Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Montag, 28. Februar


Eine unruhige Nacht in Amman lag hinter uns. Das aber nicht, weil etwa politische Unruhen die Stadt erschütterten, sondern weil unser Hotel direkt am Hauptmarkt lag, die Fenster nicht schalldicht waren und die Autofahrer rallymäßig durch die Gegend düsten. Amman hieß in griechischer Zeit Philadelphia und in ammonitischer Zeit Rabbat-Ammon, das biblische Rabba[1]. Die Ammoniter lebten nördlich der Moabiter  und östlich der israelitischen Stämme Ruben und Gad. Sie waren Nachfahren von Ben-Ammi[2], einem Sohn Lots. Dieser wiederum war der Neffe von Abraham.

Das erste Ziel dieses Tages war die ehemalige Akropolis in Amman. Wir fuhren vom Hotel aus hinauf auf den Burgberg und hatten einen herrlichen Ausblick auf die Stadt. Von hier kann man auch einen Blick auf das antike Stadtzentrum werfen. Man sieht z.B. noch Teile des  Cardos und das Theater. Der größte Teil der antiken Stätten ist jedoch überbaut. Anders jedoch ist es auf der Zitadelle.  Hier besichtigten wir Reste des Herkules-Tempels, und des Omajaden-Palastes. Gut erhalten sind noch die Zisterne und die Empfangshalle zum omajadischen Palast. Hochkarätig fand ich das Museum.  Schriftrollen von Qumran sind hier ebenso zu bewundern, wie die  Statuen von Ain Ghazal (aus dem 7 und 8. Jhdt  v.Chr.), ein Kopf der Göttin Tyche und eine Kopie der Mescha-Stele (darin wird Omri, der König von Israel erwähnt).

Das nächste Highlight des Tages war der Besuch des Berges Nebo. Von hieraus schaute Mose in das Gelobte Land[3]. Auch wir warfen einen Blick in die gleiche Richtung. Allerding konnten wir, da es etwas diesig war, weder Jericho noch Jerusalem  - allenfalls das Tote Meer sehen. Hier oben hielten wir unsere Andacht. Es war ein besonderer Platz. Bevor wir  das berühmte Madaba-Mosaik zu Gesicht bekamen, besuchten wir eine Mosaiken-Werkstatt. Hier wurde uns vorgeführt, wie man damals und heute Mosaiken herstellen konnte und kann.

Dann endlich konnten wir das weltbekannte Mosaik in der Georgskirche von Madaba betrachten. Das Madaba-Mosaik stammt aus dem 6. Jhdt n.Chr. und ist die älteste im Original erhaltene kartografische Darstellung des Heiligen Landes. Es stellt eine Art Landkarte  der heutigen Gebiete Jordanien, Israel, Syrien und Ägypten dar. Zweck der Karte war es, dass ein Pilger die heiligen Stätten auffinden konnte.  Nach der Besichtigung wanderten wir durch die Stadt und stärkten uns in einer Gaststätte am Stadtrand.

Am frühen Nachmittag nahmen wir Kurs auf Petra. Bevor wir die Wüstenautobahn erreichten, wollten wir noch das Wadi Mujib (den Grand Canyon Jordaniens) in Augenschein nehmen.  Der Umweg war nicht umsonst. Eine atemberaubende Landschaft tat sich vor uns auf. Wir legten zwei Mal im Wadi Mujib eine Pause ein und versuchten das Naturschauspiel mit der Kamera für unsere Erinnerungen festzuhalten. Dann ging es Kilometer um Kilometer entlang der alten Königsstraße[4] auf der Wüstenautobahn nach Süden.

 


[1]     5. Mose  3,11 Denn Og, der König des Baschan, war als Einziger von den letzten Rafaïtern noch übrig geblieben. Sein Bett war aus Eisen. Steht es nicht in Rabba, der Hauptstadt der Ammoniter? Es ist neun gewöhnliche Ellen lang und vier breit.

 

[2]     1. Mose 19,38 Auch die Jüngere gebar einen Sohn und nannte ihn Ben-Ammi. Er gilt als Stammvater der Ammoniter bis heute.

 

[3]     5. Mose  32,49  Geh hinauf in das Gebirge Abarim, das du vor dir siehst, steig auf den Berg Nebo, der in Moab gegenüber Jericho liegt, und schau auf das Land Kanaan, das ich den Israeliten als Grundbesitz geben werde.

      5. Mose 34,1 Mose stieg aus den Steppen von Moab hinauf auf den Nebo, den Gipfel des Pisga gegenüber Jericho, und der Herr zeigte ihm das ganze Land. Er zeigte ihm Gilead bis nach Dan hin.

 

[4]     Andreas Feldtkeller Jordanien EVA Leipzig 207 S. 89 Wer heute von Amman aus nach Süden auf der Landstraße über Madaba und weiter in Richtung Kerak und Petra fährt, folgt dabei der Route einer etwa 4000 Jahre alten Handelsstraße, die eine der möglichen Verbindungen von Mesopotamien und Syrien nach Ägypten und an das Rote Meer war. Parallel dazu - etwa 20-30 Kilometer weiter östlich, ungefähr auf der Route der heutigen Autobahn - verlief die Wüstenstraße, die zwar schneller war, da die Landschaft so weit östlich nicht mehr durch Taleinschnitte unterbrochen wird, aber auch gefährlicher, weil dort keine Städte und größeren Ortschaften Schutz vor Beduinenüberfällen boten und weil es kaum Wasserstellen gab. Auf der Königsstraße dagegen bewegen wir uns durch relativ dicht besiedeltes Gebiet - sowohl was die heutige Zeit anbelangt, als auch was das zweite und erste Jahrtausend v. Chr. angeht. Die Königsstraße ist in der Bibel bei diesem Namen genannt: Nach der Erzählung des Buches Numeri bittet das Volk Israel auf seiner Wanderung zwischen dem Auszug aus Ägypten und dem Einzug in das Verheißene Land beim König von Edom und beim Amoriter-König Sihon um die Erlaubnis, durch das jeweilige Königreich ziehen zu dürfen. Beide Male versprechen die Israeliten, nur die Königsstraße zu benutzen, ohne rechts oder links abzubiegen, ohne Felder oder Weinberge zu betreten und ohne Brunnenwasser zu trinken (Numeri 20, 17 bzw. 21, 22). Dennoch wird die Bitte in beiden Fällen abgeschlagen. Einer Auseinandersetzung mit den Edomitern weichen die Israeliten aus; mit den Amoritern dagegen kommt es zum Krieg.

 

 




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