Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Pfingstsonntag 2009

Predigttext: Matthäus 16, 13-19

13 Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?

14 Sie sprachen: Einige sagen, du seist Johannes der Täufer, andere, du seist Elia, wieder andere, du seist Jeremia oder einer der Propheten.

15 Er fragte sie: Wer sagt denn ihr, dass ich sei?

16 Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!

17 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.

18 Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.

19 Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.

 

 

Liebe Gemeinde!

 

Vielleicht hat sich (als ich den PT las) der eine oder andere gewundert und gefragt: Was hat das denn mit Pfingsten zu tun? Hier kommt doch der Heilige Geist nicht einmal namentlich vor. Haben sich die Perikopenmacher (also diejenigen, die für die Sonntage die Texte aussuchen) vergriffen?

Dazu als Einstieg zwei hinführende Gedanken.

1. In unserem Predigttext wird etwas genannt, was nur der Heilige Geist tun kann. Jesus sagt zu dem Petrus: „Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“  Über diesen Vers möchte ich predigten. Jesus sagt uns, was der Heilige Geist tut: Er offenbart uns Jesus. D.h. er erklärt mir,  wer Jesus für mich ist, er zeigt mir Jesus, enthüllt mir das Geheimnis JX und er  stellt zwischen mir und Jesus eine Beziehung her.

Pfingsten  ist ein Tag in der Geschichte, der kam und verging. Aber der Heilige Geist, Gottes heiliger Geist, der am Pfingsttag besondere Wirkungen entfaltete, ist nicht an diesen Tag gebunden. Der Geist Gottes wirkte schon vorher und der Geist Jesus bewirkt seitdem Wunderbares. Vor allem eben das eine: er offenbart uns Menschen Jesus.

2. Damit  es heute und für unser Leben griffig wird – ein zweiter Gedanke. Seit den Abschiedsreden hat der Heilige Geist eine Dienstbezeichnung. Jesus nennt ihn den Tröster. Und das ist er tatsächlich. Das ist zutiefst sein Wesen, seine Art, sein Werk: Der Heilige Geist tröstet Menschen.

Wir haben in unserem Gesangbuch ein Pfingstlied, das ich immer bewusst und gerne singe. In diesem Lied bitten wir um den Heiligen Geist und bezeichnen ihn als den „Höchsten Tröster in aller Not“. Der Geist Gottes ist wirklich der beste, ranghöchste und wirkungsvollste Tröster.

Und nun wage ich einen Satz, den ich dann entfalten will. Wenn der Heilige Geist mir (dir, uns) Jesus offenbart, dann bin ich (bist du, sind wir) bei Trost und dann ist bei mir Pfingsten. Offenbaren hängt mit Trösten und Trösten mit offenbaren zusammen.

Ich hatte in meiner ersten Gemeinde in der Nachbarschaft einen Kollegen, der hatte immer gute Ideen, in einer netten Weise auf das Evangelium hinzuweisen, indem er Fragen stellte. Heute macht jeder mit flotten Sprüchen Werbung für seinen Beruf.

Ritter Sport: quadratisch, praktisch, gut.

Deutsches Rotes Kreuz: Abenteuer Menschlichkeit. 

Fleischerei: Deutsche Wurst - Alles andere ist Käse. – (Titanic)

Mein Amtskollege (es war noch DDR-Zeit) schrieb mit lila Farbe auf seinen Trabi: Sind Sie bei Trost? Und überall, wo er mit seiner Renn-Pappe hinkam, stellte er den Leuten diese Frage. Damals gab’s noch keine Werbung – jeder las diesen Satz: Sind sie bei Trost?

Wer beginnt, über diese Frage nachzudenken, der merkt sehr schnell, dass einem diese Frage nicht erst an einem Grab gestellt wird, wenn man um einen Menschen trauert. Wo brauchen wir Menschen denn Trost?

A. Ja natürlich – ganz offensichtlich – in den Grenzsituationen des Lebens. Wenn Lebensgrundlagen zerbrechen – durch Flucht, durch Enteignung, durch Katastrophen. Menschen, die vor einem Nichts stehen, brauchen Trost. Sie brauchen  barmherzige Menschen, die helfend eingreifen. Aber sie brauchen zuerst etwas, was ihrer Seele wieder zu einer inneren Stabilität verhilft.

Oder wenn Beziehungen zu Ende gehen: Freundschaften, Ehen, z.B. oder durch den Tod eines lieben Menschen – dort brauchen wir etwas, was uns wieder innerlich ins Lot bring. Wir brauchen Trost.

Oder wenn wir in irgendeiner Weise einen Verlust erleiden, beginnt sich in uns eine Traurigkeit breit zu machen und wir suchen nach Trost. Das Meerschweinchen ist gestorben – bei den Kindern hängt die Fahne auf Halbmast – und das stellt eine ganze Familie vor die Aufgabe, Trost zu suchen und zu finden.

Also überall dort, wo ich merke: Mir fehlt etwas im Leben – und dieses „Etwas“ stellt sich als etwas sehr Entscheidendes heraus – suchen wir Menschen nach Trost. Es ist als ob da ein innerer Wusch wach wird. Zunächst wünschen wir vielleicht, dass es wieder so werden möge, wie es war. Dann aber spüren wir, dass es nicht mehr so sein kann, wie es war – es muss etwas anderes in mein Leben kommen, das mir wieder Frieden schenkt.

B. Trost brauchen wir aber nicht nur in den Grenzsituationen des Lebens, sondern auch mitten im Alltag. Wenn jemand etwas Dummes äußerte oder etwas, was eigentlich gar nicht zu ihm passt, dann sagen wir: „Du bist wohl nicht ganz bei Troste?“ Wir meinen damit: Der tickt nicht ganz richtig, vielleicht ist er sogar verrückt – jedenfalls nicht ganz normal. D.h.: wenn jemand nicht mit der Wahrheit oder mit dem Leben selbst in Einklang lebt, dann ist er nicht richtig bei Trost.

C. Ja eigentlich brauchen wir Trost nicht nur an den Rändern des Lebens oder mitten im Alltag, sondern vor allem in der Mitte. Trost brauchen wir Menschen grundsätzlich. Nur wer sich geborgen, gehalten und auf dem Weg zum richtigen Ziel weiß, der ist bei Trost.

Unser dt. Wort  „Trost“ kommt aus dem mhd und ist mit dem Wort „treu“ verwandt. „Treu“ hatte die Bedeutung; stark und fest sein wie ein Baum (Germanen – Baum – Eiche). Und von daher bekam das Wort „Trost“ die Bedeutung: eine innere Festigkeit haben. Getröstet ist, wer eine innere Festigkeit, einen inneren Halt hat. Wie bekommt man aber eine innere Festigkeit, einen inneren Halt?

Das Getröstet-Werden ist ja keine Hau-Ruck-Aktion, die blitz-platz geschieht. Wenn man nach Trost sucht, muss man Schritte gehen. Wie geschieht Trost wirkungsvoll?

1. Das Getröstet-Werden beginnt dort, wo man sich öffnet. Zuerst kreisen in einem immer die Gedanken. Egal, was dieses Kreisen ausgelöst hat. Man kommt nicht weiter. Man landet immer wieder dort, wo man begonnen hat. Dieser Teufelskreis muss beim Trösten aufgebrochen werden.

2. Wenn man sich öffnet, merkt man, dass es mehr gibt als sich selbst und die eigenen Nöte und Probleme. Und vor allem muss man entdecken, dass die Lösung der Not nicht in einem selbst liegt. Man muss aus sich selbst heraus gehen – sich also und seinen vermeintlich sicheren Standpunkt verlassen.

3. Was aber dann? Man kann und darf doch nicht mit seinem Leben irgendwo schweben oder im Niemandsland vagabundieren. Man muss eine neue Verankerung finden. Und dieser Halt, an dem ich mich festmache, der muss über mich selbst und alles Menschliche und Irdische (Zeitliche) hinausgehen. Denn dieser Halt, an dem ich mich festmache, muss die Grenzen meines Lebens, den Alltag und die Mitte meines Lebens abdecken und aushalten.

Und nun bin ich wieder bei unserem PT. Dazu muss uns der Heilige Geist Jesus offenbaren. Jesus ist der Halt, der Felsen, der sichere Grund und der Verankerungspunkt, den Gott uns aus seiner Ewigkeit hereinragen lässt in unsere Zeit.

Jesus  gibt uns innere Festigkeit, Halt, Geborgenheit und Frieden an den Grenzen des Lebens, im Alltag und in der Mitte unseres Daseins. Er ist  im wahrsten Sinne des Wortes der Trost der ganzen Welt. Friedrich von Spee fragt in seinem Adventslied, O Heiland reiß die Himmel auf:  „Wo bleibst du Trost der ganzen Welt“. Um nichts weniger als das geht es. Wenn wir nach Trost suchen, dann stellen wir diese Frage: „Wo bleibst du Trost der ganzen Welt?“

Als Petrus auf die Frage Jesu: „Was meinen die Leute über mich?“ antwortet: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“

dann war das ein Bekenntnis, das nicht aus der menschlichen Logik des Petrus kam. Jesus sagt das eindeutig: Petrus – aus deinem Fleisch und Blut kommt das nicht. Das hast du dir nicht ausgedacht und zurechtgelegt.

Das, was Petrus hier sagt, hat eine derartige Sprengkraft, dass diese Erkenntnis: „Jesus der Christus und der Sohn des lebendigen Gottes“ gar nicht aus ihm selbst  kommen kann.

Auf das wie (wie er zu dieser Erkenntnis und diesem Bekenntnis kam) komme ich gleich zurück. Ich möchte zuvor nur noch auf die Dimension dieses Bekenntnisses hinweisen. Das wird an dem Ort deutlich, wo es zum ersten Mal in dieser Welt veröffentlicht wurde – in Cäsarea Philippi.

Cäsarea Philippi liegt ganz im Norden Israels – im Gebiet des Berges Hermon. In  Cäsarea Philippi gab es damals zwei berühmte Heiligtümer. An einen der drei Quellen des Jordan stand das Pan-Heiligtum. Pan war in der griechischen Mythologie der Hirten-Gott. Das Pan-Heiligtum  in Cäsarea Philippi stand für einen Glauben, den man bis dahin in der antiken Welt pflegte. Man glaubte an viele verschiedene Götter, die angerufen werden mussten, denen man Opfer bringen musste und die für das eigene Leben günstig gestimmt werden mussten. Dieses heidnische Heiligtum stand zwar am Rand Israels aber eben auf dem Boden des Volkes Gottes.

Daneben stand ein anderes Heiligtum, das dem Kaiser Augustus geweiht war. Mit Augustus begann im Römisches Reich etwas Neues – ein neuer Glaube. Seit Augustus begann man einen Menschen göttliche Verehrung zukommen zu lassen. Beides, das Pan-Heiligtum und der Augustus-Tempel war für Juden eigentlich eine religiöse Katastrophe.

Zu der Zeit als das Petrus-Bekenntnis gesprochen wurde, war Tiberius Kaiser und Pontius Pilatus römischer Präfekt. Tiberius war der Adoptivsohn des Augustus – er war somit nach dem damaligen römischen Verständnis Sohn des Gottes Augustus - allerdings Sohn eines toten Gottes. Spüren wir die Brisanz und zugleich die politische Sprengkraft des Petrus-Bekenntnisses, wenn er zu Jesus sagt: Du bist der Messias - du bist der Sohn des lebendigen Gottes! (Nicht Augusts – Jesus!)

Wie kam der Petrus dazu? Jesus sagt hier kurz und bündig: Das hat dir mein Vater im Himmel geoffenbart. Wie macht das Gott? Wie offenbart er uns durch seinen Heiligen Geist Jesus?

Mag sein, dass Petrus eine göttliche Eingebung hatte – auf jeden Fall war dieses Bekenntnis etwas, was durch eine Erkenntnis gereift war, die mit seinem Leben zusammen hing.

Wie gibt Gott uns etwas ein, das  zu uns passt, das  tragend und gestaltend für unser Leben wird? Wir werden gleich merken, dass der Heilige Geist mit dem Petrus genauso vorging, wie das beim Trösten geschieht. Offenbaren hängt mit Trösten und Trösten mit Offenbaren zusammen.

1. Bei dem Petrus begann es am See Genezareth, als sein leiblicher Bruder ihn auf Jesus aufmerksam machte und zu ihm sagte: Wir haben den Messias gefunden. Und als Jesus zu ihm sagte: „Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du sollst Kephas heißen, das heißt übersetzt: Fels.“   - da verstand er das alles noch nicht - aber „es“ begann in ihm zu arbeiten. Er begann sich zu öffnen. Er begann Jesus zu beachten und kam nie mehr von ihm los. = Das war der 1. Schritt – sich öffnen – Jesus beachten.

2. Es war wieder am See Genezareth. Sie hatten in der Nacht keinen Fangerfolg. Jesus hatte sie ermutig, noch einmal hinauszufahren und an einer bestimmten Stelle die Netze auszuwerfen. Und der Erfolg war atemberaubend. Und da passierte mit dem Petrus etwas. Er fiel Jesus zu Füßen und sprach: „Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.“

Petrus erlebte eine Befreiung von sich selbst. Bis dahin hatte er immer alles im Griff. Von nun an begann er sich mehr und mehr selbst loszulassen. Das waren Prozesse, die da in Gang kamen. Schuld erkennen, sich als Versager erleben. Mit dem eigenen Stolz ringen. Fallen - aufstehen. Petrus hörte mehr und mehr auf, sich auf sich selbst zu verlassen. Er verließ sich selbst. Er erlebte eine Befreiung von sich selbst. Schritt Nr. 2.

3. Und mehr und mehr entstand so eine tiefe und feste Beziehung zu Jesus. Schritt Nr. 3.  Er fand in seinem Leben Halt bei Jesus.  Dieser Mann, der in Cäsarea Philippi das Jesus-Bekenntnis sprechen konnte und später schreiben: „Jesus  hat  unsre Sünde selbst hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.“ So spricht ein getrösteter Mensch.

Wenn der Heilige Geist einem Menschen Jesus offenbart, dann ist dieser Mensch bei Trost und dann ist bei ihm Pfingsten. Wenn der Heilige Geist mir (dir, uns) Jesus offenbart dann bin ich (bist du, sind wir) bei Trost und dann ist bei mir Pfingsten.

Paulus, der Apostelkollege des Petrus, hatte an die Gemeinde in Ephesus einen Wunsch. Er schrieb den Christen dort: „Gott  gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, ihn (Jesus) zu erkennen.“ So arbeitet der Heilige Geist auch an uns:

1. Er will uns aus dem Teufelskreis unserer Gedanken herausbringen, uns innerlich öffnen, sodass wir in unserem Leben Jesus Beachtung schenken. (schon viel gewonnen)

2. Er will uns helfen, aus dem Wirr-warr unserer Selbst herauszufinden, sodass wir wirkliche Vergebung und Befreiung erleben. (schon viel gewonnen)

3. Und er will uns zu einer neuen, festen und bleibenden (ewigen) Verankerung unseres Lebens verhelfen, indem er eine lebendige persönliche Beziehung zwischen uns und Jesus knüpft.

So  erleben wir wirklichen Trost im Leben. Zu wirklichen Trost kann uns nur der Heilige Geist verhelfen – indem er uns Jesus offenbart. Zum Trösten und zum Getröstet-Werden brauchen wir Kraft – keine menschliche Kraft – sondern die Kraft des Heiligen Geistes. Darum mein Wusch zu Pfingsten für mich, für uns alle: Gott  gebe uns den Geist der Weisheit und Offenbarung, ihn (Jesus) zu erkennen.

 

Amen

 




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