Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Palmarum - Konfirmation 2008

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

Liebe Eltern und Paten, liebe Gemeinde!

 

Für diese Predigt habe ich ein  kleines botanisches Experiment gestartet. Ich gebe zu, meine gärtnerischen Fähigkeiten sind nicht weit her. Das ist das Ergebnis!

In einem Fall scheint die Sache geglückt zu sein. Die Pflanze sieht gesund und kräftig aus. In den beiden anderen Fällen scheint irgendetwas schief gegangen zu sein.

Auf alle Fälle lohnt es sich, der Sache auf den Grund zu gehen. Wenn man wissen will, warum etwas schief gegangen ist, muss man sich der Mühe unterziehen und  nach den Ursachen forschen. Und das will ich jetzt tun.

Ich überlege mir, warum die beiden Pflanzen hier so schlaff herumhängen und was der Grund dafür sein könnte, dass die eine Pflanze gesund aussieht.

Meine erste Idee wäre: Es könnte am Gärtner liegen. Er könnte vergessen haben, die beiden „Schlaffies“ zu gießen. Aber wie will ich das nachprüfen? Den Gärtner könnte ich nur zur Rede stellen, wenn ich ihn auf frischer Tat ertappt habe. Aber wie will ich ihm nachweisen, dass er etwas versäumt hat?  Ich konnte nicht den Gärtner beobachten. Es war keine Zeit, sich hinzusetzen und zu kontrollieren. Außerdem ist  das, was in der Vergangenheit liegt, ein für alle Mal vorbei.

Mein zweiter Gedanke ist: Die beiden Pflanzen könnten eine Krankheit haben. Aber da bin ich total überfordert. Ich müsste einen Spezialisten zu Rate ziehen. Dafür ist aber im Moment keine Zeit.

Bleibt mir drittens nur das Naheliegendste, einmal nach den Wurzeln zu schauen.

Ich beginne bei der gesunden Pflanze. Hier könnte ich vielleicht herausfinden, wie die Sache aussehen müsste, die zu einem guten Ergebnis führt. Der Wurzelballen ist kompakt. Die Erde sieht gut und nahrhaft aus. Die Feuchtigkeit scheint optimal zu sein - nicht zu viel und nicht zu wenig.

Kontrollieren wir Pflanze Nr. 2. Was ist das? Man sieht nur Wurzel? Wo ist die Erde hin? Eine Pflanze braucht doch Erde, um Stabilität zu haben.  Und eine Pflanze braucht guten Boden, um daraus Nahrung zu beziehen. Kein Wunder, dass diese Pflanze hier hinüber ist.

Und was ist mit dieser Pflanze? Bei Pflanze Nr. 3 sind die Wurzeln feucht. Und die Pflanze hat auch etwas, woran sie sich festhalten und Nahrung beziehen kann. Aber es scheint nicht der richtige Boden zu sein. Wohl braucht eine Pflanze Nährsalze. Aber das scheint doch hier bei dieser Pflanze des Guten zu viel zu sein.

Ich möchte mein Experiment abschließen und vorerst auswerten. Einige Schlussfolgerungen kann man wohl doch schon ziehen – auch wenn  man die Sache noch detaillierter betrachten könnte. 1. Eine Pflanze braucht die richtige Dosis Wasser – nicht zu viel und nicht zu wenig. Bei jeder Pflanzenart ist das anders. Ein guter Gärtner weiß darum, wie oft er eine Pflanze mit H2O versorgen muss.

2. Eine Pflanze braucht genügend Erde. Sie braucht Raum, damit sich die Wurzeln entfalten können. Wurzeln bringen Halt und Stabilität. Man glaubt gar nicht, welchen Windkräften gesunde Pflanzen standhalten.

3. Eine Pflanze braucht als Nahrung Mineralstoffe (Nitrate, Phosphate u.a.). Die findet sie gewöhnlich im Boden. Und wenn die Böden ausgelaugt sind, weiß ein guter Gärtner um die richtigen Düngemittel.

Könnte man dieses Beispiel nicht ganz gut auf unser Leben  und unseren Glauben beziehen? Ich habe dazu eine interessante Bibelstelle gefunden. Kol 2,7 „Seid in ihm (Jesus Christus) verwurzelt und gegründet und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und seid reichlich dankbar.“

Der Apostel Paulus schreibt diesen Satz an die Christen in Kolossä. Kolossä war in der Antike eine Stadt in der kleinasiatischen Landschaft Phrygien. Der Ort lag  im oberen Lykostal (heutige West-Türkei); Nachbarstädte waren Laodikeia und Hierapolis. Kolossä lag an einer Handelsstraße, die von Ephesos nach Milet führte.

Die Stadt gibt es längst nicht mehr – und jene christliche Gemeinde auch nicht. Und dennoch könnten wir fragen: Ist das, was der Apostel Paulus seinerzeit den Christen in Kolossä ans Herz legte, nicht auch für uns heut noch wichtig und richtig? Wir Christen brauchen eine feste Verwurzelung. Wir brauchen Halt im Leben – einen festen Grund. Und unser Glaube braucht gute Nahrung.

Es ist mit uns wie bei einer Pflanze. Wir könnten die Einsichten, die wir aus unserem Pflanzenexperiment gewonnen haben auch auf unsere Beziehung zu Jesus Christus und den Glauben übertragen. Und das will ich tun.

1. Eine Pflanze braucht einen gewissen Raum für die Wurzeln. Von Winzern weiß ich, dass sie zunächst einmal jahrelang die Pflanze kräftig beschneiden, sodass sie nicht schnell nach oben schießen kann, sondern erst einmal alle Kraft in die Wurzel investiert. Die Pflanzen brauchen kräftige Wurzeln, um Halt und Stabilität zu entwickeln. Zwar erntet man in den ersten Jahren nicht die Masse – aber die Geduld zahlt sich aus. Eine Pflanze, die tiefe und gute Wurzel ausgebildet hat, wird in den kommenden Jahren viele und gute Früchte bringen.

Der Apostel Paulus zieht hier einen Vergleich. Der Glaubensraum, indem wir unsere Glaubenswurzeln verankern sollen, ist Jesus Christus. In seiner Person sollen wir uns gründen und bei IHM sollen wir unser Leben verankern.  In IHM sollen wir fest verwurzelt sein.

Wie könnte das vonstatten gehen. Wie könnte das praktisch aussehen?

Zunächst einmal muss man von Jesus etwas wissen. Dazu habt ihr, liebe Konfirmanden, im Kindergottesdienst, in der Christenlehre, im Konfirmandenunterricht und vielleicht auch im Elternhaus einiges gehört. Aber das Wissen ist nicht alles. Unser Glaube braucht tiefere Wurzeln. Wir brauchen persönliche Erfahrungen mit Jesus Christus.

Redet mit ihm. Sucht ihn im Gebet. Und sagt ihm nicht nur eure Wünsche, sondern versucht auch herauszufinden, was er euch antwortet.

Gebetserfahrungen sind eine gute Methode, die Wurzeln des Glaubens gesund wachsen zu lassen. Wir brauchen eine gute und tiefe Beziehung zu Jesus Christus. Fertigkeit wächst immer nur durch ständigen Umgang und Beschäftigung mit einer Sache. Eine Vertrauensbeziehung wächst am besten durch tägliche Begegnung.

Und dabei wird es so sein, das wir einerseits gute Erfahrungen mit dem Gebet machen werden. Vieles bekommen wir von unserem Herrn durch Gebet wirklich geschenkt. Viele unter uns könnten jetzt aufstehen und von Gebetserhörungen berichten.

Aber auch die nicht-erhörten Gebete sind von Bedeutung. Es ist, als ob wir (wie bei einer Weinrebe) durch nicht-erhörte Gebete beschnitten werden sollen, damit die Wurzeln des Vertrauens an Tiefe gewinnen.

Und gerade in Zeiten der Not brauchen wir tiefe Wurzeln des Vertrauens. Wo sollen sie aber herkommen, wenn sie nicht zuvor im Leben an Tiefe gewonnen haben.

Nach meinen Erfahrungen und von meinem Umgang mit der heiligen Schrift her glaube ich nicht, dass es bei unserem Gott unerhörte Gebete gibt. Gott ist ein guter Vater – der beste, den wir je haben können. Und Gott, unser Vater, hört immer auf das Schreien seiner Kinder. Er hört die lauten Gebete und das leise Seufzen.

Aber als Eltern wissen wir: Es wäre töricht alle Wünsche der Kinder zu erfüllen. Die Liebe verbietet es zuweilen sogar. Wir haben mehr Lebenserfahrung und darum werden wir die Wünsche, die Gefahren beinhalten, anders beantworten.

Und so ist auch Gott! Da, wo wir Törichtes erbitten, wird er so antworten, dass für uns Gutes ins Leben kommt. Wir werden nicht alle Gebete 1:1 - das heißt, so wie wir es uns vorstellen und wünschen -  erhört bekommen. Wir müssen es lernen, erhörlich zu beten. Und in dieser Gebetsschule werden wir die Interessen des Reiches Gottes entdecken. Das ist eine spannende Sache. Doch auch da, wo wir manches noch nicht verstehen, will Gott uns sagen: „Vertraue mir. Meine Liebe zu dir steht fest. Dafür stand Jesus am Kreuz ein. Gründe die Wurzeln deines Vertrauens fest in ihn.“  In IHM, in Jesus Christus, sollen wir fest verwurzelt sein.

2. Wir hatten festgestellt: Eine Pflanze braucht als Nahrung Mineralstoffe. Ist es nicht ebenso mit dem Glauben? Unsere Vertrauensbeziehung zu Gott (zu Jesus) braucht Nahrung.

Die Nahrung des Glaubens ist eindeutig das Wort Gottes. Lest darum die Bibel! In der Bibel findet ihr Nahrung für den Glauben.

Nicht alles versteht man beim Lesen der Heiligen Schrift sofort. Ich lese schon über dreißig Jahre die Bibel und entdecke: Man wird mit diesem Buch nicht fertig. Es ist nicht auszulesen. Andere Bücher habe ich einmal gelesen und das war genug. Nur ganz wenige Bücher habe ich zweimal gelesen, weil mich ihre Sprache berauschte. Aber das Buch der Bücher liest man nicht aus. 

Man liest dieses Buch aber nicht nur, weil es ein bedeutsames Buch der Weltliteratur ist.  Beim Lesen der Bibel spürt man, dass unser Vertrauen zu Gott genährt wird. Gottes Wort ist Nahrung für unseren Glauben.

Jeremia, einer der Propheten, einer der Gott oft nicht verstanden hat und der es in seinem Leben wahrlich nicht leicht hatte, sagte einmal folgenden Satz zu Gott: „Dein Wort ward meine Speise, sooft ich's empfing, und dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost.“ Jer 15,16

3. Eine Pflanze braucht Wasser - nicht zu viel und nicht zu wenig. Wasser fällt, wenn der Gärtner die Pflanze gießt, von oben herab auf die Pflanze, perlt von den Blättern herab und dringt ins Erdreich ein. Nicht die Blätter nehmen das Wasser auf, sondern die Wurzeln.

Wasser wird darum, weil es von oben kommt, in der Bibel mit dem Segen Gottes verglichen. Gott sagt über dem Propheten Jesaja seinem Volk: Jes 44,3 „Ich will Wasser gießen auf das Durstige und Ströme auf das Dürre: ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen.“

Der Segen Gottes ist wohl etwas Geheimnisvolles – aber nichts Magisches. Gottes Segen hängt immer mit der Person des Heiligen Geistes - also mit Gott selbst - zusammen. Gott will durch seinen heiligen Geist mitten unter uns sein und in unserem Leben handeln. Wir sollen Ihn, seine Kraft, seine Weisheit und seine Liebe erfahren. Beim Segen geht es immer um Erfahrungen mit dem lebendigen Gott.

Auch dann, wenn ich euch segne, geht es um nichts anderes. Wer sein Herz für die Liebe Gottes öffnet, wer von Gott etwas erwartet, wird in seinem Leben die Kraft, die Weisheit und die Liebe Gottes erleben.

„Seid in ihm (Jesus Christus) verwurzelt und gegründet und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und seid reichlich dankbar.“

Lasst mich schlussendlich auf das Ende dieses bedeutsamen Satzes des Apostels Paulus an die Kolosser hinweisen. Man überhört diese Erinnerung sehr schnell. „Seid reichlich dankbar!“ Ich denke, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, heute wäre eine gute Gelegenheit, euren Eltern, Großeltern, Paten einmal zu danken. Nicht nur für die Geschenke – sondern vor allem, weil sie vom Anfang eures Lebens bis heute einfach da waren und euch viel Liebe geschenkt haben.

Ich finde – Paulus hat Recht. Zur Dankbarkeit muss man eingeladen, ermahnt und daran erinnert werden. Man kommt nicht automatisch als dankbarer Mensch auf die Welt. Zur Dankbarkeit muss man erzogen werden. Und dann entdeckt man, dass Dankbarkeit etwas ganz Wichtiges im Leben ist. Dankbarkeit erweitert den Horizont. Dankbarkeit macht vieles leichter. Dankbare Menschen leben allemal gesünder als die Nörgler und Unzufriedenen.

Wir brauchen auch in unserer Zeit eine Erziehung zur Dankbarkeit. Erziehung ist in vielerlei Hinsicht ein Hinführen und Einüben von Gewohnheiten.  Gewohnheiten sind Verhaltensweisen, in denen man wohnt. Also ist Erziehung ein Hinführen und Einüben von Dingen, in denen man wohnt. Es versteht sich von selbst, dass man in den guten Gewohnheiten gut und in den schlechten Gewohnheiten schlecht wohnt.

Dankbarkeit ist - wie der Glaube - unbestritten eine gute Gewohnheit.

Das, was ich Euch, liebe Konfirmanden mit auf den Weg geben möchte, sage ich uns allen: „Seid in Jesus Christus verwurzelt und gegründet und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und seid reichlich dankbar.“

 

Amen

 

 




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