Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Predigt zum Erntedankfest am 3. Oktober 2010

Predigttext: PSALM 1,1-3

Glück hat der Mensch, der nicht mit Gottlosen beraten muss.

(1) Glückselig ist der Mensch, der niemals sich mit Gottlosen berät,  / und der den Weg der Sünder gar nicht erst betritt, und der nicht Platz nimmt dort, wo Spötter sitzen!

(2) Wie glücklich ist, wer Freude findet an den Weisungen des Herrn

/ und Tag und Nacht die Ordnungen und das Gesetz des Herrn bedenkt!

(3) Er gleicht dann einem Baum, der dicht am Wasser steht, / der seine Frucht bringt Jahr für Jahr, und seine Blätter welken nicht.

Was er auch tut und wirkt, das ist gesegnet und gerät ihm wohl.

 

 

Liebe Gemeinde!

 

Ein schönes und einprägsames Bild begegnet uns gleich am Anfang des Psalters. Das Buch der Psalmen, das Lieder-Buch Israels - also das Buch (der Preisungen – Buber) des Lobpreises und der Anbetung Gottes - stellt uns am Anfang einen Baum vor Augen, der am richtigen Ort steht und sich dort beispielhaft entfaltet.

Lassen wir uns jetzt dieses Bild vor das innere Auge rücken. Stellen wir uns einen Baum vor - mit einem schön gewachsenen Stamm. Tief greifen die Wurzeln in die Erde. Weit breiten sich seine Äste aus. Seine Blätter wiegen im Wind. Die Bienen summen darin und die Vögel zwitschern. Der Baum ist über die Jahre widerstandfähig gewachsen. Gesunde Früchte sind reif geworden.

Der Mensch wird am Anfang der Psalmen mit solch einem Baum verglichen. Damit wird uns bildhaft und eindrücklich vermittelt: „Die Bestimmung des Menschen ist, Gott zu verherrlichen und sich für immer an IHM zu erfreuen.“ So hat es der Kleine Westminster Katechismus formuliert.

So will uns das auch ein Baum symbolisieren, wenn er seine Äste in den Himmel streckt. Wohl ist der Baum fest in der Erde verwurzelt. Aber er weist über sich hinaus. Er wächst in den Himmel. Die Bestimmung des Menschen ist, Gott zu verherrlichen und sich für immer an IHM zu erfreuen.

Heute – zum Erntdankfest wollen wir uns neu daran erinnern lassen. Wenn wir uns dankbar nach Gott  ausstrecken ist es, als ob damit Licht, Kraft und Gesundheit in unser Leben kommt.

Unser Baum aus Psalm 1 steht nahe am Wasser. Seine Wurzeln haben das ganze Jahr genug Nährstoffe. Auch damit will uns der Psalmist etwas vermitteln. Gleich zu Beginn des Psalters wird eine wichtige Platzanweisung vorgenommen.

Es kommt für uns Menschen alles auf den richtigen Platz an, wenn unser Leben gelingen und sich gesund entfalten soll. Für den äußeren Platz im Leben können wir meistens nicht viel tun. Wenn es aber um den inneren Platz im Leben geht, können wir sehr wohl Entscheidungen treffen. Davon geht jedenfalls der Psalmist aus.

Zunächst wird eindringlich gesagt, wo unser Platz nicht ist: Nicht bei denen, die meinen, ohne Gott hinkommen zu können. Nicht bei denen, die Gottes gute Weisungen in den Wind schlagen. Nicht bei den Spöttern.

Sondern dort soll unser Platz sein, wo man Gottes gutes Wort hört, es aufnimmt, es betrachtet, darüber nachdenkt und diskutiert und schließlich das eigene Leben davon bestimmen und prägen lässt. Gottes Weisungen, Gottes Offenbarungen, Gottes Ordnungen, das Gesetz des Herrn sind im Zusammenwirken mit dem Heiligen Geist wie frisches, nahrhaftes Wasser. Dort soll der innere Ort unseres Lebens sein.

Am frischen, lebendigen Wasser ist unser Baum gut gewachsen. Kraftvoll erhebt er sich da an jenem Gewässer und streckt seine Äste in den Himmel. Schöne Früchte haben sich gebildet und sind reif geworden. Die Ernte ist viel versprechend.

So sieht es aber bei uns in diesem Jahr mit der Ernte nicht aus.

Nationale und internationale Experten revidieren ihre Prognosen der Ernte immer weiter nach unten.  Auf der gesamten nördlichen Hemisphäre ist fast überall von Ernteeinbußen zu hören. Während in Kanada und Teilen Südosteuropas starke Regenfälle und Überschwemmungen im Frühjahr die Weizenbestände geschädigt haben, bedrohen in Russland, Kasachstan, Teilen der Ukraine und im Nordwesten der EU die anhaltende Trockenheit und die große Hitze die Ernte.

Der Internationale Getreiderat geht nun von einer Weizenernte aus, die um 26 Millionen Tonnen unter dem Vorjahr liegt.

Auch im Erzgebirge war das Wetter in diesem Jahr von Extremen bestimmt. Im Mai und Anfang Juni hatten wir nasskaltes Wetter.  Im Juli kamen die extremen Hitzewochen. Und dann regnete und regnete es. Zur FD-Ausfahrt hat jemand gesagt: „Seit sie den Kachelmann eingesperrt haben, ist das Wetter auch nicht mehr das, was es einmal war.“

Nun gut, mag es auch nicht daran liegen. Irgendwie spüren wir: In diesem Jahr war vieles anders als sonst.  Begegnet uns also im 1. Psalm ein Ideal-Bild? Ein Baum, der immer genug Sonne und immer genug Wasser hat und darum gleichmäßig wachsen kann? So ist doch unser Leben nicht! Die Bedingungen ändern sich. Aber unsere Bestimmung ändert sich nicht. „Die Bestimmung des Menschen ist, Gott zu verherrlichen und sich für immer an IHM zu erfreuen.“

Wie kann man trotz der wechselnden und manchmal auch widrigen „Großwetter-Lagen“ im Leben diese Bestimmung nicht verlieren? Dazu  habe ich wieder etwas Anschauliches mit auf die Kanzel genommen. Wir wollen in diesem Jahr zum Erntedankfest Anschauungsunterricht am „Vugelbeerbaam“ nehmen.

Mit Begeisterung singen die Erzgebirger hymnenartig das Vugelbeerbaam-Lied von Max Schreyer - geboren in Johanngeorgenstadt - zur Schule gegangen in Annaberg und Chemnitz - viele Jahre Oberförster in Grünhain und Umgebung und gestorben in Pulsnitz.

Die Vogelbeere oder Eberesche Sorbus aucuparia ist ein Laubbaum in der Gattung der Mehlbeeren und kommt in ganz Europa und in den gemäßigten Breichen Asiens vor.

Vier Gedanken sind mir dazu gekommen.

1. Die Vogelbeere ist ein anspruchloser Baum. Schnell besiedelt sie Brachflächen und Lichtungen. In Hecken und Waldrändern siedelt sich die Vogelbeere an. Ihr Bodenspektrum reicht von mager bis nährstoffreich, von trocken bis feucht und von sauer bis basenreich. Sie wächst in Laub-  aber auch in Nadelwäldern. Sie gedeiht auf Moorböden – aber auch auf trockenen Steinhängen.

Können wir mit solch einem anspruchlosen Baum unser Leben vergleichen? Wir gedenken heute am 3. Oktober an die 20 Jahre Leben in Freiheit. Viele von uns haben die kargen DDR-Zeiten miterlebt und hoffentlich noch in unverklärtem Zustand in Erinnerung. Wir waren beschnitten, eingesperrt, beobachtet, reglementiert. Und dann kam die Wende. Alles war plötzlich möglich. Nicht alles war gut. Aber es war, als ob (im Bilde gesprochen) unser Lebensbaum von einem felsigen Boden in fette, nährstoffreiche Erde verpflanzt wurde.  Auch damit muss man umgehen lernen, dass man nicht alles darf, was man kann. Vielen ist die Üppigkeit und der Wohlstand zum Verhängnis geworden.  

Das beeindruckt mich an der Vogelbeere, dass sie mit allen Böden zurecht kommt. Was kann das umgesprochen auf unser Leben bedeuten? Nehmen wir dazu  Anschauungsunterricht bei dem Apostel Paulus. Er schreibt an die Philipper (4,11-13) 11 „Ich habe gelernt, mir genügen zu lassen. Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; mir ist alles und jedes vertraut: beides, satt sein und hungern, beides, Überfluss haben und Mangel leiden;

ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.“

Paulus verweist uns auf die richtige Quelle – auf Jesus.  In der Gemeinschaft mit IHM behalten wir die die Bestimmung unseres Lebens im Blick: „Gott zu verherrlichen und sich für immer an IHM zu erfreuen.“  So entfaltet sich unser innerer Mensch, ganz gleich ob die Böden karg oder nährstoffreich sind. Nicht  der Reichtum, das Geld, der Erfolg sind entscheidend für ein erfülltes Leben – die Beziehung zu Jesus Christ ist entscheidend.

2. Die Vogelbeere ist ein nahrhafter Baum. Sie ist vor allem eine wichtige Futterpflanze für die Tiere. Nachgewiesen wurden bisher 31 Säugetierarten und 72 Insektenarten, die von der Vogelbeere leben. Rotkehlchen und Gimpel profitieren z.B. von der Eberesche – aber auch der Rotfuchs und der Dachs.

Besonders für viele Vögel ist die Eberesche wichtig. Die rot-orangefarbigen Beeren locken die gefiederten Freunde an und werden gern von den Vögeln gefressen. Davon hat wohl die Eberesche ihren deutschen Namen bekommen: „Vogelbeere“.

Ich kann mir nicht verkneifen zu bemerken, dass den Vögeln in diesem Jahr die Beeren wohl besonders gut geschmeckt haben, denn es gibt kaum noch Bäume mit den Vogelbeeren. Alles ist kahl gefressen. Ich hatte Mühe, so eine schöne Frucht aufzutreiben.

Natürlich haben auch wir Menschen einen Gewinn von der Eberesche. Dabei denke ich nicht nur an den Vogelbeerschnaps. Nach dem ersten Frost verlieren die Früchte ihren bitteren Geschmack und werden leicht süßlich. Manche stellen daraus eine schmackhafte Konfitüre her.

Auch für den Boden selbst ist die Eberesche wichtig. Das abgeworfene Laub zerfällt ziemlich schnell und setzt dabei relativ viel Magnesium frei. Und das wiederum hat einen positiven Effekt auf die Humusbildung. Damit  verbessert der Baum seine eigene Nährstoffversorgung und ist in der Lage, Umweltbelastungen besser standzuhalten.

Ich möchte hier an einen Satz erinnern, den der Apostel Paulus in seiner Abschiedrede an die Ältesten von Ephesus in Milet gesagt hat. (Apg 20,35) Ich habe euch in allem gezeigt, dass man so arbeiten und sich der Schwachen annehmen muss im Gedenken an das Wort des Herrn Jesus, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als nehmen.

Wir werden durch den Apostel an ein Jesus-Wort erinnert. Geben ist seliger als nehmen. So hat Jesus gelebt. Und diese Art zu leben, will er durch seinen Heiligen Geist in uns installieren. 

Dieser Satz könnte in uns einen Trugschluss wecken. Nämlich man müsse immer nur geben und geben und sich aufopfern. Das sagt dieser Satz  aus dem Munde Jesu nicht.

Nur wer richtig und Gutes empfängt, der kann auch kraftvoll geben. Nur wer satt ist „von den reichen Gütern des Hauses Gottes“ (wie es der PS 36,9 sagt), kann anderen Nahrhaftes und nicht Zweifelhaftes weitergeben.

Aber der Akzent in dem Jesus-Wort: „Geben ist seliger als nehmen.“ liegt auf der zweiten Hälfte. Es ist wie eine innere Weichenstellung. Nicht was wir haben ist von Bedeutung, sondern was wir sind und geben. Daran werden wir am Ende geprüft, bewertet und gemessen.  So gewinnen für uns die an Bedeutung, von denen wir nichts erwarten können und bekommen.

3. Die Vogelbeere erträgt besonders gut den Frost und den Wind. Es ist nicht mehr lange hin, und die Herbststürme werden wieder über das Erzgebirge fegen und die ersten Fröste werden kommen. Den Vogelbeer-Bäumen wird das nicht viel ausmachen. Sie werden im Wind ihre Wipfel neigen und  die Fröste überstehen. Warum? Weil ihre weitreichenden Wurzeln in tiefe Bodenschichten vordringen.

Sind auch unsere Wurzeln weitreichend und tiefdringend? Was wird mit unserem Leben werden, wenn Leid, Angst, Verfolgung, Nöte, Bitternisse, Schmerzen kommen? Wir können heute nicht theoretisch sagen, wie wir uns dann verhalten und dazu stellen werden. Wir können aber heute etwas tun, was uns dann hilft – nämlich das, was der Apostel Paulus an die Kolosser geschrieben hat: „Seid in ihm (Jesus) verwurzelt und gegründet und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und seid reichlich dankbar.“

4. Die Vogelbeere ist ein heilender Baum. Es gehen heilende Wirkungen von diesem Gewächs aus. Auch wenn sich im Volksglauben hartnäckig das Gerücht hält, die Früchte seien giftig – so stimmt dies einfach nicht. Die Beeren haben aber eine Säure, die zu Magenproblemen führen kann.

Tatsächlich ist die Vogelbeere aufgrund ihres hohen Vitamin-C-Gehaltes (bis zu 100 mg pro 100g Beere) sehr gesund. Früher war die Vogelbeere eine wichtiges Mittel gegen Skorbut (eine Vitaminmangelkrankheit).

Die Naturheilkunde schreibt den Blättern und Blüten eine besondere Heilwirkung zu. Getrocknet finden diese u.a. in Tees gegen Husten, Bronchitis und Magenverstimmung Verwendung. Sänger und Redner nutzen die Vogelbeeren um ihre Stimmbänder geschmeidig zu halten.  Laut dem „Kräuterpfarrer“ Künzle sollen die Vogelbeeren den zähen Schleim von den Stimmbändern lösen und so bei Heiserkeit wertvolle Dienste leisten.

Es ist auffallend, dass von Jesus und dann auch von den ersten Boten des Evangeliums viele Heilungen berichtet werden. Von unserem Herrn gingen heilende Wirkungen aus. Dass dies geschehen wird, hat schon der Prophet Jesaja gesagt: (53,4+5) „Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. 5 Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“

Dürfen wir das nicht auch heute von Jesus erwarten, dass von IHM heilende Wirkungen geschehen? Sind nicht auch wir eingeladen im Vertrauen auf IHN um Heilungen zu beten? Dürfen nicht auch wir erwarten, dass von unserem Leben heilendes ausgeht?

Kommen wir noch einmal auf den Anfang zurück. Der Psalm 1  - und damit das ganze Psalmenbuch - beginnt mit einer Seligpreisung. Glückselig ist der Mensch, der Freude findet an den Weisungen des Herrn und Tag und Nacht die Ordnungen und das Gesetz des Herrn bedenkt. Er gleicht dann einem Baum, der dicht am Wasser steht, der Frucht bringt Jahr für Jahr, und seine Blätter verwelken nicht.

Auch uns soll dieser Glückwunsch gelten. Er gilt uns, wenn wir dort zu finden sind, wo Gott uns haben will und sucht. So sind und bleiben wir unterwegs zur Bestimmung unseres Lebens, die da lautet: „ Gott zu verherrlichen und sich für immer an IHM zu erfreuen.“

 

Amen

 




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