Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen
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Predigt zum 1. Weihnachtsfeiertag

Predigttext;

1 Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch! Darum kennt uns die Welt nicht; denn sie kennt ihn nicht.

2 Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen aber: wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.

3 Und ein jeder, der solche Hoffnung auf ihn hat, der reinigt sich, wie auch jener rein ist.

4 Wer Sünde tut, der tut auch Unrecht, und die Sünde ist das Unrecht.

5 Und ihr wisst, dass er erschienen ist, damit er die Sünden wegnehme, und bin ihm ist keine Sünde.

6 Wer in ihm bleibt, der sündigt nicht; wer sündigt, der hat ihn nicht gesehen und nicht erkannt.

 

Liebe Gemeinde!

 

Unser PT beginnt mit einer Aufforderung: „Seht!“ Der Apostel Johannes will unseren Blick lenken und schärfen. Uns sollen die Augen geöffnet werden. Uns sollen die Augen aufgehen und übergehen.

Lassen wir uns dazu an den staunenden Blick der Kinder erinnern. Wenn Weihnachten naht, werden die kleinen Kinderherzen immer aufgeregter und ihr Blick immer neugieriger und ihre Augen immer größer.

Mit erwartungsvollen Augen schauen sie einen an, wenn man von Weihnachten und den Geschenken spricht. Stimmungsvoll spiegeln sich die Kerzen der Pyramiden in ihren Augen. Staunend sehen sie einen an, wenn man sich Zeit nimmt und ihnen Geschichten erzählt. Die größten Stauner sind wohl die Kinder. Besonders für die Kleinsten ist noch alles ein Abenteuer, alles ist aufregend und überall sind Wunder zu entdecken.

Der persische Mystiker Rumi riet den Menschen: “Verkauf deine Klugheit und beschaff dir Staunen.” Wir hören aus diesem Zitat, dass das Staunen nicht den Kindern vorenthalten bleiben soll. In der Philosophie, heißt es schon seit der Antike, dass der Mensch mit dem Staunen beginnen soll. Und das meint vor allem, mit dem Staunen über Dinge, die alle anderen für selbstverständlich halten. Aristoteles sagte: „Staunen veranlasst zuerst wie noch heute die Menschen zum Philosophieren.“

Und können wir uns nicht auch noch an den ersten Blick auf ein neugeborenes Kind erinnern? Wie es daliegt, atmet, sich bewegt. So klein und zart. Eben geboren – und doch voller Leben. Man staunt, wie alles bereits funktioniert. Alles ist angelegt. Alles ist da. Ein Wunder der Schöpfung.

Das Staunen führt zum Entdecken und zum Danken. Wohl dem, der noch staunen kann und das Staunen nicht verlernt. Nein, nein, die Welt ist nicht bis ins Letzte erklärt oder erklärbar. Das Staunen eröffnet neue Dimensionen.

Staunen kommt aus dem Schweizerischen und bedeutet „träumend vor sich hinstarren“. Wenn man staunt, ist es, als ob die Welt einen klitzekleinen Augenblick stillsteht und man die Chance bekommt, wie in einem Traum neue Wirklichkeiten zu entdecken.

Werden nicht Maria und Josef das neugeborene Kind staunend angeschaut haben? Vergessen war alles innere Ringen, die zum „Ja“ zu diesem Kind führten. Das Wunder neuen Lebens kam zu ihnen.

Staunend kamen die Hirten zur Krippe. Hatten sie geträumt? War es Wahrheit, was ihnen der Engel gesagt hatte? Nun sahen sie es – nein IHN. Ihr Staunen hatte zur Entdeckung geführt.

Und werden nicht die Weisen aus dem Morgenland nach dem langen Weg staunend niedergekniet sein. Das Staunen hatte sie das wochenlange Abenteuer wagen lassen. Nun waren sie am Ziel. Sie beteten das Kind an. Anbetung kommt aus dem Staunen.

Der Apostel Johannes lädt uns ein zum Blick des Staunens.

Wir haben verschiede Hilfsmittel erfunden, um besser sehen zu können – sie sollen uns heute helfen, das Weihnachtsgeschehen in verschiedenen Dimensionen in den Blick zu bekommen.

1. Das Mikroskop - Blick in die Tiefe.

2. Das Fernglas - Blick in die Weite.

3. Die Brille - Blick auf das, was uns umgibt.

Zum 1. Das Mikroskop - Blick in die Tiefe.

Mit dem Mikroskop schaut man in die Tiefe der Schöpfung.

Das Kleine, die Grundlagen unserer Welt kommen so in den Blick.

Das Wort Mikroskop kommt aus dem griechischen und setzt sich aus zwei Wörten zusammen: mikrós „klein“; skopeín „betrachten“. Das Kleine betrachten.

Wer das Kleine betrachtet, dem gehen die Grundlagen und die Zusammenhänge auf.

Zwischen 1590 und 1595 entwickelten die Brillenschleifer oder Linsenmacher Hans und Zacharias Janssen aus den Niederlanden das erste Mikroskop, in dem sie zwei oder mehr Glaslinsen hintereinander positionierten und so Objekte beobachten konnten, die man mit dem natürlichen Auge nicht wahrnehmen kann.

Ein Mikroskop verwendet man, wenn man Dinge betrachten will, deren Größe unterhalb des Auflösungsvermögens des menschlichen Auges liegt. Inzwischen entwickelten Forscher weitere Arten von Mikroskopen – z.B. neben dem Lichtmikroskop, das Elektronenmikroskope oder das Rastersondenmikroskop.

Immer kleiner werden die Objekte, die man so sichtbar nachweisen kann. Die Sache läuft meistens so: Wissenschaftler stellen Theorien auf, die besagen: nach den und den Beobachtungen muss es diese und jene Grundbausteine geben. Und irgendwann entwickeln Forscher die technische Möglichkeit, dies dann auch nachzuweisen.

Es ist also etwas da, was man nicht mit dem Vermögen des menschlichen Auges sehen und betrachten kann. Es gibt viel mehr, als das, was wir sehen.

Da lag das kleine Jesuskind in der Krippe. Was haben die Hirten in diesem kleinen Kind sehen dürfen? Der Engel sprach zu ihnen über die große Freude, die dem Volk Israel wiederfahren wird denn – so wörtlich: „Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“ Luk 2,11

Heiland / Retter, Christus / Messias, Kyrios / der Herr – das waren alles elektrisierende Begriffe. Die Juden warteten doch auf den Messias, den Retter, den Herrn.

Die Theologen können sich schwer vorstellen, dass ein Engel so etwas sagt / oder überhaupt kommt und etwas sagt und so legen sie die Worte der frühen Christenheit in den Mund. Aber was, wenn das wirklich so geschah? Gibt es eine übernatürliche Welt, für die man sensibel werden muss?

Ist es nicht an uns, das zu tun, was Maria tat? Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen. Luk 2,19 Das tut nämlich der Glaube. Der Glaube behält die Worte Gottes im Herzen und bewegt sie hin und her – bis sie sich einem erschließen.

Durch den Glauben sehen wir tiefer. Der Glaube funktioniert wie ein Mikroskop. Er lässt uns in die unsichtbare Welt schauen. Johannes schreibt: Wer von neuem geboren ist, kann das Reich Gottes sehen. Joh 3,3 Noch vieles andere haben die Akteure der Weihnachtsgeschichte in dem Jesuskind entdecken dürfen – lesen sie es nach!

Was ruft uns heute der Apostel Johannes zu? Was sollen wir sehen lernen: Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch!

Das entdeckt der Glaube – durch Jesus bin ich ein Kind Gottes. Das Kind in der Krippe ist die Basis dafür, dass ich ein Kind Gottes werde. Ist die Liebe des Vaters nicht wunderbar? Seht, welch eine Liebe!

Zu 2. Das Fernglas - Blick in die Weite.

Mit einem Fernglas schaut man in die Ferne. Man holt sozusagen das, was weit weg ist, optisch heran.

Das Wort Fernrohr ist eine wörtliche Eindeutschung des lateinischen Tubus telescopius „Fern-seh-Röhre“.

Man schaut also mit einem Rohr in die Ferne. Das geht deshalb, weil man in diesem Rohr verschiedene Linsen in einem bestimmten Abstand und mit einem bestimmten Schliff positioniert hat.

Wieder waren die Holländer führend. Das Fernrohr wurde von dem holländischen Brillenmacher Hans Lipperhey um 1608 erfunden und in der Folgezeit von dem Physiker und Mathematiker Galileo Galilei weiterentwickelt.

Die Welt schaute also zuerst in die Tiefe und dann in die Ferne. Zuerst wurde das Mikroskop und dann das Fernrohr erfunden. Vielleicht haben sich die Forscher damals gesagt: Was im Blick auf das winzig-kleine funktioniert, dass muss auch für das Weitentfernte gehen.

Die Entwicklung leistungsfähiger Fernrohre spielte in der Geschichte der Astronomie eine wichtige Rolle. Erstaunlich, wie weit heute die Wissenschaftler in das Universum blicken können.

Aber auch im normalen Leben auf der Erde spielt das Fernrohr oder Fernglas eine Rolle. Die Jäger beobachten damit das Wild – um nur ein Beispiel zu nennen. Mit einem Fernrohr kann man Gefahren auf sich zukommen sehen. Das Weitentfernte, das auf uns zukommende, gerät so in den Blick. Aber auch Schönes und Beglückendes kann einem der Blick in die Ferne offenbaren.

Auch dem Apostel Johannes geht es so. Durch das Fernglas des Glaubens sieht er in die Weite und Ferne und sieht etwas ganz wunderbares. Er schreibt: „Seht - meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen aber: wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“

Zwei ganz großartige Dinge werden hier für die Zukunft erkannt: Wir werden Jesus gleich sein und Ihn sehen wie er ist.

Welchen Jesus werden wir gleich sein? Nicht den irdischen Jesus – den gibt es nicht mehr. Jesus ist auferstanden und verherrlicht. Dem werden wir gleich sein - dem Christus in Herrlichkeit. Und IHN werden wir sehen. IHN wird die Welt sehen, wenn er wiederkommt.

Vor einem großen Mietshaus spielen die Kinder auf der Straße. Sie kommen beim Spiel auf die Frage, wer von den Kindern aus seiner Wohnung am weitesten sehen kann. Der Junge aus dem ersten Stock meint, er könne weit über die Felder und Wiesen sehen.

Das Mädchen aus dem zweiten Stock behauptet, es könne in der Ferne den Deich vor dem Meer erkennen. Der Junge aus dem dritten Stock erklärt, er sehe bis aufs Meer und könne die Schiffe am Horizont erkennen.

Die kleine Tochter des Hausmeisters steht still dabei. Da fragen die Kinder sie lachend: „Und wie weit kannst du aus eurer Kellerwohnung sehen?“ Da antwortet die Kleine vorsichtig: „Mein Bett steht ganz nah am Fenster, und wenn es abends dunkel wird, kann ich die Sterne sehen.“

Jeder möchte hoch hinaus und weit kommen. Der eine will den anderen überholen und übertreffen. Aber oft kann man aus der Tiefe des Leides, aus den Kellerwohnungen des Lebens bis zu den hellen Lichtern Gottes, bis zu seinen wunderbaren Verheißungen und Tröstungen sehen. Wer Gottes Liebe mit den Augen des Glaubens schaut, der kann am weitesten sehen, nach oben und nach vorn.

Was sahen die Akteure der Weihnachtsgeschichte? Die Waisen aus dem Morgenlande sahen nach oben in die Sterne – und sahen so weit voraus. Am Hofe des Herodes sagten sie: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.“

Sie sahen den Stern des Königs aller Könige. Das ließ sie aufbrechen, das brachte sie nach vorn. Wer durch den Glauben den Kommenden Herrn in den Blick bekommt, der geht vorwärts.

Der Vater von Corrie ten Boom sagte, als er von der Gestapo in das KZ abgeholt wurde, weil er Juden versteckt hatte: „Nun kommt das Beste!“ Das sagte er, weil er von der großen Hoffnung auf den Himmel wusste. Er war nicht auf den Himmel vertröstet, sondern vom Himmel, von Gott getröstet.

Ist das nicht etwas wunderbares, dass wir durch den Glauben einen Blick für den Himmel bekommen? Das entdeckt der Glaube: „Es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen aber: wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“

Fast könnte man meinen, der Apostel Johannes sei unter die Schwärmer geraten. Aber das folgende zeigt, dass er sehr bodenständig geblieben ist.

Zum 3. Die Brille - Blick auf das, was uns umgibt.

Fast jeder hat heute eine Brille.

Bei Wikipedia habe ich gelesen: Die Bezeichnung „Brille“ leitet sich vom spätmittelhochdeutschen Wort berille ab. Dieses wiederum wird zurückgeführt auf das Mineral Beryll.

Um 1300 fertigte man Linsen aus geschliffenen Halbedelsteinen. Der Name des Schmucksteins Beryll wurde im Mittelalter als Oberbegriff für alle klaren Kristalle verwendet, auch wenn sie aus anderem Material wie z. B. Bergkristall bestanden.

Die Brille erinnert uns daran, dass wir einen Blick für die Nöte der Welt, für die uns ständig umgebende Sünde und für das bekommen, was uns hindern will das Ziel zu erreichen.

Der Apostel Johanne schärft uns ein: „Und ein jeder, der solche Hoffnung auf ihn hat, der reinigt sich, wie auch jener rein ist.

Wer Sünde tut, der tut auch Unrecht, und die Sünde ist das Unrecht. Und ihr wisst, dass er erschienen ist, damit er die Sünden wegnehme, und in ihm ist keine Sünde.“

Schauen wir wieder zu den Akteuren der Weihnachtsgeschichte. Maria und Josef bekamen sozusagen die Brille des Glaubens geschenkt. „Da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir's sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen.

Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Hosea 11,1): »Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.«“

Gott machte ihre Ohren sensibel. Durch ein prophetisches Wort erkannten sie die nahende Gefahr und konnten so reagieren.

Ist das nicht wunderbar, dass Gott uns durch den Glauben soviel entdecken lässt?

Der Glaube lässt uns in die Tiefe blicken. Er lässt uns die Grundlage des Glaubens ist sehen - Das Werk Gottes – Es ist geschehen – es ist vollbracht.

Der Glaube lässt uns in die Ferne schauen. Das Weitentfernte, das auf uns Zukommende bekommen wir so in den Fokus. Wir werden IHM gleich sein und Jesus in der Herrlichkeit Gottes schauen.

Der Glaube schenkt uns einen Blick der Hoffnung, einen Blick für die Wiederkunft Jesu und meine Ewigkeit.

Der Glaube nimmt das, was uns umgibt klarer und schärfer wahr. Wir bekommen so einen Blick für die Nöte der Welt, für die Gefahr der Sünde und das, was uns hindern will das Ziel zu erreichen.

Und bei allem steht Jesus im Brennpunkt. Brennpunkt ist jener besondere Punkt, in dem sich die Strahlen schneiden. In Jesus kommt alles zusammen. In Vers 5 lesen wir den wahren Grund für Weihnachten. Wisst ihr was der wahre Grund seines Kommens war? Und ihr wisst, dass er erschienen ist, damit er die Sünden wegnehme, und in ihm ist keine Sünde.

Das Wort wegnehmen kann man auch mit „hochheben, oder dauernd auf sich heben und wegtragen.“ übersetzen. Das erledigt Jesus mit unserer Sünde. Er ist gekommen, dass er meine / unserer Schuld für immer erledigt – und das Wunder dabei ist und bleibt: Dass in IHM – in JESUS- keine Sünde mehr ist und bleibt. Er nimmt in seiner Person unsere Trennung von Gott hinweg. Da kann man nur staunen und anbeten.

 

Amen

 

 




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