Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Trinitatis 2007

Text: 4. Mose 6

22 Und der HERR redete mit Mose und sprach: 23 Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: 24 Der HERR segne dich und behüte dich; 25 der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;

26 der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

27 Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

 

 

Liebe Gemeinde!

 

Hört man genau hin, kann man in der Sprache der Menschen archäologische Entdeckungen machen. Sprache bewahrt  oft das Denken, das Hoffen, das Empfinden und auch den Glauben der vorangegangenen Generationen auf.

Sprachwissenschaftler können z.B. ziemlich gut nachweisen, welchen Weg verschiedene Volksgruppen im Laufe ihrer Geschichte genommen haben. Sie tun es anhand der Sprache. Manche Worte und die Art ihrer Aussprache haben sich erhalten. Dass das Erzgebirge im Rahmen der deutschen Ostkolonialisation von Franken besiedelt wurde ist kein Geheimnis. Man kann aber noch präziser sagen, wo die ersten Crottendorfer herkamen – wie dies unsere Ortschronisten versuchen. Ich halte diese Arbeitsmethode, über Sprachwissenschaften Verbindungen aufzuzeigen, für legitim und wissenschaftlich fundiert. Nicht nur Steine sind Zeitzeugen – auch Worte bezeugen Geschichte.

In diesem Zusammenhang möchte ich unsere Gedanken auf den heutigen PT lenken. Es geht hier um den Segen. Wenn man einmal bewusst hinhört, beginnt man zu ahnen, dass in unserem Volk einmal ein tiefes Wissen um den Segen Gottes vorhanden gewesen sein muss.

Wenn es in der Familie  Streit gibt, sagen wir: „der Haussegen hängt schief“. Was aber ist der Haussegen? Wissen wir heute noch, was der Haussegen ist? Mit Haussegen meint man doch: In diesem Haus leben die Menschen im Frieden miteinander. Da ist unter den Bewohnern dieses Hauses eine gute Beziehung vorhanden. Es herrscht ein Miteinander - kein Gegeneinander. Dieser Friede im Haus kommt nicht von ungefähr – es muss ständig etwas dafür investiert werden. Wenn man vom Haussegen spricht, dann meint man auch damit, dass dies durch das Einwirken Gottes geschenkt wird. Um diesen Segen muss man bitten. Dieser Segen muss gespendet werden. Wenn man vom Haussegen spricht, dann meint man damit, dass einmal bewusst über einem Haus gebetet wurde und dieses Haus und alles was darinnen ist, im Namen des dreieinen Gottes gesegnet wurde.

Suchen wir weiter nach Segensspuren in unserer Sprache. Wenn der Chef  einen Vorschlag genehmigt hat, sagen wir: „Er habe es abgesegnet“. Mit absegnen meint man hier eine Art Genehmigung von höchster Instanz. Wenn man also vom Segen spricht, spricht man auch von einer letzten Instanz. Je weniger wir in unserem Volk Gott, die allerhöchste Instanz, kennen und anerkennen, desto weniger wissen wir vom Segen.

Ein drittes Beispiel will ich noch anführen. Wenn einer sich hinlegt und tief und fest bis zum nächsten Morgen schläft, spricht man von einem gesegneten Schlaf. Mit dem „gesegneten Schlaf“ drückt man aus, da kann einer störungsfrei und sorgenfrei schlafen. Er ist geborgen. Er erlebt Geborgenheit. Der Gesegnete ist zugleich der Geschützte.

Wir ahnen aus all dem Gesagten, dass Gottes Segen unserem Volk einmal etwas Wichtiges war. In großen goldenen Buchstaben steht am Kügelchen-Haus in Dresden der Satz, an dem Viele wirklich festgehalten haben: „An Gottes Segen ist alles gelegen“. Alles – nicht nur etwas!!!

Aber nun will ich nicht die Vergangenheit verklären. Es gilt doch den Segen Gottes auch für unsere Gegenwart zu entdecken. Gottes Segen war doch nicht nur für die Menschen vor uns da. Gott will auch heute noch seinen Segen schenken. Dazu drei Gedanken:

1. Segen bedeutet: Behütet durch den Vater

2. Segen bedeutet: begnadigt durch den Sohn

3. Segen bedeutet: Leben im Frieden durch den Heiligen Geist

1. So beginnen die Segensworte der Bibel: „Der HERR segne dich und behüte dich!“ Der Segen Gottes, des Vaters, zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel. Gleich am Anfang segnet Gott die Tiere und den Menschen. Gott will, dass alles Leben gesegnet ist. In diesem Zustand soll sich Leben vollziehen!

Abraham, der Vater des Glaubens, empfängt Gottes Segen - mit dem Auftrag auch anderen Menschen zum Segen zu werden. Gott will, dass sich sein Segen unter den Menschen ausbreitet.  Jakob versorgt sich den Segen Gottes mit nicht ganz legalen Mitteln. Aaron segnet nach dem dargebrachten Opfer mit erhobenen Händen sein Volk. Das erwählte Volk soll das gesegnete Volk sein. Bileam soll das Volk mit magischen Worten verfluchen  - aber es kommen nur Segenswort über seine Lippen.

Jesus unser Herr erleidet am Kreuz den Fluch, damit der Segen in seiner Person zu den Menschen kommen kann. Und so hören wir von ihm, wie er die Kinder segnet. Den letzten Eindruck, den die Jünger von ihm mitnehmen, ist der segnende Herr. Segnend fuhr er auf in den Himmel. Und darum gilt uns die apostolische Anweisung: 1. Petr. 3,9 „Segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt.“

Unsere Muttersprache ist eine wunderbar, bildhafte Sprache. Bei vielen Worten kann man sich bildlich etwas vorstellen. Wenn man richtig hinhört, können einem oft vor dem inneren Auge Bilder erstehen. Das Hören kann zum Sehen werden. In dem Wort „behüten“ steckt das Wort: der HUT.

Die Urlaubszeit ist nicht mehr lange hin - wir suchen die Sonne und fahren in den Süden. Aber immer kann man sich auch nicht der Sonne aussetzen. Viele setzen sich schützend einen Hut auf.

Beim Motorradfahren ist es Pflicht, einen Helm aufzusetzen.

Auf dem Bau, oder die Feuerwehrleute müssen einen Helm tragen - das gehört zum Arbeitsschutz. Es geht also um den Schutz.

Wenn Gott uns segnen will, will ER uns behüten - schützen.

Der PS 121 hat das in wunderbarer Weise zum Ausdruck gebracht: „Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht. Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht. Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand, dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts. Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!“ 

Wir können nicht dauernd auf der Hut sein. Wir können nicht jeden Augenblick so konzentriert leben, dass wir uns vor allen eventuellen Gefahren schützen können. Das hat Gott mit uns vor! Gott möchte uns behüten. Er will unser Hüter sein - nicht in dem Sinn, dass Er uns beobachtet und gängelt, sondern in dem Sinn, dass er uns schützen und bewahren will.

Was bedeutet das für ein kleines Kind, wenn es am Abend vor dem Schlaf von der Mutter oder dem Vater gesegnet wird.

Viele Kinder haben vor dem Schlaf Angst, weil sie sich in der Nacht allein gelassen fühlen. Sie fühlen sich im Dunkeln ausgeliefert, verraten, schutzlos. Wie gut, wenn Eltern ihre Kinder segnen. Ihr Eltern segnet eure Kinder!

Ganz tief im Unterbewusstsein ist dann bei dem Kind das Wissen da - ich bin geschützt. Ich kann ruhig schlafen. Einer, der noch größer als Vater und Mutter ist, beschützt mich. Und er beschützt mich in ihrem Auftrag, denn die Eltern haben mich ja in seinem Namen gesegnet.

Nicht nur die Kinder haben eine unausgesprochene Sehnsucht nach Schutz - auch wir Erwachsenen. Vielleicht geschah es unbewusst, als man einen Ausdruck für den menschlichen Schutz suchte und dabei das Wort „behüten“ erfand. Der Hut schützt den Kopf. Der Kopf symbolisiert den Bereich unserer Gedanken. Vielleicht haben wir Erwachsenen gerade dort - in dem Bereich unserer Gedanken - den größten Schutz nötig? Von dort werden wir gesteuert. So wie der Mensch denkt, so ist er. Es ist ja nicht so, dass wir uns unsere Gedanken und Entscheidungen immer nur selbst zurecht legen. Wir werden auch bestimmt und gesteuert.

Aber welche Gedanken sind richtig und welche sind falsch?

Welche Gedanken sind Gift und welche sind Nahrung?

Welche Gedanken sind Wahrheit und welche sind Irrtum?

Wir brauchen den Schutz Gottes. Gott möchte uns segnen - d.h. Er will uns in seine Schutzzone ziehen - uns segnen - uns schützen. Der Vater im Himmel will uns behüten.

2. Segen bedeutet: begnadigt durch den Sohn. „Der HERR lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig!“

Wenn hier vom Herrn die Rede ist, dürfen wir als ntl. Gemeinde auch an Jesus denken. Jesus wird im NT  - wie Gott, der Vater, auch als Herr bezeichnet. Er ist der Herr aller Herren. Das kürzeste Glaubensbekenntnis der ersten Christen lautete: „Herr ist Jesus.“

Was heißt das: Der Herr will über mir/uns Sein Angesicht leuchten lassen. In einem Gesicht kann man viel lesen. Wenn ein Mensch Schmerzen hat - kann man davon etwas in seinem Gesicht lesen. Wenn ein Mensch höhnisch oder spöttisch ist -  prägt sich das in seine Gesichtszüge ein. Aber auch, wenn ein Mensch voller Güte ist, kann man dies in seinem Gesicht lesen. Eine heitere Miene, ein Lächeln lässt auf Glücklich-Sein schließen. Der Kain in der Bibel senkte böse seinen Blick, als er auf seinen Bruder Neid bekam und Mordgedanken hatte.

R. Wurmbrand sagte immer: „Wenn ein Mensch lächelt, werden 7 Muskeln im Gesicht in Bewegung gebracht. Wenn ein Mensch böse guckt, muss er über 40 Muskeln anstrengen. Warum soll man für eine schlechte Sache sehr viel mehr ausgeben, wenn man eine gute Sache viel billiger haben kann.“

Gottes Segen ist etwas ganz Einmaliges und Wunderbares. Wir werden beim Segen eingeladen in das Angesicht Gottes zu schauen. Das, was Mose und die großen Glaubensgestalten des alten Bundes nicht durften und nicht vermochten, das dürfen wir in Jesus. Mose durfte nur hinter Gott hersehen. Wir aber dürfen IHN in Jesus anschauen. In Jesus hat uns Gott sein wahres Gesicht gezeigt.

In Jesus leuchtet uns das Angesicht Gottes entgegen. Es ist viel Licht in IHM. In Jesus sehen wir die ganze Gnade Gottes. Hier schauen wir das Wesen Gottes an, sein Herz. Darum sind wir beim Segen eingeladen, auf Jesus zu sehen. Er ist der Anfänger und Vollender des Glaubens. Segen kann man nur glaubend erleben und empfangen.

Segen heißt: „Schau die Gnade im Sohn an!“

3. Segen bedeutet: Leben im Frieden durch den Heiligen Geist

Auch der HG wird in der Bibel Herr genannt. 2.Kor 3,17

„Der Herr ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“ In den Segensworten der Bibel wird gesagt: „Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden!“

Das Angesicht über jemand erheben bedeutet, dass Gesicht aufmerksam, freundlich, verantwortlich auf jemand richten. Diese Haltung einnehmen bedeutet: eine große Nähe zu dem betreffenden Menschen zu suchen. Der freundliche Blickwechsel geschieht ja zwischen zweien, die sich auf derselben Ebene bewegen. Man muss einander zugewandt sein und bleiben, wenn man sich von Angesicht zu Angesicht sehen und begegnen will.

Wenn wir Christen von Gott, dem Heiligen Geist reden, dann meinen wir nicht  nur, dass Gott uns und die Welt geschaffen und ins Dasein gerufen hat. Gott, der Allmächtige, der über allem steht.

Und dann meinen wir damit auch nicht nur, dass Gott uns von der Macht der Sünde, des Todes und des Teufels erlöst und mit sich versöhnt hat. Wenn wir von Gott, dem Heiligen Geist, reden, bekennen wir uns zu dem Gott, der da ist und sich uns zugewandt hat – den wir erleben dürfen und mit dem wir heute Erfahrungen machen können.

Gott ist in seinem Heiligen Geist mitten unter uns. Und nun dürfen wir geistliche Erfahrungen machen. Wenn man geistliche Erfahrungen sucht, muss man sich bewusst dem Heiligen Geist öffnen – ihn bitten, ihn einladen.

Der Segen ist darum eine der wichtigsten Stellen im Gottesdienst. Hier dürfen wir ganz bewusst unser Herz weit machen, dass Gott uns mit seinem Heiligen Geist erfüllt. Denn das soll im Segen geschehen. Gott will uns mit seinem Geist Kraft und Frieden schenken, damit wir in der neuen Woche auf seinen Wegen gehen, seine Werke tun und in seinem Frieden bleiben können.

Amen

 

 




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