Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Weihnachten 2007

Predigtext: Gal. 4,4-7

4 Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, 5 damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen. 6 Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! 7 So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.

 

Liebe Gemeinde!

 

Wie war bei Ihnen der Heilige Abend? Ernüchternd oder stimmungsvoll? Nicht wahr - Stimmung gehört doch zu Weihnachten dazu?! Im Schein der Kerzen, bei Weihrauch-Duft und Gänsebraten, vom CD-Player der Dresdner Kreuzchor und in der Familie ein halbwegs harmonischer Geschenkeaustausch suchen wir ein Stück heile Welt, die uns sonst fern und  verloren scheint.

Nur sind eben Stimmungen ziemlich schnell vorbei. Stimmungen sind aus einem Stoff, der sich schnell verflüchtigt. Sie tragen nicht im Leben. Sie verduften wie Parfüm  und zerrinnen wie Wachs. Sie können nicht zum Fundament werden, auf dem man aufbaut.

Ich habe nichts gegen Stimmung. Es muss nur die richtige Stimmung sein. Dabei denke ich an den Kantor. Wenn er die Stimmgabel anschlägt, sie ans Ohr hält und für den Chor den richtigen Ton anstimmt, dann sollen die anderen diesen Ton übernehmen. Ohne eine gemeinsame Stimmung wäre es unmöglich, in der Gruppe ein Lied zu singen. Ohne gestimmte Instrumente wäre ein Konzert grausam anzuhören.

So verstehe ich das mit der Stimmung zu Weihnachten. Wir sollen zu Weihnachten richtig in Stimmung kommen – aber wirklich richtig! Zu Weihnachten gilt es, den richtigen Ton zu finden – den richtigen Einklang mit Gottes Handeln.

Wir sollen in Einklang kommen mit Gott. Der Himmel öffnete sich in der heiligen Nacht, damit die Menschen untereinander zu einem Zusammenklang finden. Gott sprach zu den Menschen. Der richtige Ton wurde angestimmt. Die Botschaft, die da erklang, soll von uns Menschen aufgenommen und angenommen werden. Ja, unser Leben soll damit in Einklang gebracht werden. So möchte ich das Weihnachtsgeschehen umschreiben: Gott brachte das richtige Geschenk zur richtigen Zeit, damit wir das richtige Leben haben.

1. Das richtige Geschenk

Manchen ist es in die Wiege gelegt, mühelos für die Familienangehörigen das richtige Weihnachtsgeschenk auszusuchen – mir nicht. Mir fällt es regelmäßig unheimlich schwer. Zum einen weil ich immer erst meine Aufgaben im Pfarramt erledigt sehen will. Ohne die Weihnachts-Predigten geschrieben zu haben, finde ich keine Ruhe. Und dann ist es meistens kurz vor dem Fest. Es ist jedes Mal wenig Zeit für die Geschenke-Suche. Und zum andern will man ja nicht 0-8-15 schenken, sondern originell - und dass heißt auf jeden persönlich abgestimmt, sodass der Beschenkte überrascht ist und froh wird.

Ist die Schenkerei nicht manchmal eine Not? Erna überlegt sich, ob ihr Geschenk denn auch soviel wert sei wie das vom Paul. Und Nina hofft darauf, dass Onkel Otto kein Geschenk für sie hat, weil sie keins für ihn hat. Klein Frieda bricht in Tränen aus, weil sie sich bei ihrem Weihnachtswunsch etwas ganz anderes vorgestellt hat. Und Klaus schlägt krachend die Tür hinter sich zu, weil der Tochter der Brillantring immer noch nicht genug war.

Haben wir nicht alle irgendwie Mühe mit dem Schenken und mehr noch: mit dem Beschenkt werden? Ich gebe zu, unser PT hat nicht gerade eine weihnachtliche Aura um sich. Alle weihnachtlichen Personen, die man erwartet, kommen hier nicht vor. Aber wir kommen darin vor. Und es kommt ein weihnachtliches Problem darin vor – das Problem mit dem Beschenkt-Werden – oder Sich-schenken-Lassen. Vielleicht wurde dieser Text deshalb für Weihnachten ausgesucht.

Die Christen in Galatien hatten ein Problem mit dem Beschenkt-Werden. Sicher war es anders gelagert als bei uns. Aber es gibt doch eine Vergleichsebene.

Der Apostel Paulus schrieb diesen Brief an die Christen in Galatien. Galatien lag, grob gesagt, zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer. Heute liegt dieses Gebiet in der Türkei. Die Galater waren Kelten. Bei Ankyra wurden sie im 3. Jhdt. v.Chr,. ansässig. Ankyra ist das heutige Ankara (Hauptstadt der Türkei). Paulus ist mindestens 2 Mal in Galatien (Apg 16,6 und 18,23) gewesen. Er hat dort selbst das Evangelium gepredigt. Menschen kamen zum Glauben. In Galatien entstanden christliche Gemeinden.

Eines Tages bekam der Apostel Paulus von dort beunruhigende Nachrichten. Wir hätten sie vielleicht gar nicht für so schlimm angesehen. Für Paulus ging es hier ums Ganze.

In den galatischen Gemeinden war (durch irgendwelche Prediger) eine Lehre eingesickert, die die Christen verunsicherte und ihnen die Glaubensfreude nahm. „Gott schenkt seine Gnade doch nicht einfach so“ wurde gesagt. „Man muss dafür auch etwas tun.“  „Das wäre doch zu billig, einfach nur an Jesus zu glauben. Nein, die Anweisungen des Gesetzes sind nicht ad acta gelegt.“

Das hat den Apostel dazu getrieben, sich hinzusetzten, seinen Federkiel zu spitzen und den Galatern zu schreiben: „Gott sandte seinen Sohn, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste.“

Hier liegt der Vergleichspunkt mit Weihnachten. Das Geschenk, das Gott uns macht, ist so groß, so gewaltig, so allumfassend, das wir IHM nichts – aber auch gar nichts an Gegenwert zurückgeben können – weder zuvor noch danach. Wir können nichts anderes tun, als es uns schenken zu lassen. Wir können das Geschenk Gottes weder verdienen, noch Gott nachträglich dafür belohnen. Das Geschenk Gottes ist so genial, dass es aus uns neue Menschen macht, die dadurch in einen ganz neuen Stand gehoben werden und dadurch ein ganz neues Wesen bekommen.

Was ist das Geschenk Gottes? Gott schenkte uns seinen Sohn. Etwas anderes hätte Gott nicht geben können. Etwas Besseres hätte Gott uns nicht schenken können. Für andere Dinge hätten wir vielleicht Gott etwas zurückgeben können – aber für den Sohn? – für seinen lieben Sohn können wir nichts Gleichwertiges und Ebenbürtiges finden.

Und der Sohn ist genau das, was wir brauchen – wir werden noch davon hören. Wir brauchen nichts, was uns veredelt. Wir brauchen  den Sohn, damit wir wieder das werden, was wir sein sollten. Gott gab uns genau das Richtige – den Richtigen.

Und das ist nun die Weihnachtsfrage. Kommen wir damit in Einklang. Lassen wir uns dieses große Geschenk Gottes vorbehaltlos schenken?

2. Das richtige Geschenk zur richtigen Zeit

Immer schon hat mich dieser Satz fasziniert: „Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn“.  Ich stelle mir das in meiner Naivität so vor: Eine Ewigkeit lang war Gott mit Jesus im Gespräch. Es ging in diesem Gespräch um unsere Erlösung, um einen neuen Himmel und eine neue Welt.

Daran denke ich jedenfalls, wenn ich im Johannesevangelium lese: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“ Gott hat Jesus nicht einfach befohlen, Mensch zu werden. Da war ein innerer Einklang vorhanden. Da geschah eine Vorbereitung. Und dieser Einklang wurde im Wort hergestellt.

Eine Ewigkeit lang war Gott mit Jesus im Gespräch bis der Augenblick gekommen war und der Sohn Gottes Mensch wurde. Die Geschehnisse in der göttlichen Heilsökonomie sind keine Hauruck-Aktionen. Alles wird in Liebe bereitet. Und auch das, was wir Zeit nennen, ist ein Ergebnis des Wortes und der Liebe (zwischen dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist).

Jesus wurde nicht erst dann zum Sohn, als er geboren wurde. Er kam als Sohn. Gottes Sohn und Menschensohn ein Geheimnis, dass man nur so nebeneinander hören und bezeugen kann. Mehr verrät uns die heilige Schrift nicht. Weniger mutet sie uns aber auch nicht zu.

Die menschliche Linie können wir gut nachvollziehen, weil unser Leben auch mit einer Geburt beginnt. Die göttliche Linie können wir jedoch nur nachbuchstabieren und versuchen, sie nachzuvollziehen. Sie wird uns in den Worten angedeutet: „Als die Zeit erfüllt war“.  Und auch das ist menschlich ausgedrückt.

Zeit ist eine menschliche Kategorie. Für Gott läuft keine Zeit.  

Wir können immer nur im Nachhinein die Ereignisse der Zeit zuordnen und hinterher sagen, ob sie gut oder schlecht waren.

Im Blick auf die Geburt Jesu kann man nur dick unterstreichen, was Paulus an die Galater schrieb. Es gab keinen besseren Zeitpunkt in der gesamten Geschichte als dieser.

Das damalige Imperium Romanum hatte fast seine größte Ausdehnung erreicht. Vom Ararat in Armenien bis zum Atlantik in Spanien und Gallien – vom Nil in Ägypten bis zur Elbe in Germanien reichte dieses Reich. Überall galt die gleiche Währung und das gleiche Recht. Man konnte leicht reisen. Die Römer hatten zu See und auf dem Landweg eine gute Infrastruktur geschaffen. Für die Ausbreitung des Evangeliums waren günstigste Bedingungen vorhanden.

Auch in religiöser Hinsicht war die Zeit reif geworden. Im ganzen Imperium standen die Tempel mit den vielen unterschiedlichen Göttern. Die Römer hatten  ein integratives Religionssystem. Tauchte irgendwo an den Grenzen des Reiches, in den neu eroberten Gebieten eine neue Gottheit auf, baute man sie in das Pantheon, den römischen Götterhimmel ein. Nur der Glaube der Juden und der Christen passte nicht dazu. Der Glaube an den einen Gott, der alle anderen Götter ausschloss, schlug ein wie ein Bombe. Wenn Jesus zu Jupiter oder Vesta oder Mars oder Venus gepasst hätte, hätte sich keiner daran gestoßen und niemand hätte Notiz von diesem neuen Glauben genommen.

Auch in politischer Hinsicht war die Zeit reif. Überall im Imperium waren die römischen Legionen stationiert. Und im Fahnenheiligtum einer jeder Legion stand das Bildnis der Göttin Roma und des Kaisers Augustus. Ein Mensch wurde als Gott verehrt. Die Zeit war reif. Die Christen konnten hier keinen Kompromiss eingehen. „Kyrios ist Jesus“ war ihr Bekenntnis. „Kyrios ist Augustus“ war das Staatsbekenntnis – das konnten die Christen nicht mitsprechen, selbst wenn es für sie gravierende Folgen hatte. Es kam zur Auseinandersetzung.

„Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn“. Wenn man einwenig die Geschichte kennt, kann man nur sagen: „Wie wahr ist dieser Satz.“

Man kann und darf aber auch die Wahrheit dieses Satzes ausdeuten und erweitern. Wenn gilt, dass Gott in der großen Geschichte handelt und eingreift, dann dürfen wir uns dessen auch gewiss werden, dass diese Wahrheit ebenso für unser Leben gilt. Gott handelt immer zur richtigen Zeit. Gott kommt immer zum richtigen Augenblick. Immer im richtigen Moment schenkt er das Richtige. Es besteht kein Grund zur Eile oder zur Nachlässigkeit. Es besteht kein Grund zur Hast oder zur Nachlässigkeit. Darauf darf der Glaube ruhen: Zur richtigen Zeit geschieht das von Gott her, was geschehen soll. Das lähmt uns nicht und das macht uns nicht bequem und faul, sondern gespannt und geborgen.

3. Das richtige Geschenk zur richtigen Zeit, damit wir das richtige Leben bekommen.

Was will uns Gott mit seinem Sohn schenken? Warum sandte Gott seinen Sohn  in die Welt? Antwort: „Damit wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!“

Bei Gott stimmt das Äußere immer mit dem Inneren überein.

Wir kommen Gott gegenüber in einen neuen Stand. Wir werden seine Kinder. Wir bekommen das Recht, sein Kind zu sein. In geistlicher Beziehung geht es sehr viel um rechtliche Tatsachen. Niemand kann das anfechten, was Gott als Tatsache geschaffen und geschenkt hat. Wir sind Seine Kinder.

Das muss aber auch von uns selbst nachvollzogen werden. Wir müssen uns dessen gewiss sein. Dazu sendet Gott uns seinen Heiligen Geist ins Herz. Der Geist Gottes betet in uns das Vatergebet – und das zu Recht!

Zum Ausklang möchte ich noch einmal an den Einklang erinnern. Gottes Wort will uns in dem besagten Sinn zur richtigen Weihnachtsstimmung helfen. Es gibt nichts Größeres und Schöneres als ein Kind Gottes zu sein. Weihnachten ist wirklich nur ein Fest für die Kinder.

Wenn ich meine Gitarre stimme, dann muss ich manche Saite lockern, damit sie tiefer klingt. Und manche Saiten muss ich spannen, damit sie höher klingt.

In unseren natürlichen menschlichen Stimmungen mögen wir vielleicht euphorisch sein oder auch depressiv. Weihnachten will uns in einer ganz anderen Weise in Stimmung bringen. „So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.“

 

Amen

 

 

EG 36,1-5 Fröhlich soll mein Herze springen

 




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