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Auf Wegen der Apostel

Bevor sich eindrückliche Erfahrungen, Erkenntnisse und Entdeckungen unserer diesjährigen Gemeindereise in die allgemeinen Erinnerungen absenken und beginnen, ihre besonderen Farben zu verlieren, möchte ich einiges  davon schriftlich festhalten.

Vom 14.- 23. April 2009 machte sich eine Gruppe aus dem Erzgebirge auf dem Weg  in die Türkei – dem alten  Anatolien. Unser Vorhaben bestand darin, ein Stück den Spuren des Apostels Paulus zu folgen. Tatsächlich war unsere Reiseroute mit einem Teil seiner 3. Missionsreise deckungsgleich. Allerdings fuhren wir die Strecke in einem klimatisierten Reisebus ab, übernachteten in komfortablen Hotels und mühten uns nicht wie der Apostel  per pedes durch das karge und einsame anatolische Hochland. Dank Transferbus von Crottendorf nach Nürnberg und dem Flugzeug von Nürnberg nach Istanbul, dem ehemaligen Konstantinopel und von dort nach Hatay (Antakya), dem einstigen Antiochien, waren wir im Laufe eines Tages am Startpunkt unserer Reise.

Hier in Antiochien war nicht lange nach dem Tod und der Auferstehung Jesu durch Verfolgung der Jesus-Jünger eine lebendige Gemeinde mit großer Ausstrahlungskraft entstanden. Barnabas wurde von Jerusalem nach Antiochien am Orontes entsandt, um eine Verbindung  zu den Gläubigen der Muttergemeinde herzustellen.  So begann das Netzwerk des Glaubens zu entstehen. Barnabas holte Paulus aus Tarsus, weil sich die Aufgaben vertieften und erweiterten. Mehr und mehr begann diese neue Glaubensbewegung innerhalb des Judentums ein eigenständiges Format zu bekommen. Hier in Antiochien wurden die Jünger Jesu zum ersten Mal „Christen“ genannt. Und dann kam es zu dem denkwürdigen Geschehen, dass Gott durch seinen Heiligen Geist zu dieser Gemeinde sprach:  „Sondert mir aus Barnabas und Saulus zu dem Werk, zu dem ich sie berufen habe.“ (Apg 13,2) So begannen von hieraus die Missionsreisen des Apostels Paulus.

Es ist vorstellbar, dass sich die frühe Christenheit in der heutigen Petrus-Grotten-Kirche traf. Ursprünglich war diese Kirche eine Höhle in den Bergen, die die Kreuzfahrer später zur Kirche erweiterten. Es war für mich ein besonderer Augenblick, in dieser Grotte mit unserer Gruppe zu singen, zu beten und auf Gottes Wort zu hören.

Unsere Weiterfahrt wäre fast zur Bootsfahrt geworden. Die ganze Nacht hatte es fürchterlich gewittert. Der Orontes war angeschwollen. Die Straßen  wurden zu Bächen. Schlammlawinen waren  in den Bergen abgegangen. Uns spülte es förmlich aus der Stadt hinaus. Unser nächstes Ziel war Tarsus, die Geburtsstadt von Paulus. Hier besichtigten wir inmitten des ehemaligen Judenviertels den Brunnen mit den angrenzenden Ausgrabungen eines Wohnhauses. Verschiedene Indizien lassen es möglich erscheinen, dass hier Paulus die ersten Jahre seines Lebens verbracht hat. Sehr symbolträchtig war für mich eine kleine Ausgrabung in der Mitte der Stadt. Dort fand man 1993 Teile einer römischen Straße. Mit Sicherheit ist der Apostel über diese Steine gelaufen. Vielleicht sind diese einzigen beiden antiken Reste, die man in Tarsus mit Paulus in Verbindung bringen kann, sprechend genug. Der Brunnen, die Quelle verweist auf den Beginn seines Lebens, die Straße auf den Ort, wo er die längste Zeit seines Lebens zubrachte. Das wurde uns in den nächsten Tagen erst richtig deutlich. Wie oft sind in der Bibel die Orte, in denen Paulus das Evangelium verkündigte, einfach aneinandergereiht. Wenn man jedoch nacheinander diese antiken Stätten besucht, entdeckt man erst einmal die riesigen Entfernungen, die dazwischen liegen. Der Apostel muss die meiste Zeit seines Lebens auf der Straße zugebracht haben.

Unsere Reiseroute führte uns von Tarsus aus nach Norden. Man weiß nicht, ob Paulus in seiner Zeit bevor er nach Antiochien gerufen wurde bereits in Kappadokien war, um hier zu bezeugen, dass Jesus der Messias ist. Auf alle Fälle gab es dort schon sehr früh christliche Gemeinden. Und darum war es fast folgerichtig, dass Kappadokien zu einem Zentrum der frühen Kirche wurde.  Kappadokien liegt weit weg von den Küsten, an denen sich damals das Leben der meisten Menschen abspielte. Karg, kalt und einsam ist die Gegend, sodass sie in Verfolgungszeiten ein ideales Rückzugsgebiet war. Andererseits ist dieses faszinierend bizarre Stückchen Erde auch einladend. Wenn man Kappadokien einmal gesehen hat, kann man es nicht mehr vergessen. Wir besuchten noch am gleichen Tag die unterirdische Stadt in  Derinkuyu. Seit den 60ziger Jahren findet man hier Städte im Tuffstein. Über 20 hat man bereits entdeckt. Derinkuyu muss wohl eine der größten unterirdischen Städte gewesen sein. 20.000 Menschen sollen hier Platz gehabt haben, um für einige Zeit sicher vor Feinden zu leben.

Eigentlich müsste ich schon hier innehalten und mehr über dieses besondere Stückchen Erde erzählen. Es hat uns alle fasziniert. Damit diese Gegend einen sachgemäßen Platz in meinen Erinnerungen bekommt, plane ich einen Vortrag mit dem Titel „Himmel über Kappadokien“ darüber auszuarbeiten. Darin will ich über die eigenartige Landschaft und vor allem über besondere Menschen, die hier gelebt haben, berichten. Hier wirkte z.B. das sogenannte kappadokische Dreigestirn. Darunter versteht man in der Theologiegeschichte Basilius den Großen, Gregor von Nyssa und Gregor von Nazianz. Diese drei großen Kappadokier haben  maßgeblich dazu beigetragen, dass heute die Christenheit sich zu dem dreieinen Gott bekennt.

Ein Stück dieser geistlichen Urgewalt, die sich von hieraus entfaltete, begannen wir am folgenden Tag zu erahnen. Wir besuchten Göreme. Kirche an Kirche wurde hier in das Gestein getrieben. Kultur und Natur sind hier eine besondere Symbiose eingegangen. Wir nahmen uns Zeit, wandernd dieses schöne Stück Schöpfung bruchteilhaft zu erschließen. Romantische Namen haben die Täler mit ihren Feenkaminen bekommen: Taubental, das Tal der Schwerter, das Tal der Mönche…

Von Kappadokien aus führte unsere Reise entlang der Seidenstraße nach Konya, dem einstigen Ikonien. Von Aksary aus beginnt ein einsames Steppengebiet. Es muss in der Antike sehr beschwerlich gewesen sein, diese knapp 150 km  zu überwinden. Helmuth Karl Bernhard von Moltke (Militärberater im Osmanischen Reich)  durchquerte diese Strecke mit dem Pferd in zweieinhalb Tagen und schrieb später: „Das ist die ebenste Ebene, die ich je gesehen habe.“ Entlang der Seidenstraße befindet sich etwa aller 30 Kilometer eine Karawanserei.  So kann man sich  in etwa die Reisegeschwindigkeit in der Antike vorstellen.

In Ikonium ist Paulus auf allen drei Missionreisen gewesen. Ihm muss die Christengemeinde hier sehr am Herzen gelegen haben. Heute findet man in Konya weder Ausgrabungen aus römischer Zeit noch (bis auf zwei Nonnen von der Bruderschaft „Jesus der Auferstandene“)  christliche Spuren. Das hängt  vor allem mit einem islamischen Orden zusammen, der hier sein Zentrum hatte. Im Kloster der tanzenden Derwische ist Mevelana, der Begründer des Ordens beigesetzt und wird bis heute (obgleich der Orden in der Türkei verboten ist) hoch verehrt. Gerade die Begegnung mit dieser ganz anders gearteten Glaubensvorstellung gab mir Anlass neu über das zu reflektieren, was mir am christlichen Glauben wichtig ist. Die Derwische (Mönche des islamischen Sufismus) versetzten sich durch Musik und Tanz in Ekstase, um so göttliche Erlebnisse zu erreichen. Den Tod verstehen sie als die letzte Vereinigung mit Gott. Einige aus unserer Gruppe nahmen an einer Vorführung des Derwisch-Tanzes teil und fanden es bedrückend mystisch.  Gerade diese Erfahrung macht mich dankbar für die Schätze unseres Glaubens: Ich darf mit Gott als meinem Vater reden. So wird mir gerade das Gebet zu einem Ort der Gottes-Erfahrung. Ich darf  über den Glauben, meine Erfahrung und die Bibel reflektieren. Dazu hat uns Gott den Verstand gegeben. So wird mir das Denken neben dem Vertrauen ein wichtiges Geschenk Gottes, das mich über mich selbst führt und mich mit Gott in Beziehung setzt. Und ich muss nicht auf den Tod warten, um Gott zu begegnen. Jesus hat die Nacht des Todes durchschritten und überwunden (wir feierten kurz vorher Ostern). So darf ich durch Jesus erfüllt leben, den Menschen  dienen und zugleich auf das ewige Leben hoffen, ohne den Tod zu verklären oder vor ihm in lähmende Ängste zu verfallen.

Von Konya aus ging unsere Reise durch herrliche Landschaft weiter nach Antiochien in Pisidien. Mitten in der Einöde, abseits der Zivilisation gründeten die Römer die Colonia Caesarea Antiochia als Veteranenkolonie.  Aus dieser militärisch wichtigen Station an der Via Sebaste entwickelte sich eine Stadt. Antiochien war bekannt durch seinen Augustustempel. Hier wurde Augustus bereits zu Lebzeiten als Gott verehrt. Dies wäre in Rom nicht möglich gewesen. Dort ließ Augustus dem ermordete Cäsar auf dem Forum Romanum einen Tempel errichten. So kam im Imperium Romanum der Kaiserkult auf. Erst verehrte man den toten Kaiser, dann den lebenden und schließlich die ganze Kaiserfamilie. Die Verehrung eines Menschen als göttliches Wesen begann sich in den Provinzen des Reiches zu entwickeln. Antiochien in Pisidien scheint dabei eine wichtige Rolle gespielt zu haben. Nicht ohne Grund nannte Paulus in der Synagoge Jesus den Retter oder Erlöser (Soter). Und dann, nachdem er berichtet hatte, dass die geistliche Obrigkeit seines Volkes Jesus dem Römer Pilatus übergeben hatte, erzählte er, wie die Geschichte weitergegangen war. Jesus wurde begraben und von Gott am dritten Tage auferweckt. Glaubhafte Zeugen berichteten, dass sie ihn gesehen haben. Und dann begann Paulus in Antiochien den Tod und die Auferstehung Jesu geistlich und biblisch zu deuten. Er zitierte dazu den Psalm 2, in dem Gott spricht: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.“ Hier fällt ein weiterer wichtiger Begriff. Jesus wird als Gottes Sohn verstanden und verkündigt. Wenn man sich in die damaligen Hörer hineinversetzt (sowohl Juden - als auch Römer) waren die Worte des Apostels Paulus unglaublich provozierend. Seine Zeugnis bewirkte Erweckung auf der einen und Verfolgung auf der anderen Seite. Es kam in Antiochien zu Eklat und zum geistlichen Aufbruch in der gesamten Gegend. Hier inmitten der Ruinen der Paulus-Kirche konnten wir unsere Andacht halten und von der Gnade Gottes hören. Paulus ermahnte die Christen von Antiochien in der Gnade Gottes zu bleiben.

Noch hatten wir für diesen Tag eine größere Strecke vor uns. Kurz vor der Abenddämmerung erreichten wir Kolossä. Viel Zeit bis zum Sonnenuntergang war nicht. Viel Zeit brauchten wir aber auch nicht. Kolossä ist noch nicht ausgegraben. Wir konnten uns aber gut vorstellen, dass diese Stadt an der Seidenstraße am Ende des Lykostales einst eine idyllische Stadt war. Von hieraus hatte man einen schönen Blick auf das schneebedeckte Gebirge. Kolossä lag zu Füßen des Berges Honaz (2500m).  Als wir den ehemaligen Burgberg (Agora) empor kletterten sagte jemand aus unserer Gruppe: „Mensch, dass ist ja Rucola.“ Ich wusste bin dahin nicht, was Rucola ist und ließ mich aufklären, dass diese Pflanze aus der Familie der Kreuzblütengewächse eine bekannte und beliebte Salatpflanze ist. Überall auf der Agora von Kolossä wuchs Rucola.  Seitdem haben wir uns schon öfters diesen Salat munden lassen und immer sagen wir dabei: „Es schmeckt und riecht wie Kolossä“.

Unweit von Kolossä lagen zwei weitere antike Städte, die in der Bibel eine Rolle spielen: Hierapolis und Laodizea. Auf Hierapolis freuten wir uns schon, da wir bereits im vergangenen Jahr diesem Ort einen Besuch abstatteten.  Unsere Besichtigung begann eigentlich in der 2. Stadt von Hierapolis. Antike Städte hatten vor der Stadt der Lebenden eine Totenstadt. Die Nekropolis von Hierapolis war eine der Größten in der Antike. Mehr als 1200 Gräber liegen vor dem Nordtor von Hierapolis. Die Größe dieser Totenstadt stand in einem inneren Zusammenhang mit einem Totenkult, der hier praktiziert wurde.  Im Apolltempel gab es das sogenannte Plutonium.  Hier trat kalkhaltiges Wasser aus der Erde und ergießt sich heute noch über den Hang unterhalb der Stadt. Die Kalksteinterrassen von Pamukkale sind eine Touristenattraktion. Über einen Kilometer zieht sich der kalkbedeckte Hang unterhalb der antiken Stadt entlang und macht den Einruck eines immerwährenden Winters. Aber man kann dort nicht im Schnee sondern im warmen Wasser, das sich über Terrassen ergießt, entlang eines vorgegebenen Weges  wandern. Italienische Archäologen entdeckten im hinteren Teil des Apollon-Heiligtums eine Öffnung, in der drei flache Stufen in einen dunklen, knapp 3 m2 großen und gepflasterten Raum hinunterführten, an dessen Rückseite man durch eine 1 m breite Spalte fließendes Wasser sah, von dem giftige Dämpfe aufstiegen. Die Apoll-Priester konnten durch bestimmte Atemübungen hier länger Zeit verweilen. Manch andere bezahlten es mit ihrem Leben. Hier im Plutonium fanden die Orakel statt. Gleichzeitig glaubte man, dass sich hier einer der Zugänge zum Hades befand. Darum ließen sich die Römer aus vielen Teilen des Imperiums hier beerdigen, weil sie schnell und leicht in das Totenreich wollten. Ist es nicht geradezu bezeichnend, dass sich in einer Stadt, in der der Tod eine so große Rolle spielte, sehr früh eine Gemeinde von Christen etablierte. Papias von Hierapolis (Bischof hier - um 140 gestorben) bezeugt in seinen Schriften, dass der Diakon und Evangelist Philippus mit seinen Töchtern hier gewohnt und das Martyrium erlitten hat. Zwar bedeutete es eine Mühe, den Aufstieg zu den Ruinen der Philippus-Kirche zu schaffen, aber der Aufstieg lohnte sich. Das Martyrium des Philippus liegt östlich des Theaters und wurde im 4. Jh. n. Chr. erbaut. Es hat einen quadratischen Grundriss und einen achteckigen Baustil. Hier in den Ruinen der Kirche hielten wir unsere Andacht und dachten über den Mann nach, den Gott an die Straße nach Gaza führte, um einem äthiopischen Finanzminister das Evangelium zu sagen. Und hier, in einem ganz anderen Teil der Welt, soll er seine letzte Ruhe gefunden haben. Man ahnt, in welcher globalen Weite die ersten Zeugen des Evangeliums dachten und lebten. 

Ein weiteres kleines Erlebnis prägte sich mir in Hierapolis ein. Nachdem wir unser Fußbad in den Kalksinterterrassen von Pamukkale genommen hatten, machte uns ein kleiner türkischer Junge auf etwas auf dem Boden aufmerksam. Es sah von weitem aus wie eine Schlange. Bei genauerem Hinsehen entpuppte sich die Schlage jedoch als ein Zug von Raupen. Wir erkundigten uns später bei unserem Reiseleiter und erfuhren, dass es sich um die Prozessionsraupe  handelt. Ihren Namen verdanken die Prozessionsraupen ihrer Angewohnheit,  ihre Nester gemeinsam zu verlassen, um auf Nahrungssuche zu gehen. Dabei halten sie eine strenge Marschordnung ein, wobei eine Raupe immer hinter der anderen kriecht und sich nur durch ihren Tastsinn zur Vorgängerin zurechtfindet.

Dem französischen Naturforscher Jean Faber gelang es, eine Gruppe von Raupen an den Rand

eines Blumentopfes zu locken und einen vollständigen Kreis zu bilden. Die Raupenkette setzte sich in einer Prozession in Bewegung, ohne Anfang und ohne Ende. Der Naturforscher erwartete, dass die Raupen nach einiger Zeit mitbekommen, dass sie immer nur im Kreis gehen.  Aber das war nicht der Fall. Sieben Tage und sieben Nächte lang liefen sie im Kreis, bis sie des Hungers starben. Ironischerweise war ausreichend Nahrung gut sichtbar innerhalb des Kreises vorhanden. Dennoch folgten sie blindlings den vorgezeigten Weg der Gewohnheit, Sitte, Tradition... Könnte uns das nicht zu denken geben?

14 km entfernt von Hierapolis lag Laodizea. Schon die wenigen Ausgrabungen, die besichtigt werden können, zeigen, das Laodizea einst eine sehr reiche Stadt war. Die Kleider aus der Wolle der schwarzen Schafe von hier waren bis nach Rom bekannt. Laodizea war einst eine Bankenstadt. Zwei riesige Theater (mit 6000 und 9000 Plätzen) und die frisch ausgegrabene Hauptstraße mit ihren schön gearbeiteten Säulen aus der Künstlerschule in Aphrodisias sprechen Bände. Die Ausgrabungen der Universität in Denizli werden weitere Kostbarkeiten zu Tage fördern. Wie wir wissen, kommt Laodizea in der Bibel nicht gut weg.  In der Offenbarung lesen wir im letzten Sendschreiben: Offb 3,14 ff „Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. Du sprichst: Ich bin reich und habe genug und brauche nichts!, und weißt nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloß. Ich rate dir, dass du Gold von mir kaufst, das im Feuer geläutert ist, damit du reich werdest, und weiße Kleider, damit du sie anziehst und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde, und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du sehen mögest. Welche ich lieb habe, die weise ich zurecht und züchtige ich. So sei nun eifrig und tue Buße!“  Dennoch gab es etwas, was mich in Laodizea beeindruckte. Auf dem Markplatz (Agora) fand sich eine umgestürzte Säule, auf der eine Menorah zusehen war, aus der ein Kreuz emporwuchs. Wie man dieses Symbol auch deutet – es stellt eine Verbindung zwischen Judentum und Christentum her. Sind beides nicht zwei wichtige Wurzeln europäischer Geschichte, Denkens, Kultur und Lebens? Gerade hier in Laodizea wurden wir wieder an die Wurzeln des Abendlandes erinnert.

Ein letztes Mal noch mußten wir das Hotel wechseln. Es lag in der Natur der Sache, dass die Reise, die sich über 2000 Kilometer erstreckte, einen häufigen Bettenwechsel erforderte. Dennoch mussten wir konstatieren, dass wir überall freundlich aufgenommen und vorzüglich versorgt wurden. Immer nahm ich mir bei den offenen Büfetts vor, nur das allernötigste  zu kosten. Und immer war der Teller gerappelt voll. Und immer mundete alles bestens.

Unser letztes Hotel lag nun an der ägäischen Küste. Manche wagten es sogar im Mittelmeer ein kaltes Bad zu nehmen. Sicher waren die Badefreuden im Thermalbad von Pamukkale angenehmer. Aber es ist doch schon etwas, wenn man sagen kann, ich war im April in der Ägäis baden.

Unseren vorletzten Tag verbrachten wir in Ephesus. Hier befindet sich das größte Ausgrabungsareal in der Türkei. Was man hier sieht ist einfach überwältigend. Schon in der Vorsaison schieben sich Menschenmassen durch die Straßen der alten Hauptstadt der römischen Provinz Asia. Vieles  gäbe es aufzuzählen: die prachtvolle Kuretenstraße, die enorme Celsiusbibliothek, das riesige Theater (25.000 Sitzplätze) in der Demetrius einen Aufstand gegen Paulus anzettelte, die Reste des Artemistempels und, und, und. Für mich bleiben 2 Dinge von Ephesus in guter Erinnerung. Nach unserer Stadtbesichtigung waren wir in einem kleinen Straßencafe bei Christen zu Gast. In einer stillen und lebendigen Weise leben sie hier und bekennen sich zu Jesus Christus. Ihr Zeugnis und ihre Art haben mich sehr beeindruckt. Wir wussten sofort, dass wir zusammengehören.

Von dieser persönlichen Begegnung ergab sich eine innere Verbindung zu einem historischen Ort, den wir im Anschluss besuchten. Wir stiegen den Berg hinauf zu den Ruinen der Johannes-Basilika. Hier soll der der Apostel Johannes begraben worden sein. Über seiner Ruhestätte hat man im 5. Jahrhundert eine der größten Kirchen der Christenheit gebaut. Oberhalb der Johanneskirche, mit Blick auf sie, auf die Stadt, dem Arthemistempel und der Jesus-Moschee konnten wir unsere Andacht halten. Thema der Andacht war 1. Johannes 4,9f   „Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.“  Die Begegnung mit unseren Geschwistern im Straßencafe „St. John“ hätte eigentlich die Andacht erübrigt. Und dennoch stellte sie eine gute Verbindung zwischen dem her, was wir Christen glauben  und dem, was Gottes Wort uns sagt und dem, was bis heute das Überzeugendste am Christentum ist: die Liebe Gottes, die uns in Jesus Christus erschienen ist.

Milet war der Ort, an dem Paulus seine Abschiedsrede hielt. Zwar hielten wir hier keine Abschiedsrede, aber es war der letzte Tag  auf unserer eindruckvollen Reise. Einst wurde Milet die Prinzessin der Ägäis genannt. Große Philosophen lebten hier. Nicht zuletzt ist Milet bis heute durch seinen großen Mathematiker Thales bekannt. Unübersehbar ist in Milet das Theater. Von den oberen Rängen aus hat man einen ganz guten Blick auf die Gegend. Von hieraus wurde uns in anschaulicher Weise die Entwicklung der Stadt einschließlich die Geschichte der Verlandung erklärt. Unser Rundgang ging weiter in Richtung Hafen. Doch bevor wir den Abstieg in Angriff nahmen suchten wir uns einen schönen Platz am Rande des Theaters mit Blick auf den Hafen. Hier hörten wir noch einmal Gottes Wort. Wie konnte es anders sein – Thema war die Abschiedsrede, die Paulus hier auf seiner 3. Missionsreise hielt. Es ist immer noch einmal anders, wenn man die Texte der Bibel an Ort und Stelle zum klingen bringt. Vieles wird einem plastischer und verständlicher. Nach der Andacht besuchten wir in Milet den verlandeten Hafen, die Speicher und den Markt. Abschluss  unseres Milet-Rundganges war der Gang durch die Badeanstalt, die Marc Aurels Frau Faustina stiftete.

Nach einem Mittagessen an der ägäischen Küste fuhren wir ins Hotel zurück und  relaxten, packten die Koffer und trafen uns am Abend noch einmal zu einem kleinen Rückblick. Wohlbehalten und voller Eindrücke kamen wird dann am kommenden Tag wieder zu Hause an. Wir flogen von Izmir, dem alten Smyrna nach Istanbul und von dort nach Nürnberg.

Drei kurze Nachbemerkungen mögen mir noch gestattet sein.

1. Nach der Reise sagten mir einige, dass sie vor der Reise viele Vorurteile gegenüber der Türkei hatten. Wir begegneten jedoch immer freundlichen und aufgeschlossenen Menschen. Wir wurden stets zuvorkommend und höflich behandelt. Einmal begegneten wir einem Deutschen, der sich arrogant und besserwisserisch gegenüber einen türkischen Verkäufer benahm. Und wir schämten uns für ihn. Wir schämten uns auch, als wir in Deutschland angekommen, feststellen mussten, dass mitreisende Türken von deutschen Grenzbeamten  abschätzig behandelt wurden. Die Türkei ist ein islamisches Land. Wenn man nicht gerade einen Religionskrieg anfangen will, sich an die Gesetze des Landes hält und auf die Geflogenheiten der Menschen achtet, kann man dort sehr viel Gutes erleben. Vorurteile kann man nur überwinden, indem man sich vor Ort ein Bild macht. Es ist immer gut, wenn man erst einmal „geht und sieht“. Seit unserer Reise bete ich bewusster für die Christen in der Türkei, dass Gott sie beschützt und ihnen Leuchtkraft geben möge.

2. Sehr dankbar war ich für unseren Reiseleiter Ahmet Kolsal. Er hat sich in rührender Weise und umsichtig um unsere Gruppe gekümmert. Wir haben von seinem großen Wissen profitieren dürfen. Auf den langen Strecken, die wir mit dem Bus hinter uns bringen mussten, unterhielt er uns mit kurzweiligen Geschichten, Musik und informativen Videos. Trotz seiner starken Erkältung mühte er sich, uns so viel wie möglich an Informationen weiterzusagen. Was mir besonders  gefallen hat war, dass er immer wieder große Zusammenhänge herstellte und die Details so plastisch schilderte, dass man sie förmlich vor dem inneren Auge erstehen sah. Ihm, Oktogon-Reisen und Tour-mit-Schanz sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

3. Zum Schluss bleibt zu wünschen, dass allen Reiseteilnehmern die Bibel wieder ein Stück näher gerückt ist und uns diese Reise einen erneuten Motivationsschub verlieh, dieses spannendste Buch der Welt zu lesen und zu studieren. Wohl nannte sich diese Reise „Auf den Spuren von Paulus“. Am Ende mussten wir jedoch feststellen, dass wir an Orten waren, die im Leben weiterer Apostel (z.B. Petrus und Johannes) und anderer Personen der Bibel und der Kirchengeschichte (z.B. Philippus oder Igantius von Antiochen, Basilius der Große…) eine Rolle spielten.  Pfarrer Liewald, meiner Frau und mir hat es gut getan, mit dieser Gruppe  zu reisen. Und dafür wollen wir Ihnen und Gott von Herzen danken.

 

Friedrich Preißler

 










Weitere Bilder dieser Reise gibt es hier.

 




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