Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Als ich ein kleiner Junge war, spielte ich oft mit der Eisenbahn. Mein Vater baute mir immer in der Weihnachtszeit eine kleine  H0-Anlage auf.  Die Eisenbahnanlage hatte 3 verschiedene Kreise. Je nachdem, in welche Richtung ich meinen Zug schicken wollte, musste ich die Weichen stellen. Neben dem Rad mit der Geschwindigkeitsregulierung faszinierten mich immer  die Knöpfe, welche die Weichen stellten. Einmal fuhr mein Zug über den Bahnhof, einmal durch einen Tunnel in die Stadt und ein andermal über die Berge.

Später fuhr ich selbst in einem Zug. Viele Stunden verbrachte ich als Lehrling und dann als Student in Zügen, die über ungezählte Weichen fuhren. Hier stellte nicht ich die Weichen, sondern Menschen, die bei der Deutschen Reichsbahn beschäftigt waren. Nie habe ich mein Ziel verfehlt. Immer bin ich am richtigen Bahnhof angekommen, weil die Weichen richtig programmiert waren. Die Weichenstellungen ergaben sich vom Ziel her.

So ist das wohl auch in unserem Leben. Manche Weichenstellungen habe ich selbst mit beeinflusst.  Bei vielen Weichenstellungen haben, so muss ich im Rückblick konstatieren, andere Menschen, Situationen, Vorgaben und über allem auch Gott eine Rolle gespielt.

Darum sind mir Weichenstellungen etwas Wichtiges geworden. Eine Weiche ist zunächst eine scheinbar kleine und oft unbedeutende Entscheidung die ansteht. Man „fährt“  auf „seiner Schiene“ so dahin, hat sich daran gewöhnt, dass es immer schnell und in sicheren Bahnen vorwärtsgeht und dann plötzlich soll man entscheiden ob rechts oder links die Fahrt fortgesetzt werden soll. Die Schiene gabelt sich in zwei Schienen - dazwischen die Weiche entscheidet - wohin die Reise geht.  

Der Weg, den eine Weiche zurücklegt, ist gering und oft vernachlässigbar. Man ahnt momentan nichts von der Tragweite, die sich daraus ergibt. Man sieht noch nicht den Weg, der sich rechts oder links anschließt. Die Endpunkte können jedoch unglaublich weit  auseinanderliegen. Eine kleine Weichenstellung, die am Anfang nur einige Zentimeter Unterschied beträgt, kann am Ende zu total unterschiedlichen Ergebnissen führen.

Diese Gedanken bewegten mich, als wir von unserer Reise heimgekehrt waren. Wir waren vom 10. – 16. Oktober 2011 mit einer Gruppe von 19 Personen in der Türkei unterwegs. Diese Reise war als ein Weiterbildungsangebot für Pfarrerinnen und Pfarrer geplant. Daraus entstand eine Studienreise für kirchliche Mitarbeiter und Gemeindeglieder. Unser Thema lautete  „Die Konzile der alten Kirche“.

Ein Konzil ist eine Versammlung der Kirche, um wichtige Beschlüsse zu fassen. Das Wort concilium kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Rat“ oder  „Zusammenkunft“. Man setzte sich zusammen, um Meinungen und Ansichten zusammenzubringen (concilo). Synonym verwendet man auch das Wort Synode. Dieses Wort hat im Griechischen seinen Ursprung. Synode (σύνοδος, sýnodos)  bedeutet „Zusammenkunft“, „gemeinsamer Weg“. Man kam zusammen, um einen gemeinsamen Weg zu suchen.

Vom ersten Konzil oder der ersten Synode lesen wir bereits in der Bibel (Apg 15). Die Apostel kamen in Jerusalem zusammen, um inmitten der unterschiedlichen Auffassungen nach einem gemeinsamen Weg zu suchen. Später folgten in der Kirchengeschichte unzählige Synoden und Konzile. Bis heute finden sie statt. In der sächsischen Landeskirche gibt es turnusmäßig eine jährliche Frühjahrs- und eine Herbstsynode.

Als  ökumenische Konzile bezeichnet man aber nur 7 Zusammenkünfte - und zwar: Das Erste Konzil von Nicäa (325), das 1. Konzil von Konstantinopel (381), das Konzil von Ephesos (431), das Konzil von Chalcedon (451),  das 2. Konzil von Konstantinopel (553), das  3. Konzil von Konstantinopel (680/681) und schließlich das  2. Konzil von Nicäa (787).

Wir besuchten alle diese Orte, in denen die ersten 7 ökumenischen Konzile stattfanden. Unser Besuchsprogramm wurde  durch dogmengeschichtliche Vorträge von Pfarrer Zemmrich i.R. ergänzt und bereichert. Sehr schnell begriffen wir, dass in diesem Ringen der frühen Kirche entscheidende Weichenstellungen für den ganzen Weg der Kirche Jesu Christi stattfanden.

Über manche Weichenstellungen von damals kann man heute anders denken. Dennoch haben sie, ob bewusst oder unbewusst, entscheidend unsere Art zu Glauben geprägt und mitbestimmt. Wir bewegen uns heute, ob wir wollen oder nicht, auf den Schienen der Weichenstellungen von damals. Auch wenn man heute manche Entscheidungen der Kirchenväter schwer oder gar nicht nachvollziehen kann, so gehören sie dennoch zu unserer Geschichte. Darum waren korrigierende Weichenstellungen in späterer Zeit nötig, legitim und hilfreich. Und auch, wenn man die gedanklichen Ausgangspositionen von damals schwer oder überhaupt nicht versteht, hat Gott trotzdem über allem seine Hand gehalten - ja seine Kirche auch über Irrtümer hinweg weitergeführt. Die frühe Kirche musste einen Weg des Christusglaubens zwischen Judentum und griechischer Philosophie finden. Der Glaube entdeckt, dass über allem Menschlichen und auch über allem Versagen hinweg, Gott mit seiner Kirche einen Weg gegangen ist.  

In seiner Einleitung zu den Vorträgen über die altkirchlichen Konzile sagte Pfarrer i.R. Zemmrich: „In diesen Tagen erwarten uns nicht nur einzigartige Reiseeindrücke, sondern wir werden auch dazu angeregt, ein wenig das nachzuvollziehen, was an theologischem Ringen die ersten Jahrhunderte christlicher  Zeitrechnung beherrschte: Die Frage nach dem  innersten Kern des Christus-Geheimnisses. Generationen sind darüber hingegangen. Menschen haben sich mit einer Leidenschaft für Gedankengebäude eingesetzt, haben sogar Flucht und Verbannung auf sich genommen, die wir heute nur schwer nachvollziehen können. Ebenso die Tatsache, dass sich nicht nur weltliche Herrscher, sondern sogar die allgemeine Bevölkerung damit beschäftigt haben, mitgestritten haben, auf die Barrikaden gegangen sind. Als Hintergrund dieser Auseinandersetzungen, die eben auch zu den berühmten "Zusammensetzungen“, den Konzilien, geführt haben, sind einmal Botschaft und Gottes- wie Menschenbild der Bibel, zum anderen die verschiedenen philosophischen Weltanschauungen der Antike, in deren Lebens- und Denkräumen die Botschaft der Kirche sich zu behaupten hatte.



Nach einem Flug von Nürnberg nach Istanbul begann unser Besichtigungs- und Arbeitsprogramm am Dienstag, dem 11.Oktober. Gebucht war unsere Reise bei dem Reiseunternehmen „Tour-mit-Schanz“ in Wildberg. Organsiert  war die Fahrt von Oktogon-Reisen in Istanbul.  Sehr sachkundig, engagiert, umsichtig und freundlich begleitete und führte uns Ahmet Kolsal in diesen Tagen. Ich kannte ihn bereits von einer Reise auf den Spuren des Apostel Paulus von Antiochien  bis nach Milet und freute mich auf die Begegnung.

Der Auftakt unserer  Reise fand im ökumenischen Patriarchat statt.  In der Georgskirche, der Kathedrale des Ökumenischen Patriarchen, trafen wir den Erzpriester und Pressesprecher des Patriarchen, Dositheos Anagnostopolous. Es war eine hochinteressante Begegnung.

 

Er verbrachte seine Kindheit und Jugend hier in Istanbul, ging dann nach Deutschland und arbeitete 30 Jahre in der Forschungsabteilung eines hessischen Chemiekonzerns und ging nach seiner  Pensionierung zurück in die Heimat und stellte sich dem Patriarchen zur Verfügung. Dieser machte ihn zum Pressesprecher und weihte ihn  2004 zum Priester. Ein ungewöhnlicher Weg ins Priesteramt. Zweieinhalb Jahre  ging er eigenen Angaben zufolge samstags und sonntags  zu einem alten Pfarrer und lernte dort die Messe. Dann wurde er ohne theologische Ausbildung zum Diakon und schließlich zum Priester geweiht. Immerhin - auch über so eine alte und ehrwürdige Kirche, wie der orthodoxen, kann man nur staunend sagen: „Und sie bewegt sich doch (noch)“.  Über Dositheos las ich eine zutreffende Charakterisierung, die wir nur bestätigen konnten: „Der agile Rentner mit den fröhlich blitzenden Augen und dem graumelierten Bart ist ein Spätberufener.“ 

Dositheos erzählte uns von dem komplizierten Verhältnis  seiner Kirche zum Staat. Immernoch ist seine Kirche nicht vom Staat als Kirche anerkannt. Immernoch ist das Priesterseminar auf der Insel Halki geschlossen. Dennoch berichtete er von hoffnungsvollen Entwicklungen unter Ministerpräsidenten Erdogan. In vielen Dingen fühlte ich mich an DDR-Zeiten erinnert.

Die orthodoxe Kirche in Istanbul lebt in einer schwierigen Situation. Auch davon erzählte Dositheos. 58 Kirchen müssen in Istanbul von 30 Pfarrern betreut werden. Die Gemeinden sind allesamt klein und überaltert. Im Bewusstsein der orthodoxen Welt ist jedoch Konstantinopel immernoch das geistliche Zentrum der Orthodoxie. Der Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I. ist das Ehrenoberhaupt der 14 selbstständigen (autokephalen) orthodoxen Kirchen. Man schätzt weltweit 300 Millionen orthodoxe Christen. Zur Kirche von Konstantinopel gehören 9 Millionen Christen in der Türkei, Nordgriechenland, Kreta und einigen Ägäischen Inseln. In der Türkei sind davon allerdings nur noch 2000 Orthodoxe beheimatet - eine verschwindende Minderheit. 

Wir setzten nach anderthalb Stunden unsere Erkundungen in Istanbul, dem alten Konstantinopel, fort.  Zunächst besichtigten wir das Gelände des früheren Hippodroms. Hier in der antiken Pferderennbahn fanden 100.000 Zuschauer Platz. Ähnlich  dem Vorbild des Circus Maximus in Rom lag die Rennbahn in unmittelbarer Nähe des kaiserlichen Palastes. Auf dem Gelände des ehemaligen kaiserlichen Palastes steht heute die Blaue Moschee. Die Spina, die Mittelachse eines Hippodroms, um welche die Pferderennwagen fuhren, war mit vielen Kunstschätzen geziert.  Zwei davon kann man heute noch an Ort und Stelle bewundern: Die Schlangensäule aus Delphi und der Obelisk aus Karnak in Ägypten.

Als Kaiser Konstantin I. im Jahre  324 beschloss, den Regierungssitz von Rom nach Byzanz zu verlegen, war eine für das Imperium Romanum tiefgreifende Entscheidung und Veränderung getroffen. Das alte Rom sank dahin. Ein neues Rom erblühte.  Konstantin nannte die neue Hauptstadt Constantinopolis, „Stadt Konstantins“.  Die offizielle Einweihung fand am 11. Mai 330 statt. Unter Konstantin erfuhr „seine“ Stadt eine bedeutende Erweiterung ihres Areals und wurde mit einigen neuen Bauten versehen.  Dazu zählte  auch der Neubau der Pferderennbahn.

Unsere Besichtigungstour führte uns weiter in die Blaue Moschee. Eigentlich trägt die Moschee den Namen Sultan-Ahmed-Moschee. Aber aufgrund ihrer vielen blauen Fliesen aus Iznik nennt man sie auch die Blaue Moschee. Sie wurde im 17. Jahrhundert errichtet und ist heute Istanbuls Hauptmoschee. Obgleich sie ein Hauptwerk osmanischer Architektur darstellt (viele Moscheen sind in ähnlicher Kuppelbauweise errichtet), lässt sich nur unschwer erkennen, dass die Hagia Sophia Pate gestanden hat.

Nur zirka 500 Meter von der Blauen Moschee entfernt erhebt sich die Hagia Sophia aus dem 6. Jahrhundert. Sie ist eine der ungewöhnlichsten Bauwerke der Welt. Die jetzige  Kirche ist die dritte an gleicher Stelle. Die beiden Vorgänger-Sophien-Kirchen gingen auf Konstantin den Großen und Theodosius zurück. Die jetzige  Hagia Sophia wurde in nur 6 Jahren unter Justinian errichtet. Zwei Gruppen von je 5000 Arbeitern konkurrierten beim Bau miteinander. Die eine Bauabteilung wurde von Anthemius von Tralles, die andere von Isidorus von Milet geleitet. Am 27. Dezember 537 wurde der Rohbau der Kirche eingeweiht. Schon damals muss das Raumerlebnis überwältigend gewesen sein. Bis heute ist die Hagia Sophia die 4. größte Kirche der Welt. Wenn man bedenkt, dass dieser Bau aus dem 6. Jahrhundert stammt, dann kann man etwas von der  ingenieurtechnischen Leistung von damals erahnen. Bis jetzt hat die Hagia Sophia jedes Erdbeben überstanden.  Der Legende nach brannten dem Kaiser Justinian bei der Einweihung die Gefühle durch. Er soll mit seinem Triumphwagen vorgefahren, durch das Kaisertor geschritten sein, Gott gedankt und ausgerufen haben: „Ruhm und Ehre dem Allerhöchsten, der mich für würdig hielt, ein solches Werk zu vollenden. Salomo, ich habe Dich übertroffen.“

Durch den Kuppelbau schuf man einen beeindruckenden Raum. In 56 Metern Höhe schwebt scheinbar die Kuppel mit einem Durchmesser von 32 Metern über dem Boden. Wir betraten das ehemalige Gotteshaus durch die Kaisertür. Kommt man in den Hauptraum, so wird man gefangen genommen von der Weite des Raums.



Zunächst besichtigten wir das Kirchenschiff. Die Kirche ist eine 3-schiffige Kuppelbasilika. Sie war mit herrlichen Säulen verzieht. Die fein gearbeiteten Kapitele beeindrucken heute noch. An manchen Stellen sind noch Marmorverzierungen an den Wänden und Gold-Mosaik-Arbeiten in den Gewölben zu bewundern. Durch geschickte Bauweise entstehen im Raum keine toten Ecken. Fast 1000 Jahre lang war sie die Hauptkirche in Byzanz. Hier wurden die byzantinischen Kaiser gekrönt. Die Krönungsstelle kann man heute noch besichtigen. Sie befindet sich vor der Apsis der Kirche und ist durch besondere Marmoreinlegarbeiten auf dem Fußboden markiert.

Nach der Führung im Kirchenschiff gingen wir über die Rampe auf die Empore. Von der Empore der Kaiserin hat man einen faszinierenden Blick  in den Kirchenraum. Hier, gewissermaßen im 1. Stock der Kirche, befinden sich noch herrliche Mosaiken. Mich hat besonders die Deesis-Darstellung aus dem 13.-14. Jahrhundert beeindruckt. Zunächst meint man ein Fresko vor sich zu haben - dann aber bei genauerer Betrachtung entpuppt sich die Wandgestaltung in der Südgalerie als ein Mosaik.



Wie damals üblich, wurde für die Kirche nicht alles neu  hergestellt. Das wäre auch in so kurzer Zeit nicht möglich gewesen. Man praktizierte schon seinerzeit eine Art Recycling. So wurden z.B. Granitsäulen aus dem Hafengymnasium von Ephesus, Säulen aus dem Apollo-Tempel in Baalbek, Marmorplatten von den Marmara-Inseln und Porphyr-Platten aus Ägypten  verwendet. Wir verließen die Kirche durch das bronzene Tor, das von einem Tempel in Tarsus stammte. Vielleicht hat der Apostel Paulus dieses Tor gekannt.

Nach so vielen Eindrücken war es Zeit zum Mittagessen. Wir fanden ein kleines Restaurant in der Nähe der Hagia Sophia. Dann fuhren wir mit dem Linienschiff über den Bosporus. Wir wollten in dem ehemaligen Chalcedon die Euphemia-Kirche besuchen.  Das vierte ökumenische Konzil fand vom 8. Oktober bis zum 1. November 451 in der Euphemia-Kirche statt. Euphemia,  die Tochter eines Senators in Konstantinopel, gab in der Diokletianischen Christenverfolgung ihr Leben für den Glauben. Über ihrem Grab wurde im 4. Jahrhundert eine prächtige Basilika erbaut, in der 451 das 4. ökumenische Konzil stattfand. Wohl waren wir an diesem Ort, nicht aber in der Euphemia-Kirche bzw. nur im Vorraum. Die heutige Kirche steht auf den Resten der Konzilskirche. Leider konnten wir diese Kirche nicht besuchen, da die Wächter uns nicht hineinließen. Wir waren sehr enttäuscht. Dann fuhren wir wieder mit dem Schiff zurück, besuchten  den ägyptischen Basar und ließen es uns in einer Gaststätte im Fischrestaurantviertel das Abendbrot munden.

Wir hatten den ganzen Tag einen schönen Ort für die Andacht gesucht. Das ist jedoch in einer Stadt schwer möglich. So kamen wir am Abend noch einmal im Konferenzraum des Hotels zusammen. Lothar Gratowski hielt uns die Andacht über göttliche Weisheit (Jak 3,17). Bezugnehmend auf unseren Besuch der Hagia Sophia nahm er uns mit auf den Weg der Weisheit in der philosophischen, alttestamentlichen und neutestamentlichen Akzentuierung bis hin zu ganz praktischer Bedeutung der Weisheit in unserem Leben als Christen.

Dann hatten wir an diesem Tag noch ein Arbeitspensum vor uns. Pfarrer Zemmrich i. R. hielt den ersten dogmengeschichtlichen Vortrag zu den ökumenischen Konzilien. Das  Thema des ersten Abends war das Konzil von Nicäa. Dem ging eine Einleitung zu den Konzilien voraus. Obwohl wir an diesem Tag schon viel gesehen und aufgenommen hatten, war es Dank der lebendigen Vortragweise und brillanten  Gedankenführung nicht schwer, den Aussagen von Pf.i.R. Zemmrich zu folgen.

Am Mittwoch, dem 12. Oktober mussten wir noch eine Besichtigung nachholen, die am Vortag nicht möglich war. Da am Dienstag der Topkapı-Palast geschlossen war, konnten wir auch nicht die Irenenkirche besichtigen, die sich



innerhalb des Palastes befindet. Bevor wir uns also auf dem Weg nach Iznik machten, besichtigten wir noch die Hagia Eirene Kirche in Konstantinopel. Dieses Gotteshaus wurde unter Konstantin I. im 4. Jahrhundert als erste Kirche Konstantinopels erbaut. Hier tagte 381 n. Chr. das Zweite Ökumenische Konzil. Sie war die Kirche des Patriarchats bevor die Hagia Sophia errichtet wurde. Wir waren froh, dass wir diese Kirche wenigstens von außen sehen konnten. Normalerweise ist sie nur für Konzerte geöffnet. Einigen aus unserer Gruppe ist es jedoch gelungen, einen Blick hinein zu werfen. Ich war  über die Größe dieser „Kirche des Göttlichen Friedens“ erstaunt. Im Vergleich  zur Hagia Sophia ist sie klein. Doch als wir vor dieser Kirche standen, schätzte ich, dass die Heilige Dreifaltigkeitskirche in Crottendorf mindestens 2-3 Mal darin Platz finden würde.

Ahmet führte uns in einen Hinterhof, in denen Ausgrabungen vom Bischofspalast zu sehen sind. Er erinnerte uns dabei an Johannes Chrysostomos. Er war Erzbischof von Konstantinopel - das bedeutet, dass er in jenem Bischofspalast gelebt hat.  Johannes gilt als einer der größten christlichen Prediger. Im 6. Jahrhundert bekam er den Namen Chrysostomos „Goldmund“. In der orthodoxen Kirche wird er zusammen mit Basilius dem Großen und Gregor von Nazianz hoch verehrt. Im Jahre 2004 kamen seine Gebeine zusammen mit denen von Gregor von Nazianz (dem Theologen) zurück nach Konstantinopel. Der damalige Papst Johannes Paul II. hatte sie Bartholomäus I. zurückgegeben. Diese Geste erregte seinerzeit großes Aufsehen. Heute werden die Reliquien in der Georgskirche  aufbewahrt.

Dann setzten wir unsere Reise an einen weiteren wichtigen Konzilsort fort. Nicäa lautete das Ziel. Wir fuhren auf der Hängebrücke, die die europäische mit



der asiatischen Seite verbindet, über den Bosporus. Anschließend benutzten wir eine Fähre über das Marmarameer, um viele Kilometer Autobahn abzukürzen.

Nicea, das heutige Iznik, liegt am Ostufer des Iznik-Sees. Er ist der fünftgrößte See der Türkei und der größte in der Marmararegion. In der Antike wurde er Askania genannt. Dort hatten die Kaiser eine Sommerresidenz und dort fand das erste und siebente ökumenische Konzil statt. Heute ist Iznik ein kleines unbedeutendes Provinzstädtchen. Gut erhalten sind die antike Stadtmauer und die Sophienkirche aus dem 4. Jahrhundert.

Nach der Ankunft in Iznik stärkten wir uns zunächst in einem kleinen Restaurant neben der  Hagia Sophia. Dann besichtigten wir diese Kirche, in der das 7. Konzil stattfand. Die Kirche liegt in einem sehr schön gepflegten Park. Anschließend besuchten wir das Osttor und Teile der Stadtmauer. Leider ist vom Kaiserpalast, in dem das 1. Konzil stattfand, so gut wie nichts mehr zu sehen. Er lag  direkt am See und soll im See versunken sein. Wir besuchten den Ort, an dem der Palast und damit der Austragungsort des 1. Konzils vermutet werden. Gudrun Neubert hielt uns  hier die Andacht über  Hebräer 4,14. Es bewegte uns alle sehr, als wir hier gemeinsam das Glaubensbekenntnis von Nicäa beteten.

Das letzte Ziel an diesem Tag lautete Bursa. Bursa ist heute die 4.größte Stadt in der Türkei. Dank der heißen Thermalquelle war dieser Ort in römischer Zeit ein Nobelbadeort und später die erste Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Wir besuchten zunächst die Grüne Moschee, bummelten dann in einer ehemaligen Karawanserei etwas durch die Geschäfte. Da Bursa heute ein Zentrum der Seidenindustrie ist, ließen es sich einige nicht nehmen, Seidentücher und Krawatten zu kaufen. Schließlich bezogen wir unser Nachtquartier. Dem 5-Sterne-Hotel war ein Hamam (türkisches Bad) angeschlossen. Dort relaxten wir vor dem fürstlichen Abendessen. Und dann ging es noch einmal an die Arbeit. Wir hörten in dem Vortrag von Pfarrer Zemmrich über die christologischen Auseinandersetzungen der Konzile in Konstantinopel (381) und Ephesus (431).

 

Am Donnerstag, dem 13. Oktober ging es mit dem Bus wieder  vom Landesinneren an die Küste der Ägäis. Unser einziger Programmpunkt an diesem Tag lautete Troja. Von Bursa aus führte unsere Route entlang des Marmarmeeres und den  Dardanellen nach Canakale.

Schon als kleiner Junge hörte ich durch meinen Vater von Troja. Er las begeistert in den Büchern von Schliemann. Das hat sich wohl auf mich übertragen und mein Interesse für historische und archäologische Zusammenhänge geweckt. Nun endlich bekam ich zu Gesicht, wovon ich schon lange träumte.

Wohl war mir Troja seit eh und je ein Begriff.  Aber ich machte mir nicht klar, dass Troja an einer strategisch wichtigen Stelle lag. Troja befindet sich an den Dardanellen und kontrollierte seit der Bronzezeit den Zugang zum Schwarzen Meer. Aus dem Kaspischen Meer kamen die Getreideschiffe hier vorbei, um nach Mykene weiterzufahren. Vielleicht haben die Trojaner irgendwann einmal die Zollgebühren überzogen. Es kam zum Trojanischen Krieg.

Troja war  untergegangen, bis Schliemann auf dem Hügel Hisarlık diesen sagenumwobenen Ort wiederfand. Das Geniale dabei war, er glaubte den Schriften Homers und folgte seiner Beschreibung des Ortes und wurde so fündig. Zwar war der Schatz, den er fand nicht der Schatz des Priamos – aber



von solch einem Depotfund träumt jeder Archäologe. Schliemann schrieb in  seinen Trojanische Altertümern:  „Hinter der letztern [Mauer] legte ich in 8 bis 9 Meter Tiefe die vom Skaeischen Thor weiter gehende trojanische Ringmauer bloss und stiess beim Weitergraben auf dieser Mauer und unmittelbar neben dem Hause des Priamos auf einen grossen kupfernen Gegenstand höchst merkwürdiger Form, der um so mehr meine Aufmerksamkeit auf sich zog, als ich hinter demselben Gold zu bemerken glaubte. Auf dem kupfernen Gegenstand ruhte eine 1 ½ bis 1 ¾ Meter dicke steinfeste Schicht von rother Asche und calcinirten Trümmern, auf welcher die vorerwähnte 1 Meter 80 Centimeter dicke, 6 Meter hohe Festungsmauer lastete, die aus grossen Steinen und Erde bestand und aus der ersten Zeit nach der Zerstörung Trojas stammen muss. Um den Schatz der Habsucht meiner Arbeiter zu entziehen und ihn für die Wissenschaft zu retten, war die allergrösste Eile nöthig, und, obgleich es noch nicht Frühstückszeit war, so liess ich doch sogleich „païdos“ (...) ausrufen, und während meine Arbeiter assen und ausruhten, schnitt ich den Schatz mit einem grossen Messer heraus, was nicht ohne die allergrösste Kraftanstrengung und die furchtbarste Lebensgefahr möglich war, denn die grosse Festungsmauer, welche ich zu untergraben hatte, drohte jeden Augenblick auf mich einzustürzen. Aber der Anblick so vieler Gegenstände, von denen jeder einzelne einen unermesslichen Werth für die Wissenschaft hat, machte mich tollkühn und ich dachte an keine Gefahr.“

Mitten im Ausgrabungsgelände, in einem kleinen Theater hielten wir unsere Andacht. Stephan Schmidt-Brücken nahm den Gedanken  der Eroberung Trojas durch einen Hinterhalt auf und erinnerte uns an den auf einem Esel in Jerusalem einziehenden Jesus und an seine ganz andere Art der Eroberung der Herzen. Auch war mir der Hinweis auf den Bedeutungswandel des Wortes Trojaner eindrücklich. Hier waren  die Trojaner diejenigen, die durch eine Hinterlist eingenommen wurden. Heute sind die Trojaner in der PC-Welt gefährliche Programme, die eindringen und Unheil anrichten.

Unser Hotel in Canakale lag direkt an den Dardanellen. Vor dem Abendbrot hatten wir noch Zeit an der Uferpromenade spazieren zu gehen. Nach dem Abendessen widmeten wir uns wieder dem Ringen der alten Kirche um den rechten Glauben. Wir beschäftigten uns mit Konzilen Chalcedon (451), Konstantinopel II (553), Konstantinopel III (680/1) und Nicäa II (787). Eigentlich war geplant, diese 4 Konzile an 2 Abenden zu behandeln. Als aber bekannt wurde, dass wir am nächsten Tag im Hotel keinen  Konferenzraum  haben würden, entschlossen wir uns, die letzten 4 ökumenischen Konzile an einem Abend zu behandeln. Dank der lebendigen und spannenden Art von Pfarrer Zemmrich, den schwierigen dogmatischen Stoff gebündelt vorzutragen, schafften wir das Pensum an diesem Tag. Diese Vorträge waren nicht nur wichtige Ergänzungen unserer Reise, sondern stellten den inhaltlichen Kern unserer Reise dar. Es verursacht mir immer einen leichten Rückenschauer, wenn man dann auch noch an den Orten des Geschehens steht und Spuren der Vergangenheit findet.

 

Ganz anders war der folgende Tag geartet. Wohl hatte er nicht direkt etwas mit dem Thema unserer Reise „Die Konzile der alten Kirche“ zu tun. Dennoch berührten wir Orte, an denen wichtige Weichenstellungen stattfanden. Am Freitag, dem 14. Oktober fuhren wir durch eine wunderschöne Landschaft entlang der ägäischen Küste nach Sünden und kamen zuerst nach Alexandria Troas. Hier hatte Paulus das Gesicht mit dem Mazedonischen Mann. Das war im Fortgang der Missionsreisen  eine entscheidende Weichenstellung, die Gott vornahm. Auf diesen Ruf hin hat Paulus Kleinasien verlassen und den Schritt nach Europa gewagt. So kam das Evangelium auch zu uns.

Zwar ist  von Alexandria Troas heute nicht mehr viel zu sehen. Vieles wartet noch auf den Spaten der Archäologen. Dennoch muss es einst eine bedeutsame Stadt gewesen sein, denn sie stand für Konstantin mit als neue Hauptstadt zur Auswahl. Wie wir wissen, entschied er sich dann für die Stadt am Bosporus. Hier hielten wir unsere Andacht – natürlich über die Geschichte mit dem Nachtgesicht des Paulus (Apg 16,9-10).

Dann setzten wir unsere Reise nach Assos fort. Auch hier ist Paulus gewesen. Auf seiner 3. Missionsreise wanderte er von Troas nach Assos, während seine Begleiter den Weg mit dem Schiff zurücklegten. Paulus scheint gern allein  gewandert zu sein. Von hier aus fuhren sie dann weiter nach Milet. Dort verabschiedete sich Paulus von den Ältesten von Ephesus.



Assos liegt an einem Berg, direkt am Meer. Der dorische Tempel der Athena befindet sich an der höchsten Stelle des Stadtberges und wurde um 530–520 v. Chr. errichtet. Von hier kann man die gegenüberliegende Insel Lesbos sehen. Im Stadtgebiet, an den Hängen zwischen Akropolis und Meer, sind heute noch die Agora mit auf zwei Seiten umgebenden Hallen, das Buleuterion, das Gymnasion, das Theater und eine römische Therme erhalten.



Nach der Besichtigung der antiken Stätten waren wir zum Mittagessen beim „Dynamitkoch“. Ahmet kennt ihn gut und kehrt mit seinen Reisegruppen immer hier ein. Schmunzelnd erzählte er mir die Geschichte, wie er eines Tages mit einer Gruppe  hier ankam und nach dem Chef des Restaurants fragte. Seine Frau antwortete ihm: „Er ist nicht hier, sondern im Gefängnis.“ Er hatte mit Dynamit Fische gefangen und das brachte ihm 2 Jahre Knast ein. Auf Bildern im Restaurant entdeckten wir, dass er dem Papst die Hand geschüttelt hat. Darauf angesprochen erzählte er stolz davon. Über die Dynamitgeschichte fragten wir ihn  lieber nicht aus.

Es ging weiter nach Pergamon. Einen Teil von Pergamon kannte ich schon seit langer Zeit – nämlich den sogenannten Pergamon-Altar in Berlin. In Pergamon erfuhren wir jedoch, dass dies nicht der einzigste Altar der Stadt war. Der Burgberg war neben dem königlichen Palast, der Bibliothek und den Wohnhäusern für den Kommandanten mit einer ganzen Reihe von Altären versehen. An höchster Stelle befand sich der Tempel für den Kaiser Trajan. Der Kaiserkult hatte sich von den Provinzen aus im Römischen Reich verbreitet. In Pergamon stand der Kaiser-Tempel  an höchster Stelle. Damit wollte Trajan und später Hadrian zeigen, dass sie von ihren Untertanen die höchste Verehrung erwarteten. 



Dann etwas tiefer gelegen stand der Athena-Tempel. Der Athena-Tempel ist das älteste Heiligtum in Pergamon. Wie der Parthenon in Athen war er im dorischen Stil erbaut. Leider kann man heute nicht mehr sehr viel davon sehen.  

Wiederum eine Terrasse tiefer gelegen erhob sich der Zeus-Tempel, den wir als Pergamon-Altar kennen. Als der deutsche Ingenieur Carl Human hier im Jahre 1871 die Arbeiten für den Bau einer Straße übernahm, fand er zufällig die Reliefs dieses berühmten Altares. Ein Bauer hatte Teile des Tempels auf seinem Fuhrwerk. Human erkannte die Bedeutung des Fundes und holte bei der Osmanischen Regierung die Erlaubnis für  Grabungen ein.  Innerhalb von vier Jahren fand er Marmorreliefs des Zeus-Altares. Die Reliefs zeigen die Kämpfe von Göttern und Giganten. Diese brachte er nach Berlin, wo sie restauriert und rekonstruiert wurden. In Pergamon sieht man heute nur noch die Fundamente des Altares.

Wir begannen, nachdem wir mit der Seilbahn nach oben gelangt waren, unseren Rundgang auf dem Burgberg an den Resten der ehemaligen Bibliothek. Jeder der sich mit der Überlieferung der Bibel beschäftigt, stößt auf diese Bibliothek. Sie war in der Antike weltberühmt. Mit 200000 Schriftrollen war sie die zweitgrößte Schriftensammlung der antiken Welt. Sie stand in Konkurrenz zur Bibliothek in Alexandrien. Als die Ägypter ein Ausfuhrverbot für Papyrus, dem damals gebräuchlichsten Schreibmaterial verhängten, musste Pergamon reagieren und erfand das Pergament. Wie sich schnell herausstellte, war Pergament viel haltbarer als Papyrus. So brachte ein Embargo der Menschheit einen Fortschritt.

Nachdem wir die Zisterne, die Tempel des Burgberges und das Theater besichtigt hatten, legten wir am Zeus-Tempel eine kleinen Gedenkpause ein und hörten hier das 3. Sendschreiben aus der Offenbarung.

Wieder ging ein reich gefüllter Tag zu Ende. Wir bezogen unser Hotel in der Stadt Bergama. Wohl hatten wir die wichtigsten Ausgrabungen des alten Pergamons gesehen - aber längst nicht alle. Vielleicht  ermutig das den einen oder anderen, noch einmal hierher zurück zu kommen, um privat seine Erkundungen fortzusetzen.

 

Ein letzter, intensiver Besichtigungstag stand uns bevor: Ephesus. Es war Samstag, der 15. Oktober. Am späten Vormittag erreichten wir nach einer längeren Busfahrt über Smyrna die Stadt des 3. Konzils. Hier schloss sich der Kreis. Wir begannen auf unserer Reise in den Städten der Konzile wie Konstantinopel, Chalcedon und Nicea. Dann verließen wir scheinbar das Thema unserer Reise und besuchten Orte, die wir aus der Bibel kennen - so z.B. Alexandria Troas, Assos und Pergamon. Nun kehrten wir in eine Stadt ein, die sowohl  biblische Anknüpfungspunkte aufzuweisen hat als auch Ort eines Konzils war.

Als erstes steuerten wir die Johannes-Basilika an. Ich war zum zweiten Mal hier in den Ruinen dieser Kirche. Schon beim ersten Besuch hatten mich die Reste dieses Kirchenbaus beeindruckt. Die Johannesbasilika wurde im 6. Jahrhundert unter Justinan gebaut und war nach der Hagia Sophia die zweitgrößte Kirche im Reich.

Unweit von hier haben Christen ein kleines Straßenkaffee. Wir kehrten bei Michael und Doris ein. Nach dem Essen erzählte Doris von ihrer Arbeit und ihrem Leben hier. Was wir von Doris hörten war ein Zeugnis und eine Ermutigung für den Glauben.

Dann fuhren wir zum Magnisischen Tor und begannen unseren Rundgang durch das alte Ephesus. Unser Weg führte uns  durch das Odeon, entlang der Kuretenstraße mit seinem Rathaus, dem Trajan-Brunnen, den Scholastika-Thermen und dem Hadrian-Brunnen. Die Kuretenstrasse läuft auf die Celsius Bibliothek zu. Hier verweilten wir einige Zeit. Dann setzten wir unsere Besichtigung über den Markplatz fort und gelangten schließlich ins Theater. Hier erinnerte uns Ahmet in lebendiger Weise an den Aufstand  der Silberschmiede, den uns die Apostelgeschichte (19) erzählt.



Schlussendlich besuchten wir die Marienkirche in der Nähe des Hafens. Sie war im Blick auf das Thema unserer Reise für uns von besonderem Interesse, denn hier fand das 3. Konzil statt. Ursprünglich war diese Kirche eine Markthalle und wurde zu einer dreischiffigen Basilika umgebaut. Das erklärt  das schmale und lange Gebäude. Diese Kirche war die erste Marienkirche der Welt. Es hat seinen Grund, dass das 3.Konzil hier in Ephesus stattfand. In Kleinasien  verehrte man seit alter Zeit  Muttergottheit. In Ephesus stand der Arthemistempel. Die Region war geradezu dazu angetan, hier eine Weiche in Richtung Mariologie zu stellen. Wohl ging es wie bei den ersten beiden Konzilien um die Frage, wer Jesus ist. Aber die Entscheidung, dass Maria „Gottesgebärerin“ sei, stellte sich später als eine Weichenstellung heraus, die weitere Entscheidungen (Mariendogmen) folgen ließen. Für uns evangelische Christen brachte hier die Reformation eine Kurskorrektur.

Ich war  2008 und 2009 schon einmal in Ephesus. Vieles hat sich seitdem hier verändert. Überall wird in der Türkei gebaut. Die Häuser schießen wie Pilze aus dem Boden. Oft nicht  zum Vorteil für die Natur und für das Auge. So waren  große Stadtteile von Selcuk neu entstanden, die es vor 2-3 Jahren noch nicht gab. Dies stellte ich  fest, als wir zu unserem Hotel in Kusadasi fuhren. Wir hatten noch etwas Zeit bis zum Abendbrot und genossen ein Bad in der Ägäis. Nach dem Abendessen feierten wir einen kleinen Gottesdienst. Dieter Bankmann hielt die Andacht über das Thema Anbetung Gottes. Wir hatten im Rückblick auf diese erlebnisreichen und gefüllten Tage allen Grund Gott von ganzem Herzen zu danken.



Am kommenden Tag, Sonntag, dem 16.Oktober, hieß es früh aufstehen. Wir fuhren mit dem Bus nach Smyrna und flogen von dort nach Istanbul.  In der alten Kaiserstadt hatten wir  einige Zeit Aufenthalt, bevor wir von hier den Rückflug nach Nürnberg antraten.

Es war für mich eine besondere Reise. Die Konzile der alten Kirche, auf denen um den rechten Glauben gerungen und in denen als Ergebnis ein Glaubensbekenntnis formuliert wurde, das wir heute noch beten, fanden allesamt in Kleinasien statt. Schon lange hegte ich den Wunsch, diese Orte zu besuchen. Die kirchen- und dogmengeschichtlichen Vorträge von Pf.i.R. Zemmrich vertieften die Studienreise zu den historischen Orten und gaben ihr inhaltliches Profil.  Als wir in Nicäa – dort am See, wo einst der Kaiserpalast stand und wo die erste Vorstufe des Nicäno-Konstantinopolitanums formuliert wurde – das Nicänum beteten, überkam mich eine große Freude darüber, dass ich glauben darf. Ich empfand den Glauben als ein großes Geschenk.  Der Judas-Brief spricht vom „allerheiligsten Glauben“ (Jud 20). Diese Formulierung erinnert mich immer an das Besondere unsere Glaubens. Es war für mich eine Reise, die mich des Glaubens neu vergewisserte und ich danke allen, die mit unterwegs  waren.

Friedrich Preißler




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