Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
Logo
Logo  Kontakt | Links | Impressum   


  Folge uns auf Facebook
 

Ostern 2008

Liebe! Gemeinde!

 

Haben Sie die ADAC-Reisemeldungen gehört? Nicht? – dann will ich uns nachträglich informieren: „Ostern ohne Staus wäre  fast wie Ostern ohne Eier oder päpstlicher Segen. In den kommenden Tagen wird sich die Blechlawine wieder Richtung Süden bewegen. Die Vorhut der Osterreisenden war bereits am vergangenen Wochenende unterwegs. Die Fahrzeuge stauten sich am Samstag vor dem Gotthard-Nordportal auf 11 Km.“

Weil auch der ADAC nicht ohne Planung vernünftig arbeiten kann, plant er vorerst für Ostern insgesamt eine Staulänge (im ganzen Bundesgebiet) von über 20.000 Km ein. Wortwörtlich hieß es in einer Meldung: „Dieses Mal toppen wir alles. Wer König Stau vergöttert ist bei uns zu Ostern richtig! Auch wenn der Pillenknick sich langsam auf die Zahl der Autofahrer auswirkt – wir bieten unsern Mitgliedern ein Urlaubsevent, das alles bisher dagewesene übertrifft.“

Aber was sag ich das ihnen? Sie betrifft es ja nicht. Sie sind ja dageblieben. Damit sie nicht zu kurz kommen, habe ich gedacht: ich nehme sie in dieser Predigt wenigstens in Gedanken auf eine Osterreise mit. Mein Reisebüro schlägt 4 Stationen vor:

Böhmen, Kriebstein, Flensburg, Crottendorf.

Hören wir dazu einen Text aus der Apostelgeschichte: 10,34-43

34 Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht;

35 sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm.

36 Er hat das Wort dem Volk Israel gesandt und Frieden verkündigt durch Jesus Christus, welcher ist Herr über alle.

37 Ihr wisst, was in ganz Judäa geschehen ist, angefangen von Galiläa nach der Taufe, die Johannes predigte,

38 wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit Heiligem Geist und Kraft; der ist umhergezogen und hat Gutes getan und alle gesund gemacht, die in der Gewalt des Teufels waren, denn Gott war mit ihm.

39 Und wir sind Zeugen für alles, was er getan hat im jüdischen Land und in Jerusalem. Den haben sie an das Holz gehängt und getötet.

40 Den hat Gott auferweckt am dritten Tag und hat ihn erscheinen lassen,

41 nicht dem ganzen Volk, sondern uns, den von Gott vorher erwählten Zeugen, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden war von den Toten.

42 Und er hat uns geboten, dem Volk zu predigen und zu bezeugen, dass er von Gott bestimmt ist zum Richter der Lebenden und der Toten.

43 Von diesem bezeugen alle Propheten, dass durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen.

1. Unsere erste Station auf unserer Osterreise wird Böhmen sein. Wir fahren durch böhmische Dörfer. Böhmische Dörfer?

Gebraucht man nicht diese Redewendung, wenn man etwas nicht kapiert: „Ich verstehe böhmische Dörfer“? Diese Redensart stammt aus  den Zeiten der Donaumonarchie. Zu Österreich-Ungarn gehörten seinerzeit auch die Länder der böhmischen Krone (wie Böhmen, Mähren, Schlesien). Die Dörfer in Böhmen hatten nun mal keine deutschen Namen – sie kamen der deutschen Bevölkerung eben böhmisch vor. Und so konnte Christian Morgenstern in einem seiner berühmten Gedichte schreiben: „Palmström reist mit einem Herrn von Korf in ein so genanntes böhmisches Dorf. Unverständlich bleibt ihm alles dort…“

Als Petrus im Haus des römischen Hauptmanns Kornelius seine Predigt hielt, muss es den Zuhörern wie „böhmische Dörfer“ geklungen haben. Vielleicht war unter den Anwesenden vom überzeugten römischen Staatsbürger bis hin zu ganz und gar ungläubigen Männern und Frauen – oder vom bediensteten Sklaven bis Legionär alles dabei?  Vielleicht waren auch die angesehenen Leute von Cäsarea unter den Gästen: Reiche, Händler, Kapitäne, Weithergereiste?

Kornelius war Soldat. Er war als Offizier mit samt seiner „Italischen Kompanie“ an den Ostrand des Imperiums Romanums versetzt worden. Damals war das Land der Juden kein begehrter Standort für einen römischen Offizier. Jeder Römer wusste – dort in den galiläischen und judäischen Provinzen brennt schnell die Luft. Juden gegenüber war man vorsichtig. Man lud sie nicht ohne weiteres zu sich nach Hause ein.

Und man stelle sich die Szene vor. Ein römischer Offizier lies sich von einem galiläischen Fischer etwas sagen! Damals wie heute geht es unter den Soldaten nicht gerade zimperlich zu. Da werden Zoten gerissen, da hat man für sensible oder religiöse Gefühle keinen Nerv.  Und außerdem: Was konnte ein Jude einem Römer Neues, Verbindliches vielleicht sogar Umkrempelndes über die Götter sagen?

Was Petrus im Haus des Kornelius predigte, muss den Zuhörern wie böhmische Dörfer geklungen haben:

„Gott hat mein Denken und meinen Glauben umgekrempelt, sonst wäre ich nicht hier“. So beginnt Petrus. „Gott hat in Jesus, den wir als Messias erkannten, in Israel in einzigartiger Weise gehandelt. Es hat sich herumgesprochen. Ihr habt sicher davon gehört. Angefangen hat die Sache nicht weit von hier – in Galiläa. Durch die Verkündigung eines gewissen Johannes kamen viele Menschen zum Nachdenken. Viele wollten mit sich, mit den Nachbarn und vor allem mit Gott ins Reine kommen. Als Zeichen dafür, dass sie mit Gott und bei Gott neu in ihrem Leben beginnen können, tauchte Johannes sie im Jordan unter. Viele erlebten dabei eine Reinigung ihrer Seele.

Auch Jesus ein Zimmermann aus Nazareth war darunter. Aber bei seiner Taufe streikte Johannes. Er sagte: ´Gott zeigt mir, dass Du nichts in deinem Leben kennst, was dich von Gott trennt. Meine Taufe ist bei dir überflüssig.` Aber Jesus bestand darauf, die Sündertaufe zu empfangen. Dabei passierte etwas Außergewöhnliches. Erst später haben die Menschen es richtig begriffen und erfahren.

Jesus begann Menschen auf wunderbare Weise zu heilen. Er vergab Menschen in Gottes Namen die Schuld.  Von finsteren und dubiosen Mächten befreite er andere – ja sogar Tote weckte er auf. Es begann unendlich viel Gutes in und unter den Menschen.“

„Wir „ – so sagte Petrus „haben das aus nächster Nähe miterlebt. Es war wie ein Aufatmen unter den Menschen. Aber wie alles in der Welt hatte dieser Aufbruch der Hoffnung auch eine andere Seite. Jesus bekam mehr und mehr Feinde. Schließlich brachten sie es soweit, ihn unter halbwahren Beschuldigung den Römern auszuliefern. Und die Römer ließen ihn an einem Kreuz hinrichten. Sie fürchteten einen Aufstand.

Damit war aber die Sache des Jesus von Nazareth nicht zu Ende. Gott selbst erweckte Jesus aus dem Tode. Das Grab war nach drei Tagen leer. Ich habe es selbst gesehen. Und wir, seine Freunde, haben ihn als den Auferstandenen gesehen und gehört. Ja, wir haben mit ihm sogar am See Genezareth gegessen und getrunken.“

Petrus hat nicht versucht, das Erlebte in die Sprache oder in die Glaubenswelt der Römer zu übersetzen. Es wäre aussichtslos gewesen. Die Sache mit dem Sterben Gottes am Kreuz und mit der Auferstehung kann man nicht in die kleine Münze menschlicher Begriffe zwängen. Es ist uns hier etwas Neues zugemutet worden, das weit über alle menschlichen Erfahrungen hinausreicht.

Ich bin mir sicher, Petrus hat gewusst, dass er seinen Zuhörern sehr, sehr viel zumutet. Warum tut er es trotzdem?

2. Nun schlage ich das zweite Ziel unserer Osterreise vor: Kriebstein. Auf der Burg Kriebstein gibt es eine sehenswerte Burgkapelle aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts.  Die Kapelle ist komplett mit herrlichen Fresken ausgemalt. Ein Ausschnitt dieser mittelalterlichen Bemalung zeigt Christus als Weltenrichter. „Christus in der Mandorla“ nennt man in der Kunstgeschichte diese Darstellung. Ich will uns dieses Detail aus der Kriebsteiner Burgkapelle kurz beschreiben.


Jesus ist in einer segnenden Geste dargestellt. Man sieht in  seinen Handflächen die Wunden. Eigentümlich – aus seinem Munde gehen rechts und links je ein Schwert – aber so, dass die Spitzen auf ihn gerichtet sind. Umgeben ist Jesus von zwei angeschnittenen Halbkreisen.

Zusammen sieht das Ganze aus wie eine Mandel. Von daher hat diese Darstellung auch ihren Namen. Mandorla ist das italienische Wort für Mandel. Diese beiden Halbkreise um Christus sollen die beiden Welten darstellen: die diesseitige, irdische, jetzige und sichtbare Welt – und die jenseitig, göttliche, kommende und unsichtbare Welt.

Zusammengenommen will diese Darstellung „Christus in der Mandorla“ zum Ausdruck bringen: Jesus ist der Herr und der Richter der jetzigen und der kommenden Welt.

Diese Wahrheit spricht Petrus im Hause des Kornelius aus. Dazu hat er den Mut. Er sagte: „Das hat Gott uns  befohlen zu predigen und feierlich zu bezeugen, das Jesus der von Gott verordnete Richter der Lebenden und der Toten ist.“ Man bedenke – dass sagte ein kleiner jüdischer Fischer vom See Genezareth im Hause eines römischen Offiziers. Er nannte die Dinge beim Namen. Juden lieferten einen der Ihren ans Messer. Und Römer erledigten die Sache – sie brachten ihn um. Aber Gott protestierte auf seine Weise. Er erweckte seinen Sohn vom Tode. Die  Konsequent der Auferstehung Jesu lautet: Er ist Herr und Richter über Lebende und Tote. Alles muss noch einmal an ihm vorbei. Alle müssen noch einmal vor IHN hintreten. Der Tod ist kein letztes oder sicheres Versteck.

Wenn einer vom Tode auferstanden ist, dann kann der Tod nicht das Ende aller Dinge sein. Wenn einer den Tod hinter sich gelassen hat, dann kann der Tod nicht das letzte Gericht über einem Menschenleben bedeuten. Wenn einer den Tod überwunden hat, dann hat derjenige jetzt und dann das Sagen.

Was wird der Richter der beiden Welten über meinem  - über unserem Leben sagen?

3. Die dritte Station unserer Osterreise heißt Flensburg.

Seit nun mehr 50 Jahren werden in Flensburg Punkte gesammelt. Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort – große Sünden werden seit 1958 im Kraftfahrt-Bundesamt gespeichert. Je schwerer das Vergehen, umso gravierender die Folgen. Bei 8 Punkten gibt es eine Verwarnung. Noch kann man durch Teilnahme an einem Aufbauseminar einen Ablass erwerben. Bei 14 Punkten geschieht Läuterung nur durch einen Idiotentest. Verkehrspsychologische Beratung heißt etwas annehmbarer diese Fegefeuerstrafe. Ja  - und ganz ist der Ofen bei 18 Punkten aus. Man darf nicht weiter Punkte sammeln. Die Fleppen sind erst einmal weg.

In Flensburg kommen mir so meine Zweifel bei der Unterscheidung von großen und kleinen Sünden. Zunächst einmal reift in Flensburg die Erkenntnis, dass man für Sünden zur Rechenschaft gezogen wird. Ob so oder so. Ob früher oder später.

„Nur nicht erwischen lassen“ ist dabei die schlechteste aller Lösungen. Mir kommt dabei eine ganz andere Frage: Gibt es jemand, der in meinem Leben eine Sache wieder gut machen kann, die ich selbst nie wieder in Ordnung bringen kann? Und gibt es jemand, der mir die innere Kraft schenkt, Dinge nicht mehr zu tun, von denen ich weiß, dass sie nicht nur schlecht sind sondern letztlich Leben zerstören?

Petrus wagte im Haus des Kornelius einen umwerfenden Satz: Die Propheten Israels (die geistbegabten Männer und Frauen des Alten Bundes) geben uns ein Zeugnis und dieses Zeugnis lautet: „Jeder, der an Jesus Christus glaubt, empfängt Vergebung seiner Sünden durch seinen Namen.“ Jeder, der mit seiner Schuld, mit Dingen die ihm unlösbar sind, zu Jesus kommt und Ihm seine Not bringt, der wird erleben, dass dieser auferstandene Herr Macht hat, in seinem Leben etwas neu zu machen. Das ist die Konsequenz der Auferstehung. Das bezeugt der Petrus dem Kornelius und seinen Gästen. Gott hat durch Jesus Macht auch dein Leben neu zu machen.

Jemand hat einmal gesagt: „Zu sagen, dass er auferstanden ist, hat nur Sinn, wenn wir wissen, dass wir auch auferstehen werden vom Tode, in dem wir jetzt sind. Auferstehung als etwas rein Objektives, als ein blasses Faktum, das auch ohne uns wahr wäre, hat keinen Sinn.“ (D. Sölle)

Sinn bekommt alles erst durch den Auferstandenen. Ohne das Kreuz und die Auferstehung Jesu würde unser Leben sinnlos bleiben, denn niemand könnte uns vom Tod erlösen. In Sünde sein, heißt getrennt von Gott sein. Getrennt von Gott sein, heißt im Tode sein. Es gibt nur einen, der den Tod überwunden hat und uns wirkliches und ewiges Leben schenken kann: Jesus.

Für Sünder gibt es nur die eine Chance – Wer an Jesus Christus glaubt, empfängt die Vergebung seiner Sünden durch seinen Namen.

Haben Sie diesen Satz in ihrem Leben schon einmal gehört: „Ich vergebe dir im Namen Jesus deine Sünde!“? Für mich bedeutete dieser Satz jedes Mal eine Erfahrung von Auferstehung.

4. Nun sind wir wieder zu Hause (in Crottendorf). Meine Oster-Reise ist gleich zu Ende. Es war kein Osterspaziergang. Eberhard Jüngel hat einmal gesagt: „Das unterscheidet Ostern von einem Osterspaziergang. Spaziergänge ändern nichts. Sie enden in der Regel genau da, wo sie anfingen. Ostern hingegen ist ein Aufbruch ohne Ende.“

Petrus bezeugte in Cäsarea im Hause des Kornelius die Auferstehung Jesu. Die Auferstehung Jesu bezeugt, dass:

1. Gott die Macht hat, unsere Vergangenheit i.O. zu bringen

2. dass Gott hat die Macht, unsere Zukunft gut werden zu lassen

3. das Gott die Macht hat im Heute und hier bei uns zu sein.

Weil Jesus auferweckt wurde vom Tode und lebt und regiert – kann der heilige Geist kommen und uns neues Leben bringen. So beginnt das Abenteuer des ewigen Lebens!

 

 

Und der Friede Gottes…

 

EG: 108, 1-3 (Mit Freuden zart)

 

 

 

 

 




© 2006-2017 - Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Crottendorf