Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Konfirmation 2013

Predigttext: 

Folgt allein dem Herrn, eurem Gott, nach und achtet ihn. Gehorcht seinen Geboten und hört auf seine Stimme! Dient ihm und haltet euch an ihn!

5. Mose 13,5

 

Liebe Konfirmanden, liebe Eltern und Paten, liebe Gemeinde!

Eine Schulklasse hat Wandertag. Auf ihrem Weg durch die wunderschöne Landschaft sehen sie einen Mann an einem Aussichtspunkt sitzen und malen. Die Kinder laufen hin und schauen ihm über die Schultern und sind erstaunt über das, was da auf einem Blatt Papier entsteht. Cool und ernüchternd  erklärt ihnen der Mann: „Seht ihr, so muss man sich abplagen, wenn man seinen Fotoapparat vergessen hat.“

Wohl dem, der begabt ist und ein schönes Landschaftsbild aufs Papier zaubern kann. Ich könnte es nicht. Ich wäre aufgeschmissen, wenn ich meinen Fotoapparat vergessen hätte. Ich würde mich nach einer schönen Reise ärgern, wenn keine Bilder im Speicher wären. Also muss man vorher sorgfältig planen. Am besten man legt sich eine Check-Liste an, die man vor jeder Reise abarbeitet. Da ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man die wichtigsten Sachen im  Koffer hat.

Liebe Konfirmanden!

Als Illustration habe ich für diese Predigt einen Rucksack mitgebracht. Ich möchte mit Euch über eine wichtige Reise nachdenken - über unsere Lebensreise. Ein Stück dieser Reise habt ihr ja schon hinter Euch. Das merkt man z.B. daran, wenn ihr Euch bewerben müsst. Dann verlangt man bei den Unterlagen einen Lebenslauf. Man schreibt also auf, wie das Leben bisher verlaufen ist.

Dabei hält man sich zunächst gedanklich bei dem auf, was hinter einem liegt. Wir betrachten die Wegstrecke, die man bisher geschafft hat. Einen Lebenslauf schreibt man aber nicht nur der Vergangenheit wegen. Vor allem schreibt man einen Lebenslauf, um Zukunft zu gestalten und um gute Weichen für das Morgen zu stellen.

Bei einer Wanderung ist es ähnlich. Man muss ebenso nach vorn schauen und vorausdenken. Man muss planen und überlegen: Was will ich erreichen, wo will ich hin, was muss ich mitnehmen? Man muss vorausschauend denken.

Also habe ich mir einen Rucksack gepackt und mir überlegt: Was könnten wir auf unserer Lebensreise mitnehmen? Verschiedene Dinge habe ich dazu auf meine Checkliste geschrieben. Ich möchte jetzt meinen Rucksack auspacken.

1. Als erstes habe ich da natürlich meinen Fotoapparat eingepackt. Vielleicht kommt jetzt der Einwand – naja, das allerwichtigste ist ja ein Fotoapparat nun wirklich nicht. Dem stimme ich zu. Zu allererst wird man vielleicht an die Verpflegung denken.

Aber  wir Menschen sind nicht nur materielle Wesen. Jesus sagt: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Wir sind auch geistige und geistliche Wesen. Wir können auch denken, lieben und vertrauen. Wir können schon vor dem Beginn einer Bergtour den Gedanken denken: Was ist, wenn ich wieder da bin? Dann wünsche ich mir Anhaltspunkte für meine Erinnerungen: Ansichtskarten, Tagebuchaufzeichnungen, eigene Bilder, Dokumente usw. Also muss ich vor der Reise Vorkehrungen treffen, dass ich dann etwas in Händen halte.

Freilich man kann und darf eine Reise nicht 1:1 dokumentieren. Das macht man mit Bildern auch nicht. Mit einem Bild hält man lediglich einen Augenblick fest. Vieles fehlt bei einem Bild: die Gerüche, die Atmosphäre, der Augenblick zuvor und danach. Und dennoch ist ein Bild eine Art Anker in der Zeit. Ein Bild ruft Erinnerungen wach. Und in unseren Gedanken kommt zu der nackten Erinnerung mehr dazu.

Für unseren Glauben halte ich Erinnerungen ebenso wichtig. Immer wieder erinnert uns die Bibel an das, was Jesus für uns getan hat. Sein Opfer, das ER aus Liebe zu uns am Kreuz vollbracht hat, ist grundlegend für unser Leben. Darum muss man immer wieder das Kreuz Jesu betrachten. Es bringt die Liebe Gottes in unser Herz und es motiviert zum Leben im Glauben.

Um noch etwas geht es im Glaubensleben bei den Erinnerungen. Man stelle sich das Wort „Erinnerung“ geschrieben vor und füge zwischen der Vorsilbe, dem Stamm und der Endung einen kleinen Bindestrich ein, dann bekommen wir einen Hinweis, um was es bei den Erinnerungen noch geht. ER-inner-ung.

ER, Jesus Christus, will bei uns nach innen kommen. Jesus will in unserem Leben wohnen. Er will uns begleiten. Er will mit uns im Gespräch bleiben. Er will unser Leben prägen und führen. „Christus in uns“ – der Apostel Paulus schreibt viel von dieser wunderbaren Erfahrung im Glauben.

Liebe Konfirmanden, Ihr tretet Eure Lebensreise nicht allein an. Jesus Christus will bei Euch sein. Nehmt ihn bewusst mit. Sucht IHN und seine Nähe. Ihr werdet mit diesem Herrn Wunderbares erleben.

2. Jetzt kommt das, was wir alle vielleicht als erstes erwartet haben - die Verpflegung: Essen und Trinken. Na klar - das muss sein.

Wenn man einen oder gar mehrere Tage in den Alpen unterwegs ist und meinetwegen von Hütte zu Hütte wandert, kommt man unterwegs an keinem Kiosk oder Gaststätte vorbei. Man muss für diese Tour die Verpflegung einpacken.

Nichts ist selbstverständlicher als das. Wenn man eine Wanderung unternimmt, braucht man Kraft. Und wer Kraft verbraucht, muss neue Energie tanken. Und außerdem ist es schön, wenn man an schönen Aussichtspunkten rastet und mit der Gruppe gemeinsam eine Mahlzeit einnimmt.

Wir haben das manchmal so gemacht, dass wir eine Decke ausgebreitet haben, jeder hat dann seine Leckereien in die Mitte gelegt und jeder konnte sich von allem bedienen. So wird  nicht nur unser Körper gestärkt, sondern und auch die Seele und auch die Gemeinschaft.

Auch für die Wanderschaft des Glaubens haben wir immer wieder Stärkung nötig. Dazu hat uns Jesus etwas Wunderbares geschenkt. Als er das letzte Mal mit seinen Jüngern das Passahmahl in Jerusalem feierte, hat er für uns Christen das Abendmahl eingesetzt. Über dem Brot und dem Wein spricht ER: Das bin ich. So geben ich mich für Euch: Mein Leib mein Blut. Mein ganzes Opfer, meine ganze Liebe, mein ganzes Leben schenke ich Euch. Nehmt es auf - mit Leib, Seele und Geist. Darin schenke ich Euch geistliches Leben. Ihr werden merken, dass das Euch Kraft schenkt und zugleich die Gemeinschaft mit Jesus und untereinander festigt.

Man sagt: Die Taufe ist das Sakrament des Anfangs – das Hl. Abendmahl ist das Sakrament des Weges. So wie wir für unseren Körper Essen und Trinken brauchen, so brauchen wir für unseren Glauben das Mahl des Herrn. Darum will ich nicht nur Euch, liebe Konfirmanden, sondern alle, die im Glauben an unseren Herrn unterwegs sind und geistlich wachsen wollen, zum Tisch des Herrn einladen. Kommt, denn es ist alles bereit.

3. Nun halte ich eine Karte und einen Kompass in meinen Händen. Diese beiden Dinge habe ich als nächstes in meinen Rucksack eingepackt.

Unsere Wanderung führt uns in unbekanntes Terrain. Wir sind neugierig und etwas unsicher zugleich. Wird alles gut gehen? Werden wir den richtigen Weg finden? Wird der Weg auch nicht zu gefährlich? Das wäre schlimm, wenn wir an irgendeinen Punkt nicht weiter könnten und umkehren müssten. Dann schaffen wir unsere Tour nicht in der zur Verfügung stehenden Zeit. Und nichts ist schlimmer, als wenn es dunkel wird und man immer noch in einem unbekannten Gelände unterwegs ist.

Also muss man sich vorher gut informieren, die Wanderkarte gründlich lesen und unterwegs immer einmal die Anhaltspunkte im Gelände mit der Karte vergleichen. Mir ist es einmal bei einer Bergtour in den Dolomiten so ergangen.

Ich meinte, eine bequeme und leichte Halbtagestour gefunden zu haben. Am Anfang sah es auch so aus. Wir waren mit der Seilbahn auf den Berg gefahren und dann ging es immer leicht bergab. Aber ich hatte die Höhenlinien nicht richtig gelesen. Und dann ging es auf dem Rückweg so steil nach oben, dass wir viel Zeit brauchten und die letzte Bahn verpassten. So mussten wir im Dunklen den Weg zur Talstation suchen. Das war überhaupt nicht lustig.

Auch unsere Lebensreise geht immer in unbekanntes Terrain. Jeden Tag betreten wir Neuland. Keiner von uns weiß, was der heutige und der nächste Tag bringt.

Die Tatsache, dass viele Tage ähnlich verlaufen, darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass plötzlich alles anders werden kann. Wir brauchen auf unserer Lebensreise Orientierung. Was sollen wir tun? Was sollen wir lassen? Wie entscheiden wir uns in bestimmten Situationen richtig?

Dazu lädt uns Gott ein, sein Wort zu lesen. Durch sein Wort will Er zu uns reden. Er will unsere Gedanken formen und uns Antworten auf unsere Fragen geben. Die Bibel sagt es uns selbst, was Gott mit uns vorhat. Z.B. lesen wir in Micha 6,8

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

Das wäre schon allerhand, wenn wir uns danach richten würden: Gottes Wort zu halten und Liebe üben und demütig sein vor Gott. Mit dieser Grundhaltung würden wir schon sehr weit kommen. Aber Gott sagt uns in seinem Wort noch viel, viel mehr. Es ist darum spannend und wichtig, täglich Orientierung in Gottes Wort zu suchen.

4. Nun halte ich mein Handy in der Hand. An was könnte uns ein Handy erinnern? Mein Handy ist schon etwas veraltet. Wenn ich die heißen Maschinen meiner Konfirmanden anschaue, dann kann ich nur vor Neid erblassen. Naja, aber wenn man im Hochgebirge kein Netz hat, nützt einem das beste Handy nichts. Also würde ich bei extremeren Touren zusätzlich eine und mehrere Leuchtstoffraketen mitnehmen.

Wozu? Na klar, dass man auf sich aufmerksam machen kann, wenn man in Not gerät. Man muss also für den Fall der Fälle gerüstet sein. Klug ist der, der sich darauf vorbereitet und dafür einrichtet. Unser tägliches Leben besteht nicht aus einer Aneinanderreihung von Notfällen. Aber ein Ernstfall kann eintreten und dann muss man in der Lage sein, auf sich aufmerksam zu machen.

In Psalm 50,15 sagt Gott:  „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen.“ Das ist eine Aufforderung und ein Versprechen zugleich. Gott hat versprochen, auf unser Gebet zu antworten. Er will uns ja retten. Er will uns ja helfen. Aber Gott wartet auch auf unseren Anruf. Er will, dass wir IHM signalisieren, dass wir von IHM Hilfe erwarten.

Jesus sagt: Seid wachsam und betet. (Matt 26,41) Sowie man ein Notsignal auf eine Bergtour mitnehmen muss, so brauchen wir das Gebet auf unserer Lebensreise. Gebet kann man lernen. Eines Tages kamen die Jünger zu Jesus und sagten zu IHM: (Luk 11,1) Herr lehre uns beten. Die Jünger hatten den Eindruck, dass sie bei Jesus das Gebet lernen können und sie verspürten die Notwendigkeit dazu. Beten kann man lernen – aber anfangen muss man damit. Nehmt darum das Gebet mit auf Eure Lebensreise.

5. Als letzten Gegenstand habe ich mir ein Fernglas eingepackt.

Ist das nicht herrlich, wenn man bei strahlendem Sonnenschein die wunderbare Gebirgsluft und die schönen Aussichten genießen kann. Aber manchmal braucht unser Auge auch Hilfe. Wenn man z.B. in der Ferne Tiere entdeckt, ist es schön, wenn man ein Fernglas zur Hand nehmen und das Wild aus der Nähe betrachten kann.

Aus noch einem Grund würde ich ein Fernglas mitnehmen. Nicht immer geht man in einer Gruppe dicht bei dicht. Ich habe immer die Gewohnheit, viel zu fotografieren. Dabei bleibt man stehen und sucht sich gute Motive. So entsteht aber schnell eine Lücke. Und dann, wenn sich Wege gabeln, beginnt man zu rätseln, welchen Weg die Gruppe genommen hat. So ist es gut, wenn man mit einem Fernglas, die anderen suchen kann.

Es ist darum gut, liebe Konfirmanden, wenn man sich nicht aus den Augen verliert. Gott hat uns in eine Gemeinde hineingestellt. Die Gemeinschaft im Glauben ist für unser Christsein etwas Wichtiges. Verliert die anderen, die mit auf dem Weg sind, nicht aus den Augen.

Wir brauchen die Brüder und Schwestern. Wir brauchen sie, um an unserer Freude Anteil geben zu können – aber auch, um an schweren Tagen jemand zu haben, mit denen man seine Last teilen und gemeinsam zu Gott bringen kann. Wir brauchen immer wieder Ermutigung und Wegweisung, Klärung und Zuspruch. Paulus schreibt darum: Die Gemeinde des lebendigen Gottes ist ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit. (1.Tim 3,15)

So, liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde – nun haben wir unseren Rucksack für die Lebensreise gepackt. Unterschiedliches und Wichtiges wollen wir mitnehmen. Lasst euch dazu einladen und erinnern. Gott hat darauf seine Verheißung gelegt. Folgt allein dem Herrn, eurem Gott, nach und achtet ihn. Gehorcht seinen Geboten und hört auf seine Stimme! Dient ihm und haltet euch an ihn!

Amen

 

 




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