Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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2. Sonntag nach Trinitatis / Einweihung der Holzreliefs auf dem Spielplatz

Predigttext: Matt 24,37-39 + 42           

37 Denn wie es in den Tagen Noahs war, so wird auch sein das Kommen des Menschensohns. 38 Denn wie sie waren in den Tagen vor der Sintflut – sie aßen, sie tranken, sie heirateten und ließen sich heiraten bis an den Tag, an dem Noah in die Arche hineinging; 39 und sie beachteten es nicht, bis die Sintflut kam und raffte sie alle dahin –, so wird es auch sein beim Kommen des Menschensohns. 42 Darum wachet; denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.

 

Liebe Gemeinde!

 

Wir weihen heute die neuen Holzreliefs auf unserem Spielplatz ein. Zunächst einmal sollen sie ein Stück das Thema des Spielplatzes erklären. Viele unserer Zeitgenossen kennen die biblischen Geschichten nicht mehr.

Was ein Schiff im Erzgebirge soll, hat ja schon Fragen aufgeworfen. Auch die große Gestalt mit der Taube auf der Hand ließ manchen Zeitgenossen rätseln. So sollen die 7 Holzreliefs ein Stück die biblische Geschichte von der Flut und der Arche und dem Gehorsam Noahs erzählen.

Und anhand dieser Reliefs wiederum kann man die biblische Geschichte nacherzählen. Wir sind Friedhelm Schelter außerordentlich dankbar für die eindrucksvolle Gestaltung dieses Themas.

Zu der rückblickenden Erinnerung kommt jedoch ein zweite, eine vorausschauende, ermahnende Erinnerung hinzu. Diese 7 Holzreliefs wollen uns auch an die Wiederkunft Jesu erinnern. Jesus selbst hat die Geschichte Noahs als erklärendes Beispiel für sein Kommen verwendet. Er hat die Zeit, die seinem Kommen vorausgeht, mit der Zeit Noahs verglichen. Es wird sein, wie in den Tagen Noahs, wenn Er sich anschickt, wieder zu kommen. Denn wie es in den Tagen Noahs war, so wird auch sein das Kommen des Menschensohns.

Nehmen wir an, Noah würde in unseren Tagen leben – was würde er erleben? Was würde ihm widerfahren? Wie würde es ihm ergehen? Gedanklich wollen wir jetzt Noah begleiten.

1. Noah kommt zum Bauern. „Es wird Regen kommen“ - sagt er ihm. „Viel Regen – eine richtige Flut wird sein. Du musst für Deine Rettung sorgen. Die Flut wird so gewaltig sein, dass sie alles bisherige übersteigt. Gott hat beschlossen, ein Gericht über die Erde zu halten. Das Böse und Schlechte und Gottlose hat so überhandgenommen, dass ein Gericht sein muss. Gott hat mir aufgetragen ein Schiff zu bauen. Und in diesem Schiff werden die gerettet werden, die sich haben rufen und einladen lassen. Ich lade Dich ein, baue mit an diesem Schiff. Komm mit in dieses Schiff.“

Da entgegnet ihm der Bauer: „Das ist aber freundlich von Dir, dass Du mir die Unwetterwarnung weitersagst.“ So ist das ja meistens auch bei uns – wir hören nur das, was wir hören wollen. Als Jesus von seinem Tod am Kreuz und von seiner Auferstehung sprach, haben die Jünger auch nur den ersten Teil vernommen. Als Noah vom Flutgericht und von der Rettung sprach, hörte der Bauer auch nur den Teil, der ihn am meisten interessierte und vordergründig nützte.

„So, so, Regen wird kommen. Da muss ich ja machen, dass das Heu von den Feldern kommt. Danke, Noah, für den Tipp“. Das war die erste Wettervorhersage in der Geschichte der Menschheit.

„Nein, nein, mein Freund“ sagt Noah „die Sache wird ernst. Dein Heu und dein Vieh wirst du dann nicht mehr brauchen. Wir brauchen nur ein Bruchteil davon. Gott hat gesagt – ich soll von jeder Tierart ein männliches und ein weibliches Tier mit in die Arche nehmen. Von den reinen Tieren je 7 Paare und von den  unreinen Tieren je ein Pärchen. Ich brauche also von Dir 7 Kühe und 7 Stiere und 1 Paar von den Schweinen. Und wenn möglich das nötige Futter dazu.“

Da war der Bauer ganz entrüstet. „Also nein, Noah. Von mir kannst Du nichts bekommen. Und außerdem, was redest Du da für einen Quatsch. Nach jedem Regen lacht wieder die Sonne. Das war mei Tog schie su.“

Das war mei Tog schie su“ – dieser Satz ging dem Noah nach. Der Bauer muss ein Erzgebirger gewesen sein. „Recht hat er“ – dachte Noah bei sich. „Das meiste in unserem Leben wiederholt sich. Wir sind es gewohnt. Wir wohnen darin. Das es aber plötzlich einmal ganz, ganz anders kommen könnte, damit rechnen die meisten nicht. Aber zu mir hat Gott gesprochen – ich vertraue ihm mehr als den Gewohnheiten. Bei IHM will ich wohnen - in meinen Gewohnheiten kann ich nicht für immer wohnen. Es wird sein wie in den Tagen Noahs. Und sie beachteten das Reden Gottes es nicht. Darum wachet; denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.

2. Die nächste Adresse, die Noah ansteuert ist die Uni. Er war eingeladen worden. Wenn einer außergewöhnliche Dinge sagt, interessieren sich die Professoren gerne aus erster Hand. Der Professor stellt den Noah vor. Ein bisschen verloren steht der einfache Mann davorn am Katheder. Der Professor sagt. Hier stelle ich euch Herrn Dr. Noah vor. Er hat einen interessanten Vortrag ausgearbeitet. Wir wollen hinterher darüber diskutieren.

Die Studenten – 2. Semester im Schiffsbau spitzen die Ohren. Sie sind gierig, Neues zu hören.

Noah beginnt zu reden: „Gott hat zu mir eines Tages gesprochen. Ich war gerade dabei, meine Stille Zeit zu halten.“ Die Studenten horchen auf. „Interessant, interessant, dass es so etwas noch gibt. Da hört einer Stimmen und meint, sie seien von Gott. Also nein, wir glauben was die Wissenschaft sagt. Also das Wort „glauben“ haben sie nicht verwendet. Sie denken: Wir sind überzeugt von dem, was die exakte Wissenschaft entdeckt hat.

Aber (in Klammern gesagt): Die Wissenschaft verbreitet mehr an Glauben, als es ihr lieb ist. Man müsste mal eine Untersuchung starten mit dem Thema: „Die Änderung der Überzeugung der Wissenschaft in den letzten 100 Jahren“. Man glaubt gar nicht wie schnell sich die neusten Erkenntnisse verändern und sich widersprechen. Und jedes mal haben die Leute 100%ig darauf vertraut. Man glaubt es eben, weil es die Wissenschaft sagt. Die muss es ja wissen.

Also nun zurück zu unseren Studenten. Einige beginnen schon mit der gedanklichen Einordnung. In welches Schubfach gehört denn nun dieser Noah: Religion 21. Jhdt? – Mystik? – Pietismus? – Charismatiker? 

„Dann hören sie wieder hin: „Gott hat gesagt: eine Flut kommt über die ganze Erde, wie es bisher noch keine gab.“ Die Studenten schreiben: „Gott hat gesagt: eine Flut kommt über die ganze Erde, wie es bisher noch keine gab.“

Noah fährt fort: „Gott sieht keine andere Möglichkeit. Das Böse hat überhandgenommen. Gott will die retten, die sich retten lassen. Für diese Rettungsaktion soll ein Schiff dienen.“ Die Studenten schreiben: „… dazu soll ein Schiff dienen“.

Einige wittern schon ein Thema für die nächste Seminararbeit - z.B. „Konstruktion eines hochtauglichen Schiffes für viele, viele Tiere und ein paar Menschen. 

Aber dann werden sie enttäuscht, als sie hören wie Noah sagte: „Gott hat mir die Konstruktionspläne für dieses Schiff gezeigt. 300 Ellen lang, 50 Ellen breit, 30 Ellen hoch.“ Einige beginnen zu rechnen: Setzt man die Elle mit nur 44,5 cm an (einige meinen, die alte Elle sei eher 56 cm oder 61 cm gewesen), dann wäre die Arche 133,5 m lang, 22,3 m breit und 13,4 m hoch gewesen.

Naja, denkt da ein Student bei sich: „Dieses Wasserfahrzeug wäre fast halb so lang wie der Ozeandampfer Queen Elizabeth II. Das Schiff hätte ein Bruttoraumgehalt von fast 40 000 m3 und hätte somit schätzungsweise die gleiche Wasserverdrängung wie der 269 m lange Ozeanriese des 20. Jahrhunderts, die Titanic. Kein Frachtschiff der alten Zeit hätte einem Vergleich mit der gewaltigen Größe der Arche auch nur annähernd standgehalten. Die Arche hat, da sie von innen durch zwei zusätzliche Böden verstärkt war, drei Decks und verfügte dadurch über eine Bodenfläche von ungefähr 8 900 m2.

Vieles Interessante sagt Noah noch. Dann war der Vortrag zu Ende und es beginnt die Diskussion. Es wird ordentlich geredet. Der Professor schaltet sich in die Diskussion ein. „Herr Dr. Noah, Sie haben da etwas Interessantes geäußert. Eine Flut soll kommen. Welch ein interessanter Mythos. Eine Flut taucht ja schon im Codex Hammurabi auf. König von Sumer und Akkad.

gestorben 1750 v. Chr. - 6. König der ersten Dynastie von Babylonien. In seinem Gesetzestext heißt es:  Gesetzt auf einem Manne, lastet eine Zinsverpflichtung und der Wettergott hat sein Feld überschwemmt oder eine Flut hat es weggerissen, .., so wird er in diesem Jahre seinem Gläubiger kein Getreide abliefern; er … wird für dieses Jahr keine Zinsen geben.

„Ja noch interessanter“ – der Professor gerät in Rasche – im Gilgamesch-Epos wird das, was sie sagen, genauso beschrieben. Schon die Sumer wussten von einer Flut. Im Gilgamesch-Epos baute Ziusudra ein Boot, mit welchem er, und Angehörige und ausgewählte Tiere die Flutkatastrophe überlebten.

Wollten Sie, Herr Dr. Noah, davon zu uns sprechen? Gehe ich recht in der Annahme, dass sie uns auf das Wissen der alten Völker um eine verheerende Flut aufmerksam machen wollten?

Sie haben ähnliche Gedanken geäußert – Sie, Herr Dr. Noah, haben Sie nur noch verschärft.

Unser Noah ist platt. Was kann man nicht alles aus Worten heraushören. Er dachte, er hätte sein Anliegen klar, einfach und deutlich vorgetragen. Ihm schwirren die Gedanken. Was kann man nicht alles zerreden.

Er beginnt stockend zu reden: „Ich wollte keine interessanten Dinge sagen. Dr. bin ich auch nicht. Ich bin ein einfacher Mann. Es ist nur so: Gott hat zu mir gesprochen. Ich soll in seinem Auftrag vor der Flut warnen. Gott hält Gericht. Das ist beschlossen. Aber das Eigentliche: es geht ihm um Rettung!“

Ist die biblische Botschaft nicht einfach, klar und deutlich?

Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Joh 3,16f

Alle, die an Jesus Christus glauben, sollen gerettet werden. Ruft den Namen Jesus an. Denn wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden. Röm 10,13

Häng Dein Leben an den Mann am Kreuz, denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir gerettet werden, ist's eine Gotteskraft.

Ein vorwitziger Student hebt die Hand und sagt: „Also Herr Noah – so persönlich wollten wir es nicht wissen. Wir leben in einer modernen, pluralistischen Welt. Jeder muss sich frei entscheiden dürfen. Niemand darf anderen vorschreiben, was er zu machen hat. Sie machen Druck auf die Menschen. Sie erzeugen Angst. Solchen Fundamentalismus sollte man verbieten.“

Noah war ganz verstört und betroffen sagte er: „Ich wollte niemand kränken. Warnen wollte ich und sollte ich. Gott hat zu mir gesprochen. Ich sage nur das weiter, was Gott mir gesagt hat.“

Und dann machten die Studenten den Noah fertig. Es drehte ihm im Kopf, als er die Uni verließ. In seinem Herzen hielt er sich - wie an einem Strohhalm - an einem Wort der Bibel fest – wo der Herr sagt: „Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat.“ Lk 10,16

Es wird sein wie in den Tagen Noahs. Und sie beachteten das Reden Gottes  nicht. Darum wachet; denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.

3. Aber er hatte an diesem Tag noch nicht Feierabend. Er hatte für heute noch einen Termin. Morgen hatte er sich einen Politiker, die Schule und Hoppe vorgenommen. Nun hatte eine Audienz beim Bischof bekommen. Mit klopfenden Herzen trägt er sein Anliegen vor. Er kam mit der Erwartung, dass er beim Bischof auf offene Ohren stößt.

„Gott schickt mich. Gott sprach zu mir. Die Gerechtigkeit ist verloren gegangen. Gott sucht auf Erden die Gerechtigkeit.“ Im 2. Petrus-Brief (2,5) wird Noah „der Prediger der Gerechtigkeit“ genannt. „Gott kann sie unter den Menschen nicht mehr finden. Darum muss ein Gericht kommen. Die Gnade Gottes kann nur noch im Gericht die Gerechtigkeit bringen. Eine Flut soll kommen – und es wird nur an einer einzigen Stelle Rettung geben. Gott will durch uns – durch dich und durch mich – einen Raum der Rettung schaffen. Gott nannte diesen Raum die Arche. Bischof, rufe du mit mir die Menschen in dieses Schiff.“

Der Bischof hatte schon vieles gehört – so etwas noch nicht. Geduldig hatte er sich alles angehört. Nun sprach er freundlich zu Noah: „Ja Noah, die Kirche hat eine Verantwortung für die Welt. Wir sind Kirche in der Welt und für die Welt. Jeder sagt die frohe Botschaft auf seine Weise.“ 

Und im Stillen hat er gedacht: „Solche Extreme gibt es immer wieder einmal. Es wird nicht lange dauern, dann hört man nichts mehr davon. Meine Aufgabe ist es, solche Stimmen einzubinden – oder wenn es gar nicht mehr anders geht, sie zum Schweigen zu bringen.“

„Lieber Noah“ sagt der Bischof „wir sollten miteinander im Dialog bleiben. Ich schlage einen Gesprächsprozess vor.“

„Aber Bischof, es bleibt nicht mehr viel Zeit. Wir müssen zur Rettung rufen – es wird sonst ein „zu spät“ geben. Das Kommen des Herrn ist nahe.“

Sagt nicht die Schrift: „Trachte zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit – und alles andere wird Gott euch zufallen lassen.“ Nur durch die Gerechtigkeit Gottes wird Gerechtigkeit unter den Menschen – aber nicht umgekehrt. Die menschliche Gerechtigkeit schafft nicht die Gerechtigkeit Gottes. Nur in Jesus finden wir die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Nur am Kreuz von Golgatha sind sich Güte und Treue einander begegnet und haben sich Gerechtigkeit und Friede einander geküsst; Ps 85,11

Es wird sein wie in den Tagen Noahs. Und sie beachteten das Reden Gottes nicht. Darum wachet; denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.

Wie kann man wach und bereit sein für die Wiederkunft unseres Herrn? Ein Besucher einer Schule fiel in einem Klassenzimmer auf, das hier besonders viel Unordnung herrscht. Und er machte den Kindern einen Vorschlag. Er sagte: „Ich werde zurückkommen und dem Kind eine schöne Belohnung geben, das den saubersten Tisch hat.“

Da meldete sich ein kleines Mädchen und sagte: „Ich werde den Preis bekommen.“ Die ganze Klasse lachte, denn das Mädchen war das Unordentlichste der ganzen Klasse.

„Wie will dir das gelingen?“ fragte der Lehrer.

„Ich werde jeden Montag meinen Tisch rein machen“, sagte die kesse Biene.

„Und was wird geschehen, wenn der Besucher am Freitag kommt. Ich fürchte dann wird dein Tisch unsauber sein.“

„Ja, das ist wahr“, gab die kleine Madame zur Antwort. „Nun dann werde ich jeden Morgen alles sauber machen.“

„Und was ist, wenn er um drei Uhr am Nachmittag kommt?“

„Du hast recht, ich sehe, dass es nur eine Antwort gibt: Ich muss meinen Tisch einfach immer sauber halten.“

Um bereit zu sein für die Wiederkunft Jesu brauchen wir ein reines Herz. Und ein reines Herz haben wir, wenn wir unsere Sünden immer wieder Jesus hinlegen – und zwar sofort. Wir wissen nicht, an welchen Tag oder zu welcher Stunde Jesus wiederkommen wird; wir wissen aber auch keinen Tag und keine Stunde, da er nicht kommen könnte.

Wenn er heute Abend käme – wie würde er dich finden. Ist dein Herz mit Bitterkeit erfüllt – mit Kritikgeist? Hast du deinen Feinden vergeben?

Es wird sein wie in den Tagen Noahs. Darum wachet; denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.

 

Amen

 


 




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