Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Jubelkonfirmation 2013

Liebe Jubelkonfirmanden, liebe Gemeinde!

„Wie wird das Wetter?“ So haben wir uns in den letzten Wochen oft gefragt. Nach  so einem langen und dunklen Winter sehnt man sich nach Wärme und Licht. Es ist Aufgabe der Meteorologen, uns zu sagen, wie das Wetter wird. Wenn ich die heutigen Wettervorhersagen mit den vor 30 – 40 Jahren vergleiche, muss ich sagen, es gelingt ihnen zunehmend  besser und präziser.

Wettervorhersager gab es natürlich schon in Zeiten der Bibel. Ich will Ihnen dazu als Beweis einen Satz aus der Bibel lesen.

Jesus sagt: „Das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten? Lk 12,56

Das ist interessant, was da Jesus sagt. Er bescheinigt den Menschen seiner Zeit, dass sie in der Natur lesen können. Sie konnten schon damals in den Vorgängen am Himmel und in ihrer Umwelt lesen und dies deuten – d.h. es nutzbar machen für ihr Leben. Doch dann stellt Jesus eine interessante Frage: Warum könnt ihr dann nicht die Zeichen der Zeit deuten? Zeichen der Zeit ? – damit meint er das, was da um ihnen herum geschieht.

Was geschieht da jetzt – um uns herum in unserer Welt und was könnte das für unser Leben bedeuten? Merken Sie, dass diese Frage heute immer noch Gültigkeit besitzt? Gerade an solch einem Fest, wie Sie es, liebe Jubelkonfirmanden, heute feiern, taucht diese Frage in abgewandelter Form auf.

Nach 25, 50, 60, 65, 70 und 75 Jahren schaut man wie von selbst zurück und fragt: Was hat sich denn seitdem verändert? Was gab es damals, was es heute nicht mehr gibt? Was ist heute neu in unserem Leben? Wie es geht uns heute?

Fragt man nach den Zeichen der Zeit, dann sucht man automatisch Vergleichspunkte. Und diese Anhaltspunkte können nur in der Vergangenheit liegen. Also kommen wir beim Versuch, unsere Zeit zu verstehen, dort weiter, wo wir nach den Veränderungen fragen. Und darin eingeschlossen ist die Frage; welche Tendenz, welches Gefälle hat das Ganze.

Als Christen haben wir einen weiteren Anhaltspunkt. Nämlich was sagt uns Gottes Wort dazu? Sind wir schon dort, wovon die Propheten, wovon Jesus sprach? Erfüllt sich da um uns etwas von dem, was angesagt und angekündigt ist? Wird das prophetische Wort  mit der Geschichte deckungsgleich (oder umgekehrt) ? 

Ich habe zur Illustration dessen, was ich sagen will, diese Wetterstation mitgebracht. Ich habe sie aus dem Nachlass meiner Eltern ausgekramt und sie als persönliches Erinnerungsstück mitgenommen. Zugegeben, es ist nicht die modernste Wetterstation. Die sehen heute komplizierter aus. Wollte man solch ein Gerät  bei Amazon bestellen, müsste man den hochtrabend klingenden Begriff „analoge Wetterstation“ eingeben. Ich finde diese Wetterstation nicht nur schön, weil sie in der Wohnung meiner Eltern hing – sie funktioniert auch noch heute richtig gut – ohne, dass ich dauernd Batterien wechseln muss - und das Design ist allemal besser als das der heutigen Geräte. Seit jeher waren diese Wetterstationen im Haus beliebt, weil man daran die Wetterentwicklung ablesen kann.

Drei Dinge gehören zu jeder herkömmlichen Wetterstation:

1. Ein Barometer; 2. Thermometer; und 3. ein Hygrometer

Wir waren im Zusammenhang auf die Frage nach den Zeichen der Zeit (unserer Zeit) auf die Wetterstation gekommen. Darum möchte ich einige Fragen nennen, die in dem Zusammenhang wichtig wären.

1. Wie ergeht es uns manchmal?

Dazu könnte uns das Barometer etwas verraten. Den Begriff „Barometer“ führte der irische Naturforscher Robert Boyle (Mitte des 17. Jhdt – so alt wie diese Kirche ist) ein. Er leitet sich vom griechischen βάρος báros „Schwere, Gewicht“ und μετρεῖν metreín „messen“ ab. Man entwickelte damals schon Geräte, die in der Lage waren, den Luftdruck zu messen.

Schon Galileo Galilei und mit ihm andere kamen auf die Idee, dass auch Luft ein Gewicht haben könnte. Und es ist ja auch an dem, wie wir heute wissen. Je höher man in die Berge steigt, desto geringer wird die Luftsäule, die über einem steht. Man könnte also ein Barometer auch als Höhenmesser verwenden.

Es war kein geringerer als Blaise Pascal, der diese Idee in der Wirklichkeit nachwies. Mit einer Quecksilbersäule stieg er auf einen 52 m hohen Kirchturm in Paris. Und siehe da, die Quecksilbersäule nahm mit zunehmender Höhe ab. Je höher man kommt, desto weniger Luft lagert über einem. Heute ist uns das vollkommen klar. Aber man muss erst einmal auf die Idee kommen.

Diese physikalische Erkenntnis macht man sich nun in einem Barometer zu Nutze. Das Barometer  misst den Luftdruck. Man kann daran ablesen, ob in den nächsten Stunden der Luftdruck sinkt oder steigt. Ein fallender Luftdruck weist auf schlechteres Wetter und eventuell Regen hin, weil ein Tiefdruckgebiet im Anmarsch ist. Ein steigender Luftdruck zeigt schönes Wetter an, das quasi schon vor der Tür steht, weil ein Hochdruckgebiet naht.

Manchmal, wenn man wissen will, in welche Richtung die Tendenz geht, kann man nachhelfen. Man klopft an das Glas und sieht wohin der Zeiger ausschlägt. Damit man das genau verfolgen kann, gibt es einen feststellbaren Zeiger, den man über den beweglichen Zeiger stellt, bevor man klopft. Ja und manche brauchen gar keine  Wetterstation, um mitzukriegen, dass das Wetter sich ändert. Sie merken es im Kopf oder in den Knochen.

Was könnte das nun für unser Leben bedeuten? Wir fragen ja nach den Zeichen der Zeit! Hören wir dazu Gottes Wort: Rö 5,3f

Paulus schreibt: Wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung. Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

Kennen wir das nicht auch in unserem Leben, dass es da Zeiten gibt, da geht alles leicht von der Hand. Vieles gelingt einem. Man gleitet beschwingt durch die Tage. Freude breitet sich aus und beherrscht den Tag. Es scheint alles immer besser zu gehen und schöner zu werden. Es geht aufwärts mit einem.

Aber dann kommen auch Zeiten, da geht das Leben schwer. Man hat Mühe, mit den Ereignissen um einen herum fertig zu werden. Manches gelingt nicht mehr so richtig. Man macht sich über vieles Gedanken – oft unnötigerweise. Ängste beschleichen einem. Die Gedanken drehen sich oft - sie finden den Ausgang nicht. Nachts schläft man nicht mehr richtig. Wirre und dunkle Träume übermannen einen im Schlaf. Man muss mit Verlusten fertig werden. Es geht abwärts.

Dem Apostel Paulus mag es ähnlich ergangen sein. Er schreibt von bedrängenden Erlebnissen. Aber er sieht diese Bedrängnisse als Chance. Das ist das wunderbare an diesen Worten! Wenn man die Bedrängnisse im Leben richtig angeht, eröffnen sie einem Zukunft. Fast wie von einer logischen Reihenfolge schreibt er.

Bedrängnisse wollen uns geduldig machen. Wenn man mit Geduld sich selbst und die bedrängenden Dinge annimmt, fängt man an, sich darin zu bewähren.  Bewährt man sich in den Herausforderungen, schöpft man Hoffnung. Man schöpft Hoffnung, dass es da eine Kraft gibt, die uns hilft, die uns wieder aufstehen lässt, die uns vorwärts bewegt. Wir werden von einer größeren Hand getragen und geführt.

Paulus geht dabei von einem Wissen aus, das er durch den Glauben gewonnen hat – nämlich, dass Gott uns liebt und uns die Kraft des Heiligen Geistes schenkt. Wissen wir das auch?

Liebe Jubelkonfirmanden, dieser Heilige Geist ist Euch bei Eurer Konfirmation zugesagt (in Aussicht gestellt) worden. Eine Gemeinde hat damals für Euch und dafür gebetet. Habt ihr Euer Herz dafür geöffnet und offengehalten?

Ich möchte es Euch und uns allen heute wieder neu sagen: Gott hat sich uns in seiner Liebe freundlich zugewandt. Dafür steht Jesus. Und er hat uns ein ganz großes Versprechen gegeben: Er möchte uns das Geschenk seines Heiligen Geistes machen. Wir sollen heute ein Geschenk bekommen. Und wir wissen es: ein Geschenk muss man annehmen und auspacken.

2. Frage: Wie sollen wir (darum) sein?

Hier könnte uns das Thermometer weiterhelfen. Ein Thermometer zeigt die Raumtemperatur an. Da finde ich, hat eine digitale Wetterstation einen leichten Vorteil. Auf ihr kann man nämlich die Außen- und die Innentemperatur ablesen.

Wisst Ihr, dass es noch wichtiger ist, die Innentemperatur unserer Herzen zu kennen? Hört dazu einen Satz aus der Bibel: (Rö 12,11)

Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn.

Hier hören wir etwas von der richtigen Innentemperatur unseres Herzens. Seid brennend im Geist. Der Heilige Geist möchte in uns das Feuer der Liebe Gottes entzünden. Er möchte uns brennend machen für Jesus Christus.

Brennt in Deinem Herzen dieses Feuer für Gott? Es sollte! Es sollte! Wie spüre ich das? Wer ein brennendes Herz hat, den lässt z.B. die Not des Anderen nicht kalt. Wer ein brennendes Herz hat, der ist dankbar für die Liebe Gottes und er fängt an, IHM zu dienen. Wer ein brennendes Herz hat, sucht die Brüder und Schwestern. Ein brennendes Herz führt uns ins Gebet.  Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn.

3. Frage: Worauf kommt es an?

Hier könnte wohl das Hygrometer nützlich werden, uns zu  verraten, was in unserem Leben wichtig ist. Mit einem Hygrometer misst man die Luftfeuchtigkeit.  Ist es in einem Raum zu feucht, fängt es schnell an zu schimmeln. Ist dagegen die Luftfeuchtigkeit zu gering, ist es zu trocken, dann dörrt alles zusammen. Auch eine zu trockene Raumluft verursacht Beschwerden. Die Atemwege werden gereizt  und die Haut trocknet ein und wird spröde. Hören wir  dazu Gottes Wort:

Jes 55,10f „Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.“

Mich begeistert dieser eine lange Satz. Der Regen fällt vom Himmel auf die Erde und versorgt den Samen in der Erde mit Feuchtigkeit. So kann das Samenkorn keimen und wachsen. Schließlich wird gutes Getreide daraus. Das Getreide wird geerntet und zu Mehl gemahlen. Schließlich wird daraus Brot   gebacken – es wird zu unserer Nahrung.

Mit dem Regen vergleicht der Prophet Jesaja das Wort Gottes. Das Wort Gottes sorgt für die richtige Feuchtigkeit. Wenn Gottes Wort in unser Herz fällt, wird dort die Frucht des Glaubens wachsen.  Eine Bibel, die nur im Bücherregal herumsteht, lässt uns im Glauben vertrocknen. Aber eine Bibel, die wir lesen, oder das Wort Gottes, das wir hören, das sorgt für Leben.

Ich lade Euch darum ein – setzt euch diesem Wort Gottes aus. Lest die Bibel, hört Gottes Wort. Es wird nicht wieder leer zu Gott zurückkommen, sondern wird tun, was IHM gefällt, und ihm wird gelingen, wozu Gott es sendet.“

Wir haben gefragt:

Wie ergeht es uns manchmal?

Wie sollen wir  sein?

Worauf kommt es an?

Von Blaise Pascal, von dem wir hörten und der bei der Erfindung des Barometers eine Rolle spielte, ist ein geflügeltes Wort überliefert: Alle guten Grundsätze sind in der Welt vorhanden, man braucht sie nur anzuwenden. Und das wünsche ich uns, dass wir das anwenden, was uns Gottes Wort sagt.

Denn – und das hat uns auch Pascal hinterlassen: Im Herzen eines jeden Menschen befindet sich ein von Gott geschaffenes Vakuum, das durch nichts Erschaffenes erfüllt werden kann als allein durch Gott, den Schöpfer, so wie er sich in Christus offenbart.

 

 Amen

 




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