Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Predigt zum Erntedankfest 2009


 

Liebe Gemeinde!

 

Unser letzter Feierabendkreis brachte für mich ein echtes und gutes Aha-Erlebnis. Gudrun Heiße sprach über die sieben Früchte Israels. Ich hatte noch nie etwas davon gehört – weder im Studium, noch waren sie mir im Laufe meines Bibelstudiums aufgefallen, noch begegneten sie mir bei der Beschäftigung mit dem Judentum. Und doch – als ich recherchierte und nachlas – die sieben Früchte sind eine feste Institution im Volk Gottes – sozusagen ein stehender Begriff.

Zu Schawuot, dem Erntedankfest Israels, wurden die sieben Früchte als Erstlingsgaben Gott dargebracht. Und auch später, als der Tempel nicht mehr stand, pflegten die Juden diesen Brauch weiter. Man isst an diesem Tag (Schawuot) die sieben Früchte, mit denen Gott das Land gesegnet hat. Was sind die sieben Früchte? Hören wir den Predigttext an, 5. Mose 8, 7+8: „Denn der HERR, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, ein Land, darin Bäche und Brunnen und Seen sind, die an den Bergen und in den Auen fließen, ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land, darin es Ölbäume und Honig gibt.“

Eine kleine Erklärung vorab. Die sieben Früchte sind Weizen, Gerste, Wein, Feigen, Grantäpfel, Oliven und Datteln. Wenn als letztes vom Honig die Rede ist, dann ist damit nicht der Honig der Bienen gemeint, sondern die Frucht der Dattelpalme. Aus den Datteln bereitete man einen Sirup, der im Heiligen Land als Honig bezeichnet wurde.

Ich habe mich gefragt: Welche Bedeutung, welchen Sinn könnten diese Früchte für uns als Christen haben? Zunächst einmal sagt uns Jesus eindeutig, dass Gott an und in unserem Leben Frucht sucht. Johannes 15,16: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt.“  Dazu hat uns Gott erwählt, dass wir in unserem Leben Frucht bringen. Eine Frucht ist nicht dazu da, dass sie zur Schau gestellt wird, sondern dazu, dass sie entweder zum Samen für neue Früchte wird oder zur Nahrung.

Wenn Gott in unserem Leben Frucht sucht, dann heißt das, dass in unserem Leben etwas heranreifen soll, was anderen Menschen dient, was ihnen zum Segen und zur Hilfe wird. Damit wächst das Reich Gottes und damit wird Gott geehrt.

Fragen wir weiter, was die Frucht ist,  die  anderen zum Segen wird, dann finden wir im Neuen Testament eine sehr konkrete Aussage. Es sind nicht einfach die guten Taten, die wir uns überlegen und vollbringen sollen oder im weitesten Sinne des Wortes: gutes soziales Verhalten. Frucht im Neuen Testament ist noch etwas anderes: (Galater 5, 22 f.) „Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit.“  Diese Frucht des Geistes ist im Prinzip das Leben Jesu. Hier in Galater 5 wird das Wesen des Lebens Jesu beschrieben. Auch hier gilt das Wort Jesu: „Ich bin der Weg!“ Er ist der Weg zu diesem Leben.

Gott sucht also in und an uns das Leben Jesu. Er selbst möchte uns dieses Leben schenken – und dieses Leben soll in uns wachsen und reifen. Hören wir also die Botschaft der sieben Früchte als ein Evangelium. Nicht wir müssen aus uns etwas herauspressen – Gott will uns dieses Leben schenken, damit Frucht  wächst.

Wie kommt es in unserem Leben zur Frucht?

1. Ich fange bei der Dattel an. Die Dattel ist die Frucht der Palme. Palmen sind Wüstenpflanzen. Da, wo man in der Wüste Palmen stehen sieht, findet man auch Wasser. Von daher wurde die Palme das Sinnbild für das Weiterleben in einer trostlosen und schrecklichen Zeit. Die Palme wurde aber auch zum Symbol der Freude. Da, wo man Palmen in der Wüste findet, ist Leben wieder möglich.

Wir werden an den Palmsonntag erinnert. Jesus zieht ein in Jerusalem und Menschen jubeln. Sie breiten Palmenzweige vor ihm aus und empfangen ihn mit den Worten: „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn!“ (Markus 11,9). Wir singen dieses „Hosianna“ bis heute in der Abendmahlsliturgie.  Singen wir es noch von Herzen mit diesem Hintergrund? Durch Jesus ist Leben möglich – in schöner und in schwerer Zeit. Singen wir es mit dieser Freude?

Erleben kann man diese Freude eigentlich erst dann wirklich, wenn man Jesus in sein Leben aufgenommen hat, wenn man sein Leben unter seine Herrschaft gestellt hat. (Johannes 1,12) „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden.“ Darum geht es bei der Dattel. Frucht wächst in unserem Leben, wenn wir IHN, Jesus Christus aufnehmen. Sein Leben muss in meins kommen, wenn diese Frucht wachsen soll.

2.+3. Als nächstes fasse ich zwei Früchte zusammen: Weizen und Gerste. (Nicht weil ich bis heute Mühe habe, beide auseinander zu halten – sondern weil sie auch sachlich zusammengehören.)

Um die Körner aus den Ähren zu lösen, wurde das Getreide gedroschen und geworfelt. Man trennte die Spreu vom Weizen. In der Bibel ist dies ein Bild des Gerichtes. Auch in unserem Leben gibt es immer wieder solche schmerzhaften Prozesse, wo Spreu und Weizen voneinander getrennt werden.

Wozu aber das alles? Im natürlichen Leben geschieht das, damit die nahrhaften Körner in die Lebensmittelkette kommen und schlussendlich als Brot auf dem Tisch landen.

Wenn wir heute Erntedank feiern, dann wollen wir auch immer dankbar mit an die denken, die dazu beitragen, dass wir zu essen und zu trinken haben. Die Bauern, die Müller, die Bäcker – aber auch diejenigen, die bei der Wasserwirtschaft arbeiten oder die Lebensmittel transportieren oder verkaufen. Es sind nicht wenige!

Für den Glauben umgesprochen bedeuten Weizen und Gerste noch etwas anderes. Aus Weizen und Gerste wird Brot. Und Brot ist ein Christussymbol. Jesus sagt: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“ (Johannes 6,35)

Hier geht es um das Empfangen. In, mit und unter Brot und Wein empfangen wir immer wieder Jesus, den gekreuzigten und auferstandenen Herrn.  Damit wir im Glauben wachsen, müssen wir ihn immer wieder neu empfangen.

Es gibt eine interessante Parallele beim Schawuotfest. Das Schawuotfest ist auch das Fest der Übergabe der Thora. Es erinnert  immer neu an den Augenblick, wo Gott dem Mose zum zweiten Mal die Thora (Gesetz) gab. Und nun haben sich sie Theologen Israels Gedanken darüber gemacht, warum dieses Fest „Empfang unserer Thora“ heißt. Und sie sind zu folgender Erklärung gekommen: Das Geben (Übergabe der Thora) ist ein einziges Mal geschehen – das Empfangen ist jedoch eine bleibende Aufgabe.

Jesus gab „ein für alle Mal sein Leben für uns“ – empfangen, ihn in uns aufnehmen, müssen wir immer wieder neu.

4. Dem schließt sich sofort der nächste Gedanke an. Ihn repräsentiert die Weintraube. Vielleicht erinnern sich noch einige. Vor Jahren hatten wir eine Riesentraube zum Erntedankfest in unserer Kirche, die uns an die Kundschafter erinnerte, die dem Volk Israel während der Wüstenwanderung das gelobte Land schmackhaft machte.

Hoffnung blühte in den Herzen der Menschen wieder auf, als Kaleb mit seinen Kundschaftern zurückkam und eine Riesentraube mitbrachte, die zwei Männer tragen mussten. Und sie hatten eine doppelte Botschaft. Die gute lautete: Es ist ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Und die schlechte lautete: Das Land ist besetzt. Und da begann der Glaubenskampf im Volke Gottes.

Der Wein ist auch ein Christussymbol. Jesus sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Alle Voraussetzungen sind in Jesus gegeben, dass wir in unserem Leben die Frucht bringen, die Gott an uns sucht. Alles kommt nun auf die eine Stelle an: Das wir an IHM bleiben.

So wie die Rebe  verwelkt (an unserem Altar trägt ein Engel eine verwelkte Rebe), wenn sie nicht organisch mit dem Weinstock verbunden bleibt und so die Lebenskräfte empfängt – so können auch wir nicht im Glauben wachsen, wenn wir nicht dranbleiben – an Jesus, seiner Gemeinde, seinem Wort. Vom Bleiben spricht die Weintraube. Darum geht es im Glaubenskampf: In mir habe ich nichts – in IHM habe ich alles. Ohne Jesus können wir nichts tun, was diese Frucht, die Gott an uns sucht, wachsen  lässt. Aber ER allein ist die einzige und sicherste Voraussetzung, dass Frucht wird.

5. Als fünfte Frucht möchte ich die Olive benennen. Vor der Wende habe ich nur aus der Bibel vom Ölbaum gewusste – aber ich hatte bis dahin noch nie im Original einen Olivenbaum gesehen oder eine Olive gegessen. Heute gehört sie oft zu unserem Speiseplan. Und ich weiß nun auch, dass sie in den Mittelmeerländern ein Grundnahrungsmittel ist. Der Olivenbaum ist eine Leitpflanze der mediterranen Landschaft und Wahrzeichen aller Mittelmeerländer.

Ein Ölzweig im Schnabel der Taube brachte für Noah die erlösende Nachricht vom Ende der Flut. Seither ist der Zweig des Olivenbaumes ein Symbol für den Frieden (Frucht des Geistes = Friede). Das Öl, das aus den Oliven gewonnen wird, nährt  bis heute die Menschen (nun eben auch uns). 

Das Öl der Oliven ist von alters her bis heute Grundbestandteil vieler Kosmetikartikel. Auch als Medizin wird  Olivenöl verwendet (Jakobus 5). Im Volk Gottes verwendete man Olivenöl zum Salben der Könige und Priester. Sie wurden damit sozusagen ordiniert – in ihr Amt eingeführt.

Und im Tempel nahm man Olivenöl für den Siebenarmigen Leuchter. Auch in den Wohnungen brannten die Lampen – mit Olivenöl. Wir spüren, wie wichtig im Volk Israel der Olivenbaum war.

Hier leuchtet buchstäblich ein Christussymbol hindurch. Jesus sagt: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“  Daran erinnert uns die Olive – als eine der sieben Früchte Israels – das wir Jesus Christus in unserem Leben nachfolgen.

6. Nun kommt eine Frucht, die nicht unbedingt alle kennen werden. Aber es ist eine sehr interessante Frucht. Der Granatapfel.

In Israel hatte man diese Frucht besonders lieb, weil einerseits die leuchtend rote Farbe an die Liebe erinnert. Zum zweiten erinnern die Kelchblätter der Blüte an eine Krone. Wir können hier an den König David und die messianische Tradition denken. Und man sagt, der Grantapfel habe 613 Kerne – genauso viel, wie das Alte Testament Gesetze enthält.

Der Hohepriester hatte unten an seinem Gewand kleine Glöckchen und Granatäpfel. Die Granatäpfel hielten das Gewand straff. Dieser priesterliche Gedanke wurde in die christliche Symbolik aufgenommen und weitergeführt. Der Granatapfel wurde Symbol für die Kirche, das gemeinsame Leben und das priesterliche Leben. (Auf den Bildern des Malers Grünewald sind z.B. Granatäpfel zu sehen.)

Priester sind solche, die für andere vor Gott stehen. Wir können und müssen diesen Gedanken heute aufnehmen. Nur die wenigsten in unserem Volk stehen heute vor Gott und danken IHM für die Ernte, die unsere Bauern in diesem Jahr wieder einbringen durften. Aber wir wollen es tun. Stellvertretend für andere wollen wir vor Gott stehen und IHM danken.

Auch hier erkennen wir ein wesentliches Merkmal Jesu wieder. Er handelte stellvertretend für uns – bis zu seinem Tode am Kreuz. Und nun steht er vor Gott für uns. Dass sollen wir wissen:  „Wir haben einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist.“       (1. Johannes 2,1)  Nun will er seine Art in uns entfalten: Stehen vor Gott – für andere.

7. Als letzten Zeugen der sieben Früchte Israels möchte ich die Feige aufrufen. Die Feige spricht vom Warten – vom Warten auf den Herrn. Diese Frucht weist uns in die Zukunft. Wir haben noch nicht alles, was uns Gott versprochen hat. Wir sind noch nicht alles, was wir sein sollen. Jesus sagt: „An dem Feigenbaum lernt ein Gleichnis: Wenn seine Zweige jetzt saftig werden und Blätter treiben, so wisst ihr, dass der Sommer nahe ist.“  (Matthäus 24,32)

Jesus hat dies im Blick auf sein Wiederkommen gesagt. Und dabei ist der Feigenbaum ein Symbol für Israel. An dem alten Volk Gottes kann man ablesen, wie weit wir sind auf der Weltenuhr.

Für uns Christen ist die Botschaft der Wiederkunft Christi keine Botschaft der Angst und des Schreckens – sondern eine frohe Botschaft – ein Evangelium. Wir warten nicht auf das Ende der Welt – wir warten auf den wiederkommenden Herrn, der Himmel und Erde neu machen wird.

Steckt nicht in den sieben Früchten Israels eine wunderbare, nahrhafte und  im wahrsten Sinne des Wortes köstliche Botschaft?

Eingangs erwähnte ich eine geistliche Handlung des alttestamentlichen Gottesvolkes zum Schawuotfest. Die sieben Früchte wurden im Tempel auf den Altar gelegt als ein Zeichen des Dankes und der Hingabe an Gott. Die ersten Früchte sollten für die ganze Ernte sprechen. Alles sollte in den Dank und die Hingabe eingeschlossen sein. Damit wurde zum Ausdruck gebracht: Unser Leben kommt von Gott, es hat sein Ziel in Gott und es ist darum das Logischste, dass ich mein Leben für Gott lebe.

Ich möchte dann beim Fürbittengebet diese Schale mit den sieben Früchten Israels auf unseren Altar legen,

Ä mit dem Dank dafür, dass ich wirklich genug zum Leben habe. Essen, Trinken, Kleidung, Wohnung und alle die natürlichen Dinge, die wir zum Leben brauchen,

Ä mit dem Dank dafür, das Gott uns in Jesus neues und ewiges Leben geschenkt hat,

Ä zugleich aber auch mit der Bitte, dass ich diese Gaben Gottes, die natürlichen und die geistlichen, nicht für mich verbraten möge, sondern anderen damit diene

Ä und zugleich soll dies eine neue Gelegenheit der Hingabe an Gott sein.

 

Ich möchte dann dazu einen Liedvers beten – und wer es will, kann ihn für sich als ein Versprechen an Gott in Gedanken mitbeten.        

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus       Amen

 

Gebet:

 

1. Nimm mein Leben, nimm es ganz, immer größer sei dein Glanz, denn du hast mich ja erkauft mit deinem Blut. Nimm mich hin, nimm mich hin, du allein bist mein Gewinn, denn du hast mich ja erkauft mit deinem Blut.

 

4. Nimm mein Herz, zieh du drin ein, du allein sollst Herrscher sein. Nimm mein Wollen und mein Tun - zu deinem Ruhm. Mein Verlangen geb ich dir, es gehört nicht länger mir. Nimm mein Wollen und mein Tun - zu deinem Ruhm.

Amen.

 

Bilder von Erntedank 2009

 




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