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Dienstag, 1. März


Es war gut, dass unser Hotel ganz in der Nähe des Eingangs in den Siq (Felsschlucht) lag. So konnten wir zeitig unsere Tagestour durch die versunkene Hauptstadt der Nabatäer[1] beginnen. Wir brauchten auch wirklich den ganzen Tag zur Besichtigung Petras. Manche von uns ritten das erste Stück bis zum Eingang auf einem Beduinen-Pferd. Der größere Teil der Gruppe ging zu Fuß. Dann begann unser gemeinsamer Gang durch das Naturschauspiel. Auf Grund der strategisch günstigen Lage am Kreuzungspunkt mehrerer Karawanenwege, die Ägypten mit Syrien und Südarabien mit dem Mittelmeer verbanden, war Petra vom 5. Jahrhundert vor bis zum 3. Jahrhundert n.Chr. ein bedeutender Handelsplatz. Hier kamen die Karawanen aus dem Süden Arabiens mit Gewürzen aus Indien,  Seide aus China, Elfenbein aus Afrika, Perlen aus dem Roten Meer und Weihrauch aus dem Süden Arabiens an. All jene Produkte galten in der antiken Welt  als Luxusgüter für Abnehmer aus dem gesamten Mittelmeerraum. So kam die Stadt zu einem sagenhaften Reichtum.   Für eine antike Stadt waren immer drei  Grundgegebenheiten wichtig: 1. Wasser, 2. gut zu verteidigende Lage und 3. die Nähe zu wichtigen Handelsstraßen. Alle drei Bedingungen waren in Petra gegeben. Die Stadt war nur über einen schmalen Gebirgspfad von Nordwesten oder von Osten her durch eine etwa 1,5 Kilometer lange Felsschlucht zugänglich. Gleich am Eingang in den Siq machte uns unser Guide auf ein sehr wichtiges Bauwerk aufmerksam – eine Staumauer. Die Nabatäer waren Meister in der Wasserbaukunst. Die Staumauer hatte die Funktion, Sturzfluten zu verhindern, aber auch eine regulierte Wasserversorgung zu garantieren. Von hier aus lief auf jeder Seite an der Felswand ein Wasserkanal. Einer für Brauchwasser (offen) und einer für Trinkwasser (Röhrenleitung).

Wir begannen also in die geheimnisvolle Welt der Nabatäer einzutauchen. Schon der Siq war faszinierend. Anderthalb Kilometer ging es zunächst durch eine Schlucht, deren Wände teilweise 200 m hoch sind und die an ihrer engsten Stelle 2 m an Breite misst. Dann öffnet sich plötzlich die Schlucht und man steht vor dem sogenannten Schatzhaus des Pharaos.  Die Beduinen nannten die aus dem Fels gehauene Fassade so. Aber eigentlich war dieses Monument das Grab eines nabatäischen Königs. Man schreibt das Grab Aretas IV. zu, der im 1. Jahrhundert  v. Chr. regierte. Vorbei an weiteren Großen Grabanlagen ging unser Weg weiter bergab bis sich das Tal endgültig weitete. Linkerhand befindet sich das römische Theater aus dem 1. Jhdt n.Chr. 1961 entdeckten amerikanische Archäologen diesen Kunsttempel, der komplett aus dem Fels heraus gemeißelt  wurde.  Nördlich des Theaters erhebt sich rechterhand die sogenannte „Königswand“. Auf halber Höhe reihen sich 13 monumentale Grabtempel aneinander.  Aufgrund ihrer Größe und Ausschmückung werden sie als Königsgräber gedeutet. Überhaupt sind die meisten Bezeichnungen der Bauwerke in Petra Deutungen, denn die Nabatäer haben kaum schriftliche Zeugnisse hinterlassen. Unterwegs vom Theater zur Königswand fanden wir hinter einer Gaststätte eine schöne Nische, in der wir unsere Andacht halten konnten. Im rechten Winkel zur Königswand verläuft in Richtung Westen die „Säulenstraße“. Sie war einst die Hauptverkehrsachse Petras. Die in Fels gehauenen Grabtempel haben die Jahrtausende überstanden.  Aber die Wohnhäuser der Nabatäer sind längst zerfallen. Hier und da findet man noch Grundmauern. An der Säulenstraße befindet sich der größte Tempel der Stadt aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. Er war wahrscheinlich den nabatäischen Hauptgöttern Dushara und Al-Uzza geweiht. In der Nähe dieses Tempels endete unser geführter Rundgang. Nach dem Mittagessen gab es 3 Möglichkeiten. Entweder man ging den gleichen Weg zurück, oder man stieg hinauf zum sogenannten Kloster, oder man sucht den Opferplatz auf.  Wir konnten nicht genug bekommen und nahmen alle Möglichkeiten in Angriff. Zunächst ging es steil hinauf zum Kloster.[2] Auch das Kloster war ursprünglich eine Grabanlage und zählt mit zu den beeindruckendsten Werken nabatäischer Baukunst. „Kloster“ wird es deshalb genannt, weil im Mittelalter hier Mönche lebten. Nach dem Abstieg nahmen wir das nächste Ziel in Angriff, den Gipfel des Jebel Attuf. Dort befindet sich ein gut erhaltener Opferplatz. Für den Aufstieg wählten wir den flacheren aber weiteren Weg. Den Abstieg nahmen wir über den Treppenweg. Fast hätten wir den eigentlichen Altar nicht gefunden. Eine Beduinin zeigte uns diese Stelle. Es war schon spät geworden, als wir wieder im Tal waren. Noch lag eine Stunde Weg vor uns. Aber diese Stunde durch den Siq war wunderbar.  Der Touristenstrom hatte sich verzogen. Stille umgab uns. Zwar war nicht mehr das Glühen der Sonne an den Wänden, der die Felsen wie am Morgen in rötliches Licht tauchte, aber man konnte in Ruhe fotografieren. Kurz nach 18 Uhr waren wir wieder im Hotel – abgelaufen und voller Impressionen.

An diesem Abend erlebten wir noch eine Überraschung. Wir waren  fast mit dem Abendbrot fertig. Plötzlich ging im Speisesaal das Licht aus und Kellner kamen mit zwei Kerzen bestückten Torten einmarschiert. Eine unserer Reiseteilnehmerinnen hatte Geburtstag.

 

Nach dem Abstieg nahmen wir das nächste Ziel in Angriff, den Gipfel des Jebel Attuf. Dort befindet sich ein gut erhaltener Opferplatz. Für den Aufstieg wählten wir den flacheren aber weiteren Weg. Den Abstieg nahmen wir über den Treppenweg. Fast hätten wir den eigentlichen Altar nicht gefunden. Eine Beduinin zeigte uns diese Stelle. Es war schon spät geworden, als wir wieder im Tal waren. Noch lag eine Stunde Weg vor uns. Aber diese Stunde durch den Siq war wunderbar.  Der Touristenstrom hatte sich verzogen. Stille umgab uns. Zwar war nicht mehr das Glühen der Sonne an den Wänden, der die Felsen wie am Morgen in rötliches Licht tauchte, aber man konnte in Ruhe fotografieren. Kurz nach 18 Uhr waren wir wieder im Hotel – abgelaufen und voller Impressionen.

An diesem Abend erlebten wir noch eine Überraschung. Wir waren  fast mit dem Abendbrot fertig. Plötzlich ging im Speisesaal das Licht aus und Kellner kamen mit zwei Kerzen bestückten Torten einmarschiert. Eine unserer Reiseteilnehmerinnen hatte Geburtstag.


[1]     Man weiß nicht genau woher die Nabatäer kamen. Ursprünglich kontrollierten sie die alten Handelsstraßen aus Arabien (Gebiet zwischen dem Roten und Toten Meer). In der ersten Phase  waren sie Nomaden. Ihr Geheimnis war es, die Wasserstellen in der Wüste zu kennen.  Es war ihnen bei Todesstrafe verboten, sesshaft zu werden und  Ackerbau zu treiben.  Über diese Phase schrieb der grichische Schriftsteller Diodor (1. Jhdt v. Chr.):    „ ... Sie führen ein Räuberleben und plündern oft auf Raubzügen die Nachbarländer aus. [...] Sie pflanzen weder Korn oder andere früchtetragende Bäume an, noch trinken sie Wein, noch bauen sie irgendwelche Häuser. Sollte jemand gegen diese Regeln verstoßen, so wird dieser mit dem Tode bestraft. [...] Obwohl es viele andere arabische Stämme gibt, die die Wüste als Weide nutzen, übertreffen sie die anderen bei weitem an Reichtum, obwohl sie nicht viel mehr als 10.000 zählen, denn nicht wenige sind gewohnt, Weihrauch und Myrrhe und auserlesene Gewürze zum Meer zu bringen. ...“ 

      In der zweiten Phase ihrer Geschichte (100 v.Chr – 100 n.Chr.) wurden sie sesshaft, schlossen sich zu einem Königreich zusammen und gründeten Städte. Aus dem Neuen Testament (2.Kor 11,32) wissen wir, das ihr Herrschaftsbereich bis nach Damaskus reichte. Petra war ihre Hauptstadt. In ihrer dritten Phase (ab 4. Jhdt) versorgten sie dann die Pilger, die zu den Heiligen Städten unterwegs waren. Zum ersten Mal begegneten mir die Nabatäer während meiner ersten Israelreise 2005. Ich kann mich noch gut an die Ausführungen von Anna in Avdat erinnern.

 

[2]     Jane Taylor Petra, Amman 2005 S. 85f Auf der Spitze eines anderen Berges bei Petra befindet sich eine der schönsten Fassaden — ad-Deir, das Kloster. Sein Name ist wie der des Schatzhauses missverständlich und bezieht sich auf seine christliche Nutzung im 4. oder 5. Jahrhundert. Ein Prozessionsweg führt über Pfade und längere Fluchten von Felsstufen empor, bis er sich zu einer breiten, von diesem Monument beherrschten Terrasse öffnet. Seine schiere Größe degradiert die Davorstehenden zu Ameisen vor einem Koloss — und dennoch meißelten ebensolche Ameisen vor ungefähr 2000 Jahren mit unzureichenden Werkzeugen diese riesige Fassade aus dem Felsen.  Der zweistöckige Aufbau und die runde tholos im Zentrum eines durchbrochenen Giebels sind an das Schatzhaus angelehnt. Aber die Fassade ist viel größer, nicht so reich verziert, und in den Nischen stehen keine Statuen. Anstelle der Ranken- und Blattmotive des Schatzhauses gibt es einen einfachen dorischen Fries und schlichte nabatäische Kapitelle. Der Vorhof war ursprünglich von Kolonnaden umgeben, von denen nur noch wenige Säulentrommeln erhalten sind. Auf dem oberhalb liegenden Hang befindet sich ein großes rundes Areal, dessen Funktion unbekannt ist. An beiden Orten konnten große Versammlungen an religiösen Ritualen und Feiern teilnehmen, deren genaue Form nicht bekannt ist.

      Der großartige Aufstieg, die Dimensionen der Fassade und die davorliegenden großen offenen Terrassen weisen auf einen besonders heiligen Ort hin Seine ursprüngliche Funktion, die lange Zeit Gegenstand phantasievoller Spekulationen war, wurde durch Freilegungsarbeiten in den Jahren 1990 bis 1991 enthüllt: Er diente als Triklinium, als Banketthalle mit umlaufenden Bänken, die zu Gedenkfeiern für einen Verstorbenen genutzt wurde. Sogar über dessen Identität kann man dank einer Inschrift am Rande des Prozessionsweges Vermutungen anstellen; sie bezieht sich auf „das Symposium für Obodas den Gott". Es ist bekannt, dass  Obodas I. kurz nach seinem Tod im Jahre 86 v.Chr. zum Gott erhoben wurde. Das Triklinium könnte demnach als Versammlungsstätte für den heiligen Kultverein des Obodas errichtet worden sein, obwohl man es in das spätere 1. Jh. n.Chr. datiert.

 

 




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