müssen sie annehmen und empfangen können.

Gott sei Dank geschehen manche Wunder nicht, um die wir in törichter Weise Gott gebeten haben, ohne die Konsequenzen und ohne die ganze Tragweite des Wunders abschätzen zu können. Manche Wunder würden uns mehr schaden als nützen. Wenn man um göttliche Geschenke bittet, braucht man dazu auch die göttliche Weisheit.

Ich wollte uns mit der kleinen Geschichte des Juden Rubinstein sagen, dass Beten wichtig und schwer ist. Beten bedeutet nicht, dass wir Gott traumhafte Wünsche äußern. Im Beten beteiligt Gott uns immer mit. Man kommt beim Beten oft ins Schwitzen. Auch Zweifel und Fragen kommen und führen zu einem inneren Ringen. Beten ist nicht vergleichbar mit dem Kauf eine Cola-Dose an einem Getränkeautomat. Oben gebe ich ein Gebet ein  und unten hole ich die Ware ab. Beten will gelernt sein.

Unser heutiger PT führt uns in die Gebetsschule Israels. „Mit Israel Gott loben“, will ich das Thema der Predigt für den Sonntag Kantate nennen.

  1. weil Er aus Zorn Trost werden lässt
  2. weil der, der im Anfang war, auch am Ende sein wird
  3. weil der Heilige Israels unter uns sein will

1. Wir dürfen Gott mit Israel loben, weil Er aus Zorn Trost werden lässt. „Ich danke dir, HERR, dass du bist zornig gewesen über mich und dein Zorn sich gewendet hat und du mich tröstest.“

Besonders wichtige oder auch besonders wohlklingende Bibelverse sind in vielen Bibelübersetzungen fett gedruckt. Dieser Bibelvers vom Zorn Gottes und von der Wende seines Zornes in Trost, ist nicht dabei. Aber gleich der nächste Vers:  „Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht;

denn Gott der HERR ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil.“ – ist in meiner Bibel fett gedruckt.

Legt sich da nicht der Verdacht nahe, dass die Bibeldrucker die Bibelverse bevorzugen, die uns angenehm klingen? Erliegen wir nicht oft unseren eigenen Vorstellungen von Gott?

Ja natürlich ist Gott ein wunderbarer Vater – Er ist ein Vater, der uns liebt. Aber heißt das, dass Gott ein nettes Großväterchen ist, das alles abnickt? Heißt das, dass Gott zu allem, was wir Menschen wollen, seinen Segen geben muss? Heißt das, dass Gott nur dazu da sei, uns zu bestätigen?

Das wäre schlimm. Dann hätten wir einen Gott nach unserem Bild. Dann wären wir Gott und Gott wäre der Erfüllungsgehilfe unserer Wünsche und Pläne. Dann wären wir aber auch bis zum bitteren Ende Gefangene unseres eigenen Wesens und  Willens. Dann hätten wir kein Korrektiv. Dann könnten wir die Welt und uns zerstören und keiner würde eingreifen. Dann könnten wir keine Erlösung von uns selbst erleben und auf keine Vollendung hoffen.

Das Volk Israel hat immer und immer wieder in seiner Geschichte erfahren müssen, dass Gott sich abwandte -  da, wo sein Volk auf schuldhaften Wegen ging. Gott spielte nicht mit, als das erwählte Volk ohne Gott  zu Recht kommen wollte. Gott sprach sein „Nein“.   

Hier in diesem Psalm inmitten des Jesaja-Buches hören wir von einem Dank für den Zorn Gottes. Ich danke dir, HERR, dass du bist zornig gewesen über mich. So kann nur die Wahrheit beten. Und wir sollen ja Gott im Geist und in der Wahrheit anbeten. Ohne Gott geht Israel ins Verderben. Aber weil Gott sein Volk liebt, muss er in seinem Zorn handeln und sich dem entgegen stellen. Ohne Gott gehen auch wir ins Verderben. Auf den Wegen der Schuld haben wir Gott nicht auf unserer Seite.

Es wird der Tag kommen, wo nicht nur Israel, sondern auch wir Gott für seinen Zorn – aber auch für seine Gnade danken werden. Nur wer den berechtigten Grund des Zornes erkennt, kann auch die Tiefe der Gnade loben. Im Zorn ist Gott immer noch für uns – auch wenn wir ihn als den Gott erleben, der sich von uns abgewandt hat.

Das Gottes Zorn nie das Ende und das Ziel ist, dass wird hier deutlich genug gesagt. Gottes Zorn wird sich wenden und es soll daraus Trost werden. Gottes Zorn wird sich wenden, wenn dazu kein Grund mehr besteht. Wenn die Menschen nicht mehr ohne IHN zu Recht kommen wollen und sich dabei selbst verderben. Wenn die Sünde, die große Trennung zu Gott, überwunden ist – dann braucht Gott nicht mehr zu zürnen.

Auf diese große Wende geht das Volk Israel und mit diesem Volk die Welt zu. Diese Wende wird kommen, wenn sich Gottes Zorn in Trost wendet. Dann erst wird die Welt bei Trost sein, weil sie bei Gott ist.

Trost hängt heute mit Gott dem Heiligen Geist zusammen. Jesus hat den Geist Gottes als Tröster angekündigt.  Und wir dürfen heute schon etwas von diesem göttlichen Trost erleben, denn an einer Stelle hat sich bereits etwas gewendet. Gottes Zorn hat sich am Kreuz gewendet. Am Kreuz hat sich der ganze Zorn Gottes über Jesus – beladen mit der Sünde der Welt – ergossen. Und wer zu diesem Jesus kommt, der darf in das Angesicht des gnädigen Gottes schauen. Hier hört der Zorn Gottes auf – hier kommt er in seiner Gnade auf uns zu. Hier werden wir wirklich und unendlich getröstet. Der Heilige Geist arbeitet immer auf der Grundlage des Kreuzes an uns.

Und darum dürfen wir von hier aus beten – im Geist und in der Wahrheit.

2. Wir dürfen Gott mit Israel loben, weil der, der am Anfang war auch am Ende sein wird. „Siehe, Gott ist mein Heil,

ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der HERR ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil.“  Diese Gebetsworte, die Gott preisen, sind fast identisch mit einem Gotteslob aus 2. Mose 15. Dort heißt es im Vers 2: „Der HERR ist meine Stärke und mein Lobgesang und ist mein Heil. Das ist mein Gott, ich will ihn preisen.“ Dieses Gotteslob steht im Lobgesang des Mose nach dem Durchzug durch das Schilfmeer.

Was geschieht hier sprachlich? Das Lob Gottes über die Rettung aus der Knechtschaft Ägypten wird einmal wiederholt werden! Wann wird sich für Israel dieses Gotteslob wiederholen? Dann, wenn dieses Volk die eben besprochene Wende erlebt. Wenn sich Gottes Zorn in Trost wenden wird. Dann wird dieses Lob neu gesungen!

Das Lob Gottes aus  dem ersten Exodus wird sich beim letzten Exodus wiederholen

- dann, wenn das Volk Israel aus allen Völkern und Nationen heimkehren wird,

- dann, wenn Israel seinen Messias erkennen wird,

- dann, wenn dieses Volk innerlich und äußerlich wieder dort ist, wo es sein soll.

- dann, wenn Gott wieder in der Mitte seines Volkes ist.

- dann wenn, Israel der Welt wieder sagen kann: „Lobsinget dem HERRN, denn er hat sich herrlich bewiesen. Solches sei kund in allen Landen!“

Das Volk Israel kehrt nun schon zum dritten Mal heim. Die erste Heimkehr geschah aus dem Exil in Ägypten. Die zweite Heimkehr geschah aus dem babylonischen Exil. Die dritte Heimkehr geschieht aus den Völkern der Welt und ist immer noch im Gange.

Worauf wir achten sollen ist die Tatsache, dass hier in diesem Prophetenwort der Bogen vom ersten hin zum letzten Exodus geschlagen wird. Das Lob Gottes im letzten Exodus basiert auf die Erinnerung an den ersten Exodus. Von dem, was das Volk Israel in seiner Geschichte mit Gott erlebt hat, ist es immer wieder in seinen Gebeten ausgegangen. Israel hat Gott immer wieder für etwas gedankt, was längst vorbei war, was aber immer noch als entscheidendes Ereignis in seiner Geschichte nachwirkt. Wenn das Volk damals nicht gerettet worden wäre, gäbe es dieses Volk heute nicht.

Aus der ständigen Erinnerung wurde Dank, der die Atmosphäre der Gegenwart bestimmt. Wenn man aber Gott gegenüber dankbar ist, ist man IHM gegenüber aufgeschlossen und man ist bereit und wird fähig sein Handeln in der Gegenwart zu entdecken. Schließlich kann daraus Hoffnung werden. Dass dürfen wir von dem Volk Israel lernen.

Israel hatte im Gegensatz zu den zyklischen Geschichtsbildern der Antike ein lineares Geschichtsbild. Zyklisches Geschichtsbild heißt: es wiederholt sich alles – es kommt alles, zwar modifiziert und auf einer anderen Ebene wieder.  Bei einem linearen Geschichtsbild hat alles einen Anfang und ein Ende. Wohl nicht nur aus den Beobachtungen am eigenen Leben (das einen Anfang und ein Ende hat) gewann das alte Israel dieses Geschichtsbild, sondern vor allem im Blick auf Gott. Er, der die Welt schuf und von der Schöpfung zu unterscheiden ist, setzt Anfang und Ende. Und eben im Blick auf Gott, der einen guten Anfang setzte, lernte Israel die Geschichte so zu begreifen, dass sie durch Gott auch ein gutes Ende nehmen wird. Diese Hoffnung ist das Geschenk des Volkes Gottes an die Welt.

Allein in Gott wird auch in unserem prophetischen Psalm die Hoffnung auf eine Wende zum Heil begründet gesehen. Und diese Hoffnung macht sich nicht an irgendwelchen innerweltlichen Ereignissen fest, sondern wird allein im Wesen Gottes begründet gesehen. Gott schenkt nicht nur das Heil – er ist das Heil.

Wir singen heute Lieder aus unserem Gesangbuch, die wir oft nicht mehr verstehen. Dieses tiefe Glaubensgut ist uns teilweise fern und fremd geworden. Wir sollten uns an diese Lieder dennoch heranwagen und sie singen, damit wir sie verstehen. Das können wir von dem Volk Gottes lernen: Israel hat seine Lieder gesungen – solche, die sie nicht mehr verstanden – und solche, die sie noch nicht verstanden – wie hier diesen zukünftigen Psalm aus dem Jesajabuch. Unser Verstehen darf beim Loben nicht der letzte Maßstab sein, sondern die Liebe zu Gott.

3. Wir dürfen Gott mit Israel loben, weil der Heilige Israel unter uns sein will.  „Jauchze und rühme, du Tochter Zion;

denn der Heilige Israels ist groß bei dir!“

Ich möchte dazu zum Schluss eine Geschichte von Benjamin West erzählen. Benjamin West lebte von 1738-1820 und war der erste international bedeutende amerikanische Maler. Aus folgendem Grund wurde er Maler: Eines Tages ging seine Mutter fort, und seine kleine Schwester musste auf ihn aufpassen. Ihm gerieten paar Flaschen mit bunter Tinte in die Hände und er begann damit seine Schwester Sally zu malen. Tintenkleckse überzogen das Bild. Als die Mutter heimkam und die Schweinerei sah, schimpfte sie nicht über die Kinder. Sie betrachtet das Bild und sagte. „Wahrhaft, das ist Sally!“. Und sie gab dem Jungen einen Kuss. Später sagte Benjamin West: „Dem Kuss meiner Mutter verdanke ich, dass ich Maler geworden bin!“

Das Bild, das das Volk Israel in seiner Geschichte malt, hat auch viele Farbkleckse – ebenso wie das Bild, das wir mit unserem Leben hinterlassen. Aber da, wo wir den Kuss Gottes erleben, kann aus uns  - wird aus allem - etwas werden.

Und das wird hier in dem prophetischen Psalm besungen: „Gott, der heilige Gott, der Heilige Israel ist groß bei dir.“ Er wird da sein – und bei seinem Volk, bei seinen Menschen sein. Er hat die Trennung überwunden. Er ist das Amen der Geschichte.  Von daher dürfen wir die Dinge sehen. Das dürfen wir von Israel lernen. Jauchzen und Gott rühmen dürfen wir, weil Gott am Ende da sein wird. Er ist nicht der ferne und fremde Gott – er ist da. So hat er sich im brennenden Dornbusch offenbart. „Ich werde da sein.“ Darauf läuft alles hinaus. Er wird da sein und wir werden bei Gott sein. Nichts wird uns mehr von dem ewigen Gott trennen. Ewigkeit haben wir nur in und bei IHM.

 

Und zugleich dürfen wir heute schon wissen: In Jesus hat uns Gott seine ganze Liebe gezeigt. Von ihm sagt der Psalm 85,11 „Güte und Treue begegnen einander, Gerechtigkeit und Friede werden sich küssen.“

 

Sind das nicht Gründe genug, Gott zu loben ?

 

Und der Friede Gottes…

 




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