Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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3. Advent 2007

Text: Offb 3,1-6

1 Und dem Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: Das sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot.

2 Werde wach und stärke das andre, das sterben will, denn ich habe deine Werke nicht als vollkommen befunden vor meinem Gott.

3 So denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und halte es fest und tue Buße! Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde.

4 Aber du hast einige in Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; die werden mit mir einhergehen in weißen Kleidern, denn sie sind's wert.

5 Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln.

6 Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

 

 

Liebe Gemeinde !

 

Man schrieb das Jahr 1815. Mit feinen Bleistiftstrichen skizzierte Caspar David Friedrich die Jacobikirche von Greifswald auf einen Bogen Papier, besser gesagt: das, was von dem spätgotischen Backsteinbau noch übrig geblieben war.

Zu sehen ist auf dem Bild nur eine Ruine.

Auf der Bleistiftzeichnung sieht man schlanke, glatte Rundsäulen, stellenweise mit Rissen – sie  tragen die Ansätze des eingefallenen Gewölbes. Kein Dach ist mehr vorhanden. Man kann vom Kirchenschiff aus den Himmel sehen und auf den Gewölbeansätzen breitet sich überall Vegetation aus.

Moos und Sträucher wachsen dort, wo sich früher der Lobgesang der Gemeinde gebrochen hat.

Der Fußboden ist nicht mehr eben – er ist mit Fragmenten zerbrochener Säulen und Resten von Steinplatten übersät. Da wo die Gemeinde ohne zu stolpern zum Tisch des Herrn gehen konnte, sind Schuttberge zu sehen.  Man kann in dieser Kirche nicht mehr auf freier Bahn zum Altar gehen.

Nur im Chor ist das Gewölbe noch geschlossen. Doch die Chorfenster mit ihrem zerstörten Maßwerk präsentieren sich in einem jämmerlichen Zustand.

Wie kam Caspar David Friedrich darauf, seine Heimatkirche gerade so zu malen? - In diesem zerstörten Zustand? Man muss dazu wissen, dass die Jakobikirche in Greifswald nie zerstört war und sich nie in einem solch ruinösen Zustand befand. Sie war auch 1815 noch immer die wunderschöne spätgotische Kirche, in der Sonntag für Sonntag Gottesdienst gefeiert wurde.

Warum malte Caspar David Friedrich seine Kirche im zerbrochenen und verwüsteten Zustand? Ging hier der Künstler einfach nur einer romantischen Lust an den Ruinen nach - oder wollte er seine Zeitgenossen wachrütteln? Wollte er den Mitchristen seiner Generation  den wahren Zustand der Kirche zeigen? Wollte er der Gemeinde einen prophetischen Spiegel vorhalten, damit sie erkennen kann, wie Gott die Kirche sieht? Wollte er den Blick wegführen von dem, was den Menschen „vor Augen steht“ und hinführen zu dem, was der tatsächliche innere Zustand ist?

Das Thema unseres heutigen Predigttextes ist ähnlich gelagert. Der Schreiber der Sendschreiben stellt eine Diskrepanz fest zwischen dem, was er von Gott gehört hat und dem, was er aus der Gemeinde von Sardes (gewissermaßen als Selbsteinschätzung) vernahm.

Sardes war einst die Hauptstadt Lydiens (heute Türkei).

Aus drei verschiedenen Gründen soll Sardes zu einem sagenhaften Reichtum gekommen sein. Zum einen fand man im Fluss Paktolos Gold. Zum anderen lag Sardes an einer wichtigen Handelsstraße. Und zum dritten gab es hier ein hoch entwickeltes Gewerbe. Man stellte eine besondere Wolle für Teppiche her. Also: Begünstigt durch die Natur - aber auch durch Fleiß und Geschicklichkeit der Menschen war die Stadt zu Reichtum und Angesehen gekommen. Wem kann man es verdenken, dass Selbstsicherheit und Stolz das Bewusstsein der Menschen bestimmte.

Als  um das Jahr 95 das Sendschreiben an die Gemeinde in Sardes erging, war die Stadt Teil der römischen Provinz Asia. Im Jahr 17 wurde das Gebiet um Sardes von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Die Stadt und das ganze Gebiet wurde verwüstet. Der römische Kaiser Tiberius erließ 5 Jahre lang alle Steuern und die Stadt konnte durch eine große Finanzspritze wiederaufgebaut werden.

In dieser Stadt, die eben erst aus den Trümmern erstanden war, gab es eine Gemeinde von Christen, die noch keine 50 Jahre existierte.  Es war also eine junge Gemeinde, in der noch Christen der 1. Generation lebten. Vieles schien - von außen betrachtet - auf eine sehr lebendige Gemeinde hinzuweisen. Vielleicht spiegelte sich in der  Gemeinde etwas vom Selbstbewusstsein und Erfolgsdenken der Menschen von Sardes wieder. Vielleicht profitierten die Christen auch vom Bonus der jungen Gemeinde.

Junge Gemeinden haben es ja in vielerlei Hinsicht einfacher. Sie schleppen nicht so viele Traditionen mit sich herum. Sie beginnen bei „0“ und müssen nicht auf Überkommenes achten. Es scheint einfacher zu sein, neue Gleise zu verlegen, als auf den alten Gleisen vorwärts zu kommen.

Auf jeden Fall war die Gemeinde in Sardes unter den Nachbargemeinden als eine lebendige Gemeinde bekannt. Das bestätigt der Apostel Johannes in seinem Brief. Er schreibt: „Du hast den Namen, dass du lebst.“ Doch noch im gleichen Atemzug schlägt die Sache um. Noch im gleichen Satz heißt es: „und bist tot!“ Warum so ein hartes Urteil?  

Wir können es nur vermuten: Vielleicht waren die sardischen Christen selbstsicher und zu selbstzufrieden? Sie merkten gar nicht, dass viele gute Werke in den Augen des Herrn nicht alles sind. Es gibt etwas, was noch vor den Werken kommt und was der Herr auf jeden Fall sucht.

Vielleicht lief das Gemeindeleben gut organisiert ab, aber es stand kein wirkliches, geistliches Leben dahinter.  Viel Betrieb und Organisation, aber kein Auferstehungsleben.

Vielleicht konnte man  soziale Erfolge vorzeigen – aber untereinander knisterte es. Man setzte sich auseinander. Man wollte mit dem und mit jenem nichts zu tun haben.

Vielleicht hatte es die Gemeinde auf ein hohes kulturelles Niveau gebracht. Die Gesänge waren prächtig – aber die Liebe zu Jesus war wohltemperiert. Vielleicht war die Liturgie spitzenmäßig, aber das Gespräch mit Gott geschah nicht wirklich, sondern nur noch in Formeln. Vielleicht war in der Gemeinde viel los – ohne dass im Glauben etwas losging.

Immerhin – Jesus hat diese Gemeinde nicht aufgegeben. Darum lässt er ja diesen Brief schreiben. Er richtet einen Weckruf  an die Christen von Sardes. Und dieser Weckruf soll die Gemeinde aus der Schläfrigkeit reißen.

Geistliche Schläfrigkeit ist etwas Gefährliches. Wenn Menschen im Eis eingeschlossen sind, müssen sie wachbleiben. Wenn sie einschlafen, wachen sie meistens nie wieder auf. Die Schläfrigkeit hat den Hauch des Todes um sich. 

Nicht umsonst ruft Jesus die Christen besonders in der Zeit vor seinem Kommen zur Wachsamkeit. Die Zeit vor dem Kommen unseres Herrn scheint eine Art geistliche Eiszeit zu sein. Von dieser Zeit sagt der Herr: „Die Liebe wird in vielen erkalten“ (Matt 24,12). Gerade darum ist geistliche Schläfrigkeit so gefährlich. Und gerade darum ist der Weckruf unseres Herrn so wichtig. Nicht die Welt braucht den Weckruf Gottes – die schläfrige Christenheit muss den Weckruf des wiederkommenden Herrn hören.

Hören wir aus dem Sendschreiben an die Gemeinde von Sardes 4 geistliche Anweisungen zum Wachbleiben.

1. Denke daran, was du empfangen hast!

Jesus erinnert uns hier an den Anfang des Glaubensweges!

Wie war das, als wir Jesus zum ersten Mal in unserem Leben wahrgenommen haben? Wie war das, als wir erkennen durften, was dieser Herr am Kreuz für uns getan hat? Wie war das, als wir zum ersten Mal in unserem Leben seine vergebende Hand erlebten – wie Jesus uns alle Schuld mit einem Mal durchstrich? Wie war das, als wir das Geschenk der Taufe erkannten und begannen IHM nachzufolgen?

Ich denke gern daran zurück, als ich zum Glauben kam. Mich zog es in die Gottesdienste zu den Brüdern und Schwestern. Ich las begierig die Bibel. Gebetserhörungen ließen den Glauben wachsen. Der Herr stellte die Weichen in meinem Leben. Das heilige Abendmahl wurde mir wichtig und ich entdeckte eine völlig neue Welt – die Welt des Glaubens. Ich fand das alles unheimlich spannend. Mein Leben bekam eine neue Dynamik.

„Denke an das, was du empfangen hast.“ Neues Leben haben wir empfangen. Seinen Heiligen Geist haben wir empfangen. Und der Herr ist treu – was Er gegeben hat, das hat er nicht zurückgezogen.

Als Gemeinde Jesu leben wir davon, dass wir nicht vergessen, was Gott an uns Gutes getan hat! Wir leben darin, dass wir im Glauben auf den Realitäten und Heilstaten Gottes stehen. Denke daran, was du empfangen hast!

2. Halte fest, was der Herr dir gegeben hat:

Festhalten heißt nicht, dass wir krampfhaft versuchen, unseren Besitzstand zu wahren. Die Geschichte der Christenheit zeigt immer wieder, dass uns alles Äußere von jetzt auf dann genommen werden kann. Wir wollen nicht am Vergänglichen kleben bleiben. Gegenüber den vergänglichen Dingen brauchen wir eine königliche Freiheit.

Wir sollen uns an Jesus Christus festhalten! In IHM bekommen wir festen Halt und Grund unter den Füßen. Und wir bekommen Kraft und Liebe und Hoffnung zum Weitergehen. In IHM haben wir ein festes Ziel vor Augen. Halte fest am Wort Gottes. Halte fest an seinen Geboten, in denen er seinen guten Willen für uns geoffenbart hat. Es wird uns gut tun, sie zu befolgen. Halte fest an Jesus, der uns seinen Heiligen Geist schenkt, damit wir so leben können, wie er es vorgeschlagen hat.

3. Tue Buße:

wörtlich heißt es: kehre um, ändere dein Denken und Handeln, dein Leben, richte dich aus auf den lebendigen Gott und Sein Reich!

Umkehren muss derjenige, der abgewichen ist, der sich verlaufen hat, der eigene Wege gegangenen ist.

Haben wir nicht immer wieder Neuorientierung nötig?

Im Ruf zur Umkehr klingt die ganze Freundlichkeit Gottes an. Er lässt uns nicht einfach dahin laufen. Er will, dass wir zum Ziel finden. Umkehr ist Gnade! Und Gnade ist Leben.

Martin Luther sagt: „Wo Vergebung ist, da ist Leben und Seligkeit.“ Wo aber keine Vergebung ist, da herrscht der Tod.

In meinem Beruf als Fernmeldemechaniker musste ich von früh bis abends Relais und Wähler neu justieren. Durch den ständigen Betrieb verstellte sich da etwas. Der Druck der Federn ließ nach, es nutzte sich etwas ab. Damit alle Wähler und Relais gut funktionierten, mussten sie nachgestellt werden.

So muss auch in unserem Glaubensleben immer wieder etwas nachjustiert werden. Wenn die Wähler und Relais nicht justiert waren, klappte die Verbindung nicht. Die Teilnehmer konnten wählen was sie wollten, sie kamen nie dort an, wo sie wollten. So ist es auch im Glauben, wir müssen uns immer wieder am Wort Gottes prüfen und gegebenenfalls Dinge in unserem  Leben neu ordnen, damit die Verbindung zu unserem Herrn bleibt. Darum geht es, dass wir mit Jesus eine lebendige Verbindung haben.

4. „Werde wach und stärke das andere, das sterben will.“

Wach werden muss, wer sonst die entscheidende Stunde verschläft. Die Christen in Sardes waren „schläfrig geworden“; Johannes traut ihnen jedoch zu, dass sie noch einmal wach werden können.

Ja, er traut ihnen noch mehr zu! Er traut ihnen zu, dass sie andere wachrütteln „Stärke das, was sterben will!“ Er mutet ihnen zu, auch andere zum Leben zu erwecken.

So hoffnungslos steht es also um die Gemeinde in Sardes noch nicht. Aber deutlich wird, was Johannes unter einer lebendigen Gemeinde versteht: Sie wirkt in ihrem Glauben und Leben ansteckend. Sie stiftet zum Leben an und ruft Menschen heraus aus der Finsternis der Welt ins Licht des Evangeliums. Sie ruft heraus aus dem Tod der Sünde ins Leben mit Jesus.

Im Glauben haben wir nur, was wir nicht für uns behalten, sondern mit anderen teilen. Das ist ein geistliches Gesetz: Was wir weitergeben und teilen, das bleibt uns erhalten, was wir für uns behalten, was wir konsumieren  und konservieren, das rutscht uns weg!

Soweit die 4 geistlichen Anweisungen zum Wachbleiben.

Denke an das, was du empfangen hast. Halte es fest. Tue Buße. Werde wach und stärke die anderen.  

Ich möchte zum Schluss noch einmal auf das Bild von Caspar David Friedrich zurückkommen. Er sieht seine Kirche als Ruine. Aber zwei Dinge sind unversehrt geblieben. Auf der Bleistiftzeichnung sieht man, dass die Kanzel und der Altar mit dem Kruzifix erhalten geblieben sind. Damit will uns doch wohl

Caspar David Friedrich sagen: Wo Gottes Wort noch zu vernehmen ist und wo sein Altar aufgerichtet und in Betrieb ist, da ist die Kirche nicht verloren.

So haben es unsere geistlichen Väter erkannt und im Augsburger Bekenntnis festgehalten: CA 7 „Es wird gelehrt, dass allezeit müsse eine heilige christliche Kirche sein und bleiben, welche ist die Versammlung aller Gläubigen, bei welcher das Evangelium rein gepredigt und die Sakramente laut des Evangeliums gereicht werden.

 

Und der Friede Gottes…

 




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