Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Samstag, 5. März


Wir begannen unseren letzten gemeinsamen Tag mit einer Andacht im Garten neben der Knesseth. Dann starteten wir mit unserem Guide Anna Jarck in das neu eröffnete Israel - Museum. Die Erklärungen am Modell der Stadt Jerusalem zur Zeit des 2. Tempels ließen uns viele Zusammenhänge der Geschichten, die uns das Neue und das Alte Testament erzählen, besser verstehen bzw. lebendig werden.  Das Modell ist in einem Maßstab von 1:50 von Prof. Avi-Yonah hergestellt worden. Schon allein dieses Modell macht einen Besuch dieses Museums unabdingbar. Eindrücklich waren mir verschiedene Zusammenhänge, auf die uns Anna hinwies. So ergeben zum Beispiel die drei Täler, die das Jerusalem der Davids-Zeit (Hinnomtal, Käsemachertal und  Kidrontal) umgeben bzw. durchziehen, den hebräischen Buchstaben Schin. Schin ist der erste Buchstabe des Wortes Shaddai – „Gott“. So erklären fromme Juden, dass sich der Name Gottes geographisch um Jerusalem legte. Ich erinnerte mich an die Andacht, die ich am Tag vorher gehalten hatte. Dabei sprach ich über die Erwählung Jerusalems. Ich zitierte 2. Chronik 6,6 „Aber Jerusalem habe ich erwählt, dass mein Name daselbst sei“. Manches in der Bibel darf man also wirklich wortwörtlich und nicht nur im weiteren Sinne verstehen. Auch war mir die Lage des Hügels Golgatha zur Zeit des 2. Tempels einleuchtend. Damals war der Hügel ein Steinbruch, Müllhalde und Hinrichtungsstätte im Norden außerhalb der Stadtmauer. Der Berg lag, anders als heute, außerhalb der Stadt. Es spricht vieles dafür, dass der Ort über dem heute die Grabeskirche thront, der historische Ort der Kreuzigung war. Das Johannesevangelium (Joh 19,41) erwähnt  einen Garten, indem sich das Grab des Josef von Arimathäa  befand. Eine Lokalisierung auf der Nordseite Jerusalems ist am wahrscheinlichsten, da weder im Hinnomtal im Süden noch an den steilen Hängen im Osten und Westen ein Garten nahe der antiken Stadtmauer angelegt worden sein kann. Frühchristliche Zeugnisse bestätigen dies. Der Neutestamentler Prof. Rainer Riesner schreibt: „Das Wissen von Golgatha und dem Grab Jesu in seiner Nähe (Johannes 19,41-42) hatten jene Judenchristen weitergegeben, die fast ohne Unterbrechung von den Tagen der Urgemeinde bis zu Bar Kocha in Jerusalem lebten. Wie genau ihre Erinnerungen waren, wurde in den 70er Jahren deutlich: Damals fand man an der Ostseite des Golgatha-Felsens eine kleine Höhle, von der man bis dahin nur aus judenchristlichen Schriften wusste.“ [1]  Auch interessierte mich der Verlauf des Hiskia-Kanals (2. Kön 20,20) von der Gihonquelle zum Teich Siloah. Nun konnte ich es mir erst richtig vorstellen.

Es warteten nach der Besichtigung des Jerusalem-Modells weitere hochkarätige Ausstellungen auf uns.  Im Anschluss besichtigten wir den Schrein des Buches, in dem die berühmten Schriftrollen vom Toten Meer ausgestellt sind. Zwar ist die Jesajarolle nicht im Original zu sehen, aber schon die Kopie zeugt von Präzision der Textweitergabe im Judentum. Eine Schriftrolle wurde von den Schreibern 1:1 und Wort für Wort übertragen. Außerdem ist die Architektur  des Gebäudes sehr originell. In der Mitte des Raumes befindet sich auf einem großen Zylinder der Text der Jesajarolle. In den Seitennischen kann man Originale bewundern. Von außen ist die  Form des Gebäudes einem Deckel der Steingutbehälter nachempfunden, die man in den Höhlen von Qumran gefunden hat. 

In der Judaika-Ausstellung erfuhren wir viel über jüdisches Leben: über Feste, Riten und Bräuche des Volkes Israel in seiner weltweiten Diaspora. Durch die Führung von Anna habe ich wieder viele neue Aspekte jüdischen Lebens kennen gelernt und gemerkt, dass ich hier erst am Anfang stehe.

Anschließend hatte jeder Zeit, weitere Ausstellungen auf eigene Faust zu besichtigen. Ich entschied mich für die Archäologische Abteilung und war nicht enttäuscht. Die repräsentativen Ausstellungstücke lassen biblische Geschichte, aber auch Profan-Geschichte von der Steinzeit bis zur byzantinischen Periode, lebendig werden. Mein Aufnahmevermögen war schon sehr minimiert und die Zeit saß im Nacken. Leider durfte man in dem Museum nicht fotografieren. So hätte ich mir im Nachhinein noch einige Ausstellungsstücke erklären können. Nur an drei Stücke  erinnere ich mich noch:  1. an den Pilatusstein von Caesarea Maritima, 2.  an das Ossuarium des Kaiphas und 3. an den Stein aus dem Haus des Trompeters im Zweiten Tempel. 

Der Nachmittag stand zur freien Verfügung. Die gute Gemeinschaft, die sich in den zurückliegenden Tagen unter uns entwickelt hatte, führte dazu, dass die ganze Gruppe beschloss, gemeinsam einen Rundgang auf der Stadtmauer vom Jaffa-Tor bis zum Damaskus-Tor mit anschließender Besichtigung des Gartengrabes zu unternehmen. Einige liefen noch bis zum Herodes-Tor und wieder zurück zum Damaskus-Tor. Hier begann unsere Gruppe langsam zu zerbröckeln. In der Gartengrabstätte bekamen wir eine Vorstellung, wie man sich (Felsen-)Gräber zurzeit Jesu vorstellen muss. Es fehlte nur der große Rollstein, mit dem man derartige Grabeshöhlen verschloss. Aber wir erinnerten uns an einen Rollstein dieser Größe, den wir auf dem Berg Nebo sahen. Im Allgemeinen geht  man davon aus, dass es sich beim Gartengrab nicht um das Grab Jesu handelt. Die meisten Forscher  halten nach wie vor den Platz unter der Grabeskirche für den Ort der Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Im Anschluss an den Besuch des Gartengrabes nördlich des Damaskus- Tores liefen wir noch einmal durch die Altstadt und nahmen betend an der Klagemauer Abschied von Jerusalem. Der Bus brachte uns  vom Jaffa-Tor zurück ins Hotel Caesar. Nach dem Abendbrot hieß es Koffer packen. Die Nacht war kurz. Um 1 Uhr wurden wir geweckt. Um 2 Uhr traten wir den Heimweg an. Es waren erfüllte Tage in Jerusalem. Meine Gedanken gehen einen weiteren Tag zurück.

 


 




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