Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Kirchweih 2013


Text: Jesus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

 

Liebe Gemeinde!

 

Für diese Predigt möchte ich gedanklich das Glasfernster, das sich jetzt an der Südseite im Kirchenschiff befindet, in den Blickpunkt rücken. Damit wir es wenigstes in Kleinformat vor uns haben, sollte möglichst jeder jetzt die Fotographie in seinen Händen halten. Dazu hören wir das Jesuswort: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Das ist wohl das Thema dieses Bildes.

Dieses Glasfenster hat einen Weg in unserer Kirche zurückgelegt. Ursprünglich wurde es für unseren Altar geschaffen. Als Ende des 19. Jahrhunderts die Nordwand unserer Kirche aufgebrochen und eine Apsis angebaut wurde, verschob man den Altar nach hinten.

In diesem Zusammenhang ersetzte man die beiden ursprünglichen Bilder unseres Altares (die Kreuzigungsszene und die Opferung Isaaks durch zwei Glasbilder. Grund dafür waren wohl die Lichtverhältnisse. Heute wird der Altar durch die Leuchten im Altarraum erhellt. Damals gab es noch kein elektrisches Licht und die Bilder waren im Dunkel.

Das Glasbild mit dem Thema der Opferung Isaaks befindet sich heute in der Sakristei. Der einladende Christus wurde im ehemaligen Haupteingang unserer Kirche platziert.

Damit hat der Altar wieder seine ursprüngliche Aussage zurückerhalten, denn warum sollten die Engel über die Einladung Jesu trauern? Die Engelwelt nahm trauernden Anteil am Leiden und Sterben Jesus, wie es auf dem Gemälde dargestellt ist. Nun sehen wir den einladenden Christus im einstigen Haupteingang. Das ist auch geistlich stimmig, denn die Einladung Jesu: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. ist der Zugang zu dem, was Gott uns schenken will.

Das Christusfenster wurde 1897 von der Firma Schulze und Stockinger aus Leipzig geschaffen. Josef Stockinger war ein Glasmaler aus Österreich und siedelte um 1888 aufgrund eines Auftrages an der Thomaskirche nach Leipzig über. Wir ließen im vergangenen Jahr das Glasfenster von der Firma Gauser in Thalheim restaurieren. Dabei besagten die Untersuchungen zunächst, dass Fehlstellen nachretuschiert werden müssen.

Aber dann stellte sich heraus, das die Flecken eine andere Ursache hatten. Um das Glasbild dem Gemälde anzugleichen bestrich man es mit einer Firnisschicht. Diese Schutzschicht ist bei Gemälden üblich – aber für Glasbilder ungewöhnlich. Und so haben wir heute nach dem Abtragen der Firnisschicht die Originalfarben  des Glasfensters vor uns und die vermeintlichen Fehlstellen waren weg.

Nun zum Inhalt unseres Glasfensters. Wir sehen vor uns den einladenden Christus unter dem Thema aus Matt 11,28: Jesus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Dabei wollen wir in zwei Richtungen fragen: 1. Wer ist der Einladende und 2. Wer sind die Eingeladenen?

Zum 1: Wer ist der Einladende?

Vielleicht nehmt ihr euch irgendwann einmal bei guten Lichtverhältnissen ein paar Augenblicke Zeit, direkt vor diesem Fenster zu stehen, um es zu betrachten. Bei dem kleinen Bild, das wir vor uns haben, entgeht uns der wirkliche Eindruck.

A: Das erste, was mich beim Betrachten dieses Bildes beeindruck ist, das dieser Jesus auf dem Glasfenster mich anschaut. Wo immer ich stehe – Er schaut mich an. Er schaut nicht nur auf mich – er schaut mich an.

Das ist noch einmal etwas anderes. Schon das ist - in die geistliche Realität umgesprochen - gut zu wissen: Er kennt mich und hat ein Augen auf mich. Er schaut auf mich, wo immer ich bin. Ob das eine Notsituation ist, ob das ein fröhlicher Anlass ist, ob das eine Trauersituation ist, ob das eine Prüfung ist – immer schaut er auf mich. Ob ich von IHM weglaufe, oder ob ich mich besinne und zu IHM umkehre: Immer hat er mich im Blick.

Aber nun schaut ER mich auch an. Es wir noch persönlicher und kommunikativer! Wenn Er mich anschaut, dann sucht er auch meinen Blick. Er will, dass ich Seinen Blick erwidere. Aus dem ersten flüchtigen Blickkontakt soll ein gegenseitiges Wahrnehmen werden.

Ich habe dieses Beispiel schon einmal erzählt. Als der Pfarrer von Ars – einer der großen Heiligen – einen schlichten Bauern in seiner Kirche in Ars stundenlang dasitzen sah, innerlich konzentriert und gespannt und wach – fragte er ihn, was er denn da mache. Und er bekam von diesem Mann der Scholle zur Antwort: Ich schaue IHN an und ER schaut mich an.

Welch eine Antwort! Besser und schlichter kann man nicht das Gebet umschreiben: Ich schaue IHN an und ER schaut mich an. Dazu lädt uns dieses Glasfenster ein: Jesus anzuschauen – IHN wahrzunehmen – auf IHN zu achten – IHN zu entdecken - und dann auch, wenn es zum Blickkontakt gekommen ist: Auf IHN zu hören und mit IHM zu sprechen.

B: Des Weiteren entdecke ich auf unseren Fenster, das der Christus dort nicht starr stehenbleibt sondern einen Schritt geht. Auch das ist eine geistliche Realität! Er geht einen Schritt auf mich zu. Immer geht er den ersten Schritt auf mich zu.

Wenn wir etwas verbockt haben, ist es ja schwer, wieder einen ersten Schritt auf den anderen zuzugehen. Aber Er macht es uns vor und er hilft uns dabei.

Manchmal sind wir froh und auch ein wenig stolz dabei, wenn wir es endlich geschafft haben, unser Leben in die Hände Jesu zu legen. Manche verkünden sogar hochmütig: Ich habe mich bekehrt. Aber dabei lag es eigentlich nicht wirklich an uns. Die Voraussetzungen hat er geschaffen. Er war zuerst da. Er ist zuerst einen Schritt auf mich zugegangen. Seine Gnade war vorauseilend.

Er kommt den ersten Schritt auf mich zu – wo immer ich auch bin. Ob ich enttäuscht bin, oder in Ablehnung und Rebellion – oder suchend, fragend, nach Hilfe rufend. Er kennt dein Herz. Und er geht einen Schritt auf dich zu und streckt dir seine Hände entgegen. Damit sind wir beim nächsten Gedanken.

C: Wir sehen auf dem Glasfenster den einladenden Herrn. Er steckt uns seine beiden Hände entgegen und sagt:  Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. So ist er. So ist ER wirklich.

Er lädt uns zu sich ein – wohlwissend, das sich unsere Probleme bei IHM beginnen, sich zu lösen / wohlwissend, das sich unser Leben bei IHM beginnt zu erfüllen / wohl wissend, das sich unsere Freude bei IHM vertieft  / wohlwissend, das sich unsere schwankende Nachfolge bei IHM stabilisiert.

Zu IHM - zu IHM selbst sind wir eingeladen – zu dem Sohn Gottes. Nicht zur Kirche, nicht zu einer Idee, nicht zu einer Lehre – zu seiner Person – zu Jesus, dem Messias. Geben wir uns doch den Ruck und kommen zu IHM – in seine Arme.

So wie wir sind dürfen wir kommen. Es gibt keinerlei Vorbedingungen. Es gibt nur die Einladung: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Und wir werden spüren, dass Er uns so annimmt, wie wir sind -  und uns nicht so lässt, wie wir sind.

Eingeladen sind die Mühseligen. Das Wort mühselig kommt aus dem altgermanischen und das wiederum hängt mit der indogermanischen Wurzel moo zusammen: sich anstrengen, sich mühen. Angesprochen sind diejenigen, die ermüdet sind, die sich geplagt haben, die in Anstrengung leben.

Luther hat das Verb κoπιάω (kopiàoo) mit mühselig übersetzt.  Im Griechischen ist damit einer gemeint, der bei einer anstrengenden Arbeit müde geworden ist. Wieviele haben für das Reich Gottes ihre ganze Kraft eingesetzt und sind dabei müde geworden. Wieviele unter uns sind durch die Anstrengungen der tagtäglichen Aufgaben ermüdet.

Genau die sind angesprochen, die sagen: Ich weiß nicht mehr wie es weitergehen soll – ich habe keine Kraft mehr. Jesus sagt:

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Und gemeint sind die Beladenen – alle, die eine Last mit sich herumschleppen, die Bedrückten, die Belasteten. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

2. Wer nun sind die Eingeladenen?

Ein Stück weit wurden sie schon angesprochen. Aber der Schöpfer unseres Glasfensters hat dieses „alle“ noch mehr konkretisiert.

A: zunächst sehen wir links im Arm einer Mutter  ein kleines Baby und rechts unten eine sterbende Frau. Damit ist der ganze Spannungsbogen unseres irdischen Lebens angesprochen. Alle sind von Jesus eingeladen – das heißt jeder in jeder Situation und Lebenslage. Die Kinder, wie die Jugendlichen, sowie diejenigen, die sich auf Höhe ihre Kraft und Jahre befinden und auch die, deren Leben brüchig wird und wankend und die auch, die ihrem Ende nahe gekommen sind.

B: Und dann schauen wir zuerst auf die Mutter mit dem Kind in ihrem Arm.  Damals – zurzeit Jesu war das gar nicht so selbstverständlich. Kinder galten als Noch-Nicht-Menschen. Kinder wurden nicht für voll oder ernst genommen. Aber für Jesus galt auch ihnen seine ganze Zuwendung. Er sagt ausdrücklich: Lasset die Kinder und wehret ihnen nicht, zu mir zu kommen; denn solchen gehört das Himmelreich. Matt 19,14

Nehmen wir das doch ganz ernst. Bringen wir unsere Kinder zu Jesus – jeden Tag – im Gebet. Und leben wir ihnen den Glauben vor. Und erzählen wir ihnen vom Reich Gottes. Und schärfen wir ihnen das Wort Gottes ein. Und segnen wir sie täglich im Namen Jesu. Das ist das Beste, was wir ihnen tun können.

C: Unser Blick wandert weiter zu dem Mädchen mit der Kopfbinde. Es ist verletzt. Es hat die Hände gefaltet und schaut auf zu Jesu. Es erinnert an die Kranken. Jesus hat sich oft und immer wieder und besonders intensiv um die Kranken gekümmert. Er lädt die Kranken ein zu sich. Den Kranken streckt seine heilenden Hände entgegen.  Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn. Jak 5,14

D: Nun betrachten wir den Jungen mit dem Holzstab und dem blauen Beutel über der Schulter. Er schaut unverwandt auf zu Jesus. Überhaupt gibt es auf diesem Bild viele, die aufschauen zu Jesus. Wir hören dahinter die Einladung: Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens. Heb 12,2

So schnell gibt es in unserem Leben Dinge, die unseren Blick und dann unsere innere Ausrichtung und unsere Konzentration nach unten lenken und dann nach unten ziehen und dann unser Wesen erfassen und bestimmen. Wir beginnen zu zweifeln, wir sehen plötzlich die Dinge  nur von der Seite der Enttäuschung her und werden nicht mehr froh.

Der Junge macht uns eine andere Haltung vor. Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens.

Wenn wir auf IHN schauen, wenn wir den Herrn vor Augen haben, beginnt das Vertrauen zu IHM zu wachsen, denn Er hat die Macht. So wird er hier dargestellt.

Jesus hat den roten, purpurnen Mantel, den Königsmantel um. Er ist der König aller König. Ich darf auf Jesus, den König schauen. Er hat die Macht. Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens.

E: Jetzt betrachten wir das Mädchen aus der linken Fünfergruppe, das sich an Jesus schmiegt. Es sucht bei Jesus Geborgenheit. Seine Nähe bringt Geborgenheit. Distanz und Ferne von Jesus bringen Unruhe, Kälte, Angst und Unsicherheit. Seine Nähe bringt Geborgenheit.

Der Prophet Jeremia hat einmal sein Volk aufgefordert und gesagt: Kommt und tretet vor Gott in diesem Hause, das nach meinem Namen genannt ist, und sprecht: Wir sind geborgen. Jer 7,10

Und Jesus hat den Menschen seiner Zeit gesagt: Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flüge. Matt 23,37 Das ist ein wunderbares Bild der Geborgenheit. Er ruft uns zu sich und will uns seine Nähe, seine Wärme, seine Liebe und seine Geborgenheit schenken. Lernt von mir;  - sagt Jesus - denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

Bei Jesus finden wir Ruhe für unsere Seele. Haben wir in unserer aufgewühlten und aufwühlenden Zeit das nicht alle nötig – IHN - seine Nähe und seine Gegenwart? Jesus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

F: In unserer Betrachtung gehen wir weiter zu jener Frau, die mit einem blauen Tuch ihr Angesicht verhüllt. Sie kann Jesus nicht anschauen. Sie schämt sich.

Sie erinnert an die Sünderin, die von hinten zu Jesus tritt, weint und anfängt, seine Füße mit Tränen zu benetzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und die seine Füße küsste und sie mit Salböl salbte.  Matt 7,38. Zu ihr sagt Jesus: Deine Sünden sind dir vergeben. Dein Glaube hat dir geholfen; geh hin in Frieden! Matt 7,48 + 50

Gerade mit unsere Sünde dürfen wir zu Jesus kommen. Er ist der Heilige Gottes. So wird er hier dargestellt – mit dem weisen Gewand – mit dem Kleid der Reinheit.

Wer zu IHM kommt erlebt Reinheit. Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. 1.Joh 1,9 Er vergibt uns. Er reinigt uns – weil Er die Reinheit in Person ist.

G: Schließlich sehen wir rechts unten einen Mann, der seine sterbende Frau in den Armen hält. Bei Jesus gibt es auch für die Sterbenden eine Hoffnung. Johannes, der Seher der Offenbarung hört eine Stimme aus dem Himmel sagen: Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an. Offb 14,13

Auch über die Sterbenden breitet er seine Hände aus. Auch die Sterbenden ruft er zu sich und bringt den Trauernden Trost und Hoffnung.

Wir sehen Jesus auf unserem Glasfenster als den Heiligen Gottes. Er trägt den Strahlenkranz. Die Jünger wurden einmal von Jesus gefragt. Wohin wollt ihr denn? Wollt ihr auch von mit weggehen? Und da antwortete Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes. Joh 6,68

Ja zu diesem Jesus sind wir eingeladen – zu dem Heiligen Gottes. Er sagt: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. 

 

Amen

 




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