Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
Logo
Logo  Kontakt | Links | Impressum   


  Folge uns auf Facebook
 

Ostern 2009

Predigttext: Lukas 24, 13-3513 Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa zwei Wegstunden entfernt; dessen Name ist Emmaus.

14 Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten.

15 Und es geschah, als sie so redeten und sich miteinander besprachen, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen.

16 Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten.

17 Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen.

18 Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist?

19 Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Taten und Worten vor Gott und allem Volk;

20 wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben.

21 Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass dies geschehen ist.

22 Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen,

23 haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe.

24 Und einige von uns gingen hin zum Grab und fanden's so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht.

25 Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben!

26 Musste nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?

27 Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war.

28 Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen.

29 Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben.

30 Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen.

31 Da wurden ihre Augen geöffnet und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.

32 Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?

33 Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren;

34 die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen.

35 Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, als er das Brot brach.

 

 

Liebe Gemeinde!

 

Es ist schon wieder eine Woche her, dass in Chemnitz die ProChrist-Woche zu Ende ging. Manchmal wurden an den Abenden vom Vortage kurze Interviews eingeblendet. Kurz nach der Veranstaltung fragte man Zuhörer, wie sie diesen Abend erlebt haben. An eine junge Frau kann ich mich gut erinnern. Voller Freude erzählte sie, dass sie an diesem Abend Jesus (den gekreuzigten und auferstandenen) begegnet ist. Sie sagte: „Plötzlich habe ich mein Herz geöffnet“.  Mehrmals in diesem Interview sagt sie diesen Satz. Es war cool: „Plötzlich hat sich mein Herz geöffnet“.

Mich hat dieses Zeugnis deshalb so angesprochen, weil es mich an meine erste Begegnung mit dem Herrn erinnerte. Da ist man in seinem Leben auf der Suche. Man hört das Evangelium. Immer wieder in Kindergottesdienst, Christenlehre, Konfirmandenunterricht, Predigten. Man hört und hört. Verstandesmäßig weiß man schon alles. Und dann mischen sich Zweifel und Widerstände dazwischen. Wieder hört man und fragt. Manches erscheint plausibel. Anderes erscheint weltfremd und fern. Man ist nicht zufrieden mit dem, was da im Leben läuft und wie es läuft. Und dann hört man, was andere mit Jesus erlebt haben. Aber selber sieht man die Sache (von der man doch irgendwie angezogen ist) nur von außen - eben vom Hören-Sagen  -  aus zweiter Hand.

Und plötzlich macht es „Klick“   Man weiß mit einem Mal, wovon die anderen reden. „Plötzlich hat sich einem das Herz geöffnet“. Ich weiß auch nicht, wie das war und wie das ist: das Eigentliche hat man gar nicht selber dabei bewerkstelligt. Plötzlich öffnete sich in einem etwas. Aber andererseits war ich natürlich mitbeteiligt. Ich lehnte nicht mehr ab. Ich wollte auch Jesus begegnen. Wenn einem das Herz geöffnet wird, dann ist das eine Mischung von Widerfahrnis und Aktion. Der Durchbruch vom Zweifel zum Staunen ist ein Geschenk – aber auch etwas, woran ich mitbeteiligt bin und dann auf alle Fälle entscheidend zu meinem Leben gehört.

Liebe Gemeinde, die Ostergeschichten des NT sind allesamt Geschichten von Jesus, der umher geht in der Welt unter den Menschen und  ihre Herzen öffnet. Von diesem Herzensöffner will ich heute reden. Und diesen Herzenskünder (wie er einmal genannt wurde) will ich bitten, dass er jetzt unter uns durch seinen Geist wirkt und unsere Herzen öffnet.

Die Ostergeschichten sind allesamt Erzählungen von Menschen, über Menschen, denen der Auferstandene das Herz öffnet und in deren Leben es  zu einer tief greifenden Wandlung und Erneuerung kommt. Es entsteht eine neue und besondere Gemeinschaft. Der Apostel Johannes konnte später von dieser besonderen Gemeinschaft so schreiben: „Was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.“

Von drei Arten der Gemeinschaft, in denen der Auferstandene Zugang zu uns Menschen sucht, möchte ich reden. Drei Möglichkeiten der Gemeinschaft mit dem Auferstandenen will ich beleuchten, die für unser Glaubensleben wichtig bleiben.

1. die Weggemeinschaft

2. die Wortgemeinschaft

3. die Mahlgemeinschaft

Zu 1. Nachdem der Herr mir das Herz geöffnet hatte, erkannte ich ziemlich bald, dass ER immer schon in meinem Leben da war, an mir gehandelt hatte und sich um mich mühte. Ich erkannte es (IHN) nur früher nicht.

Das ist die Wahrheit und die gute Botschaft für einen jeden von uns. Der Herr ist mit uns auf unserem Lebensweg. Wir haben im Blick auf IHN kein Distanzproblem – wohl aber oft ein Erkenntnisproblem.

Wie war das bei den beiden Emmausjüngern? Geht es uns nicht oft ebenso? Da wird als erstes über sie berichtet: „Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten.“ Das zwischenmenschliche Gespräch war voll im Gange.

Wie oft reden und reden wir – und nichts kommt dabei heraus. Wie oft geschieht dies, dass man wortreich und stundenlang über nichts (Bedeutendes) spricht. Vielleicht ist das eine der Gefahren unserer Zeit. Im medialen Zeitalter wird heftig kommuniziert: klug und gelehrt, platt und frivol, aufregend und belanglos. Tagungen über Tagungen finden statt – aber es tagt nicht – es wird nicht heller.

Unsere Kommunikation beschränkt sich weitestgehend auf die menschliche  - auf die horizontale Ebene. Wir finden oft nicht die Tiefe und schon gar nicht über uns selbst hinaus. Es fehlt die Vertikale. Und so ergeht es uns wie den Emmausjüngern. „Und es geschah, als sie so redeten und sich miteinander besprachen, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen.“  Und was passierte? Sie redeten und redeten über IHN und von IHM und erkannten IHN nicht. Ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.

Was hält uns unsere Augen zu? Sind es die Erfahrungen unseres Lebens, die wir bisher gemacht haben? „Ich habe mit der Kirche schlechte Erfahrungen gemacht“ – hat mir mal jemand gesagt. An dieser Stelle müssen wir uns als Christen (als Gottes Bodenpersonal) allesamt fragen, ob wir anderen ein schlechtes Zeugnis geben. Aber eine letzte stichhaltige Begründung, sich der Wahrheit des Evangeliums zu verweigern, ist das nicht.

Was verschließt uns die Augen? Sind es unsere eigenen Denkvoraussetzungen? Wir alle sind in DDR-Zeiten durch eine Schule des propagierten Atheismus gegangen. Und viele glauben bis heute an dieses (oder ihr) Denkgebäude.

Ich bin nicht zum Glauben an Jesus gekommen, indem man mir seine Auferstehung bewiesen hat. Ich war damals unheimlich wissbegierig. Aber intellektuell wurde ich nicht überzeugt.  Das Herz wurde mir aufgetan, die Binde von meinen Herzensaugen weggenommen.

Und ich erkannte dann, dass es mindest genauso viele Gründe und Argumente dafür - wie dagegen gibt. Intellektuelle Gründe können den Glauben nicht aushebeln – aber auch Gott nicht beweisen. Man kann in dieser Welt alles erklären. Im Laufe der Jahre bin ich immer kritischer gegenüber den Kritikern geworden. Jede so genannte neuste wissenschaftliche Erkenntnis veraltet. Man staunt manchmal, wie schnell sich die Dinge grundlegend  umkehren.

Und für alle Erklärungs- und Deutungsversuche (mehr als Hypothesen sind sie ja alle nicht) gibt es eine Gegentheorie. Das müssen wir doch mal zur Kenntnis nehmen und das müsste uns doch stutzig machen. Die Klugen dieser Welt, die sich wie Gott gebärden, können nur vom Vorletzten reden. Mehr als Deutungsversuche können sie nicht leisten. Aber wir nehmen es oft schlicht und einfach nicht zur Kenntnis.

Zum lebendigen Glauben ist noch nie einer gekommen, indem er begann, an die Versuche zu glauben, die die Wirklichkeit erklären wollen. Zum lebendigen Glauben kommt man, wenn einem das Herz geöffnet wird und man der Person des Auferstandenen begegnet.

Wie oft ist es bei uns genau so, wie hier auf dem Weg zwischen Jerusalem und Emmaus. Die beiden fragen Jesus: „Bist du der Einzigste, der von allem, was da in Jerusalem passiert ist, nichts weiß?“ Der, den es betrifft, der mit ihnen geht, den beschuldigen sie als unwissend. Wie tief kann unsere innere Nacht werden? Wie sehr kann sich in unserer Wahrnehmungsfähigkeit die Wirklichkeit zur Unwirklichkeit verkehren?

Und wie schnell kann es auch in unserem Leben dazu kommen, dass das, was wir einmal im Glauben fest  im Herzen hatten, wieder verblasst und wegrutscht. Die beiden Emmausjünger hatten unmerklich ihr Credo reduziert. Sie glaubten nicht mehr an Jesus, den Messias. Sie sprachen nur noch vom Propheten.

Noch ein Stolperstein wird hier fast beiläufig erwähnt: Die eigene Hoffnung. „Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde.“ Das ist eine biblische Hoffnung. Das der Messias Israel erlösen wird, gehört zum prophetischen Hoffnungsgut. Aber wenn wir Menschen anfangen, die zeitlichen Festlegungen zu treffen, dann stimmt nichts mehr – weder in der Bibel noch in den Erfahrungen, noch in der Wirklichkeit. Die Jünger hatten sich in der Hoffnung festgebissen und waren so blind für das geworden, was geschehen war.

Und was tat Jesus? Er ging weiter mit ihnen. Er bog nicht ab und sagte: Es hat keinen Zweck. Er verwickelte sie in ein Gespräch.

2. die Wortgemeinschaft

Manchmal sagen wir Dinge, ohne zu wissen, dass wir da die Wahrheit sagen, die freimacht. Aber diese Worte bewirken in uns noch nichts, weil sie noch nicht mit Leben gefüllt sind. Und manchmal erleben wir Dinge, die so revolutionär und umwälzend sind und wir haben selbst dazu noch nicht den persönlichen Zugang gefunden.

Die beiden Emmausjünger sagen hier zu Jesus: „Es ist schon der dritte Tag, dass dies geschehen ist.“  Es hat dabei in ihnen nicht Klick gemacht. Jesus hatte doch oft vom dritten Tag  gesprochen? Ich werde leiden und sterben und am dritten Tag…

Und selbst als ihnen das berichtet wurde (bekannte Frauen waren am Grab und haben es leer vorgefunden, und Boten Gottes hatten ihnen gesagt: „Er lebt!“ – und selbst als einige der Jünger das nachprüften und betätigten) – selbst dann war in ihnen alles vernagelt. Sie glaubten es nicht!

Ja, dass alles machte ihnen Angst! Es führte nicht zur Osterfreude, zum Jubel, sondern zur Angst. Jetzt gerät die Sache total aus dem Ruder. Es entsteht das Gefühl: Entweder ist die Welt verrückt geworden, oder ich bin es. Ich kenne solche Situationen. Nichts hat man mehr im Griff. Woran soll man denn noch glauben?

Was macht Jesus? Er fängt wieder von vorne an. Bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der  ganzen Schrift von ihm gesagt war.

Wie viel gutes Wort Gottes wurde uns gesagt. Und nichts war unnütz. Wie viel geistliche und biblische Wahrheit hatten die Emmausjünger schon gehört? Und das Wort des lebendigen Gottes hatte sich in ihnen noch nicht die Bahn gebrochen. Aber es war stationiert. Es war installiert und hinterlegt.

Und jetzt wieder. Jesus legte  ihnen die Schrift aus. Von Anfang an. Tippel Tappel-Tour. Sie hören wieder und wieder das ganze Wort Gottes.

Manchmal sehe ich junge Leute abwinkend vor mir, die sagen: „Haben wir alles schon gehört.“ Und manchmal hat man auch den Eindruck, dass das Wissen sie mehr immunisiert als motiviert hat. Was soll man daraus schlussfolgern? Müssen wir raffiniertere Methoden anwenden?  Müssen wir durch Events größere Aufmerksamkeit schaffen? Oder sollen wir es ganz lassen? Liegt das an uns, das unser Zeugnis nicht zündet? Natürlich, es ist immer gut, wenn man sich fragt; wie kann ich das Evangelium sachgemäß und gut weitersagen. Bin ich ein glühender und wahrhaftiger Zeuge? Doch dabei ist es immer wieder ganz gut, die apostolische Ermahnung zu beherzigen: „Predige das Wort, steh dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre.“ 2.Tim 4,2

Die Emmausjünger stellten interessanterweise erst nachdem ihre Augen geöffnet waren, fest, dass das Wort Gottes im Mund des Auferstandenen in ihnen und mit ihnen etwas gemacht hatte. „Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?“ Wieviel Geduld hatte Jesus mit ihnen. Wieviel Langmut hat er mit uns?

Aber wenn der Augenblick gekommen ist, wo sich unser Herz öffnet, dann lasst uns nicht hochmütig werden über andere, die noch ringen. Lasst uns daran denken, wie lange der Herr bei uns gebraucht hat und lasst uns dankbar werden.  Lasst uns nichts übers Knie brechen wollen, sondern die Hände falten, dass Gott auch bei anderen eine Tür des Wortes auf tut.

3. die Mahlgemeinschaft

Zum Schluss noch etwas ganz Schönes. Jesus sucht uns in der Mahlgemeinschaft. Das Letzte im Leben des Jesus von Nazareth war eine Mahlgemeinschaft mit seinen Jüngern. Er setzt im Passahmahl das Abendmahl ein und sagt: Tut das – bis ich wiederkommen werde. Und das erste, was er nach seiner Auferstehung mit seinen Jüngern feiert, ist eine Mahlgemeinschaft. Vielleicht beginnen wir hier zu ahnen, wie wichtig Jesus die Mahlgemeinschaft mit seinen Jüngerinnen und Jüngern ist? Da kann man doch nicht weglaufen, wenn der Herr sagt: Kommt, alles ist bereit. Sehet und schmecket wie freundlich der Herr ist!

Das Mahl ist wie eine Klammer zwischen dem Irdischen und dem Auferstandenen, zwischen seinem Opfertod am Kreuz und dem Auferweckungshandeln Gottes, zwischen dem Gekreuzigten und Auferstandenen. Zwischen ihm  und seinen Jüngern!

Als er das Brot brach fiel bei den Emmausjüngern der Groschen. Sie erkannten ihn. Da ging ihnen das Herz auf und die Augen über. Der Gast wird zum Gastgeber.

Liebe Gemeinde, es ist Ostern. Was können wir tun, dass uns die Auferstehungswirklichkeit erreicht, dass in uns wirklich der Osterjubel aufbricht?

Nicht viel. Das eigentliche muss er selbst tun der gekreuzigte und auferstandenen Jesus. Aber das können wir doch tun: unser Herz ihm hinhalten und ihn bitten, dass er sich auf unserem Lebensweg, in der Gemeinschaft unter seinem Wort und in der Mahlgemeinschaft uns zu erkennen gibt.

 

Amen

 




© 2006-2017 - Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Crottendorf