Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Predigt zu Jubilate 2011

Liebe Jubelkonfirmanden, liebe Gemeinde!

 

Man hört ja so allerhand Schlechtes über die Navi´s.

Am 23.12.2010 berichtete der Merkur: „Ein Österreicher war mit seiner Gattin nach einem anstrengenden Flug auf dem schnellsten Weg vom Münchner Flughafen nach Hause unterwegs. Entsprechend programmierte er sein Navigationsgerät – ein fataler Fehler. Der 70-Jährige vertraute der Technik und landete schließlich auf einem völlig verschneiten Feldweg durch das Schnauppinger Holz. Dort fuhr sich der Wagen prompt fest.

Das Ehepaar wählte den Notruf und konnte grob den Standort angeben. Eine Streife der Polizei machte sich auf die Suche und entdeckte schließlich den Salzburger zu Fuß im Wald. Erst nach mehreren Stunden konnte der Wagen mit Hilfe eines Abschleppunternehmers wieder flottgemacht werden. Erleichtert gab der Mann zu Protokoll, künftig auf seine Frau zu hören, die ihn gewarnt hatte, auf den Waldweg abzubiegen.“

Naja, da hat unser Österreicher doch etwas gelernt, wenn er sich vornimmt, künftig mehr seiner Frau zu vertrauen als der Technik. Nichtsdestotrotz ist die Erfindung des Navi´s etwas Faszinierendes. Ich lasse mir gern auch einmal von einem Navi helfen. Und außerdem kann man sich an einem Navi einiges  verdeutlichen. 

Vielleicht kann man das in dem Sinne tun, wie es z.B. Christen in der frühen Kirche praktizierten. Man sprach in der alten Kirche von den Fußspuren Gottes (vestigia trinitatis) in unserer Welt. Damit meinte man Beobachtungen und Erfahrungen in der Schöpfung, die auf den Schöpfer hindeuten.  Das ist ja so: Ein Plan deutet auf einen Planer hin. Kunstwerke sprechen von ihrem Künstler. An bestimmten Merkmalen kann man Rückschlüsse auf den Urheber ziehen.

Was könnte uns ein Navi von Gott und von der Sache des Glaubens erzählen? Ich habe mein Navi mitgebracht. Ich lade euch ein auf mein Navi zu hören und auf das, was es uns von Gott und von der Sache des Glaubens weitergeben will.

1. Wenn ich mein Navi einschalte, muss ich als erstes ein paar Augenblicke warten. Das Navi muss nicht nur seine Software hochladen – sich also empfangsbereit machen – es muss sich vor allem von Satelliten finden lassen. Denn ein Navigationssystem funktioniert über Satelliten. Damit ein Navi arbeiten kann, muss es zu mindestens 4 von 24 Satelliten Kontakt aufnehmen.

Da kreisen also - für uns unsichtbar – am Himmel technisch hochgerüstete Himmelsflugkörper herum. Und diese senden dauernd Wellen aus. Und mein Navi muss sich von mindestens 4 dieser Himmelsflugkörper finden lassen, damit meine Position auf der Erde genau bestimmt werden kann. Bevor also das Ganze losgehen kann, muss mein Standort  bestimmt werden. Ich muss gesucht und gefunden werden.

Das ist auch die erste Grundaussage, die ich in der Bibel im Blick auf die Beziehung Gottes zu uns Menschen höre. Gott sucht uns Menschen. Gott sucht dich und mich. Dauernd ist seine Liebe dabei, Kontakt aufzunehmen. Wenn wir wollen, dass Gott uns führt und uns an sein gutes Ziel bringt, dann müssen wir uns zuallererst von IHM finden lassen.

Und das sagt uns die Bibel: Gott ist in der Lage uns zu orten. In Offb. 2,13 sagt z.B. Gott zu einer ganzen Gemeinde: „Ich weiß wo du wohnst“. In 2. Mose 33,17 spricht Gott zu Mose: „Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden, und ich kenne dich mit Namen.“  Oder in PS 139,2 wird gebetet: „Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.“

Gott weiß, wo wir wohnen. Gott kennt uns mit Namen. Gott weiß, wo wir uns bewegen. Ja, der Gott, der uns mit Namen und Adresse kennt, kennt sogar unser Innerstes. Er kennt unsere Gedanken, unsere Pläne, unsere Sehnsüchte. Gott kennt die Koordinaten deines und meines Lebens. Gott kennt deine und meine Situation. Er kennt unser Herz.

Wollen wir auf Empfang gehen? Wollen wir uns von IHM finden lassen? Das fragt uns heute Morgen dieses Navi.

2. Was muss dann geschehen?  Ich muss das Ziel eingeben. Ich muss meinem Navi sagen, wohin es mich führen soll. Naja – ein paar Angaben sollten es schon sein. Nicht immer weiß ich die PLZ oder die Hausnummer. Aber den Ort und vielleicht noch die Straße des Reisezieles sollte man schon wissen.

Im Buch der Richter habe ich einen interessanten Satz gefunden. Da sagten Leute vom Stamm Dan (Ri. 18,5) „Befrage doch Gott, dass wir erfahren, ob unser Weg, den wir gehen, auch zum Ziel führt.“ Da wollen Leute von Gott wissen, ob es dieses Ziel überhaupt gibt. Manche Ziele im Leben gibt es gar nicht. Bei manchen Zielen, die ich in mein Navi eingebe, erhalten ich als Antwort: Dieses Ziel gibt es nicht oder dieses Ziel liegt in einem nicht digitalisierten Gebiet. 

Dann muss  ich neu über das Ziel nachdenken. Dann muss ich meine Angabe konkretisieren.  Das ist doch so in unserem Leben. Die Ziele ändern sich im Laufe der Zeit. Als Sie konfirmiert wurden, liebe Konfirmanden, da hatten sie Ziele im Leben. Aber die Ziele sind heute größtenteils nicht mehr Ihre Lebensziele. Viele Lebensziele wurden erreicht. Auch haben der Lauf der Zeit und die Geschichte neue Ziele entstehen lassen. Das ist ja auch so bei jeder Wanderung. Im Laufe der Zeit weiß man besser, was man will.

Es gibt aber einige Dinge, über die sollten wir Menschen grundsätzlicher nachdenken. Viele Ziele im Leben stellen sich als Teilziele heraus. Was aber ist das letzte und große Ziel des Lebens?

Im PS 39,5 steht: „HERR, lehre mich doch, dass es ein Ende mit mir haben muss und mein Leben ein Ziel hat.“  Das schärft uns Gottes Wort ein! Mein Leben hat ein Ziel. Dieses Ziel muss ich bestimmen und präzisieren.

Was haben Sie als Ziel eingegeben?  Natürlich kenne ich die Ziele Ihres Lebens nicht. Aber von einem weitgesteckten Ziel ihres Lebens weiß ich doch. Als Sie, liebe Konfirmanden, Ihre Konfirmation feierten, haben Sie das Glaubensbekenntnis gesprochen. Und dann wurden Sie gefragt: Willst du in diesem Glauben bleiben und wachsen? Das ist das Konfirmationsversprechen. Sind Sie dabei geblieben? Haben Sie dieses Ziel beibehalten? Oder rückt  dieses Ziel wieder in den Blickpunkt? Es ist ein gutes Ziel!

3. Wie schnell man sich an manche Dinge gewöhnt. Vor Jahren als die ersten Navis aufkamen, da sagte mal jemand: „Ich habe ein sprechendes Auto“. Und da haben die anderen gelacht. Einer erwiderte darauf: „Und ich habe auch ein sprechendes Auto – meine Frau sagt mir: „Nicht zu schnell – links abbiegen – verfolgt dich jemand?“

Dass es sprechende Autos tatsächlich gibt – daran zweifelt mittlerweile niemand mehr. Das Navi sagt: „In 1  Kilometer :  links einordnen – in 300 Meter: Jetzt links abbiegen.“

Wie ist das aber mit Gott? Rechnen wir als Christen tatsächlich damit, dass Gott zu uns konkret spricht? Suchen wir die Stimme Gottes? Haben wir Erfahrung darin gesammelt, dass Gott zu uns persönlich spricht?

In PS 119,15 lesen wir: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“ Hier bezeugt uns einer, dass es das tatsächlich gibt. Gott spricht zu uns und will unseren Weg beleuchten. Gott will uns klarmachen, wohin wir uns wenden sollen.

Viele von uns haben es doch schon erlebt, das Gott zu ihnen persönlich gesprochen hat: Beim Lesen des Herrnhuter Losungsbüchleins hat der eine in einer Situation klarer gesehen oder  beim Lesen der Bibel wusste ein anderer, wie er sich entscheiden sollte – oder durch eine Predigt ist mir etwas klar geworden oder durch Menschen oder Ereignisse hat Gott gesprochen. Oder bei einem Gebet habe ich gespürt, was Gott will. Hören wir nicht auf, von Gott konkrete Wegweisung zu erwarten. Gott will auf verschiede Weise konkret zu uns sprechen.

4. Wenn man beim Autofahren unterhalten werden will, dann schaltet man das Radio ein. Wenn man aber geführt werden will, dann nimmt man das Navi in Betrieb. Es gibt ein schönes altes Gesangbuchlied. Darin heißt es: „Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort; sei und bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort. Nirgends als von dir allein kann ich recht bewahret sein.“

Wer dieses Lied singt, bittet Gott konkret darum, dass ER sein Leben führt. Das ist ein wichtiger biblischer Gedanke. Die Menschen der Bibel haben es immer wieder Gott persönlich gesagt und von Gott konkret erwartet, dass er ihr Leben lenkt und leitet. So hören wir etwa im PS 119, 35: „Führe mich auf dem Pfad deiner Gebote –  denn ich habe Gefallen daran.“

Hier ist von „Pfaden“ die Rede – nicht von Autobahnen. Die Wege, die Gott uns führt sind keine Betonpisten, auf der sich die Menschenmassen bewegen. Gott führt oft sehr persönlich und individuell. Manchmal sind die von Gott geführten Wege auch einsam – aber gerade da scheint Gott besonders nahe zu sein. Ich möchte uns alle sehr dazu ermutigen, so zu Gott zu sprechen, das von Gott zu erwarten: Herr führe mich! „Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort; sei und bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort. Nirgends als von dir allein kann ich recht bewahret sein.“

5. Manchmal – jeder der ein Navi verwendet, kann davon ein Lied singen – manchmal nervt einen das Ding. Dann nämlich, wenn wir uns anders entschieden haben und aus Versehen oder mit Absicht einmal nicht dort abgebogen sind, wo das Navi uns hinführen wollte. Dann nämlich sagt das Navi: „Wenn möglich bitte wenden.“

Manchmal muss Gott auch so zu uns reden. Mehrmals ging es in der Geschichte Israels um Leben und Tod. Und da schickte Gott seine Boten, die nervten das Volk. Z.B. Hes. 33,11 „So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: Ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe. So kehrt nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben, ihr vom Hause Israel?“

Oder Jesus begann seinen öffentlichen Dienst mit dieser Botschaft: „Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe.“  Matt 4,17

Immer wieder ruft uns Jesus dazu auf, bei Gott zu bleiben, seine Nähe zu suchen, zu IHM umzukehren. In seinem Munde ist es ein Ruf zum Leben und besitzt höchste Dringlichkeit. Wir sollten unbedingt auf den Umkehrruf Jesu hören.

6. Manchmal aber, auch das wird an einem Navi deutlich, bedarf es des Korrektives unseres gesunden Menschenverstandes. Ich erinnere an das Beispiel, das ich am Anfang erzählte. Unser Österreicher  kam zu der Einsicht: Ich hätte doch lieber auf meine Frau hören sollen. 

Ich kann mich noch gut an eine Situation in den Bergen von Kreta erinnern. Ich hatte inzwischen gemerkt, dass die Software meines Navis für Griechenland nicht besonders gut war. Da war eine schöne Asphaltstraße, auf der wir fuhren. Und plötzlich sagte das Navi:  Fahren Sie bitte rechts. Ich sah eine elende Schotterpiste, die über die Berge führte – die wohl kürzer war – aber offensichtlich nur aus der Perspektive des Satelliten der schnellere Weg. Und ich sagte laut: „Niemals – dort fahre ich nicht entlang.“

Es gibt in unserer Zeit und Welt viele Stimmen, die uns führen wollen. Auch viele religiöse Stimmen melden sich zu Wort. Aber der Glaube braucht immer noch das nüchterne Denken und Prüfen als Korrektiv.

Darum sagt uns die Bibel: 1.Thess 5,21 „Prüft aber alles und das Gute behaltet.“  Und andererseits dürfen wir auch Gott darum bitten, das er unser Denken, unsere Entscheidungen, unsere Motive prüft: PS 139,23+24 „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich's meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.“

7. Irgendwie  ist mir eine Taste bei meinem Navi besonders lieb geworden. Wenn  ich irgendwo in einer Großstadt bin und nicht richtig weiß – wie komme ich hier wieder heraus, dann freue ich mich, wenn ich in das Navi eingeben kann: „Nach Hause“. Mein Navi merkt sich die Ziele, die ich einmal eingegeben habe. Und damit die Liste nicht unübersichtlich wird, muss ich ab und zu meinem Navi den Befehle eingeben: „Liste löschen“. Dann sind die bisherigen Ziele mit einem Schlag alle weg. Aber ein Ziel bleibt immer drin: „Nach Hause“.

Es gibt in jedem Menschen – manchmal ganz unten und tief verborgen – diese Taste. Die Bestimmung meines Lebens liegt nicht bei mir selbst, nicht in dieser Welt, nicht in diesem Leben – sondern bei Gott. Der 1. Petrus-Brief spricht vom Ziel des Glaubens. „Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.“

Petrus meint mit diesem Ziel des Glaubens und Lebens Jesus Christus. Bei IHM, der für uns sein Leben gab und für uns den Tod überwunden hat – bei IHM sollen wir am Ende ankommen. Wer bei Jesus ist, der hat das Leben – das Leben, das ewig ist. Und mit IHM sollen wir heute leben.

 

Was sagt das Navi am Ende der Fahrt?       „Sie haben ihr Ziel erreicht.“

Werden wir diesen Satz von Gott  am Ende unserer Lebensfahrt hören? Ich wünsche es uns allen.

Und der lebendige Gott erinnere uns daran und helfe uns dabei immer wieder durch Jesus Christus unseren Herrn.      Amen

 




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