Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Silvester 2009

 

Predigt am 31. Dezember 2009

Text: Jakobus 4,13-15

 

Liebe Gemeinde!

 

Mit dem  Rückblick auf zwei Ereignisse des vergangenen Jahres möchte ich mit Euch heute Abend / Morgen vorwärts blicken.

Beide Ereignisse gehören nicht zu den großen politischen Ereignissen des Jahres 2009. Und doch könnten sie uns helfen, unter den richtigen Bedingungen und in der richtigen inneren Haltung an den Start für das neue Jahr zu gehen.

Als erstes denke ich an den Überflieger von Limbach-Oberfrohna. Mit etwas 130 Km/h fuhr ein leicht angetrunkener junger Mann durch Limbach – kriegte die Kurve nicht, fuhr über einen kleinen Erdwall – hob vor den Augen einer Polizeistreife ab – flog 35 m durch die Luft und landete im Dach der Stadtkirche. Nichts ging in Flammen auf. Der Landeplatz im Kirchendach war scheinbar so optimal  berechnet, dass außer Holz und Blech nichts wesentliches Schaden erlitt. Der junge Mann überlebte. Bei Günter Jauch sagte er, das er es mittlerweile in einer Kirche ganz cool findet. Die Kirche wird mit einem Dachschaden fertig – aber ein Mensch ist nicht ohne Gott fertig. Denken sie mal drüber nach!

Als zweiten Zeugen will ich die Wasserlandung im Hudson-River aufrufen. Ein Airbus A 320  war  während des Starts in einen Vogelschwarm geraten. Die Triebwerke waren beschädigt. Es blieb keine Zeit umzukehren. Der Pilot entschloss sich, kurzerhand  im Hudson-River von New York notzulanden. Was eigentlich fast nicht möglich ist, gelang. Kein Boot war im Landegebiet. Das Wasser war still. Der Jet glitt mit der richtigen Geschwindigkeit und den richtigen Winkel über das Wasser und  kam zum stehen. Keiner kam zu Schaden. „Glück gehabt“ sagten die einen. Von einem Wunder sprachen die anderen. Es ist ein Unterschied, ob man Glück hatte – oder Teil eines Wunders  wurde. Denken sie mal drüber nach!

Der Überflieger von Limbach und der Wasserflieger von New York haben eins gemeinsam: Sie landeten dort wo sie  eigentlich nicht  zu landen haben. Aber eben inmitten der Katastrophe erlebten die Betroffenen, dass es zwischen Himmel und Erde eben mehr gibt, als wir planen, berechnen und steuern können. Dieses Etwas will aber nicht als Zufall, oder Glück oder Schicksal in der Schublade des Lebens verstaut werden. Dieses Etwas will zum Du werden. Ein Wunder lädt ein - zu einer persönlichen Beziehung mit Gott. Vielleicht wird aus Dankbarkeit an die richtige Adresse zur richtigen Zeit ein  Leben unter der Führung Gottes?

Wir hören den PT aus Jakobus 4 – die Verse 13-15.

13 Und nun ihr, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die oder die Stadt gehen und wollen ein Jahr dort zubringen und Handel treiben und Gewinn machen –14 und wisst nicht, was morgen sein wird. Was ist euer Leben? Ein Rauch seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet. 15 Dagegen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.

Ausgehend von diesen Worten des Herrenbruders Jakobus möchte ich uns einen besonderen Beruf vorstellen: den Pläneschmied. Schmiede gibt es heutzutage immer weniger. Sie sind vom Aussterben bedroht. Dennoch sollte in einem jeden von uns etwas von diesem besonderen Schmied präsent sein. Welche Eigenschaften sollte ein guter Pläneschmied haben?

1. Er sollte nüchtern sein.

2. Er sollte frei sein.

3. Er sollte vertrauensfähig sein.

1. Ernüchterung ist nicht nur am Neujahrsmorgen angesagt, sondern tut not, wann immer wir etwas Altes beenden und etwas Neues beginnen. Nüchternheit tut not, wann immer wir unsere persönliche Lage realistisch einschätzen wollen.

Eine unrealistische Selbsteinschätzung oder gar eine Selbstüberschätzung ist oft der Grund für ein Scheitern.

Nicht das Pläne schmieden kreidet Jakobus hier an, sondern die Selbstsicherheit der Planer. In kurzen Worten gelingt es Jakobus, ein Bild von denen zu zeichnen, die hier sprechen.

Sie wählen den Abreisetag („heute oder morgen“), treffen mit großer Gewissheit und zielsicherer Entschlossenheit ihre Entscheidungen und legen die Zukunft fest, so als ob sie die Herren ihrer Zeit wären – so als ob sie alles fest im Griff hätten.

Natürlich müssen wir Menschen Pläne schmieden. Wir Menschen sind die einzigsten Wesen, die über die Zukunft nachdenken können. Darum müssen wir es auch tun. Wir müssen in gewissem Maße im Heute Weichen für das Morgen stellen. Keiner kommt darum herum, vorausschauend zu handeln. Aber „das Schmieden unser Pläne“ muss unter einer Bedingung geschehen – nämlich die Bedingung, die uns Jakobus nennt: „So der Herr will und wir leben“. Das Schmieden der Pläne darf nicht hemmungslos und lückenlos geschehen. – sondern immer eingedenk der Tatsache, dass Gott uns dabei führen und bewahren will.

Gott will konkret in unser Leben einbezogen werden. Er will teilhaben an unserer Tagesplanung, an unserer Jahresplanung, an unserer Lebensplanung. Da genügt es nicht, immer wieder einmal formelhaft zu sagen: „So der Herr will und wir leben“. Gott in unsere Pläne einbeziehen, dass heißt konkret: unsere Pläne Gott im Gebet vorzulegen und sie mit ihm zu besprechen und auch bereit sein, sie von ihm korrigieren zu lassen.

Wenn wir betend die Bibel lesen und unsere Pläne in einer betenden Gemeinschaft ausarbeiten, werden wir immer wieder Korrektur erfahren. Das tut manchmal weh. Aber es bewahrt vor Fehleinschätzungen und letztlich auch vor Fehlschlägen.

Gott will nicht die Feuerwehr unserer Existenz sein, die nur gerufen wird, wenn es brennt. Er will der Herr unseres Lebens sein. Er will mitreden. Er möchte uns an seinen Wegen und Plänen mitbeteiligen. Er will uns als sein Gegenüber betrachten. Darum wird es immer so sein und bleiben: Wer Gott schon in der Planungsphase einbezieht, der wird erleben, dass Gott auch in der Durchführungsphase alles gut und richtig werden lässt.

Biblische Nüchternheit, die sich im Gebet und Hören auf Gottes Wort ausdrückt, ist die erste Eigenschaft, die ein guter Pläneschmied braucht.

2. Viele haben in den letzten Tagen festgestellt: Es ist schon wieder ein Jahr vergangen. Wie schnell die Zeit vergeht. Wie die Zeit rennt. Manche sprechen beängstigt von der Zeitbeschleunigung. Die Zeit ist aus den Fugen. Sie rast dahin. Je mehr Zeit wir gewinnen, desto schneller zerrinnt sie uns zwischen den Fingern. Wir stürzen nach vorn und kommen immer zu spät. Alles wird schneller, und früher war es besser.

Wir sind nicht Herren der Zeit sondern oft Sklaven der Zeit. Wer hat denn den Mut am Sonntagvormittag angesichts eines großen Berges von Arbeit und eines enormen Termindruckes zu sagen: Jetzt nehme ich mir die Freiheit und suche die Stille. Jetzt nehme ich mir die Zeit, in der Stille zu erforschen und zu hören, was Gott von mir will?!

Es kann erbarmungslos werden, wenn wir uns von der Zeit treiben und das Leben diktieren lassen. Der Terminkalender kann zum Diktator werden, demgegenüber die letzten beiden Diktaturen harmlose Knaben waren.

Dieser kleine Satz: „Ich habe keine Zeit“ – der stimmt eigentlich nicht. Er sollte ehrlicher und richtiger lauten: „Dafür will ich mit jetzt keine Zeit nehmen“. Zeit haben wir alle. Jeder von uns hat soviel Zeit, wie Gott ihm für sein Leben gegeben hat. Es ist nur die Frage, ob ich mir für das Richtige im Leben Zeit nehme. Und das kriege ich nur zusammen mit dem heraus, der mir Zeit zum Leben gibt.

Jakobus vergleicht unser Leben mit einem Dampf, der aus dem kochenden Wasser aufsteigt. Kaum ist er da und sichtbar – schon ist er wieder weg. Im Grunde: nicht fassbar – nicht immerwährend lokalisierbar. Das könnte sehr resignierend klingen – ist es aber nicht.

Dampf kann ja auch nützlich sein und viel zuwege bringen – an der richtigen Stelle. Unser Leben ist so kurz und hauchzart – so zerbrechlich. Aber es hat eine Bestimmung. Kennen wir die Bestimmung unseres Lebens?  Wer den Willen Gottes über seinem Leben kennt, der kann fröhlich ans Werk gehen. „So der Herr will und wir leben, wollen wir dies oder das tun“.

Neben der Zeit benennt Jakobus einen anderen Diktator  unseres Lebens: das Geld. „Handel treiben“ oder „Gewinn machen“ – auch das ist an sich nichts Schlechtes. Jakobus weiss, dass man Geld braucht. Er akzeptiert auch, dass manche Gewinn machen und mehr haben als andere. Aber hinter jedem Überfluss steht eine Verpflichtung – nämlich denen zu helfen, deren Leben in Gefahr oder Not ist.

In der Zeit als der Pfarrer Uwe Holmer die Honeckers bei sich aufnahm, kam es zu einem interessanten Gespräch.

„Herr Honecker, der Sozialismus funktioniert nicht.“ sagte Holmer. Das wollte er natürlich gar nicht hören, aber dann fragte er trotzdem: „Warum denn nicht?“

Holmer sagte: „Weil er davon ausgeht, dass der Mensch gut ist. Der Mensch ist aber ein Egoist. Ein Sünder, wie die Bibel sagt. Das Programm des Sozialismus ist ja ganz nett: Man nehme das Geld von den Reichen und gebe es den Armen. Aber wenn dann die Ärmeren alles kriegen, was sie wollen, ohne viel Arbeit, dann reizt man sie auch nicht an, sich anzustrengen und selbst etwas zu leisten. Und wenn man den Reichen zu viel wegnimmt, dann werden sie auch nichts investieren, dann geht nichts voran.“ Die Realität in der DDR war doch der beste Beweis, dass der Sozialismus ein Irrglaube ist.

Unaufhörlich versucht die Bibel uns Menschen daran zu erinnern, dass wir immer in einer Dreiecksbeziehung leben: Auf der horizontalen Ebene treffe ich immer auf meinen Nächsten. In der vertikalen Ebene  treffe ich immer auf Gott. Und da, wo ich  diese Dreiecksbeziehung reduziere und einen der beiden anderen Eckpunkte des Lebens weglasse, gerät in meinem Leben und in der Welt etwas aus den Fugen.

Wir leben in keiner gottlosen Welt. Das geht gar nicht. Wir leben aber in einer Welt, die Gott loswerden will – die so tut, als ob es Gott nicht gäbe. Wenn wir das Bewusstsein verlieren, dass wir in allem, was wir tun oder lassen, vor Gott verantwortlich sind, stehen wir in der großen Gefahr, uns selbst an die Stelle Gottes zu setzen. Und dann wurde es jedes Mal furchtbar in der Geschichte.

Die Lebenseinstellung „So der Herr will und wie leben“  verleiht gegenüber  den Machtansprüchen  von Zeit und Geld eine wunderbare Freiheit. Der Blick auf den lebendigen Gott und das Wissen, dass er das letzte Wort in meinem Leben hat, befreit von Menschenfurcht und gibt Zivilcourage. Ehrfurcht vor dem Leben  hat seine tieferen Wurzeln in der Ehrfurcht vor Gott. Diese innere Freiheit gegenüber der Zeit und dem Geld und vielen anderen Machtansprüchen braucht ein guter Pläneschmied.

3. Ein gute Pläneschmied braucht die Fähigkeit zum Vertrauen.

Rose Kennedy, die Mutter von John. F. Kennedy hat einmal in einem Interview folgendes zum Ausdruck gebracht:

„Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass das wichtigste Element im menschli­chen Leben der Glaube ist. Wenn Gott mir alle seine Segnungen, Gesundheit, körperliche Kräfte, Reichtum und Verstand nähme und mir nur eine Gabe ließe, so würde ich um den Glauben bitten, denn mit dem Glauben an ihn, an seine Güte, Gnade und Liebe und mit dem Glauben an das ewige Leben könnte ich den Verlust seiner anderen Gaben wohl verschmerzen und trotzdem glücklich sein. Ich könnte ihm vertrauen und alles seiner unfehlbaren Vorsehung überlassen.“

Wer unter der Maxime „So der Herr will und wir leben“ sein Leben plant, kann wohl bewusst „ja“ sagen zu seiner eigenen Vergänglichkeit – aber der kann aber auch bewusst sein Leben im Horizont der Ewigkeit leben. Er wird sich nicht von Massenhysterien unserer Zeit anstecken lassen, sondern in Geborgenheit und Vertrauen  in Gott sein Leben führen.

Mit dem Überflieger von Limbach und dem Wasserflieger vom Hudson-River haben wir begonnen. Sie landeten dort wo sie  eigentlich nicht zu landen haben. Aber eben inmitten der Katastrophe erlebten die Betroffenen, das es zwischen Himmel und Erde eben mehr gibt, als wie wir planen, berechen und steuern können. Dieses Etwas will aber nicht als Zufall, oder Glück oder Schicksal in der Schublade des Lebens verstaut werden. Dieses Etwas will zum Du werden. Ein Wunder lädt ein zu einer persönlichen Beziehung zu Gott.

Wo werden wir landen?

Im Laufe dieses Jahres?

Am Ende des Jahres 2010?

Es ist genügend Glut vorhanden, dem Eisen  unseres Lebens die richtige Form zu geben. Gott gebe uns beim Schmieden der Pläne und deren Ausführung die Kraft, die Kunstfertigkeit  und die Geduld. Nichts geht ohne Gott gut.

Das ist eine gute Bedingung, die uns Jakobus mit auf den Weg gibt, eine neues Jahr zu beginnen: „So der Herr will und wir leben wollen wir dies oder das tun“.

 

Amen

 




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