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Auf den Spuren der Apostel Barnabas und Paulus

Bilder von der Reise

Unsere diesjährige Gemeindereise schloss sich inhaltlich gut an die Reise des vergangenen Jahres an. Im letzten Jahr besuchten wir u.a. die ehemalige Stadt Antiochien am Orontes. In der dortigen Gemeinde wirkte Barnabas zusammen mit Paulus ein Jahr lang. Während eines Gottesdienst sprach der Heilige Geist wahrscheinlich durch einen prophetisch begabten Menschen: „Sondert mir aus Barnabas und Saulus zu dem Werk, zu dem ich sie berufen habe.“  Apostelgeschichte 13,2  Man kann es sich gut vorstellen, dass dies in der Petrus-Grotten-Kirche geschah.

Barnabas, Saulus und Johannes Markus stiegen in Seleuzia ins Schiff und segelten nach Zypern. Dabei mögen sicher auch menschliche Überlegungen eine Rolle gespielt haben, denn Barnabas stammte von Zypern. Er kannte die Insel und es war ihm ein Anliegen, dass die Menschen dort das Evangelium von Jesus Christus hören. Wenn man von Seleuzia nach Westen segelt um in Zypern zu landen, so kommt man unweigerlich nach Salamis. Lange Zeit spielte Salamis in der Geschichte Zyperns eine führende Rolle. Die Stadt soll in der Blütezeit 100 000 Einwohner gehabt haben. Diese führende Rolle verdankte Salamis seiner Lage an einer großen Bucht und seinen einflussreichen Stadtkönigen. In ptolemäischer Zeit verlor Salamis zugunsten von Phaphos seine Vorrangstellung. So war es noch zu der Zeit, als die Apostel das erste Mal die Insel besuchten. Der römische Stadthalter residierte in Paphos. Dessen ungeachtet, war Salamis immer noch eine bedeutsame Hafen- und Handelsstadt. Hier landeten Barnabas, Saulus und Johannes Markus. Die Apostelgeschichte dokumentierte die Ankunft der Apostel so: „Nachdem sie nun ausgesandt waren vom Heiligen Geist, kamen sie nach Seleuzia und von da zu Schiff nach Zypern. Und als sie in die Stadt Salamis kamen, verkündigten sie das Wort Gottes in den Synagogen der Juden.“ Apostelgeschichte 13,4f

 

Am 4. Tag * unserer Reise besuchten wir Salamis. Die antike Stadt Salamis liegt heute im Norden der geteilten Insel. Nach einem längeren Aufenthalt an der Grenze erreichten wir unser Ziel. Dort besuchten wir das Theater, das Gymnasium und die Badeanlagen. Nach der Besichtigung der Klosterkirche und des Museums hielten wir im Innenhof der Klosteranlage unsere Andacht. Es hat mich sehr bewegt, als Andreas, unser Guide, mir sagt: „Vor 2000 Jahren brachte Barnabas das Evangelium hierher – heute sagt ihr an diesem Ort das Wort Gottes.“ Das Grab des Apostels liegt etwas außerhalb der Klosteranlage. Wir besuchten die kleine Kapelle. Schließlich waren wir noch in Famagusta zu Gast. Vor der Teilung Zyperns war dies die bedeutsamste Handels- und Touristenstadt der Insel. Dieser Tag war für unseren Guide ein sehr emotionaler Tag. Er wohnte einst mit seinen Eltern und seiner Schwester hier. In eindrücklicher und bewegender Weise erzählte er uns, wie er zum ersten Mal 30 Jahre nach dem Krieg wieder hier war, jedoch nicht sein Elternhaus besuchen konnte, da es in der so genannten abgesperrten „Geisterstadt“ liegt.

Wir wissen nicht, welche Route die Apostel auf Zypern wählten. In der Apostelgeschichte finden wir nur die Notiz: „Als sie die ganze Insel bis nach Paphos durchzogen hatten,…“ Allgemein wird vermutet, dass ihr Weg entlang der Südküste führte. Es ist gut denkbar, dass sie auch durch Larnaka, den früheren Kittim kamen.

 

Wir starteten am 5. Tag von Limassol aus in Richtung Osten. Hochkarätige Ausgrabungsstätten hat Zypern zu bieten.  So zum Beispiel das Dorf Choirokitia aus der Jungsteinzeit (7. Jahrtausend vor Christus). Dank der experimentellen Archäologie bekommt man eine Vorstellung, wie die Steinzeitmenschen wohnten. Am Fuße des Dorfes wurden die Rundhäuser nachgebaut, deren Fundamente man dann am Hang besichtigen kann.

Als nächstes stand das Bergdorf Lefkara auf unserem Programm. Hier werden seit dem Mittelalter die weltberühmten Lefkara-Spitzen und die Silberarbeiten aus Lefkara hergestellt. Das Dorf steht unter Denkmalschutz. Wir bummelten durch die Gassen und versuchten das eine oder andere Souvenir durch Handel preislich annehmbar zu gestalten.

Kurz vor Larnaka befindet sich das Dorf Kiti. Hier in der Kirche befindet sich ein besonders schönes Mosaik in der Apsis der Kirche Panagia Angeloktisti (Kirche von den Engeln erbaut). Leider konnten wir dieses bedeutendste frühchristliche  Mosaik (6. Jahrhundert) der Insel nicht sehen, da die Kirche zurzeit renoviert wird.

Am Stadtrand von Larnaka befindet sich der Flughafen. Er liegt an einem Salzsee. An eben diesem Salzsee steht inmitten eines Palmenhains die Moschee Hala-Sutan-Tekke. Sie wurde zu Ehren der Ziehmutter des Propheten Mohammeds errichtet. Wir tauchten für kurze Zeit in das orientalische Flair ein. Schließlich gelangten wir nach Larnaka. Nach einer Mittagspause und einem Bummel durch die Altstadt besichtigten wir die Lazaruskirche. Lazarus soll in seinem zweiten Leben hierher nach Zypern gekommen und erster Bischof von Larnaka gewesen sein. Im Jahre 890 fand man hier einen Sarkophag mit der Aufschrift „Lazarus, der Freund Christi“. Daraufhin wurde über dem Fundort die Lazaruskirche gebaut. Die Reliquie wurde von den Kreuzfahrern nach Marseille verschleppt. Heute kann man in der Krypta der Kirche andere alte Sarkophage besichtigen. Es war für uns ein Vorrecht, das wir in dieser über 1100 Jahre alten Kirche unsere Andacht halten durften.

Wenn die Apostel die Südroute wählten, dann sind sie quasi automatisch  an Larnaka vorbei gekommen. Es ist leicht denkbar, das die Apostel auch dieses Stadtkönigtum beuchten. Das heutige Larnaka war bei den Hebräern unter „Kittim“ bekannt. Einige Male wird diese bedeutsame zyprische Stadt im Alten Testament erwähnt.

 

Erst im Nachgang und bei der Lektüre der erworbenen Schriften entdeckte ich, dass unser 6. Tag in Zypern auch etwas mit dem Thema unserer Reise zu tun haben könnte. Trotz der allgemeinen Annahmen, dass die Apostel die Südroute wählten, macht es stutzig, dass es mitten im Trodoosgebirge alte Barnabas und Saulus-Traditionen gibt.  Herakleidios, Sohn eines heidnischen Priesters soll die Apostel nach Tamassos geleitet haben. Tamassos ist eines der ältesten Stadtkönigtümer. Der Kupferbergbau brachte dem Ort Reichtum. Unterwegs nach Tamassos sollen die Apostel den Herakleidios im Fluss Pediaios getauft haben. Nach orthodoxer Tradition ist diese Taufstelle im Dorf Kalopanagiotis bei der Brücke über den Fluss, die das Kloster mit dem Dorf verbindet, zu suchen.

Am  6. Tag unserer Reise waren wir an eben diesem Ort. Zunächst besuchten wir das Kloster des Heiligen Johannes Lampadistes in Kalopanagiotis. Anschließend fuhren wir nach Kakopetria. Nach der Besichtigung des Klosters des Heiligen Nikolaus vom Dach machten wir es uns im Klosterhof gemütlich und hielten dort unsere Andacht. Nach der Mittagspause in Kakopetria schlenderten wir durch den malerischen Teil des alten Dorfes. Schließlich ging unsere Fahrt weiter nach Omodus, dem bekannten Weinort. Nach der Besichtigung der Kirche, die einen Splitter vom Kreuz Christi als Reliquie aufbewahren soll, schauten wir uns in diesem Ort um, nahmen an einer Weinverkostung teil und kauften Souvenirs ein.

 

In Paphos waren wir wieder auf biblischem Boden. Nachdem Barnabas, Paulus und Johannes Markus die Insel durchzogen hatten und schließlich in Phaphos, der zu dieser Zeit wichtigsten Stadt der Insel, angekommen waren, hatten sie ein wichtiges Gespräch mit dem römischen Statthalter Sergius Paulus. Von hier aus ging dann ihre Reise mit dem Schiff weiter nach Kleinasien. Die Apostelgeschichte schreibt dazu: „Paulus aber und die um ihn waren, fuhren von Paphos ab und kamen nach Perge in Pamphylien.“

 

In Paphos hielten wir uns am 7. und zugleich letzten Tag unserer Reise auf. Unser erster Anlaufpunkt an diesem Tag war die Fünfkuppelkirche der Heiligen Paraskevi in Geroskipou. Geroskipou leitet sich ab von dem altgriechischen Hieros Kipos (heiliger Garten) ab. Die Pilgerer zum Aphrodite-Tempel in Paläa Paphos, die im Hafen von Paphos ankamen, sollen über diesen heiligen Garten gewandert sein. Man vermutet hier einen kleineren Aphrodite-Tempel, über dem diese Fünfkuppelkirche gebaute wurde. Höhepunkt dieses Tages war die Besichtigung der Ausgrabungen in Nea Paphos. Beeindruckende Mosaiken befinden sich im Haus des Dionysos, des Aion und des Theseus. Hier finden immer noch Ausgrabungen statt. Ständig findet man neue Mosaik-Fußböden. Das ungewöhnlich große Haus des Theseus mit knapp 10.000 m2 Grundfläche lässt vermuten, dass hier der römische Stadthalter residierte und dass im Audienzsaal das Gespräch zwischen des Aposteln, dem Stadthalter Sergius Paulus und Elymas, dem Zauberer stattfand. Das 13. Kapitel der Apostelgeschichte hat uns diese Szene festgehalten.

Wir wanderten vom archäologischen Areal weiter in die Stadt. Bei der Kirche Agia Kyriaki Chrysopolitissa befindet sich die so genannte Paulussäule. Die ältesten Mauerreste diese Kirche stammen aus dem 4. Jahrhundert. Hier stand einst eine 7schiffige Basilika. Sie war wohl einst die größte Kirche Zyperns. Im 6. Jahrhundert wurde die Kirche auf 5 Schiffe verkleinert. Als die Kreuzritter Zypern eroberten, lag diese Kirche bereits in Trümmern. Die jetzige Kirche, die auf diesem Areal steht, stammt von den Franziskanern aus dem 13. Jahrhundert. Hier  finden neben englischsprachigen, anglikanischen Gottesdiensten auch evangelische Gottesdienste in deutscher Sprache statt. Im Schatten der Bäume an der Paulussäule ließen wir uns nieder und hielten unsere Andacht. Nach einer Mittagspause in der Stadt fuhren wir weiter in das 10 km nördlich von Paphos liegende Kloster des Heiligen Neofytos. Außerhalb des Klosters befinden sich die Eremitenhöhle und die benachbarte Höhlenkapelle, die der hl. Neophytos im 12. Jahrhundert eigenhändig aus dem Fels meißelte. Leider schafften wir es an diesem Tag nicht mehr, uns die Ausgrabungen des Aphrodite-Tempels in Kouklia anzuschauen. Es wäre wohl auch zu viel geworden. Vielleicht heben wir uns dies für eine spätere Reise auf. Am Abend hatten wir in unserem Hotel noch eine sehr aufschlussreiche Begegnung mit einem Gemeindeglied der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde auf Zypern und ihrem Pfarrer Dr. Herold. Wir feierten gemeinsam zum Abschluss das Heilige Abendmahl und sprachen mit unseren Gästen über Land, Kirche und Leute.

Seitdem die Apostel das Evangelium nach Zypern brachten, ist viel Zeit vergangen. Die politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Konstellationen sind ganz andere als damals. Bis heute ist jedoch der christliche Glaube vor allem in Gestalt der orthodoxen Kirche prägend geblieben. Von zwei Tagen unserer Reise habe ich noch nicht erzählt. Dies will ich im Folgenden tun.

 

Kourion besuchten wir am 2. Tag unserer Reise. Vom Haus des Eustolios mit den eindrücklichen Mosaiken aus dem 5. Jahrhundert gingen wir zum Theater. Dort hörten wir in einer Andacht Gottes Wort, beteten und sangen. Eine zyprische Kindergruppe sang uns ein fröhliches Lied zurück. Im 5. Jahrhundert war Kourion Bischofssitz. Die Ruinen einer 5 schiffigen Basilika zeugen von der Bedeutsamkeit dieses Ortes. Nach dem Besuch der antiken Stadt fuhren wir zur ehemaligen Akropolis. Dort stand das Heiligtum des Apollon-Hylates. Einen kurzen Zwischenstopp legten wir an der Südküste ein und schauten bei Petra tou Romiou auf die drei Felsen im Meer, bei denen nach griechischer Mythologie Aphrodite aus dem Schaumkronen des Meeres geboren sein soll. Nach der Besichtigung der Johanniterfestung in Kolossi und der Verkostung des Likörweines „Commandaria“ waren wir am frühen Nachmittag wieder in Limassol. Hier befand sich unser Hotel. Von hieraus starteten wir unsere täglichen Erkundungen. Der Altstadt statteten wir einen kurzen Besuch ab. Manche aus unserer Gruppe nahmen sogar noch einen Fußmarsch von über einer Stunde entlang der Uferpromenade auf sich. Und manche wagten ein Bad.

 

Am 3. Tag besuchten wir die Hauptstadt des Landes. Nikosia ist seit dem Einmarsch der Türken die letzte geteilte Hauptstadt Europas. Aus unserer eigenen Geschichte wissen wir um den Schmerz eines geteilten Vaterlandes. Gleichzeitig  half uns unsere Geschichte, konkret für dieses geteilte Volk zu beten.  

Zunächst besuchten wir innerhalb des Komplexes des erzbischöflichen Palastes die Johannes-Kathedrale und das Ikonenmuseum. Dem schloss sich ein Bummel durch das Altstadtviertel Laiki Geitonia an. Es war Gelegenheit, Souvenirs zu kaufen und einen Imbiss einzunehmen. Anschließend gingen wir über die Ledrastraße in den türkischen Nordteil der Stadt. Die Ledrastraße ist eine der Hauptgeschäftsstraßen von Niokisa. Nach Zusammenstößen zwischen den griechischen und türkischen Bevölkerungsgruppen Ende 1963 wurde die Straße zunächst mit Stacheldraht abgeriegelt. 1964 entsandten die Vereinten Nationen eine Friedenstruppe auf die Insel. Mit der so genannten „Green Line“ wurde Nikosia in Ost-West-Richtung geteilt, wovon auch die zentrale Ledrastraße betroffen war. Im Sommer 1974 okkupierten türkische Truppen den Nordteil der Insel. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Ledrastraße zu einem der wichtigsten Symbole für die Teilung der Insel.

Vom Symbol der Teilung ist die Straße nun zum Symbol der Einheit geworden und wird rege genutzt, wenn auch vornehmlich von Touristen oder Spaziergängern. Seit April 2008 besteht in der Straße ein Grenzübergang für Fußgänger zwischen beiden Teilen der Stadt. Die Türkische Republik Nordzypern betrachtet den Übertritt als Einreise. Deshalb ist deren Seite als Grenzübergang gestaltet und regulär mit Polizisten besetzt. Jeder Besucher hat seinen Pass zur Einreise vorzuweisen, die Nummer wird registriert. Weiterhin muss ein Visum ausgefüllt werden, das abgestempelt wird.

Hauptattraktion des Nordteils von Nikosia ist die Sophien-Kathedrale aus den Anfängen des 13. Jahrhunderts. Einst war diese Kathedrale die Körnungskirche der Könige Zyperns. Im 16. Jahrhundert wurde diese Kirche in eine Moschee umgewandelt und heißt heute Selimiye-Moschee. Es schmerzt. Ein kurzer Aufenthalt in der alten Karawanserei schloss unsere Stippvisite im Nordteil der Hauptstadt ab.

Leider kamen wir kurz vor der Schließung des Archäologischen Museum im Südteil der Stadt an, so dass wir im wahrsten Sinne des Wortes in 5 Minuten durch die Räume getrieben wurden. Es war ein echter Verlust, dass wir uns die hochkarätigen Exponate nicht in Ruhe anschauen konnten. Vielleicht ist dies für den einen oder anderen Anlass für eine weitere Zypernreise. Nach einer Stadtrundfahrt und einem Bummel durch den modernen Teil der Hauptstadt nahmen wir an einem Gottesdienst der deutschen Gemeinde in der Anglikanischen Kirche teil. 

Voller Dank, Gott gegenüber, bin ich mit meiner Frau und unserer Reisegruppe wieder heimgekehrt. Wir durften eine gute geistliche Gemeinschaft erleben. Andreas Nikolaou, unser Guide, hat uns sachkundig geführt. Wir durften von seinem großen und vielschichtigen Wissen echt profitieren. Christos, unser Busfahrer erinnerte mich immer neu daran, dass wir mit unserem lebendigen und auferstandenen Herrn unterwegs waren. In dem 5-Sterne-Hotel Apollonia-Beach in Limassol wurden wir echt verwöhnt. Und nicht zuletzt war das Wetter ein Volltreffer. Wir kamen aus dem Winter in den Frühling und mussten wieder zurück in den Winter. Wir haben es uns jedenfalls nicht nehmen lassen, im T-Shirt  und Sandaletten zu gehen und unser tägliches Bad im Mittelmeer zu nehmen.

 

Lassen Sie mich am Schluss noch deutende Gedanke über unsere gemeinsame Reise durch Zypern festhalten. Es sind geistliche Schlussfolgerungen, die ich für mich aus vier Beobachtungen ziehe.

 

1. Eine Legende besagt, dass im 5. Jahrhundert der zyprische Erzbischof Anthemios, einer Vision folgend, das Grab der Apostels Barnabas fand. Auf seiner Brust soll eine von ihm selbst gefertigte Abschrift des Matthäus-Evangeliums gelegen haben.

Man kann über Reliquien verschieden denken. Bereits im Frühchristentum begann sich eine besondere Verehrung der Märtyrer zu entwickeln. Der Brauch, über den Gräbern großer Heiliger Kirchen zu errichten, will wohl  den inneren Zusammenhang zwischen der Kirche der Heiligen und der noch nicht vollendeten Kirche der Irdischen unterstreichen. Im Christentum (Katholizismus und Orthodoxie) ist die Reliquienverehrung eine der ältesten Formen der Heiligenverehrung und schon im mittleren 2. Jahrhundert eindeutig nachweisbar, lange vor der Verehrung von Ikonen oder anderen Heiligenbildnissen. Dennoch muss man sich fragen, ob diese Glaubenspraxis (auch wenn sie im 2. Jahrhundert aufkam) ursprünglich ist und mit der Bibel übereinstimmt. Solange uns die Heiligen und Märtyrer Vorbilder des Glaubens sind, kann man zustimmen und dabei an Hebräer 12,1 denken. „Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist.“  - oder Hebräer 13,7 „Gedenkt an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; ihr Ende schaut an und folgt ihrem Glauben nach.“ Der Reliquienhandel hat jedoch seltsame Blüten getrieben. Am 26. Januar 1546 hielt Luther in der Frauenkirche zu Halle seine berühmte Predigt gegen den „Reliquienkram“ des Erzbischofs Albrecht. In dem Luther-Film von dem Regisseur Eric Till klärt Luther seine Gemeinde über den vom Papst sanktionierten Reliquien-Schwindel auf und spricht von den zwölf Aposteln, „von denen allein 18 in Spanien begraben sind“.

Auf sicherem Boden stehen wir dagegen, wenn wir uns dem Wort Gottes aussetzen, es hören, es lesen, es betrachten und vor allem unser Leben davon durchdringen und formen lassen. Gottes Wort ist der sichere Boden des Glaubens. Daran erinnert mich das Matthäus-Evangelium auf der Brust des Barnabas. Er kam nach Zypern, um das Evangelium von Jesus zu verkündigen. Das zeichnete diesen Man aus. Von ihm und Saulus heißt es in Apg 11,26 „Und sie blieben ein ganzes Jahr bei der Gemeinde (in Antiochien) und lehrten viele.“ Sie lehrten Gottes Wort.

 

2. Von Anfang unserer Reise an suchte ich eine Ikone von Barnabas mit Paulus.  Auf unserem Begleitheft habe ich eine Freske aus einer Kirche in der Nähe von Paphos platziert. Ich sah während unserer Reise diese beiden Apostel als Vorlage zu dieser Freske in einer Ikone im Ikonenmuseum im erzbischöflichen Palast in Nikosia. Es gibt sie also. Jedoch scheint sie in Zypern keine Rolle zu spielen. Bis zum letzten Tag habe ich vergeblich nach dieser Ikone gesucht. Es gibt in Zypern viele, viele verschiedene Motive für die Ikonen. Jedoch über die die beide Gründer der Kirche auf Zypern fand ich (bis auf die eine) keine. Ich war froh, am letzten Tag noch eine Barnabas-Ikone erwerben zu können.

Ist es nicht oft so, das wir die Anfänge vergessen? Jede Erweckungsbewegung ruft zurück zu den Anfängen und zur Quelle. In den Anfängen ist alles keimhaft enthalten, was sich später entfalten soll. So ist es mit dem Leben. So ist es mit der Kirche. Die Anfänge haben Gewicht. Sie fundamentieren und haben damit eine wichtige Deutungshoheit für das, was folgt. In den Anfängen wird ein Grund gelegt, der stabil und tragend sein muss. Der Grund  ist aber auch Grundriss und gibt allem weiteren sein Maß. „Ad fontas“ –  „Zurück zu den Quellen“ ist darum stets ein wichtiger geistlicher Ruf. Glaube schöpft Kraft aus dem Original – nicht aus der Kopie.

 

3. In der Kirche der Heiligen Paraskevi in Geroskipou finden sich zwei sehr interessante Fresken. Eine ältere Darstellung des Todes von Maria, der Mutter Jesu.  Sie wurde  in späterer Zeit übermalt mit der Kreuzigungsszene. Beide Fresken sind stilistisch ganz unterschiedlich. Immerhin sind beide Fresken gut erhalten. Maria ist unterhalb der Kreuzigungsszene zu sehen. Räumlich und zeitlich kommt so das Kreuz über dem Marienthema zu stehen. Die Kreuzigungsszene überlappt z.T. die Darstellung des Todes Mariens.

Nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift ist dies auch in der geistlichen Wertigkeit so. Nicht Maria hat uns erlöst von Sünde, Tod und Teufel, sondern Jesus. 1.Kor 1,18 „Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist's eine Gotteskraft.“ Darum muss das Kreuz vor allem und über allem anderen stehen.

 

4. In der Kirche des Heiligen Johannes Lampadistes in Kalopanagiotis wurde uns verboten, eine Andacht zuhalten – d.h. Gottes Wort zu verkündigen, zu singen und zu beten. In der Kirche des Lazarus in Larnaka wurde es uns erlaubt.

Es ist wunderbar, wenn man Christen, mit einer anderen Geschichte, Tradition und Führung respektieren und schätzen darf. Ich staune immer wieder über die Vielfältigkeit des Leibs Christi. Dabei sind mir die orthodoxen Brüder und Schwestern sehr wichtig, auch wenn ich manches anders sehe und vieles noch nicht verstehe. Ich lerne und schätze vieles von ihnen. Ist das nicht etwas ganz natürliches in der Familie Gottes? In jeder Familie sind die Geschwister unterschiedlich. Nichts ist schlimmer, als wenn man sich die Zugehörigkeit zur Familie abspricht. Die Kirche ist nicht eine unformierte Truppe, sondern in Jesus Christus eine versöhnte Vielfalt. Der Weg, von dem Paulus in Epheser 4,13 schreibt („bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes“) bleibt spannend.

Wir waren auf den Spuren der Apostel Barnabas und Paulus auf Zypern. Und wir sind dankbar für die Reise. Erinnert und mahnt sie uns doch, bei dem zu bleiben, der sich den Weg, die Wahrheit und das Leben nennt.

 

Friedrich Preißler

 

* Der Bericht folgt nicht der zeitlichen Chronologie unserer Reise sondern den Angaben der Apostelgeschichte. Apg 13, 4-7 „Nachdem sie nun ausgesandt waren vom Heiligen Geist, kamen sie nach Seleuzia und von da zu Schiff nach Zypern. Und als sie in die Stadt Salamis kamen, verkündigten sie das Wort Gottes in den Synagogen der Juden; sie hatten aber auch Johannes als Gehilfen bei sich. Als sie die ganze Insel bis nach Paphos durchzogen hatten, trafen sie einen Zauberer und falschen Propheten, einen Juden, der hieß Barjesus; der war bei dem Statthalter Sergius Paulus, einem verständigen Mann.“

Dabei bleiben der 1. und 8. Tag unserer Reise (Anreise und Heimreise) unerwähnt.

 



 




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