Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Weihnachten 2008

Johannes 1,1-5 + 14

1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. 2 Dasselbe war im Anfang bei Gott.

3 Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.

4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen.

14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

 

Liebe Gemeinde!

 

Das Weihnachtsevangelium des Johannes ließe sich wohl kaum in einem Krippenspiel  darstellen. Ich kenne jedenfalls kein Spiel, das das 4. Evangelium als Vorlage benutzte. Und das hat seine Gründe. Im Evangelium des Johannes ist die Weihnachtsgeschichte nicht so bunt und ereignisreich dargestellt, wie in denen seiner Kollegen. Das Anschauliche fehlt. Wir finden hier keine eingängigen Geschichten, bei denen man gedanklich hängen bleibt und die unsere Phantasie anregen. Alle Gedanken kreisen bei Johannes um das Wort. Jesus das Wort, das Gott gesprochen hat, ja das Gott selbst ist und das in Jesus in dieser Welt zu wohnen begann.

In der alten Kirche gab man dem Evangelisten Johannes das Symbol des Adlers. Man sagte: So, wie der Adler hoch in die Luft steigt und die Welt in großer Perspektive und weitem Horizont sieht – so vernimmt man bei Johannes steile und hochfliegende Gedanken.

Johannes fliegt gewissermaßen nicht so dicht über der Erde, so dass man noch die Fußspuren der Weisen im Wüstensand und das Stroh der Krippe sehen bzw. den Geruch des Stalles riechen kann. Er hat eine andere Perspektive. Hier wird das Christusgeschehen auf dem großen Hintergrund des Himmels und der Erde, des gesamten Kosmos und der Menschheit gesehen.

In das Ganze stellt Johannes die Geburt Jesu. Große Themen der Menschheit werden berührt. An Anfang und Ende werden wir erinnert. Und in diesem Horizont, der weiter nicht gespannt sein kann, wird von Jesus dem Wort Gottes gesprochen. Gott hat sich in ihm zur Sprache gebracht. Gott hat sich in Jesus Christus bei uns Menschen zu Wort gemeldet.

Die Sprache ist  ja auch eines der großen Phänomene des Menschen. Durch die Sprache wird Kommunikation möglich. Wo Kommunikation möglich ist, wird Beziehung möglich. Indem Gott in Jesus zu den Menschen  spricht, sucht er Beziehung. Das Wort sucht Antwort.

In all diesen hochfliegenden Gedanken der johannäischen Weihnachtsgeschichte dürfen wir jedoch keine Philosophie vermuten.  Auch hierfür gilt, was Johannes am Ende seines Evangeliums schreibt: „Dies wurde geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.“( Joh 20,31)  Nichts anderes will auch die Weihnachtsgeschichte des Johannes – sie will in unserem Herzen Glauben zeugen, Glauben wecken, Glauben stiften. Glaube - Vertrauen – woran? Das Jesus das Wort Gottes ist. In Jesus spricht Gott zu uns – ja er ruft uns zu sich und lädt uns ein, zu einem Leben  mit IHM.

Die Kirchenväter haben auf einen sehr merkwürdig klingenden Gedanken des Apostels Paulus im Römerbrief (9,28) hingewiesen. Dort steht wörtlich übersetzt: „Denn indem er das Wort vollendet und abkürzt, wird der Herr es auf der Erde ausführen.“ In Jesus hat Gott das Wort (sein Wort) abgekürzt, klein gemacht, kurz gemacht und es vollendet – um es auf Erden auszuführen. Diesem Gedanken möchte ich jetzt nachgehen. Gott hat sein Wort kurz oder klein gemacht.

Ganz gewiss ist diese Übersetzung nicht so zu verstehen, dass Gott in Jesus die Wahrheit verkürzte. Ganz im Gegenteil. Er ist die ganze Wahrheit. Er ist gerade für uns Menschen dergestalt die ganze Wahrheit, dass wir durch ihn den Weg zum ewigen Leben finden. Darum sagt ja Jesus: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Die Wahrheit, die uns in ihm begegnet, bringt uns Leben – erfülltes Leben, sinnvolles Leben, Leben mit Gott. Genau dahin will uns das Wort, das Gott kurz gemacht hat, bringen, dass wir in Jesus das Leben haben.

„Gott hat sein Wort kurz gemacht.“ Diese ungewohnte und sperrige Übersetzung ist für mich zu einer Art Prisma geworden, in dem sich das Licht der Weihnacht bricht. Drei besondere Perspektiven und Dimensionen möchte ich ansprechen.

1. Gott hat sein Wort klein gemacht, damit es anschaubar wird. Genau davon sprechen ja die anderen Weihnachtsevangelien. Von Gottes Schöpfermacht und Vaterliebe ist in dem Jesus-Kind etwas sichtbar und anschaubar geworden.

Die Weisen aus dem Morgenland waren dem Zeichen am Himmel gefolgt und letztendlich durch ein klares Wort der Bibel nach Bethlehem geführt worden. Die Kenner der Bibel sagten ihnen: Wenn der Messias geboren ist, dann kann das nur in Bethlehem sein – denn der Prophet Micha sagt: „Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.“ (Micha 5,1) Das ist Wort Gottes!

Und dann sahen sie das, wovon Gottes Wort gesprochen hat. Sie sahen in Bethlehem erfülltes Wort Gottes. Und als sie das Kind sahen, gingen sie in die Knie und beteten an. Das Wort Gottes war ihnen sichtbar und anschaubar geworden. Sie entdeckten etwas Göttliches in diesem kleinen Wesen – etwas, was sie zur Anbetung führte. Gottes Wort wurde ihnen buchstäblich lebendig – in diesem kleinen Kind in der Krippe.

So will uns Gottes Wort lebendig werden. Es will sich ereignen. Es will anschaubar werden. Rechnen wir doch wieder damit, dass Gottes Wort geschieht und das wir sehen, was es bewirkt.

Auch das Johannes Evangelium spricht diesen Zusammenhang an. „Wir sahen seine Herrlichkeit“ schreibt er „eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ Joh 1,14)

Gott ist in Jesus klein geworden.  Er will uns nicht mit seiner Allmacht überrumpeln. Er nimmt uns die Angst vor seiner Größe. Darum wird er Kind.

Wie geht es Euch, wenn ihr in eine Kinderkutsche schaut und ein neugeborenes Kind seht? Es findet jedes Mal in uns etwas statt, das wir nicht genau definieren können. Ist es ein Staunen? Ist es eine Freude? Weht uns der Duft von Neuem um die Nase? Weckt das Baby Vorsicht? Erahnen wir etwas von unserer menschlichen Zerbrechlichkeit. Ruft das Kind nach Schutz und Fürsorge?

Da ist eine Stimme (so ziemlich an der Oberfläche unserer Gedanken) die da sagt: „So ist eben ein Neugeborenes.“ Aber wer weiter hört, der merkt, dass ihn da noch mehr anspricht. Hier ist ein neuer Anfang. Hier ist das Wunder des Lebens. Hier taucht das Geheimnis des Werdens und Vergehens auf.  

Und neben all diesen großen Dingen der Welt und des Menschen (hochfliegenden Gedanken) treffen wir in einem kleinen Kind auf ein kleines Persönchen. Und diese kleine Person fragt nach unserer Liebe. Ein Kind, schutzlos, bedürftig und hilflos – weckt in uns Liebe. Ein Kind will uns lernen zu lieben!

Die Zeugen der Weihnacht sprechen davon, dass Gott sein ewiges Wort klein gemacht hat, damit wir Menschen in Jesus die Liebe Gottes sehen. „Seht, welch eine Liebe uns der Vater erwiesen hat.“  (1.Joh 3,1) hat Johannes später geschrieben.

Gott hat sich klein gemacht. Er hat sich zum Kind gemacht, damit wir seine Liebe sehen können.

Hier in dem Kind in der Krippe hat Gottes unendliche Liebe Gestalt angenommen. Die sagenhafte Liebe Gottes hat in dem Kind von Bethlehem konkrete Gestalt angenommen – sodas wir Menschen diese Liebe Gottes sehen können. Gottes Wort hat sich klein gemacht, damit die Liebe Gottes für Menschen anschaubar wird.

Gottes Liebe ist in dem Jesus-Kind nichts abstraktes mehr sondern etwas sehr konkretes. Gottes Wort wurde in Jesus klein und fragt nun nach unserer Liebe!

Zugleich lehrt die Menschwerdung Gottes die Ehrfurcht vor den Kindern. Das Kind in der Krippe erinnert uns an alle Kinder der Welt. Wieviel Not müssen manche Kinder schon erleiden? Bettelnd und frierend ziehen sie durch die Straßen. Missbraucht und weggeworfen werden manche. Zu Soldaten dressiert oder als billige Arbeitskräfte ausgebeutet.

Die Not der Kinder ist groß. Das zeigt aber auch, dass die Not der Menschen groß ist. Denn ein Kind will uns lehren, das Schwache zu lieben. Achten wir wieder neu auf das, was uns Kinder zeigen und lernen wollen. Und beten wir heute darum, dass wir das tun, was in unserer Macht steht, dass Kinder ihre Würde behalten. Und lasst uns dafür beten, dass den Menschen ein Licht aufgeht - denn wir brauchen mehr, als nur die Dinge, die zum materiellen Leben nötig sind.

Damit sind wir bei einer weiteren Perspektive.

2. Gott hat sein Wort kurz gemacht, damit es verstehbar wird. Auch davon sprechen die anderen Weihnachtsevangelien. Die Schöpfermacht Gottes und seine Vaterliebe ist in dem Jesus-Kind verstehbar geworden.

Ich erinnere uns an die Hirten. Es waren einfache Leute.  Sie hatten keine Zeit, wie die Schriftgelehrten, sich den ganzen Tag mit den heiligen Schriften zu beschäftigen. Sie mussten arbeiten, damit sie das Nötigste zum Leben hatten.

Im Laufe der Zeit war im Judentum das Wort Gottes lang und unübersichtlich geworden. Die verschiedenen Thoraschulen stritten sich miteinander. Für einfache Menschen, die zudem oft unkundig im Lesen waren, war das alles viel zu kompliziert und undurchsichtig geworden. Was nützt denn den Menschen Gottes Wort, das nur noch Spezialisten verstehen? Nichts!

Darum hat Gott in Jesus sein Wort kurz  und bündig gemacht, damit alle es verstehen können.

Die Hirten erlebten während ihrer Arbeit eine Begegnung mit Gottes Wort.  Der Bote Gottes sagt ihnen: „Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“ (Luk 2,12) Diesem Wort Gottes konnten sie folgen. Es war einfach und konkret. Es stachelte sie zur Suche an – wie das Gottes Wort immer macht. Und es führte sie an ein konkretes Ziel. Auch das verspricht Gottes Wort. Das ist geradezu ein Echtheitsmerkmal. Gottes Wort lässt den Menschen nicht in seinem Suchen allein, sondern es führt zum  Finden und zu einem Gefunden-Werden.

Als sie das Kind gesehen hatten, erzählten sie begeistert überall davon – Lukas bringt dies in treffender Weise mit dem Wort zusammen. Er schreibt. „Sie breiteten das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kind gesagt war.“ Das, was sie verstanden hatten, konnten sie weitersagen. Das ist bis heute so. Nur das, was man wirklich verstanden hat, sollte man weitersagen.

In Jesus war das, was Gott gesagt hat, verstehbar geworden.

An der Krippe – im Anblick des kleinen Kindes, das ihnen sozusagen durch das Wort Gottes  als Retter und Heiland der Welt markiert worden war, haben die Hirten verstanden. Gott hat sie angesprochen. Gott hat sie eines Wortes gewürdigt. Der ewige Gott hat sich für sie Zeit genommen. Gott hat ihnen seine Liebe erklärt. Und diese Liebeserklärung Gottes war so einfach und verständlich, das andere Menschen etwas davon mit ab bekamen. Sie liefen hin und sagten es weiter.

Wäre das nicht ein lohnender Gedanken zu Weihnachten, das wir uns dazu  durchringen, Menschen, die wir vielleicht aus irgendwelchen Gründen gemieden haben, wieder eines guten Wortes zu würdigen? Und wäre es nicht gut, das wir uns bei unseren Kindern nicht einfach mit tollen und teuren  Geschenken  entschuldigen, sondern das wir uns Zeit nehmen für die, die unsere Zeit brauchen. Dann hätten wir etwas von Weihnachten verstanden. Gott hat sein Wort kurz gemacht, damit wir es verstehen.

Das eröffnet eine dritte Perspektive.

3. Gott hat sein Wort klein gemacht, damit es annehmbar wird.

Johannes schreibt in seinem Weihnachtsevangelium (Joh 1,12) „Wie viele ihn (Jesus) aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.“

Jesus in sein Herz und in sein Leben aufnehmen ist etwas ganz einfaches. Ein schlichtes Gebet kann es sein, das Jesus einlädt in mein Herz und Leben zu kommen, um von dort mein Leben neu zu gestalten.

Eine Beichte kann es sein, in der Platz gemacht wird für Jesus.

Ein neuer Schritt in die Gemeinde kann es sein. Das Gespräch mit Schwestern und Brüder über der aufgeschlagenen Bibel.

Manchmal sind die Gelegenheiten, die Gott uns gibt, so einfach und unspektakulär, das wir sie übersehen. Aber es ist so. Gott hat sein Wort klein gemacht, damit es annehmbar wird.

Die Kirchenväter verstanden die Krippe als Sinnbild für den Altar, auf dem Gott uns das Brot des Lebens legt. So wie der unendlich große Gott sich klein gemacht hat und in der Krippe lag, so kommt er zu uns in mit und unter Brot und Wein.

Wir Menschen brauchen zum Leben das Brot – die Frucht der Erde und der Arbeit. Aber wir brauchen zugleich mehr. Wir leben nicht vom Brot allein, sondern von dem Wort, das Gott zu uns spricht.

Im heiligen Abendmahl macht sich Gottes Wort klein, so das wir es annehmen können: Jesus sagt: Das bin ich. Nimm mich. Empfange mich. Nimm mich auf – und du hast das ewige Leben.

Um zu empfangen brauchen wir nicht mehr als den Glauben – das schlichte Vertrauen, dass sein Wort wahr ist und das sein Wort gibt, was es sagt.

Gott hat sein Wort klein gemacht, damit es anschaubar wird.

Gott hat sein Wort klein gemacht, damit wir es verstehen.

Gott hat sein Wort klein gemacht, damit wir es aufnehmen können.

„Im Anfang war das Wort. Und das Wort ward Mensch und wohnte unter uns.“

„Dies wurde uns gesagt, damit wir glauben, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit wir durch den Glauben das Leben haben in seinem Namen.“

 

Amen

 




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