Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Predigt im Kirchweihgottesdienst - mit Orgelweihe

Superintendent: Dr. Führer

 

Text: Psalm 100

1 Jauchzet dem HERRN, alle Welt!

2 Dienet dem HERRN mit Freuden,

kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!

3 Erkennet, dass der HERR Gott ist!

Er hat uns gemacht und nicht wir selbst

zu seinem Volk und azu Schafen seiner Weide.

4aGehet zu seinen Toren ein mit Danken, /

zu seinen Vorhöfen mit Loben;

danket ihm, lobet seinen Namen!

5 Denn der HERR ist freundlich, /

und seine Gnade währet ewig

und seine Wahrheit für und für.

 

 

„Auf einem hohen und erhabenen Thron sah ich sitzen den Einen wie eines Menschen Sohn, und es beteten Ihn an die Heerscharen der Engel.“ - Mit diesen Worten schildert ein Visionär himmlische Anbetung. Und zu solcher Anbetung fordert ausdrücklich der Psalm 100 auf, den wir – von Heinrich Schütz vertont – vorhin schon hörten: „Jauchzet dem HERRN, alle Welt!“

 

Liebe Gemeinde,

über Anbetung sollte nicht allzu viel gesprochen werden. Viel besser ist es, wenn Anbetung praktiziert wird; so wie heute in diesem Gottesdienst, der schon allein durch seine musikalische Gestaltung zum Fest wird.

Die Bläser-, Chor- und nicht zuletzt die Orgelmusik zur Ehre Gottes erfreuen uns heute einmal mehr. - Ja, hier in Crottendorf geschieht Anbetung.

Der Psalm 100, von mir zum Predigttext bestimmt, ist in all seiner Kürze die umfassendste Aufmunterung zum Lobgesang.  Und hier führt ein Weg von außen nach innen: Alle Welt soll dem Herrn jauchzen. Und inmitten der ganzen Welt soll die Gemeinde, die Gott zu seiner Herde gemacht hat, ins Haus Gottes gehen, um hier das Lobopfer des Dankes darzubringen.

Dieses Gotteslob ist durch vier Merkmale gekennzeichnet. Die will ich Euch erläutern:

 

(1.) Das Gotteslob vergegenwärtigt die Erkenntnis Gottes.

Das klingt ziemlich „theologisch“: Das Gotteslob vergegenwärtigt die Erkenntnis Gottes. - Manchmal kommt uns das, was in der Bibel auf hebräisch und griechisch geschrieben ist, ziemlich „spanisch“ vor. Deshalb gibt es Prediger, die aus der Bibel Texte übersetzen, damit dann daraus Gottes Wort wird.

D. h.: Wenn wir Gott loben, wird Gott - mehr als in anderen Zusammenhängen - erlebbar.

Das ist kein Wunschtraum eines Menschen, der bei mancher Musik denkt: „Himmlisch!“ Es gibt gelegentlich Sängerinnen (ich denke da z. B. an Euern Kammerchor), denen es leicht gelingt, mir Freudenschauer über den Rücken zu jagen. Doch Gotteslob ist ausdrücklich mehr als eine inhalts- und grundlose Gemütsbewegung.

Der Zusammenhang von Gott und Musik ist vielmehr eine biblisch begründete Tatsache: Gott thront nämlich über den Lobgesängen seines Volkes. Wo musiziert wird – sonderlich wo Gott zur Ehre musiziert wird – ist Er erlebbar. – So ist der Satz gemeint: Das Gotteslob vergegenwärtigt die Erkenntnis Gottes.

 

(2.) Das Gotteslob ist bestens begründet.

„Erkennet, dass der HERR Gott ist! Er hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.“ – Ja: Gott hat uns geschaffen. Ein Fakt. Grundsätzlich und vernünftig.

Es gab Zeiten, da wurde uns Christen eingeredet, unser Glaube stünde im Widerspruch zur Wissenschaft. Und – Hand auf’s Herz: Mancher Christ hat sich wirklich verunsichern lassen und meinte dann, z. B. die Schöpfungsberichte gegen wissenschaftliche Erkenntnisse verteidigen zu müssen. Das ist natürlich Unsinn.

Es ist die vernünftigste Weltanschauung, davon auszugehen, dass hinter allen Dingen und Erfahrungen Gott mit seiner Schöpferkraft steht. Das glauben die meisten Menschen. Wir dürfen uns durch eine kleine Minderheit von Atheisten nicht verunsichern lassen. Atheismus ist in Wirklichkeit „von gestern“, nicht der Schöpfungsglaube.

Wer glaubt, dass Gott ihn geschaffen hat, wird Gott loben. Und wer mit offenen Augen durch die Welt geht, sieht außerdem: Gott hat so unzählig viel Schönes geschaffen: Frauen mit weicher Haut, kernige Männer, knufflige Babies ... - Das Gotteslob ist also bestens im göttlichen Handeln begründet.

 

(3.) Aus Liedern, die Gott loben und ihm danken, erwächst Vertrauen.

„Worauf du dich verlassen kannst ...“. Diese Worte werden meist mit drohendem Unterton gesagt: „Wenn du nicht folgst, kriegst du eine Strafe. (Und wenn der Jugendliche immer noch ‚feixt’, wird nachgelegt:) Worauf du dich verlassen kannst! (Und zu diesen Worten gehört dann der drohende Zeigefinger.)“

Heute will ich diesen Satz freundlich und positiv sagen: Gott hat schon so viele Male geholfen; z. B. unserem Volk vor 18 Jahren zu einem friedlich Mauerfall. Und Dir persönlich auch; erinnerst Du Dich noch? ...

Da wird er doch auch in Zukunft sein Angesicht nicht von uns abwenden. Nein. Gott ist treu - worauf du dich verlassen kannst! Und wenn Du Gottes Liebe und Treue meditierst, besingst, dann ist das wie Sonne und Licht auf eine Pflanze, die wachsen will. - Aus Liedern, die Gott loben und ihm danken, erwächst Vertrauen.

Wer mitgezählt hat, weiß: Jetzt kommt das vierte und für heute letzte Merkmal des Gotteslobes. Eigentlich hätte ich es als erstes nennen sollen, denn es ist von zentraler Bedeutung für den ganzen Psalm 100.

 

(4.) Das Gotteslob erkennt man sehr oft an seiner strahlenden Freudigkeit.

Offensichtlich wurden Musiker am häufigsten gelockt, dieses „mit Freuden“, „mit Frohlocken“ und „mit Jauchzen“ zu vertonen. Und dann wird sie hörbar, die strahlende Freudigkeit.

Manchmal, wenn ich Gottesdienste nicht mitfeiere, sondern auch etwas beobachte (das gehört bei mir zum Beruf), dann denke ich: „Ist das langweilig! Vorn bewegt sich jemand unnatürlich, spricht eine abgehobene Sprache - und ‚gekrönt’ wird die ganze Sache mit langweiligen Liedern.“

Dieser böse Eindruck entsteht, wenn vermeintliches Gotteslob lieblos und routiniert herunter „geleiert“ wird. Das gilt übrigens auch für „unliturgische“ Gottesdienste, alltägliche Sprache und moderne Lieder.

Alte Rituale, gehobene Sprache und auch alte Lieder können sofort lebendig werden, wenn sie verbunden sind mit strahlender Freudigkeit: „Damit lobe ich Gott, der es so gut mit mir meint!“.

Die Lebendigkeit unserer Gottesdienste ist also vor allem abhängig von unserer inneren Einstellung und Erwartung: Wer sich selbst nicht mit einbringt, steht in der großen Gefahr, leer auszugehen. Wer vom Gottesdienst nichts erwartet, wird selten durch den Gottesdienst beschenkt.

Also: Lassen wir uns vom Psalm anregen zu neuer Freudigkeit. Dann wird unser Reden und Musizieren göttlich, selbst unter bescheidenen Umständen. - Das Gotteslob erkennt man sehr oft an seiner strahlenden Freudigkeit.

Das alles zu sagen ist dieser Tage notwendig, weil so viel Mangel an Erkenntnis, so viel Undank und Misstrauen, so viel unfrohes, missmutiges und verdrossenes Wesen das Gotteslob der Gemeinde zu lähmen droht.

Der Psalm 100 ist – bei genauer Betrachtung – so etwas wie ein Beipackzettel für geistliche Medizin. Wer geistlich gesund bleiben oder gesund werden will, lese und fange an, neue Lieder zu singen.

Damit das in Crottendorf geschehen kann, hat Gott dafür gesorgt, dass ihr diese schöne Kirche habt und in ihr eine besonders gute Orgel.  - „Jauchzet dem HERRN, alle Welt! Dienet dem HERRN mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!“

 

Amen.

 

 




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