Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Festgottesdienst zur Orgelweihe in Crottendorf am 28.10.2007

Superintendent i.R. Stabe

Predigttext: Psalm 149,1.5.6

„Singt dem Herrn ein neues Lied. Sein Lob erschalle in der Gemeinde der Frommen. In festlichem Glanz sollen die Frommen fröhlich sein und ihn rühmen. Loblieder auf Gott sollen in ihrem Munde sein.“

 

Liebe Gemeinde,

mit dem heutigen Gottesdienst geht die Festwoche aus Anlass der Orgelweihe zu Ende. Dankbar und stolz können wir auf das Ge­leistete zurückschauen. Es ist in unserem Gotteshaus wieder et­was neu und schön geworden. In Kirchenvorstandsprotokollen und in einer künftigen Chronik wird das beachtlichen Ausdruck finden. Aber genügt das schon? Und war das allein Sinn und Zweck aller Anstrengungen?

 

Mir ist die neue Orgel zum Sinnbild für die Gemeinde geworden. Die vielen Pfeifen einer Orgel gehören zusammen und ergänzen einander. Für die Klangfülle des Instrumentes sind alle wichtig. Jede Pfeife hat ihren ganz bestimmten Platz. Vom Orgelbauer sind sie mit ihrem jeweiligen Ton sinnvoll einander zugeordnet und durch ein schönes Gehäuse werden sie zusammen gehalten.

 

Genau das gilt auch für die Gemeinde Jesu. Wir gehören zusammen und wir brauchen einander. Dabei ist die Gemeinde genauso viel­fältig, wie es die Pfeifen einer Orgel sind:

- die Schwachen und Kleinen brauchen die Starken und Großen und umgekehrt

- die Lauten brauchen die Stillen und umgekehrt

- die hauptamtlichen Mitarbeiter brauchen die ehrenamtlichen und umgekehrt

- die Kinder brauchen die Erwachsenen und umgekehrt

Und diese Gemeinde wird schließlich zusammen gehalten durch das Gehäuse, d.h. durch geschwisterliches Miteinander und opferbe­reite Liebe füreinander. Nur so bekommt die Gemeinde den vollen Klang zur Ehre Gottes. Gemeinde ist ja nicht ein Häuflein von religiösen Genießern oder Egoisten, sondern ein vielstimmiges Konzertinstrument - wie eine Orgel. So wie man eine Orgel nicht baut und dann rumstehen lässt, so ist eine Gemeinde nicht dazu da, dass man sie statistisch erfasst und dann sich selbst überlässt. Das heißt: wenn wir in diesen Tagen das Fest einer neuen Orgel feiern, dann geht es eben auch um das Fest der Gemeinde­erneuerung! Beides gehört zusammen. Was nützt eine neue Orgel ohne eine geistliche Erneuerung der Gemeinde? Was nützen die schönen Töne einer Orgel, wenn unser Herz verzagt und unsere Liebe zu Jesus und zueinander erloschen ist?

 

Aus dem Predigttext in den Psalmen werden uns darum 3 wichtige Hinweise gegeben:

1) die neue Orgel ist ein Grund zur Dankbarkeit

Am vergangenen Sonntag sind im Gottesdienst viele Dankesworte gesagt worden. Grund zur Dankbarkeit gibt es nach 5-jährigen Baumaßnahmen in der Tat sehr viel. Aber Dankbarkeit ist nicht nur eine Sache von Worten. Sie zeigt sich in unserem Fall auch darin, inwieweit das Gotteshaus uns zur sonntäglichen Wohnstube wird. Unsere Anwesenheit im Gottesdienst und in kirchenmusika­lischen Veranstaltungen ist immer auch ein Zeichen unserer Dankbarkeit vor Gott. Die innigste Form aller Dankbarkeit ist die Anbetung Gottes an dem Ort, wo seine Ehre wohnt.

 

Vor Jahren besuchte ich einen ganz normalen Gottesdienst in einer Moskauer Gemeinde. Nach dem Gottesdienst war Bibelunter­richt. Danach war eine kurze Mittagspause. Um 15 Uhr ging das Programm thematisch weiter, getrennt für Jugendliche und Erwachsene mit Kindern. Gegen 16 Uhr fragte ich 2 junge Leute, ob das nicht ein bisschen zu viel ist. Sie waren sehr verwundert und sagten: „Der Sonntag ist doch der Tag des Herrn, da ge­hören wir ins Gotteshaus.“ Weiteres Fragen war mir da vergangen. Nachahmung ist nicht möglich - Nachdenken schon!

Dankbarkeit ohne Auswirkungen im Alltag ist freilich unglaub­würdig. Dankbarkeit nimmt die Wesensart Gottes in unsere All­tagsbeziehungen mit hinein:

in Worte für Menschen, die Zuspruch brauchen

in Fürbitte für resignierte und depressive Menschen unserer Umgebung

in Gestalt von Anerkennung für Anstrengungen und Leistungen in der Gesellschaft

als Gebet am Tagesbeginn - trotz Schlafstörung, Schmerzen und Problemen

Auf den Punkt gebracht:

- Dankbarkeit gibt jedem Tag ein neues positives Vorzeichen.

- Dankbarkeit macht Glauben lebendig.

- Dankbarkeit ist der Grundton eines erfüllten Lebens.

 

2) Die neue Orgel ist ein Anlass zum Feiern

Das Festefeiern ist uns keineswegs fremd. Man muss schließlich die Feste feiern wie sie fallen, warum also nicht auch das Fest einer Orgelweihe. Aber bei Lichte besehen, feiern wir uns oft nur selbst und das, was wir dabei genießen können und geschafft haben. Weil Feiern weithin zum Selbstzweck geworden sind, haben sie nicht selten einen faden Beigeschmack oder ein unrühmliches Ende. Solche Feiern meint die Bibel nicht. Sie sagt: „In fest­lichem Glanz sollen die Frommen fröhlich sein und ihn rühmen“.

 

Ich frage mich oft: Sind unsere Gottesdienste noch Feste? Haben die einzelnen Teile unserer Gottesdienste noch etwas mit Feiern zu tun? Ich lese immer mit großem Interesse von Gemeinden, die wachsen und eine große Anziehungskraft haben. Da beginnt das Feiern schon vor der Kirchentür, wenn man sich trifft und herz­lich begrüßt. Und wenn dann die Kleinen liebevoll auf den Armen ins Gotteshaus getragen und die Alten und Behinderten in die Mitte genommen werden. Was ist ihr Geheimnis? Ich meine: sie feiern Gott mit Herzen, Mund und Händen. Salopp könnten wir sagen: da geht die Post ab! Genau besehen ist es aber so: da bläst Gottes Geist in die versammelte Gemeinde, wie die Luft in die Orgelpfeifen. Das Geheimnis einer fröhlichen, glaubens­starken Gemeinde ist das Wirkenlassen des Heiligen Geistes! Nicht durch Überschwänglichkeit frommer Floskeln, sondern durch Natürlichkeit herzlicher Liebe zu Gott und untereinander. Gottesdienst feiern sollte das höchste und schönste aller unserer Feste sein, denn unser Gott liebt Menschen, die ihn feiern!

 

3) Die neue Orgel ist eine Aufforderung zum Gotteslob

„Sein Lob erschalle in der Gemeinde der Frommen.“ Der Klageton unserer Zeit hält leider auch in unseren Kirchen immer mehr Ein­zug. Da heißt es:

die Statistik spricht gegen die Zukunft der Kirche

die Finanzen der Kirche haben die Beine angezogen, hauptamtliche Mitarbeiter müssen

eingespart werden,

Verwaltungszusammenlegungen lassen Befürchtungen aufkommen.

- vor allem aber verliert das geistliche Leben unter uns an Kraft und Ausstrahlung

- aufwendige Programme bleiben weithin ohne geistliche Wirkung

Da tut uns eine neue Orgel gut - ich meine eine Neubesinnung auf das Gotteslob.

 

Im Buch der Psalmen gibt es auch Klagelieder, Worte der Anfech­tungen und Ängste. Aber am Schluss dominieren die Lobgesänge. Ist das Zufall? Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und Instrumenten sollen die Frommen Gott von Herzen loben. Dazu muss nicht nur der Kantor kräftig in die Tasten greifen. So wie die Luftzufuhr in den Orgel-Pfeifen stimmen muss, so müssen sich auch unser Herz und Mund öffnen zum Lobe Gottes durch seinen Geist. Wir dürfen das Rühmen unseres Gottes nicht nur an Instru­mente delegieren. Und das Beklatschen eines Orgelkonzertes ist noch lange kein Ersatz für eigenes Singen und „Frohlocken der Frommen“.

Das Lob Gottes ist nämlich immer auch eine Kampfansage an die krankmachenden Gedanken und resignierenden Gefühle in uns. Wo das Gotteslob verkümmert, verkümmert die Gemeinde! Und wo das Klagen dominiert, verliert die Kirche wirklich ihre Zukunft!

Darum prägt es euch gut ein: „In festlichem Glanz sollen die Frommen frohlocken, an ihrem Platz sollen sie Gott zujubeln.“

 

Jedes Gotteslob kehrt als Segen in unser Leben zurück.  Amen

 

 




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